Tagelang brennen bereits Wälder in Tschechien, der Sächsischen Schweiz und Südbrandenburg – noch immer kämpfen Einsatzkräfte gegen die Flammen und hoffen weiter auf angekündigten Regen. Verbraucherschützer fordern derweil einen preiswerten Nachfolger des populären 9-Euro-Tickets und in der Ukraine wird weiterhin angespannt auf ein Anlaufen dringend benötigter Ausfuhren von Getreide gewartet. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, den 29. Juli 2022, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Waldbrände: Behörden sprechen Feuerwerksverbot aus

Seit mehreren Tagen bekämpfen Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz einen Brand im Elbsandsteingebirge. Auch an der sächsisch-brandenburgischen Grenze wüten die Flammen unerbittlich. Anhaltende Trockenheit, Wind und die schwierige Topographie erschweren die Löscharbeiten massiv. Die Behörden haben mittlerweile mit einem Verbot von Feuerwerken im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auf die Katastrophe reagiert.

In der Sächsischen Schweiz waren mit Stand Freitagnachmittag etwa 400 Kräfte im Einsatz, um dem Feuer Herr zu werden. Die betroffene Fläche wurde durch Satellitendaten von geschätzten 250 Hektar auf 150 Hektar nach unten korrigiert – dennoch bleibt die Situation angespannt. Neben Hubschraubern sind auch Wasserwerfer und ein Boot im Dauereinsatz gegen das Inferno.

Kretschmer bricht Urlaub ab – Hilfe vom Bund und Hoffnung auf Regen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) hat wegen der aktuellen Lage seinen Urlaub abgebrochen und will sich laut Medienberichten noch am Freitag gemeinsam mit seinem Parteifreund und Innenminister Armin Schuster (61) vor Ort ein Bild der Lage machen.

Zudem soll Sachsen nach Rücksprache der Staatsregierung auch Hilfe vom Bund bekommen – dies kündigte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (52, SPD) an. Derzeit sind rund 40 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr zur Unterstützung vor Ort.

Die realistische Hoffnung auf dringend benötigten Regen ist immerhin nicht vom Tisch – doch erst ab dem frühen Samstag könnte das Nass von oben in Sachsen und Brandenburg laut Wetterbericht Entspannung bringen.

9-Euro-Ticket: Wie wird es ab September weitergehen?

Ein Ende der Waldbrände wird herbeigesehnt – beim 9-Euro-Ticket ist das hingegen nicht der Fall. In vier Wochen soll das durch den Bund finanzierte Modell, das die äußerst preisgünstige Nutzung des ÖPNV in ganz Deutschland erlaubt, nach drei Monaten Geschichte sein. Bus, Tram und Regionalzüge würden dann mit einem Schlag wieder deutlich teurer.

Für Verbraucherschützer ein Unding: Nun wurde eine Fortsetzung in Form eines 29-Euro-Tickets ab September 2022 ins Spiel gebracht. Die hohen Verkaufszahlen bewiesen den Erfolg des Modells, das umwelt- und klimafreundliche Mobilität ermöglicht, sagte die Vorsitzende der Verbraucherzentrale des Bundesverbandes, Ramona Pop.

Wie wird es also weitergehen? Fest steht: Die bisher bekannten Erhebungen zeigen, dass das 9-Euro-Ticket allein im Juni von etwa 31 Millionen Menschen erworben wurde, PKW-Verkehr und Staus gingen zurück, gerade Geringverdiener wurden finanziell deutlich entlastet.

Die Kehrseite des preiswerten Fahrscheins waren freilich heillos überfüllte Regionalbahnen, Gedränge an Bahnsteigen, Stress und entnervte Kurzurlauber, gerade zu Stoßzeiten wie Pfingsten.

