Als am 9. März das Ankommenszentrum für Geflüchtete aus der Ukraine seinen Betrieb aufnahm, zeichnete sich schnell ab, dass dieses nicht ausreichen wird. Bereits am ersten Tag bildeten sich vor dem Neuen Rathaus lange Schlangen. Knapp eine Woche später hatte die Verwaltung bereits eine Alternative mit deutlich mehr Kapazitäten gefunden: die Turnhalle der Gerda-Taro-Schule. Dort soll nun am Mittwoch, dem 23. März, das neue Ankommenszentrum den alten Standort ersetzen.

Bei einem Pressetermin am Dienstag, dem 22. März, führten Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD) und Schulbürgermeisterin Vicki Felthaus (Grüne) durch die fast fertig eingerichtete Räumlichkeit.

Letztere sprach von einem „vorübergehenden Zeitraum“, in dem die Turnhalle als Ankommenszentrum genutzt werden soll. Was genau „vorübergehend“ bedeutet, dürfte in Anbetracht der weiterhin massiven Fluchtbewegungen und der sich immer noch verschärfenden Situation in der Ukraine kaum absehbar sein. Als Schulbürgermeisterin ist Felthaus insbesondere für die vielen Minderjährigen verantwortlich, die aus der Ukraine fliehen.

Gerda Taro war Kriegsfotografin

Verwaltungsbürgermeister Hörning verwies darauf, dass Leipzig eine der ersten Städte in Deutschland gewesen sei, die ein Ankommenszentrum wie jenes im Rathaus eingerichtet haben – also einen Ort, wo es gebündelt Hilfe, Angebote und Informationen für die Ukrainer/-innen gibt. Dass der neue Standort in einer nach einer Kriegsfotografin benannten Schule eingerichtet wird, sei sehr passend.

Bei einer kurzen Führung durch die komplett mit dem Ankommenszentrum belegte Turnhalle zeigte sich, dass der Betrieb am Folgetag wohl starten kann. Die grauen Wände sollen in den kommenden Tagen eventuell noch etwas Farbe erhalten, damit sich der Aufenthalt für die Menschen angenehmer gestaltet.

Wer das Ankommenszentrum betritt, hat im Prinzip einen Rundgang vor sich: Corona-Test, eine Mappe mit ersten Informationen, Aufnahme von biometrischen Daten sowie Angebote von unter anderem Ausländerbehörde sowie Jugend- und Sozialamt. Hörning stellt klar: „Niemand muss hungern.“ Das bedeutet, dass das Sozialamt jenen, die kein Geld mehr haben, direkt einen Scheck ausstellt.

Bedürfnisse der Geflüchteten erkunden

In den kommenden Tagen und Wochen möchte die Stadt feststellen, welche genauen Bedürfnisse die Ankommenden eigentlich haben. Denkbar seien beispielsweise auch Angebote von der Sparkasse oder der Telekom. Eine große Hürde könnten Sprachbarrieren darstellen. Vor allem bei Menschen, die erst später fliehen, rechnet die Verwaltung damit, dass diese kaum Deutsch oder Englisch sprechen.

Im Vergleich zum Neuen Rathaus haben sich die Kapazitäten laut Verwaltung verdreifacht. Mehrere hundert Personen können täglich registriert werden. Was die Stadt in der Turnhalle der Gerda-Taro-Schule binnen kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat, wirkt zumindest auf den ersten Blick bemerkenswert. „Die Menschen sollen hier das Gefühl bekommen, nicht allein gelassen zu werden“, so Hörning.

Das Ankommenszentrum ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet und befindet sich in der Telemannstraße 9 in 04107 Leipzig. Die Buslinie 89 hält an der Haltestelle „Telemannstraße“ in unmittelbarer Nähe der Schule.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

- Anzeige -

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar