Der Bebauungsplan „Bebauungsplan Nr. 380.1 Grüner Bahnhof Plagwitz, Nordteil“ ist bislang nur ausgelegt und zur Bürgerbeteiligung freigegeben, beschlossen ist er nicht. Also dürfte hier eigentlich auch noch nicht gebaut werden. Aber augenscheinlich zählt das für den Käufer des darin liegenden Gewerbegrundstücks nicht. Er hat schon mal mit dem Abriss begonnen.

Anwohner meldeten das an die Leipziger Umweltverbände, die nun schon seit Monaten zu retten versuchen, was zu retten ist. Denn zuvor haben schon komplette Rodungen für einen Aufschrei gesorgt. Hier fielen in den letzten Jahrzehnten gewachsene Bäume und Gehölze der Kettensäge zum Opfer, obwohl sie sich zu artenreichen Biotopen entwickelt hatten.

Das Artenschutzgutachten, das dem Bebauungsplanentwurf der Stadt beiliegt, ist über sechs Jahre alt, bildet also das aktuelle Vorkommen von diversen Tierarten gar nicht umfassend ab.

Doch dass jetzt einfach mit Bagger die nächsten Tatsachen geschaffen werden, alarmiert den Leipziger Ökolöwen.

Nachdem Anwohner und Anwohnerinnen dem Umweltverein von Abrissarbeiten auf dem Bürgerbahnhof Plagwitz berichtet hatten, fordert der Ökolöwe das Amt für Umweltschutz auf, die Baumaßnahmen auf der brachliegenden Fläche zwischen Ladestraße West und Radweg sofort zu stoppen.

Die Bautätigkeiten auf dem Gelände verstoßen gegen § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG: Überall im Plangebiet leben seltene, strengstens geschützte Zauneidechsen und Wechselkröten, betont der Ökolöwe. Sie zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören, ist verboten.

„Erst Rodungen, jetzt Abrissarbeiten: Ist hier Wildwest?“, fragt Ökolöwen-Sprecher Tino Supplies in Richtung Stadtverwaltung und drängt: „Die Stadt muss einen sofortigen Baustopp verhängen. Der muss so lange gelten, bis der Artenschutz vernünftig geklärt ist!“

Ökolöwe gibt unabhängiges Artenschutzgutachten in Auftrag

Die Arterhebungen, die dem Bebauungsplan aktuell zugrunde liegen, sind durchweg älter als sechs Jahre und schätzen unter anderem den Bestand von Wechselkröte und Zauneidechse völlig falsch ein. Bislang hat es die Stadt Leipzig versäumt, ein neues Gutachten in Auftrag zu geben, kritisiert der Ökolöwe.

„Dabei sollte klar sein, dass auf einer veralteten Datenbasis keine sachgerechte Einschätzung vorgenommen werden kann: Mittlerweile leben viel mehr geschützte Tiere auf dem Bürgerbahnhof!“, betont Supplies. Der Ökolöwe hatte deshalb ein Planungsbüro beauftragt, ein neues Artenschutzgutachten zu erstellen – als neue, zeitgemäße Grundlage des Verfahrens.

„Der Stadt können wir jedenfalls nicht mehr vertrauen! Zumal die unzulässig eingeleiteten Bauaktivitäten schon jetzt zahlreiche seltene Amphibien und Reptilien auf dem Bürgerbahnhof Plagwitz getötet haben“, sagt Supplies.

Leipziger und Leipzigerinnen können sich ab sofort mit einer Spende an der Finanzierung des unabhängigen Artschutzgutachtens beteiligen.

