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Wenn Sie als Leipzigerin oder Leipziger das Kölner Kolumba Museum besuchen, dann kann es passieren, dass Sie in einer Ausstellung neben einem Warhol ein Buch der Buchkinder Leipzig finden. Ja, Kolumba sammelt die Werke der Buchkinder und markiert den Verein, unter „Künstlerinnen und Künstler“, als „monographische Schwerpunkte, die Kolumba besonders identifizieren“. Die Werke die beim Buchkinder Leipzig e. V. entstehen sind zumindest vom Kunstmuseum des Erzbistums Köln als künstlerisch wertvoll anerkannt.

Dass die Bücher und einige Bilder in Köln ausgestellt und gesammelt werden hilft dem Verein aber in Leipzig nicht weiter, die seit 14 Jahren bestehende Förderung durch das Jugendamt wurde stark gekürzt. Es fehlen etwa 100.000 Euro für die Finanzierung der weiteren Arbeit.
Was sind diese Buchkinder?
Ich habe mich mit den Geschäftsführern Birgit Schulze Wehninck und Sven Riemer vor Ort getroffen und über den Verein, die Projekte und die momentanen Herausforderungen gesprochen. Das Gespräch hier in Gänze zu veröffentlichen würde jeden Rahmen sprengen, wir begnügen uns mit einer Zusammenfassung.

Ich habe Birgit gefragt, was der Verein macht. Die Antwort war: „Was die Arbeit des Vereins kennzeichnet ist, dass wir Kindern zu ihrem eigenen Ausdruck verhelfen, beziehungsweise sie dabei begleiten sich selber in Text und Bild auszudrücken. Wir begleiten dabei das in ein Buchwerk zu bringen, um sich auf Lesungen, in kleinerem oder auch größerem Rahmen, präsentieren zu können und so eine erste Erprobung der eigenen Ideen zu schaffen. Also, sich in der Öffentlichkeit, vor einem Publikum zu präsentieren, was aus unserer Sicht eine wichtige erste Form und Erprobung einer Teilhabe ist.“

Der Buchkinder Leipzig e. V. Wurde 2001 gegründet, feiert also in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen und in dieser Zeit sind 1.000 verschiedene Buchtitel entstanden. Knapp 16.000 Bücher wurden von Hand gebunden. Aus Kindern vom Krippenalter bis zum Alter von 18 Jahren werden Autor, Illustrator, Lektoren und Buchbinder.
Die Kinder legen auch das Smartphone aus der Hand, wenn sie an ihren Büchern arbeiten und für viele ist diese Arbeit auch der Zugang zum Medium Buch, also zum Lesen. Sven sagte dazu: „Vorangestellt kann man natürlich auch nochmal die Frage stellen: Worüber schaffen wir uns überhaupt Weltzugänge, wie erschließen wir uns die Welt, über welche Fähigkeiten? Und da ist die sinnliche Wahrnehmungsvielfalt, die der Mensch in sich trägt ein sehr komplexes und ein sehr wichtiges Feld. Im digitalen ist der Prozess ja oft so gedreht, dass man da eben konsumiert. Das schafft diese Passivität, die ja in allen Bildungsberichten bemerkt wird. Wir schaffen es, die Kinder über einen längeren Zeitraum, zweieinhalb Stunden, in eine Konzentration zu bringen. Das ist schon mal eine Leistung, weil viele im Lehrbetrieb, in den Schulen darunter leiden, dass die Konzentrationsfähigkeit verloren geht. Insofern packen wir die Kinder eigentlich an ihrer eigenen Lust, schaffen Räume und die gehen da rein und da gibt es nicht einmal ein Zucken nach dem Handy. Die sind voll konzentriert bis zum Schluss und das ist natürlich eine Qualität an sich.“

Etwa 200 Kinder besuchen wöchentlich die Kurse, nicht nur im Stammsitz in Lindenau, auch im Leipziger Osten und Kurse in Kooperation mit Bildungsinstitutionen, wie Schulen, Horten und Kindertagesstätten.
Ganz nebenbei haben die Buchkinder auch eine Menge Preise eingeheimst, unter anderem fünfmal den Deutschen Verlagspreis. Viermal erhielten sie den Preis für hervorragende gesamtverlegerische Tätigkeit und einmal als Botschafter von „So geht sächsisch“.
Der Buchkinder Leipzig e. V. ist ein etablierter Bildungsträger und genießt hohe Anerkennung.
Was ist jetzt los?
Wie bereits einführend beschrieben, die Fördermittel wurden stark gekürzt und der Personalschlüssel wurde halbiert. Der Verein soll seine Arbeit also mit der Hälfte der Beschäftigten, in derselben hohen Qualität, fortführen. Hier muss man anmerken, dass neben Festangestellten, Praktikantinnen und Praktikanten, Werksstudentinnen und Werksstudenten ein großer Teil der Arbeit von Ehrenamtlichen durchgeführt wird. Der Personalschlüssel deckt schon jetzt nicht alles ab.

Was das für die Mitarbeitenden bedeutet, dazu sagte Sven: „Es ist einfach eine sehr unsichere Situation. Wir versuchen natürlich die Menschen, die jetzt an Bord sind erst mal zu halten, weil die Situation noch nicht endgültig geklärt ist. Das heißt, wir versuchen unsere Arbeit weiterzuführen. Wir sehen auch einen Eingriff in die inhaltliche Trägerhoheit, weil wir definieren ja einen Standard aus der Arbeit heraus, in welcher Zusammensetzung das funktionieren soll. Wenn dann jemand sagt: Das ist ja ganz schön, was ihr macht, aber das geht auch mit der Hälfte des Personals, dann ist das ein Einschnitt. Wir bewegen uns dann in Richtung Frontalunterricht, was der Arbeit gar nicht gemäß wäre und nicht funktionieren würde.“
Die Kürzung der Fördermittel lässt sich selbstverständlich auf die schon länger andauernde Finanzmisere der Stadt Leipzig zurückführen, allerdings sollten Einsparungen im Bildungsbereich, welche besonders Kinder und Jugendliche treffen, das letzte Mittel sein. Der Verein hat Widerspruch gegen die Kürzungen eingelegt, das Ergebnis steht aus und wird auf sich warten lassen.

Aufruf zum Crowdfunding
Um die Arbeitsfähigkeit des Vereins für die nächsten Monate zu sichern werden 100.000 Euro benötigt. Der Verein startet dazu eine Crowdfunding-Kampagne und bittet um Spenden.
Helfen Sie mit dieses einmalige Projekt zu sichern, für unsere Kinder und Jugendlichen und selbstverständlich für unsere Buchstadt Leipzig.
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