Wissing lehnt pauschale Verlängerung ab

Trotz dieser Nachteile bewertet Bundesverkehrsminister Volker Wissing (52, FDP) den Versuch als vollen Erfolg, hat aber einer pauschalen Verlängerung des Modells bereits eine Abfuhr erteilt und sieht die Länder statt den Bund in der Pflicht, was die Finanzierung angeht.

Immerhin: Ein wie auch immer gestalteter Nachfolger des Billigtickets ist derzeit nicht ausgeschlossen – und da die Tür nun einmal geöffnet wurde, dürfte der Druck von Verkehrsverbänden und Verbraucherzentralen auf die Politik eher zu- als abnehmen. Es bleibt spannend.

Zwischen Hoffnung und Misstrauen: Kann die Ukraine endlich ihr Getreide exportieren?

20 Millionen Tonnen – das ist die offiziell angegebene Menge an Getreide aus der Vorjahresernte, das derzeit in der Ukraine auf den so dringend ersehnten Export wartet. Millionen Menschen vor allem in Nahost und Afrika sind für ihr tägliches Brot darauf angewiesen. Doch mit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 wurden auch die Ausfuhren über das Schwarze Meer blockiert.

Nach einem unter türkischer Vermittlung geschlossenen Abkommen zwischen Moskau und Kiew soll der Export nun endlich von drei ukrainischen Häfen aus anlaufen. Bislang hapert es vor allem noch, weil der genaue Transportkorridor der Frachtschiffe durch das teilweise verminte Gebiet noch nicht endgültig festgelegt ist. Hinzu kommt das massive Misstrauen, ob Russland unter Langzeitpräsident Wladimir Putin (69) sich tatsächlich an die Abmachung halten wird.

Dennoch bleibt das erklärte Ziel, dass die Ausfuhren bald wieder das Vorkriegsniveau von 5 Millionen Tonnen pro Monat erreichen sollen.

Die neue Print-LZ ist da, Stadiongeburtstag und fieser Telefonbetrug

Worüber die LZ heute berichtet hat: Nr. 104 der Printausgabe unserer Zeitung ist druckfrisch erschienen – Ralf Julke stellt die Themen vor! Außerdem: Wir berichten über die kommenden Feierlichkeiten zum 100sten Geburtstag des Bruno-Plache-Stadions in Probstheida, warnen vor einer sehr perfiden Betrugsmasche am Telefon und schreiben über eine Kooperation der Stadt Leipzig mit Plauen sowie Chemnitz. Wieder einmal geht es auch um den Dauerbrenner Wilhelm-Leuschner-Platz, die Enthüllung einer neuen Gedenktafel und eine Kunstausstellung, die in diesem Sommer Mut machen soll.

Ukrainisches Gericht senkt Strafmaß für Kriegsverbrecher, Klage gegen Gendersprache abgewiesen und Außenministerin auf schwieriger Tour

Was sonst noch wichtig war: Ein ukrainisches Gericht hat das Strafmaß für einen russischen Kriegsverbrecher von lebenslanger Haft auf 15 Jahre herabgesetzt. Angeklagt war ein junger Soldat, der sich der Erschießung eines unbewaffneten Ukrainers (62) zu Kriegsbeginn schuldig bekannt hatte. Der Pflichtverteidiger des Verurteilten hatte argumentiert, das Strafmaß in erster Instanz sei unter hohem öffentlichen Druck zustande gekommen.

Geradezu grotesk wirkt dagegen die Frage, mit der sich ein deutsches Gericht befassen musste: Das Landgericht Ingolstadt hat die Klage eines Mannes gegen die Nutzung geschlechtsspezifischer Sprache in der Audi AG abgewiesen.

Schwierige Gratwanderung für Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (41, Grüne), die derzeit auf ihrer Auslandstour in den massiven Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei zu vermitteln versucht.

Proteste gegen Flugafenausbau angekündigt

Was am Wochenende wichtig wird: Das Aktionsbündnis „Transform LEJ“ hat Aktionen und Proteste gegen den Leipziger Fughafenausbau angekündigt.

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