Dass die Kommunikation nicht besonders gut war, wurde ja auch in den vergangenen Ratsversammlungen deutlich, in denen die Zukunft der Deponie Seehausen Thema war und die Frustration der Seehausener deutlich wurde, die sich übergangen fühlten bei den Planungen, aus der alten Deponie vor ihrer Haustür einen mit Photovoltaik bestückten Energieberg zu machen. Die Stadtwerke Leipzig wollen das jetzt ein Stück weit nachholen.

Die Stadtwerke Leipzig – bzw. ihre mit der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft mbH (WEV) gegründete Tochter Westsächsische Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG – wollen auf dem 2004 außer Betrieb genommenen Deponieberg auf 38 Hektar eine Solaranlage mit 44.000 Paneelen bauen, die Leipzig künftig mit Solarstrom versorgen soll.

Obwohl die endgültige Größenordnung noch nicht feststeht, denn die naturschutzfachlichen Untersuchungen auf dem mit Wald bepflanzten Gelände sind ja noch nicht abgeschlossen.

Aber spätestens nach der Ratsversammlung im Mai 2021 war klar, dass es mit der Kommunikation gerade mit den Seehausenern haperte und man das Projekt nicht einfach umsetzen kann, ohne die Wünsche und Interessen der hier in der Nachbarschaft lebenden Menschen zu berücksichtigen.

Das soll jetzt eine Befragung ändern.

In den ersten drei Augustwochen führen die Leipziger Stadtwerke deshalb im Leipziger Ortsteil Seehausen eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durch. Die Anwohner werden nach ihrer Meinung zu Energie-Versorgungssicherheit, Ausbau der erneuerbaren Energien und zum Projekt einer Photovoltaikanlage auf dem Deponieberg Seehausen befragt.

Die Umfrageergebnisse sollen Hinweise für die künftige Ausrichtung der Projektinformation und die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger liefern, erklären die Stadtwerke.

Die Befragung soll telefonisch und online erfolgen. Durch eine Postwurfsendung an alle Haushalte werden die Bürgerinnen und Bürger auf die Umfrage aufmerksam gemacht und um ihre Teilnahme gebeten.

Karsten Rogall, Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke, erklärt dazu: „Mit dem Projekt einer Photovoltaikanlage auf dem alten Deponieberg können wir einen Beitrag für die Erreichung der Klimaziele der Stadt Leipzig im Bereich Ausbau der erneuerbaren Energien leisten. Wir möchten gern wissen, welche Erwartungen und Vorbehalte die Bürgerinnen und Bürger in Seehausen mit dem Projekt verbinden und wie wir unsere Projektinformation weiter verbessern können.“

Mit der Durchführung und Auswertung der Bevölkerungsumfrage wurde das Büro Hitschfeld (Hitschfeld, Büro für strategische Beratung GmbH, Leipzig) beauftragt.

- Anzeige -

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Ich finde es höchst bedenklich, den Eindruck zu vermitteln, dass die Ergebnisse der Befragung irgendwas an dem Plan ändern würden. Der B-Plan ist in Vorbereitung, es gibt mehrheitliche Bekenntnis dazu. Warum will man die Seehausener hier linken und ein Gefühl von Mitbestimmung vermitteln?

Fakt ist: Diese “Deponie” ist nicht nur eine solche, sondern auch ein Ort hoher Artenvielfalt mit teilweise sehr seltenem Artinventar. Übergibt man die Verantwortung der Klärung zur Frage, ob es legitim ist, Naturflächen mit hohem ökologischen Wert zugunsten der Errichtung von PV zu entfernen, an einen lokalen Akteur, wurde die Globalität der Klima- und Artenkrise nicht verstanden.

Wo ist denn die PV-Nutzung bereits versiegelter Flächen, die Agrivoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen; warum gilt der Grundsatz Vermeidung > Kompensation nicht allumfassend auch für den Naturhaushalt? Die dortigen Elemente lassen sich nicht einfach so ersetzen, wie dies vielfach verlautbart wird. Ein Baum ist weg und braucht mehrere Jahrzehnte, die Lebensräume von Bienen und Fledermäusen gehen ersatzlos verloren.

Ich wünsche mir mehr Engagement der Kommune, dazu gehört auch PV auf städtischen Liegenschaften und Agrivoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen der Kommune. Die Biodiversitätskrise muss in Einklang mit der Klimakrise gedacht werden; wer das Klima retten will indem er die Biodiversitätskrise durch Zerstörung von Lebensraum anheizt, denkt zu singulär.

Schreiben Sie einen Kommentar