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Kohlelandschaft um Leipzig: LMBV muss sich verstärkt um Hochwasserschutz und Wiederherstellung der Fließgewässer kümmern

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    Bislang tun sich auch die Bewohner der Bergbaufolgelandschaft im Leipziger Süden schwer zu sehen, dass der Klimawandel auch ihre Region betrifft. Munter denken sie über die Bebauung der Seeufer nach und die touristische Erschließung aller Gewässer, ganz so, als hätte eine Inwertsetzung der Seenlandschaft noch irgendeinen Mehrwert, wenn Dürren und Extremwetterereignisse immer häufiger auftreten und auch das noch lange nicht stabile Seensystem in Mitleidenschaft ziehen. Ein Thema, auf das jetzt die LMBV hinweist.

    Alles andere als stabil

    Eigentlich war das bislang noch nicht die Hauptaufgabe der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Die wurde ja zuvörderst gegründet, um die bis 1990 verwüstete Landschaft in den Kohleregionen Mitteldeutschlands zu sanieren. Da mussten alte Abraumhalden stabilisiert werden, Tagebaulöcher geflutet und mit Sandstränden versehen werden, Überläufe, Kanäle und Schleusen gebaut werden.

    Jahrelang sah es so aus, als würde die LMBV nur dazu da sein, eine riesige Badespaßlandschaft zu schaffen. Bis dann die ersten dramatischen Hangrutschungen – wie in Nachterstedt – zeigten, dass die Bergbaufolgelandschaft alles andere als stabil ist.

    Und spätestens das Sickerwasservorkommnis am Störmthaler Kanal hat gezeigt, dass es auch im Leipziger Südraum um etwas geht, was die LMBV so klar noch gar nicht formuliert hat. Denn zur Stabilität einer Region gehören auch stabile Gewässer, die auch im Extremwetterfall ihre Aufgabe erfüllen können. Die scheinbar so simple Reparaturaufgabe wird zur Herausforderung, denn auf einmal steht das Wort Renaturierung auf der Tafel. Und die historischen Flüsse und Bäche im Gebiet sind alles andere als naturnah.

    Wie repariert man eigentlich ursprüngliche Flüsse?

    Im Zuge der Tagebauaufschlüsse haben einige Fließ- und Standgewässer ihre ursprünglichen Retentionsflächen (Überflutungsflächen) verloren. Kernaufgabe der LMBV ist zwar die Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau in Anspruch genommenen Flächen. Aber sie sind dahingehend wieder nutzbar zu machen, dass keine Gefahren für Leben und Gesundheit drohen. Vor diesem Hintergrund finden auch Maßnahmen zum Hochwasserschutz manchmal Eingang in den Abschlussbetriebsplan einzelner Sanierungsprojekte.

    Aber auch die Fließgewässer werden immer stärker zur Herausforderung für die LMBV. Oft mit erheblichen Schwierigkeiten, wenn aus einem schnurgeraden Kanal wie der Pleiße wieder ein naturnaher Fluss ohne Belastung und mit guten Lebensverhältnissen für Flora und Fauna werden soll.

    Die Vorflut der Gösel und der Lober-Leine-Kanal

    Während der Zeit des aktiven Braunkohlenbergbaus wurden viele Flussläufe verlegt, um das Abbaufeld zur Braunkohlegewinnung vorzubereiten. Das betraf – neben der Pleiße und der Weißen Elster – auch den Göselbach, der durch das Revier des ehemaligen Tagebaus Espenhain führte. Die LMBV hat als Sanierungsverpflichtung die Hochwassersicherheit der verlegten Gösel sowie des Altlaufs herzurichten, betont das Unternehmen.

    Der Lober-Leine-Kanal 2021. Foto: LMBV
    Der Lober-Leine-Kanal 2021. Foto: LMBV

    Dass das nicht einfach nur mit einem neuen Zulauf getan ist, hat auch die LMBV erst einmal lernen müssen. Denn Wasser fließt nicht einfach so, wie es Menschen sich wünschen.

    Denn eigentlich soll die Gösel als Zulaufgewässer in den Störmthaler See eingebunden werden. Der dafür bislang vorgesehene Bereich wurde jedoch durch die Hochwasser 2010 und 2013 so stark verändert, dass die ursprüngliche Planung nicht mehr umsetzbar ist, bilanziert die LMBV. Ziel der aktuellen Arbeit sei es deshalb, Möglichkeiten einer nachhaltigen Umgestaltung des Resteinzugsgebietes des Göselbaches zu sondieren, damit ein ausgeglichener Wasserhaushalt hergestellt werden kann.

