Verschwörungsideologische Bewegung in Leipzig wächst: Organisierter Gegenprotest ab Montag

Für alle LeserIn Leipzig demonstrierten am Samstag, den 9. Mai, erneut mehrere hundert Menschen gegen eine „Corona-Diktatur“ und angebliche Verschwörungen von Politik, Medien und „Finanzelite“. Weil sich immer mehr Rechtsradikale diesen Kundgebungen anschließen, möchte das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ab Montag gegen die Corona-Demos protestieren.

Gegner/-innen der Corona-Maßnahmen haben sich am Samstag, den 9. Mai, erneut bei einer verschwörungsideologischen Kundgebung versammelt. Auf dem Nikolaikirchhof waren etwa 250 Personen – deutlich mehr als vor einer Woche. Gegenprotest fand nicht statt.

Die erste Rednerin erklärte, dass man weder links noch rechts sei, sich eine friedliche Zukunft wünsche und für die weiteren Redebeiträge auf der Kundgebung keine Verantwortung übernehme. Die Rednerin selbst behauptete, dass Deutschland seit acht Wochen eine „Corona-Diktatur“ sei und es zu Beginn der Krise eine „Propagandaaktion“ der Medien gegeben habe.

Ähnlich hatte sich in den vergangenen Tagen ein anderes Mitglied des Orgateams im Telegram-Kanal der mittlerweile „Bewegung Leipzig“ genannten Initiative geäußert. Eine mögliche Impfpflicht bezeichnete er dort als „Faschismus“ und die Zeitungen würden erst jetzt „beginnen, die Wahrheit zu schreiben“. Woraus folgt, dass sie aus seiner Sicht bislang gelogen haben. Im Duktus von Legida und ähnlichen Gruppen schrieb er zudem: „Die Menschen wachen auf!“

Masken als Teil eines geheimen Planes

Die Rednerin auf der heutigen Kundgebung behauptete zudem, dass die Politik mit der Maskenpflicht Angst und Misstrauen in der Bevölkerung verbreiten wolle. Für den Schutz vor dem Coronavirus seien sie hingegen wirkungslos. Hierzu ist festzuhalten: Zwar bieten normale Alltagsmasken jenen, die sie tragen, keinen Schutz – aber sie können unter Umständen andere schützen, weil sie einen Teil der Virentröpfchen abhalten. Schutz entsteht also dadurch, dass alle Masken tragen.

In weiteren Redebeiträgen tauchten bekannte Stichworte wie „Finanzelite“ und „Bill Gates“ auf. Auch der Ausruf „Wir sind das Volk“ und Verweise auf die „Friedliche Revolution“ waren mehrmals zu hören – in diesem Punkt ähnelte die heutige Kundgebung ebenfalls den Legida-Demonstrationen, wo man sich im Widerstand gegen eine „Merkel-Diktatur“ sah. Ein Redner sprach heute von einem „Systemwechsel“, der stattfinden müsse.

Neben der in einer Rede erwähnten „Finanzelite“ fanden sich in einem anderen Beitrag weitere Aussagen mit antisemitischen Denkmustern. Dort war vom „Volk“ die Rede, das „Werte“ und „Leistung schaffe“ – im unausgesprochenen Gegensatz zum „raffenden Finanzkapital“. Auf die Frage „Was schafft Politik?“ antworteten die Versammlungsteilnehmer/-innen: „Nichts!“

Immer mehr Rechtsradikale dabei

Das Spektrum der Teilnehmenden war erneut breit gestreut – allerdings zeigt sich ein immer stärkerer Zulauf von erkennbar Rechtsradikalen, darunter „Reichsbürger“, die im Gespräch mit anderen Anwesenden behaupteten, dass Deutschland eine Firma sei. Zudem gab es auf mitgebrachten Gegenständen verschiedene Verweise auf Verschwörungstheorien.

Die Teilnehmenden standen dicht gedrängt und überwiegend ohne Gesichtsbedeckung nebeneinander. Von der Versammlungsleitung kamen – offenbar auf Wunsch des Ordnungsamtes – drei Aufforderungen, dies zu ändern. Die Anwesenden reagierten zunächst gar nicht, dann mit Buh-Rufen und Pfiffen. Ordnungsamt und Polizei wiederum reagierten nicht auf die Missachtung der Durchsagen.

In den kommenden Tagen sind weitere Versammlungen geplant. Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ kündigte heute an: „Ab Montag gibt es Widerspruch auf der Straße.“

Kritiker/-innen der Corona-Maßnahmen stoßen in Leipzig auf immer mehr Widerstand + Video

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