Eine Serie von Fahrzeugbränden im Südwesten sorgte Mitte 2025 für Aufregung. Besonders erschüttert das Feuer an einem Camper, dessen schlafender Bewohner sich glücklicherweise rechtzeitig retten konnte. Unter anderem wegen versuchten Mordes steht seit Montag, dem 2. Februar, ein mutmaßlicher Täter vor dem Landgericht. Über seinen Anwalt wies der 34-Jährige jedoch seine Täterschaft zurück.

Es geht unter anderem um versuchten Mord, vorsätzliche und besonders schwere Brandstiftung sowie gefährliche Körperverletzung: Mit dieser Palette an Vorwürfen sieht sich Martin K. (34, Name geändert) konfrontiert.

Anklage wirft neun Tatkomplexe vor

Die Anklagebehörde warf dem zeitweise arbeits- und wohnsitzlosen Mann am Montagmorgen im Landgericht vor, zwischen dem 14. und 20. Juni 2025 in insgesamt neun Fällen an Fahrzeugen gezündelt zu haben. Sämtliche Tatorte lagen rund um die Antonienstraße im Bereich Leipzig-Schleußig beziehungsweise am Volkspark Kleinzschocher.

Die unheimliche Serie an Feuern begann laut Anklageschrift am 14. Juni: Gegen 02:00 Uhr morgens brannte zunächst ein Mercedes am Volkspark Kleinzschocher komplett aus. Wenig später, etwa 03:40 Uhr, schlug der Täter in der Oeserstraße zu, wo ein der Seitenspiegel eines VW Multivan entzündet wurde. Kurz darauf traf es den Seitenspiegel eines VW Touran am Volkspark.

Schlafender aus Wohnwagen bemerkte Rauch rechtzeitig

Gegen 04:00 Uhr schließlich soll es abermals Martin K. gewesen sein, der mittels offener Flamme den Dichtungsring eines Wohnanhängers in Brand gesteckt habe, der auf dem Parkplatz am Volkspark Kleinzschocher abgestellt war. Ein 36 Jahre alter Mann, der zum Tatzeitpunkt in dem Camper schlief, wachte durch die Rauchentwicklung auf und löschte den Brand, bevor er größeren Schaden anrichten konnte.

Die Anklage wirft dem Tatverdächtigen daher auch versuchten Mord sowie besonders schwere Brandstiftung mit Todesfolge vor: „Der Angeklagte wollte, dass der Wohnwagen vollständig in Brand gerät“, so der Staatsanwalt. Den Tod eines Menschen habe Martin K. billigend in Kauf genommen, er habe damit rechnen können, dass eine Person in dem Wohnwagen nächtigt. Der Geschädigte wurde nach Gerichtsangaben durch die Rauchentwicklung nur leicht beeinträchtigt.

Ermittler gehen von fünf Taten in kürzester Zeit aus

Der mutmaßliche Feuerteufel blieb für die Ermittler zunächst noch ein Phantom – auch kurz nach dem Wohnwagenbrand: Noch am Morgen des 14. Juni soll Martin K. seine fünfte Tat innerhalb weniger Stunden begangen haben, indem er eine Altpapiertonne in der Pistorisstraße in Brand setzte. Die Flammen zogen hier auch den Straßenbelag, geparkte Autos in der Nähe und einen Stromverteiler in Mitleidenschaft.

Die Strafkammer verhandelt voraussichtlich bis Ende März. Foto: Lucas Böhme
Die Strafkammer verhandelt voraussichtlich bis Ende März. Foto: Lucas Böhme

Nach weiteren Vorfällen in den Folgetagen war Martin K. in der Nacht zum 20. Juni 2025 gefasst worden. Vorausgegangen war laut Polizei ein Brandstiftungsversuch an einem VW Caddy in der Antonienstraße, hier wurde das Feuer jedoch verhältnismäßig rasch gelöscht.

Verteidiger: Mandant war nur zur falschen Zeit am falschen Ort

Ist der Angeklagte nun auch der Täter? Martin K. will sich schweigend verteidigen, also im Prozess nichts zu den Vorwürfen sagen. Vorab habe er sich aber so geäußert, dass er mit dem Feuern nichts zu tun habe, so Rechtsanwalt Jürgen Kohlen: „Mir hat er gesagt, er hat die Taten nicht begangen.“ Sein Mandant sei zum Zeitpunkt, als die Polizei ihn ergriff, schlicht am falschen Ort gewesen. „Es wird sich im Rahmen der Verhandlung die Unschuld erweisen lassen.“

Zu seinem persönlichen Hintergrund dagegen gab der Angeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt, auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Johann Jagenlauf einige Details preis: Er stamme aus einem familiär schwierigen Umfeld, wo Vernachlässigung, Armut, Alkohol, Handgreiflichkeiten und Gewalt eine Rolle gespielt hätten, so der 34-Jährige.

Schon als Teenie sei er lebensbedrohlich erkrankt, mit 17 in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie gelandet. Er kämpfe bis heute mit Alkoholproblemen und Depressionen: „Das zieht sich durch mein Leben, dass ich es nicht schaffe, richtig Fuß zu fassen.“

Zum Prozessauftakt am Montag wurden dann auch erste Zeugen vernommen, darunter Polizeibeamte sowie ein Lkw-Fahrer, der die Brände beobachtete. Die Kammer hat derzeit bis Ende März zur Klärung acht weitere Verhandlungstage angesetzt.

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