    Ähnlich ist aus Sicht der LMBV die Situation am Lober-Leine-Kanal in Sachsen-Anhalt. Die Bäche Lober und Leine hatten das für den Aufschluss des ehemaligen Tagebaus Goitsche vorgesehene Feld gequert. Deshalb wurde ein 14 Kilometer langer Kanal gebaut. Seit 1951 leitete er das Wasser beider Bäche direkt in die Mulde ab.

    Das künstlich angelegte Gewässer wurde bei den verheerenden Hochwasserereignissen im August 2002 und im Juni 2013 großflächig zerstört. Die Kanalböschungen wurden 2005 bzw. 2014 wiederhergestellt. Doch beide Bäche sollen jetzt unter Nutzung der Altläufe der Leine in den Seelhausener See eingebunden werden. Die Einbindung der einst verlegten Flussläufe in die neu entstandenen Seen soll Hochwasserschäden in Zukunft verhindern.

    Direkter Hochwaserschutz

    Weil aber gerade die größeren Flüsse wie Weiße Elster und Pleiße ihre natürlichen Überschwemmungsflächen eingebüßt haben, musste die LMBV auch nach künstlichen Möglichkeiten suchen, im Hochwasserfall steuernd eingreifen zu können.

    Der Zwenkauer See bildet im Vergleich zu den anderen Bergbaufolgeseen deshalb auch eine Ausnahme. Durch den Tagebaubetrieb gingen umfangreiche Hochwasserrückhalteräume der Weißen Elster in der südlichen Elsteraue verloren. Damit fand der Hochwasserschutz bereits im Regionalplan, den Braunkohlenplänen und letztendlich bei der Aufstellung des Abschlussbetriebsplanes im Jahr 1999 Berücksichtigung. Der Zwenkauer See wurde durch die LMBV als Landschaftssee mit Hochwasserspeicherfunktion hergestellt.

    Im Ernstfall wird über das Hochwasserentlastungsbauwerk (HWE) Zitzschen das Wasser aus der Weißen Elster in den Zwenkauer See geleitet. Der See besitzt eine Staulamelle von knapp 2 Metern und kann dadurch ein Volumen von 18,5 Millionen Kubikmetern Wasser zwischenspeichern. Ist das Hochwasserereignis vorüber, wird das aufgenommene Wasser aus dem Zwenkauer See über den Betriebsauslass Weiße Elster kontrolliert wieder in den Fluss abgegeben.

    Feuertaufe im Jahr 2013

    Bereits kurz nach Fertigstellung des Bauwerkes am 8. Mai 2013 folgte die Feuertaufe: Im Juni 2013 wurden über das Hochwasserentlastungsbauwerk 130 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgeleitet und in Summe 23 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten. Da sich der See damals noch in Flutung befand, konnte einmalig mehr Wasser aufgenommen werden.

    Was aber die Aufgabe nicht aus der Welt schafft, die hier künstlich in einen Kanal verlegte Weiße Elster mittelfristig wieder zu einem naturnahen Fluss mit Aue zu machen. Wer diese Aufgabe übernimmt, ist zwar noch offen. Aber es wird einer der größten Bausteine im vom Sächsischen Umweltministerium angeschobenen Auenprogramm, mit dem vor allem die Aue der Weißen Elster von Landesgrenze bis Landesgrenze wieder in einen natürlichen Zustand gebracht werden muss.

    Große Stauanlage: Das Speicherbecken Borna

    Südlich von Leipzig wurde der ehemalige Tagebaurestsee bei Borna bereits bis 1977 zu einem Hochwasserrückhaltebecken umgebaut und ist in den Hochwasserschutz der Landestalsperrenverwaltung eingebunden. Das gesamte Speicherbecken hat ein Fassungsvermögen von knapp 100 Millionen Kubikmetern Wasser und ist im Normalfall nur zum Teil gefüllt.

    So kann es bei Hochwasser 46 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Pleiße aufnehmen. Es dient zudem der Regulierung des Wasserstandes der Pleiße bei Niedrigwasser.

    Bei einer Gefährdungsanalyse im Zusammenhang mit dem bergbaubedingten Grundwasserwiederanstieg wurden Standsicherheitsdefizite für den Lastfall „Verflüssigung“ für Böschungen und die Innenkippe ermittelt. Eine wirksame Gefahrenabwehr ist nur durch eine geotechnische Sanierung möglich. Die Planung dazu startete im Jahr 2016. Die Arbeiten zur Sanierung laufen über die LMBV als Projektträger.

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