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Liveticker (2): „Querdenken läuft nicht“ in Leipzig + Videozusammenschnitt & Bilder des Tages

Von Michael Freitag (Text), René Loch, Tilly Domian, Sabine Eicker und Tobias Möritz (Foto, Video)
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    Nun ist zusammen, was zusammengehört. Auf dem Richard-Wagner-Platz haben sich rund 800 „Querdenker“ eingefunden (es waren weniger, siehe Anm. d. Red.), nachdem sie fast zwei Stunden im Stop-and-Go durch die Leipziger Innenstadt marodiert sind. Ihre bisherige Versammlung auf dem Augustusplatz war an der Goethestraße an einer Polizeikette gescheitert, als sie dort entlang zum Leipziger Ring wollten. Nun sind sie bei Ex-NPD-Kader Volker Beiser und seiner „Bürgerbewegung Leipzig“ zu Gast. An gleicher Stelle hatte am 26.10.2021 erst der Rechtsextremist und JN-Bundesvorsitzender Paul Rzehaczek eine Rede gehalten.

    7. November 2021, 11:20 Uhr: Der Videozusammenschnitt

    Der 6. November 2021 in Leipzig. Video: LZ

    22:55 Uhr: Die Bilder des Tages

    21 Uhr: Eine abseitige Geschichte, 300 im Kessel und ein erstes Fazit

    Wir haben ja schon viel erlebt, aber diese Form der Ignoranz ist durchaus einmalig und so wohl nur unter eingefleischten „Querdenkern“ normal. Aufgrund eines Bildes mit dem Weihnachtsbaum auf dem Leipziger Marktplatz im Rahmen unserer heutigen Liveberichterstattung, schallte es uns auf Twitter querdenkerisch entgegen: Dies könne ja gar nicht sein, das Bild ganz sicher von vor einem Jahr und was wir für ein „fake journalism“ sind, die alten Bilder zu benutzen.

    Und außerdem sollten wir mal vor Ort nachschauen, dass die heutige Demo ganz anders war, als in unseren Videos und Berichten – so in einer zweiten Mitteilung gegenüber Journalistinnen, die heute den ganzen Tag vor Ort waren.

    Warum genau wir einen alten Weihnachtsbaum hätten in einen Livebericht einbauen sollen, blieb unklar. Was uns doch traurig machte, vor allem für den Baum muss hier eine Richtigstellung sein. Denn dieser, verleugnet und weggeredet, steht seit dem 4. November 2021 auf dem Leipziger Marktplatz. In diesem Jahr kam er aus Nerchau und wurde vor zwei Tagen bereits für den kommenden Weihnachtsmarkt aufgestellt. Sagt die Stadt Leipzig zu unserem Foto vom 6. November.

    Echte „Querdenker“ sind eben Blitzmerker erster Güte, manchmal nur eben ein paar Tage später. Dann sind wir ja vielleicht auch wieder „ein lesen wert“?

    Noch immer stehen übrigens die letzten Teilnehmer/-innen des wilden (vorab untersagten) Demozuges durch die Leipziger Innenstadt im polizeilichen Kessel und warten auf ihre Personalienaufnahme. Damit die Bußgeldbescheide auch alle korrekt ankommen, wollen die Beamten nun die Adressen haben.

    Etwa 300 Personen – noch unklar, wozu gehörend – befinden sich zudem zur Stunde noch in der Polizeimaßnahme, wie ein Polizeisprecher LZ bestätigte.

    Über den Ring sind die „Querdenker“ also heute nicht erneut gelaufen, brutal genug haben sie es versucht, doch dieses Mal scheiterten sie an der eigenen mangelnden Masse und der Polizei. Der Gegenprotest begleitete sie durch die gesamte Innenstadt, die sie stattdessen zumindest ein wenig durchqueren konnten.

    Brutalste Diktatur: den Ausweis zeigen müssen und die Adresse der Polizei angeben. Foto: LZ
    Brutalste Diktatur: den Ausweis zeigen müssen und die Adresse der Polizei angeben. Foto: LZ

    Für einen gehörigen Teil von ihnen endete der Weg in einem Polizeikessel am Galeria Kaufhof, wo sie bislang etwa zwei Stunden zum Stehen und Frieren kamen. Dem Gegenprotest von „Leipzig nimmt Platz“ konnte hingegen kaum kalt werden: Der war heute ständig auf Achse.

    Hätte die Polizei nicht eingegriffen, wäre wohl für noch mehr „Querdenker“ der Weg zum Wagnerplatz versperrt gewesen. Am Markt kam es vor gut zwei Stunden zu einer kurzen Fast-Auseinandersetzung, welche eine Einsatzeinheit verhinderte.

    Wenn nun nicht noch etwas Gravierendes geschehen sollte, lassen wir die Finger und Füße ab hier etwas ausruhen und beenden den Ticker auch im zweiten Teil mit diesem Beitrag.

    Wir danken für die Aufmerksamkeit und das freundliche Mit-Lesen, verteilen und kommentieren auch am heutigen Tage wieder.

    Eure Sabine, Maren, Tilly, Tobias, René und der Michael

    Ein Abschiedsgruß auf dem Wagnerplatz & ein Kessel am Galeria

    20:15 Uhr: Getrennt zusammen dem Ende entgegen

    Skurrile Bilder auf dem Wagnerplatz. Während einerseits die „Bürgerbewegung Leipzig“ (BBL) ihr Programm mit Reden vor den etwa 70 bis 80 üblichen Verdächtigen durchzieht, haben sich daneben Personen der „Bewegung Leipzig“ postiert, die „Frieden, Freiheit“ rufen und zu den mitgebrachten Trommeln tanzen. Da man so die Redebeiträge gar nicht mehr versteht, was vielleicht auch besser ist, kommt einem die Szenerie so eher wie eine psychedelische Tranceveranstaltung vor.

