Die Stadt Leipzig beabsichtigt die Modernisierung der Stadtteilbibliothek „Walter Hofmann“ in der Südvorstadt. Das geht aus der Dienstberatung des Oberbürgermeisters in dieser Woche hervor. 1930 als II. Städtische Bücherhalle im Stil der Neuen Sachlichkeit in der Steinstraße 42 errichtet, gehört sie zu den Kulturdenkmalen der Stadt. Das Gebäude muss brandschutztechnisch und denkmalpflegerisch saniert werden, um weiterhin als Bibliothek betrieben werden zu können.

Dafür ist die Umgestaltung und Neuorganisation der Räume für eine moderne Bibliothek geplant. Hierbei soll das Haus für Veranstaltungen flexibel nutzbar gemacht und auch die Dachterrasse für den Besucherverkehr geöffnet werden. In die Räume der ehemaligen Hausmeisterwohnung im Erdgeschoss wird die Musikschule einziehen. Der Stadtrat muss über das Vorhaben noch befinden.

Bei der Modernisierung des Brandschutzes stehen Aufzug und zweiter Rettungsweg im Vordergrund. Der Personenlift, der in den 1990er Jahren ins historische Treppenhaus eingebaut wurde, wird entnommen und an der südlichen Außenfassade angestellt. Zugleich entspricht die Spindeltreppe ohne Podeste nicht mehr den Anforderungen eines notwendigen zweiten Rettungsweges und muss ersetzt werden.

Der Bibliothekseingang mit Würdigung für Walter Hofmann. Foto: Ralf Julke
Bibliothekseingang mit Würdigung für den Bibliothekar, Poeten und Kunstkritiker Walter Hofmann (1879–1952). Foto: Ralf Julke

Der Ausbau ermöglicht es zudem, Aspekte des Denkmalschutzes mit denen der Nutzerfreundlichkeit zu verbinden. Mit der denkmalgerechten Wiederherstellung des Treppenhauses bildet sich ein freieres Raumgefühl, dass sich auch im neuen Raumkonzept wiederfindet.

Es entstehen zudem neue Räume wie das Probierwerk als Werkstattraum mit Leihgeräten im Erdgeschoss oder Flächen für Urban Gardening auf der südlichen Dachterrasse oder im Hof. Der südliche Zugang von der Fichtestraße aus wird barrierefrei erschlossen.

Zugleich wird die historische Nesterputzfassade analog zur Schwesterbibliothek „Georg Maurer“ in der Zschocherschen Straße wiederhergestellt. Sämtliche Verglasungen werden nach historischem Vorbild erneuert. Die noch auf dem Dach befindliche Richtfunktantenne wird zurückgebaut. Die Bibliothek bekommt anstelle dieser einen neuen, straßenverlegten Breitbandanschluss.

Auch klimatechnisch soll das Gebäude künftig höchstmöglichen Anforderungen genügen. Auf den seitlichen Flachdächern und dem mittleren Pultdach ist eine Fotovoltaik-Anlage vorgesehen. Gründachflächen wird es ebenfalls geben. Daneben werden die Trinkwasserversorgung sowie die Regen- und Schmutzwasserentsorgung über den Zugang Fichtestraße neu an das öffentliche Netz angeschlossen.

Im Hof wird eine Zisterne Regenwasser zur Bewässerung der Pflanzflächen des geplanten öffentlichen Urban Gardenings sammeln.

Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei rund 9,6 Millionen Euro. Eine Förderung des Bundes im Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur (SJK) 2023“ in Höhe von 45 Prozent ist beantragt.

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