Am Donnerstag, 16. Juni, übergibt der BUND Leipzig zur Ratsversammlung die Unterschriften von über 5.100 Unterstützer/-innen der Petition „Grün statt Beton am Plagwitzer Bürgerbahnhof“ an den Petitionsausschuss der Stadt Leipzig. Die Petition richtet sich in Teilen gegen die aktuelle Bauplanung „Grüner Bahnhof Plagwitz – Nordteil“ und hat innerhalb von knapp sechs Monaten eine stattliche Anzahl an Unterstützer/-innen gefunden.

Hinzu kommen rund 900 Stellungnahmen, die von Leipziger Bürger/-innen anlässlich der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans eingereicht wurden. In dieser Größenordnung stellt das ein Novum für Leipzig dar, schätzt der BUND Leipzig ein.

„Die rege Anteilnahme der Leipziger Bürgerschaft an diesem Bauprojekt ist ein klares Zeichen an den Leipziger Stadtrat und die Verwaltung: So geht es nicht weiter! Schluss mit der flächenfressenden Baupolitik! Schluss mit Beton statt Grün! Proportional zum Wachstum der Leipziger Bevölkerung braucht es ausreichend grüne Freiflächen für Sport, Freizeit und Erholung.

Dieses Bedürfnis hat sich in Zeiten des Corona-Lockdowns noch verstärkt, als viele Menschen den Wert von Parks und Grünanlagen in ihrer Umgebung neu zu schätzen lernten“, fasst der BUND die Gemengelage zusammen. „Der hohe Stellenwert von Bäumen und Grünflächen für unser Stadtklima ist den Leipziger/-innen zuvor in den Hitzesommern 2018 – 2020 besonders stark zu Bewusstsein gekommen.“

Hauptanliegen der Petition ist die Erweiterung des bestehenden Bürgerparks um eine Teilfläche. Aktuell sind auf dieser Gewerbeneubauten geplant. Die Forderungen der Petition lauten indes:

Die brachliegende Fläche zwischen Ladestraße West und Radweg soll entsiegelt, begrünt und als öffentliche Freifläche an die vorhandene zentrale Grünachse angegliedert werden.

Vorhandene Biotopstrukturen (Lebensräume von Zauneidechse, Wechselkröte, Insekten, Brutvögeln) sollen bei der Gestaltung der Freifläche integriert bzw. zuvor zerstörte Lebensräume wiederhergestellt werden.

Die voreilig gerodeten Bäume und Großsträucher sind im direkten Umfeld in mindestens gleichwertiger Qualität zu ersetzen.

Die Fläche ist als Teil einer gesamtstädtischen urbanen Freiraumverbindung und als wichtiges Element zum Vernetzen grüner Biotope dauerhaft zu erhalten und zu schützen.

Die Aufnahme der Gesamtfläche in die Biotopverbundplanung (Stadtplanungsamt, Amt für Stadtgrün und Gewässer, Amt für Umweltschutz) ist zu prüfen und dort zu diskutieren.

Als Teil eines weitreichenden Biotop- und Grünverbunds sowie als Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiet hat das Gelände eine herausragende Bedeutung für das Stadtklima, den Artenschutz, die Gesundheit der Bürger/-innen, den Zugang zu Grünflächen, quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraumversorgung sowie alternative Mobilität.

Der BUND Leipzig betont, er wende sich ausdrücklich nicht gegen Wohn- und Gewerbebebauung am Plagwitzer Bürgerbahnhof. Diese soll aber maßvoll sein. Die geplante Sanierung der alten Bahnschuppen und Ergänzung durch Neubauten zwischen Gleisanlage und Ladestraße West wird begrüßt, da dadurch bereits genug Platz für Büros, Läden, Kunst und Kultur entstehen wird.

Darüber hinaus besteht aus Sicht des BUND kein weiterer Bedarf an gewerblichen Neubauten. Ein sehr hoher Bedarf an Grünflächen aber ist da, was auch die hohe Teilnahme an der Petition unterstreicht. Unterstützt wird die Petition des BUND Leipzig auch vom NABU Leipzig sowie den über 5.100 unterzeichnenden Personen.

Zur Petition noch ein Antrag

Die Linksfraktion im Stadtrat hat das Anliegen inzwischen auch in einen eigenen Antrag gefasst: „Der Oberbürgermeister legt dem Stadtrat bis Ende des 3. Quartals 2022 eine Satzung über ein besonderes Vorkaufsrecht für das Gebiet der nichtstädtischen Flächen des Bebauungsplans 380.1 ‚Grüner Bahnhof Plagwitz, Nordteil‘ vor“, lautet dessen Kernforderung. Und wird auch erläutert: „Die Diskussion um den durch die Verwaltung avisierten gewerblichen Teil des B-Plans  380.1 des Grünen Bahnhofs Plagwitz führt dazu, mögliche kommunale Flächenbedarfe zu sichern. Um etwaige benötigte Flächen zu sichern, soll dem Stadtrat eine Vorkaufsrechtvorlage zur Beschlussfassung vorgelegt werden.“

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