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Tauchinspektion an der Kanuparkschleuse: Jetzt muss erst einmal geklärt werden, woher das Sickerwasser kommt

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    Im März ging es dann auf einmal sehr schnell, verhängte der Landkreis Leipzig eine Nutzungsuntersagung für den Störmthaler und den Markkleeberger See. Und ruckzuck rückte auch die LMBV an, um zwei Sperrriegel in den Störmthaler Kanal zu wuchten, die verhindern sollen, dass es zu einem möglichen Abfließen des Wassers aus dem Störmthaler See in den vier Meter tiefer liegenden Markkleeberger See kommt. Am 7. April haben nun auch Taucher das Problem begutachtet und am 15. April gab es einen Pressetermin.

    Bei einem Vor-Ort-Pressetermin am Donnerstag, 15. April, informierten die LMBV-Abteilungsleiter Thomas Rösler (Projektmanagement Westsachsen-Thüringen) und Dr. Robert Böhnke (Geotechnik Mitteldeutschland) über den aktuellen Baufortschritt zur Sicherung des Störmthaler Kanals sowie über die Ergebnisse des permanenten Monitorings: Das obere Querbauwerk zwischen Störmthaler See und Kanuparkschleuse ist in weiten Teilen fertiggestellt, während das untere Querbauwerk bereits parallel vorbereitet wird.Es soll noch im April fertiggestellt werden. Die präventiven Sofortmaßnahmen laufen planmäßig, sodass die Sicherheit an den Bauwerken weiter erhöht werden konnte, betonte Rösler. Was dann noch fehlt, ist eine zusätzliche Wasserableitung – möglicherweise in Kaskadenform – die das überschüssige Wasser aus dem Störmthaler See in den Markkleeberger See leitet.

    Was aktuell gebaut wird

    Im 1. Bauabschnitt wurde am 7. April 2021 die zweite Spundwandachse des oberen Querbauwerks auf Störmthaler Seeseite fertiggestellt. Vorausgegangen war die Errichtung der ersten Spundwandachse des oberen Querbauwerkes bis 1. April 2021. Derzeit wird der Zwischenbereich mit Wasserbausteinen und Bodenmaterial verfüllt. Aufgrund seitlicher Nachsackungen im Böschungsbereich sind Dämmer- und Tonschichteinbau als zusätzliche Verdichtungsmaßnahmen erforderlich.

    Im 2. Bauabschnitt soll voraussichtlich in der 18. Kalenderwoche die erste Spundwandachse des unteren Querbauwerks auf Markkleeberger Seeseite errichtet werden. Geplant sind drei Spundwände mit abnehmenden Höhen. Zurzeit werden die einzelnen Spundwandbohlen für den Einbau vorbereitet.

    Die Überschusswasserableitung erfolgt weiterhin über die Bypässe der Schleuse. Bauzeitlich werden auf der Baustelle Pumpen vorgehalten, um die Ableitung des Überschusswassers zu gewährleisten. Bisher war ein Pumpbetrieb nicht notwendig. Nach Abschluss der Baumaßnahme werden beide Querbauwerke über offene Gerinne mit Dammbalkenverschlüssen im Ober- und Unterwasser verfügen.

    Eine Empfehlung zur Nutzungsfreigabe der angrenzenden Gewässer Störmthaler und Markkleeberger See kann erst nach Errichtung der oberen und unteren Querbauwerke mittels Spundwänden, nach Vorlage aller erforderlichen statischen Nachweise und Bestandsunterlagen sowie nach Prüfung und Freigabe durch die Sachverständigengutachter erfolgen, betont die LMBV. Die Sperrung der Seen gilt bislang bis zum 31. Mai. Aber wenn sich Probleme ergeben, könnte die Freigabe sich trotzdem noch weiter verzögern.

    Was wird alles beobachtet und untersucht?

    Im Anschluss an den Pressetermin am 15. April gab es eine gemeinsam mit der Gemeinde Großpösna organisierte Online-Bürgerinfo-Veranstaltung. Nach kurzen Informationen zum aktuellen Sachstand wurden im Rahmen einer Webkonferenz die Fragen von Anwohnerinnen und Anwohnern des Markkleeberger sowie des Störmthaler Sees beantwortet. Die Informationsveranstaltung ist noch für einige Tage unter Youtube abrufbar.

    Informationsangebot Bauarbeiten am Kanal zwischen Markkleeberger und Störmthaler See

    Insbesondere der beauftragte Gutachter Matthias Götz vom Erdbaulabor Leipzig erklärte, wie man überhaupt auf die Gefahr aufmerksam wurde. Denn bis 2017, als sein Labor die Begutachtung des Kanals übernahm, gab es rund um die Kanuparkschleuse keine signifikanten Erdveränderungen.