    Wie also geahnt: Politischer wird es heute nicht mehr, während andere „Querdenker“, die noch immer an der Grimmaischen Straße stehen, einer nach dem anderen ihre Ausweise vorzeigen sollen und dabei singen.

    Statt wie erwartet gemeinsam zu demonstrieren, versammelt man sich also auf dem Wagner eher so nebeneinander her, während der große Gang um den Ring ein immer ferneres Vorhaben wird.

    20:17 Uhr hat auch die „Bürgerbewegung Leipzig“ bei Wind und zunehmender Kälte ihre Versammlung beendet. Nun, so die LZ-Reporter/-innen vor Ort, könnte es noch einmal heikel werden. Rechte „Querdenker“, die sich in der Stadt verteilt bewegen und Linke, die nun vom Wagnerplatz kommen, könnten noch immer aufeinandertreffen.

    Die Polizei bewegt sich bereits wieder verstärkt in der Leipziger Innenstadt.

    Hinweis d. Red.: Die Zahl von fast 800 Teilnehmerinnen auf Seiten der „Querdenker“ war in der Dunkelheit deutlich zu hoch gegriffen. Nach Sichtung der Videos kann man von maximal 300 auf dem Richard-Wagner-Platz ausgehen.

    Wilde Tänze auf dem Wagnerplatz und jede Menge Polizei

    Video: LZ

    19:30 Uhr: Endlich vereint, doch so mancher fehlt

    Den damaligen Versuch der rechten „Bürgerbewegung Leipzig“ über den Ring zu ziehen, hatten rund 500 Antifaschisten vor zwei Wochen durch mehrere Sitzblockaden verhindert. Heute hat die Polizei das Heft des Handelns weitgehend in der Hand und von sich aus aufgrund der seit gestern geltenden Corona-Schutzverordnung so weit wie möglich Demonstrationen, also Aufzüge, verhindert.Wenn auch mit zweifelhaftem Erfolg – denn letztlich zogen die „Querdenker“ doch durchs Leipziger Zentrum.

    Nun stehen sie auf dem Richard-Wagner-Platz herum und harren der Dinge, die da kommen. Es erklingt das Lied „Oh, wie ist das schön …“. Politischer wird’s heute eventuell auch nicht mehr.

    In der Innenstadt hat die Polizei derweil eine große Menge „Querdenker“ in einem Polizeikessel und prüft nun von allen die Personalien. Da sie gemeinsam gegen die Auflage verstoßen haben, keinen Marsch zu veranstalten, drohen allen Bußgelder in noch unbekannter Höhe.

    Impressionen vom Wagnerplatz ab 19 Uhr

    Video: LZ

    Zum Liveticker Teil 1 in der Zeit ab 13:30 Uhr bis 19:30 Uhr auf L-IZ.de

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      5 KOMMENTARE

      1. In Leipzig waren am Sonnabend, den 06.11.2021, wieder mal sog. Querdenker und Corona-Leugner unterwegs. Die Berichterstattung in den Medien wird leider von diesen Gruppen beherrscht.
        Dabei sind die „Normal-denkenden“ Mitmenschen und die geimpften Menschen eigendlich zum Glück in der Überzahl. Aber Sie sind nicht lautstark und bringen keine sehenswerten Bilder.
        Sie sind nur etwas mehr einsichtig und wollen aber auch ihr gewohntes normales Leben leben.
        Wenn möglichst über 80 % der Bevölkerung, also noch 10-15 % so einsichtig wäre und sich impfen lassen würde, dann könnten die einschränkenden Maßnahmen des „Lock down“ zum großen Teil wegfallen.
        Somit wird also eine Mehrheit der Bevölkerung (bisher ca. 67%) durch eine uneinsichtige Minderheit gemaßregelt.
        Das sollte die einsichtige Bevölkerungsmehrheit nicht mehr einfach so hinnehmen, sondern auch die Berücksichtigung ihrer bürgerlichen-freiheitlichen Rechte einfordern. So wie es einige Hundert engagierte Teilnehmer der Gegendemonstration vom Sonnabend auch getan haben.
        Die legitimen Rechte der Geimpften und Genesenen sollten weitaus mehr im Vordergrund der Berichterstattungen stehen als diese Auffassungen von lautstarken Minderheiten.

      2. Zitat 1: „Wo bleibt denn Ihre gute journalistische Erziehung Herr Freitag beim“Marodieren“ des Textes ?“

        Zitat 2: „Mein Beitrag bezog sich doch garnicht auf Sie sondern den Qualitätsjournalismus ….“

        Mögen Dritte entscheiden, ob man Sie nicht längst der Lüge zeihen sollte.

        PS.: Wuff

      3. Wie war das noch mal mit den Hunden, die getroffen sind. Mein Beitrag bezog sich doch garnicht auf Sie sondern den Qualitätsjournalismus, der das was man an vielen Stellen im Internet sieht umdeutet. Das Synonym für „Marodieren“ ist im Netz an vielen Stellen erkennbar. Nicht mal Querdenker wird im Netz abschließend definiert. Aber der Terminus findet sich in all Ihren Artikeln zum Thema. Stubenreine politische Projektion.

      4. Das Wort „marodieren“ ist ein sehr schönes, älteres (Soldaten)Wort, was leider etwas aus der Mode gekommen, aber doch recht hübsch für „als Nachzügler einer Truppe plündern“ ist. Finden Sie nicht auch, dass der blasse „Querdenker“-Abklatsch heute ein solches Verhalten war?

        Wenn Sie es nicht verstehen, ist es mir auch egal 😉

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