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Es gibt 6 Kommentare

Liebes A&O,
niemand nörgelt. Es teilen nur nicht alle, von Natur aus die Liebe zum Lurch, im gleichen Maße. Vielleicht helfen Sie ja freundlicher Weise auf die Sprünge, wie wir vom Zusammenleben mit der Wechselkröte so profitieren können wie Sie? Ihre Verbindung zur Kreatur fasziniert gerade mehr als das Objekt Ihrer Begierde.
Inhaltlich zu Ihrem Beitrag: konkret ist in den Quellen die Rede von vier Begehungen 2012 ohne Funde bzgl. Wechselkröte, 1 Kröten 06.14 und zwei 06.16. Reicht ja zum Nachweis. “Schutz in Form von behutsamer Umsiedlung” wie er von Frau Rattigans gewünscht wurde, ist dort ebenfalls beschrieben.
Vielleicht hat die Bauherrin nur dilettantisch nach den Tieren gesucht? Da könnten Sie doch gut helfen! Vielleicht wurden auch schon alle Exemplare vom ebenfalls ansässigen Waldkauz gefressen?
Auch hätte ich Sie gerne mit Frau R. diskutieren gesehen, ob und wo nun am besten umgesiedelt werden sollte. So unter Fachleuten.
Ganz pragmatisch würde ich sagen, wir treffen uns einfach am WE im Dämmerlicht, jeder bringt Eimer und 8,70€ für sein/ihr 2-Zonen-Ticket mit und wir erledigen das ganze gleich an Ort und Stelle. Dann dürften Sie sich sogar aussuchen, wo die Reise hingehen soll. Oder, falls Ihnen das zu weit geht, wenigstens Stift und Papier und wir schreiben alle auf.
Ansonsten will ich Sie in Ihrer Empörung gar nicht weiter bremsen. Werden Sie bitte nicht müd, den Mangel an gesamtgesellschaftlichem Interesse, an Ihrer froschgrünen-LE-Bubble, zu beklagen.
Das ist jedoch (zumindest nach meinem Verständnis als Zyniker), gerade an dieser Stelle, mehr ungewollte Ironie als Sarkasmus. Aber auch darüber ließe sich vorzüglich streiten.

für alle Nörgler: Es gibt über das Bürgerbeteiligungsverfahren die im Rahmen der Aufstellung des B-Plans erstellten Artenfachschutzbeiträge inklusive der Kartierergebnisse. Dort zu finden auch die jeweiligen Populationsnachweise der u. a. Wechselkröte und Zauneidechse. Als hätte je in Leipzig ein Bauvorhaben nicht gestartet werden können wegen irgendwelchen Tieren. Auf dem bayrischen Bahnhof werden ebenjene Kröten abgefangen um 30 km südlich weggefahren zu werden. Leipzig´s Leitsatz gegenüber den Tieren ist augenscheinlich “raus mit de Viecher!”. Die stören ja nur und bringen keinen Nutzen *Sarkasmus aus*

Ruhig Sebastian! Sie haben doch gar keine Ahnung!! Oder muss Frau Rattigan erst wieder das Grundgesetz zitieren? 😉

Ehrlich gesagt warte ich noch auf den Einsatz von Tischlerwilly, der dann wieder den Bagger besetzt und die Bauleute anschreit. Die schützenswerten Tiere sah man am Ort dann nie…

Auffälligerweise meinen hier immer Leute, ein Wörtchen mitreden zu müssen, die keine Ahnung haben. Dass die Tierchen vorhanden sind und derern Schutz zu berücksichtigen ist, wurde bereits im veralteten Gutachten festgehalten. Schutz in Form von behutsamer Umsiedlung sobald die wechselwarmen Tiere bei zunehmender Wärme aus ihren Überwinterungshöhlen kommen. Ob das die Abrissfirma auf dem Schirm hatte, ist ungewiss und eher zu bezweifeln. Unabhängig davon gilt das Bundesnaturschutzgesetz. Dies zu beachten ist Pflicht des Bauherren bzw. dessen beauftragter Abrissfirmen. Und wenn hier ein Gesetz misachtet wird, ist es Aufgabe und Pflicht von Umwelt- und Naturschutzverbänden, tätig zu werden.

Und so wird Leipzig nun auch zur Wechselkröten-Hauptstadt. \o/
Auffälliger weise hüpfen die Tierchen gern über jene Leipziger Großbaustellen, bei der der Ökolöwe meint, ein Wörtchen mit reden zu müssen. Man mag ja bald gar nicht mehr an deren Seltenheitswert glauben.

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