    Erstmals sichtbar wurden Risse und Ausspülungen unterhalb der Schleuse im März 2019, was dazu führte, dass ab da ein regelmäßiges Monitoring mit Messungen an den sensiblen Bauwerken erfolgte. 2020 waren die Risse an der Kanalböschung so groß, dass zur Verhinderung der Erosion eine große Schotterschüttung aufgebracht wurde.

    Die sollte die weitere Ausspülung der Böschung zwar verhindern, aber im Februar 2021 war dann unübersehbar, dass sie sich so weit verschoben hatte, dass hier gehandelt werden musste. Ab diesem Zeitpunkt, so betont Matthias Götz, war Gefahr im Verzug. Der Kanal musste vorsorglich komplett gesperrt werden.

    Auch wenn die LMBV nun betont: „Aus dem laufenden Grundwasser- und Böschungsmonitoring ergeben sich keine Hinweise auf eine akute Gefährdung. Auch die Grundwasserstandsentwicklung der einzelnen Messpegel entspricht den bisherigen Bewertungen.“

    Was freilich vorerst nur bedeutet, dass die Kanuparkschleuse als Kompaktbauwerk bislang keine Veränderungen zeigt. Es könnte also sein, dass man es bei dem Wasseraustritt im Kanal nicht mit einer Umspülung der Schleuse mit Wasser aus dem Störmthaler See zu tun hat.

    Kontrolltauchgang am unteren Schleusenvorhof am 07.04 2021. Foto: LMBV, Anika Dollmeyer
    Kontrolltauchgang am unteren Schleusenvorhof am 07.04.2021. Foto: LMBV, Anika Dollmeyer

    Woher das Wasser freilich kommt, das da aus der Kanalböschung quillt, weiß man noch nicht. Das betonte auch Götz. Es könnte auch Grundwasser sein, das sich im Boden der alten Tagebaukippe des Tagebaus Espenhain gebildet hat nach Anstieg des Wasserspiegels im Gebiet. Und natürlich sucht sich auch Grundwasser seinen Weg, um irgendwo wieder an die Erdoberfläche zu kommen.

    In diesem Fall würde es durch einen beim Bau der Schleuse verdichteten Sperrriegel im Erdreich sickern, der an der Stelle bis zu 15 bis 20 Meter unter die Kanalsohle reicht und 85 Meter breit ist. Und das mit erheblichem Druck, wie Götz berichtet, einem Druck, der vor allem für Grundwasser typisch ist. Hat man hier also nicht mitbedacht, dass auch das alte Kippengelände mit seinen schweren Auflasten einen steigenden Grundwasserspiegel hat und dieses Grundwasser irgendwohin abfließen muss?

    Das muss jetzt alles noch untersucht werden, möglicherweise auch mit einer Öffnung des Abschnitts, an dem die Sickerstelle sich befindet. An eine Freigabe des Radweges an der Schleuse ist also vorerst auch noch nicht zu denken. Und diese Untersuchungen werden nicht Wochen, so Götz, sondern eher Monate dauern. An eine Wiedereröffnung des Kanals und der Schleuse ist im Jahr 2021 auf keinen Fall mehr zu rechnen.

    Per Tauchgang fanden am 7. April im Auftrag der LMBV weitere Untersuchungen im Störmthaler Kanal und am Schleusenbauwerk statt. In Auswertung des Tauchgangs gab es keine Veränderung zu den bereits seit 2019/2020 bekannten Schäden. An der Kanalsohle im Bereich des unteren Vorhafens wurden freilich kleine Vertiefungen (Kolk), Lochbildungen und Aufwallungen gefunden.

    Kontrollen durch Taucher sind oft die einzige Möglichkeit, sich einen fortlaufenden Überblick über Zustand und Funktion von wasserbautechnischen Anlagen zu verschaffen oder um Gefährdungen richtig bewerten zu können, betont die LMBV. Abhängig von den Bedingungen unter Wasser wird der Zustand vom Taucher dabei durch Ertasten oder mit digitaler Foto- oder Videotechnik dokumentiert.

    Wobei auch Gutachter Götz die Besorgnis teilt, dass der Wasseraustritt durch eine Umspülung der Schleuse mit Wasser aus dem Störmthaler See zu tu haben könnte. Aber woher es wirklich genau kommt, weiß er noch nicht. Das wird der Schwerpunkt der Untersuchungen in den nächsten Monaten sein. Und erst wenn man das weiß, kann man wirklich über Lösungen für die Kanuparkschleuse nachdenken.

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