Am 4. Mai 2022 ging der Ökolöwe mit der Forderung nach einem Baustopp am Bürgerbahnhof Plagwitz an die Öffentlichkeit. Und rannte damit offene Türen ein. Denn einen solchen Baustopp hatte die Stadt Leipzig schon im April dieses Jahres verhängt. Doch die LEWO Unternehmensgruppe sieht den Baustopp der Stadt Leipzig für ihren Teil des Projektes Grüner Bahnhof Plagwitz als ungerechtfertigt an. Aus ihrer Sicht sind es nur Sicherungsarbeiten, die mit Zaunbau und Abriss öffentlich sichtbar wurden.

Am 14. April 2022 hatte die Stadtverwaltung einen vorher mündlich ausgesprochenen Stopp nochmalig hinterlegt – zum Schutz von Zauneidechsen. Doch LEWO sah das nicht als gerechtfertigt an.

„Wir haben die Thematik der Beeinträchtigung für Flora und Fauna bei unserem Projekt natürlich auch bereits im Vorfeld bedacht und beachtet“, erklärt LEWO-Vorstand Stephan Praus. In Vorbereitung der aktuellen Arbeiten sei eine artenschutzrechtliche Untersuchung sowie die Anbringung von sechs Nistkästen für Nischenbrüter und zwei Spaltenkästen für Fledermäuse an den Bestandsgebäuden im Plangebiet erfolgt.

Das Leipziger Unternehmen, spezialisiert auf Projektierung und Realisierung von Immobilien, habe zudem ein Gutachten erstellen lassen. Darin heiße es im Fazit: „Die Arbeiten zum Zaunbau in den Bereichen der Ladestraße können ohne Bedenken wieder aufgenommen werden.“ Eine Schädigung der Tiere und ihrer Lebensstätten könne „aufgrund der vorhandenen Datenlage ausgeschlossen werden“.

Momentan sei die LEWO dabei, Sicherungsmaßnahmen durchzuführen: Dazu gehören der Abriss von sechs kleinen, nicht denkmalgeschützten und stark einsturzgefährdeten Bestandsgebäuden sowie die Aufstellung eines Doppelstabmattenzaunes.

Auf dieser Fläche kein Zauneidechsenvorkommen

Bereits 2014 und 2016 habe man auf dem Gelände mögliche Beeinflussungen untersucht. Die Fundpunkte der Zauneidechsen im wesentlich größeren Bebauungsplan-Gebiet als der LEWO-Fläche beschränkten sich damals auf die deutlich weiter östlich der Bebauung liegenden Grün- und Ruderalflächen (Trümmerschuttböden), auf denen die LEWO nicht arbeitet.

Zu keinem Zeitpunkt der Begehungen habe man geeignete Habitaträume oder gar Zauneidechsen im Umfeld des Wasserturmes und auf den benachbarten Ruderalflächen entlang der Ladestraße West und somit innerhalb des LEWO-Gebietes beobachten können, heißt es weiter. Aufgrund des hohen Versiegelungsgrades, so die Schlussfolgerung, seien die Flächen als Lebensraum ungeeignet und zudem zu isoliert für eine Besiedlung durch Zauneidechsen.

Innerhalb des von LEWO genutzten Plangebiets dominieren vollversiegelte Bodenplatten, Gebäude sowie Kopfsteinpflaster und wasserdurchlässige verdichtete Flächen, dazu komme eine starke Verbuschung und eine Verschattung.

„Die umliegenden Flächen, in denen im Rahmen der Erfassungen weiter entfernte Fundpunkte verzeichnet wurden, sind nicht in direkter Nähe und nicht Teil der betroffenen LEWO-Fläche“, heißt es im Gutachten weiter. Abwanderung aus diesen Flächen der Fundpunkte seien unwahrscheinlich und wären lediglich bei einem enormen Nutzungsdruck oder im Rahmen von erhöhten Migrationen nach der Reproduktion (ab Mitte/Ende Juli 2022) zu erwarten.

Bekenntnis zum Grünen Bahnhof Plagwitz

„Das Projekt Grüner Bahnhof Plagwitz entspricht der DNA unseres Unternehmens“, erklärt Stephan Praus. Entstehen soll dort ein urbanes Quartier. „Wir wollen in diesem Gebiet neben sozialem und bezahlbarem Wohnraum auch Flächen für die Kreativwirtschaft sowie Büros schaffen.“

Die Planung sieht außerdem Dach- und Fassadenbegrünung, großzügige, umfangreich bepflanzte Grünflächen, ein nachhaltiges Energie- sowie Mobilitätskonzept vor. „Der Grüne Bahnhof Plagwitz passt sich in die Umgebung ein und steht für das Flair und die Vielfältigkeit der Stadt Leipzig.“

Zur LEWO: Das inhabergeführte Leipziger Unternehmen, das 1995 gegründet wurde, ist zum überwiegenden Teil in und um Leipzig tätig und beschäftigt knapp 90 Mitarbeiter. Dabei realisiert die LEWO fast ausschließlich Wohnungsbau – in Denkmalen oder auch im Neubau.

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