Nichts Neues im Streit um den Drittliga-Aufstieg in der Regionalliga Nordost. Erst am Mittwoch tagen die aufstiegsberechtigten Klubs aus der Spitzengruppe wieder mit dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV). Streitpunkt bei einem Saisonabbruch wäre die Wertung der Tabelle. Lok hat die gleiche Punktzahl wie Tabellenführer VSG Altglienicke, aber ein Spiel weniger. Das ist aber kein Nachholspiel, was aus Witterungsgründen abgesagt wurde, sondern hat nur indirekt mit Lok zu tun.

In der vergangenen Woche hatte die Bild vermeldet, dass zur sportlichen Ermittlung eines Aufsteigers aus der Regionalliga Nordost ein Vierer-Turnier in Erfurt mit Hertha II, der VSG Altglienicke, Lok Leipzig und dem FC Energie Cottbus gespielt werden soll. Erst hieß es, nur Lok Leipzig sei dagegen. Altglienicke-Trainer Karsten Heine drückte sein Empfinden auf kicker.de allerdings mittlerweile deutlich aus. „Über ein Vierer-Turnier zu reden, finde ich völlig absurd. Wir wünschen uns eine sportliche Entscheidung. Ist diese nicht möglich, sind wir Erster und sehen uns als ersten Anwärter auf den Staffelsieg.“

Heine hat auf den ersten Blick recht: Die VSG Altglienicke führt nach 23 Spielen mit 47 Punkten und einem Torverhältnis von plus 28 die Tabelle an. Lok hat 22 Spiele, ebenfalls 47 Punkte und ein Torverhältnis von plus 19. Also ein Spiel weniger. Auf den zweiten Blick scheint Heines Aussage unlogisch.

Warum aber ist die Tabelle nicht begradigt?

Am 8. März sollte Lok beim Berliner AK antreten. Mit nur einer Saison-Niederlage und elf Punkten aus fünf Spielen im Jahr 2020 wollte Lok in Berlin den nächsten Dreier einfahren. Die Berliner hatten ihrerseits alle fünf Spiele gewonnen, ein Torverhältnis von 15:4 erzielt. Ein echtes Spitzenspiel, was aber witterungsbedingt ausfallen musste. Die VSG Altglienicke spielte am 7. März bei der BSG Chemie in Leutzsch, gewann nach individuellen Fehlern der Hausherren mit 4:2. Und hatte dadurch das eine Spiel mehr?

Dem ist nicht so, denn auch die VSG hat noch einen Nachholer offen. Das Heimspiel gegen Wacker Nordhausen war eine Woche zuvor ausgefallen. Lok war Ende Februar dadurch drei Punkte enteilt, verlor die Tabellenführung allerdings durch den Sieg der Berliner in Leutzsch wieder.

Der Unterschied in der Spielanzahl hat also nichts mit offenen Nachholspielen zu tun. Er kommt durch den Rückzug von Rot-Weiß Erfurt zustande. Weil Lok in der laufenden Saison bereits zweimal gegen die Thüringer gespielt hatte (2:2, 2. Spieltag, 2:1, 19. Spieltag) und Altglienicke nur einmal (1:1, 16. Spieltag) wurden Lok vier Punkte und zwei Spiele abgezogen, Altglienicke nur ein Punkt und ein Spiel.

Erst am kommenden Wochenende wäre die Tabelle final begradigt gewesen. Dann hätte Altglienicke spielfrei gehabt während Lok in der Arena Hans Zoschke beim SV Lichtenberg 47 hätte antreten müssen. Es wäre der vorletzte Spieltag gewesen, am letzten wären Lok und Altglienicke übrigens in Probstheida aufeinandergetroffen. Was wäre das für ein Endspiel gewesen?

Rot-Weiß Erfurt ist „schuld“

Die Frage nach der Feststellung eines Meisters hängt also wesentlich mit dem Erfurter Rückzug zusammen. Würde man die Spiele dazu addieren, wären beide Teams spielgleich, Lok hätte 51, Altglienicke nur 48 Punkte. Diese Lösung wird es allerdings wohl nicht geben. Aber dass noch einmal gespielt wird, scheint ebenfalls unwahrscheinlich. Bei den ersten Corona-Tests in der 1. und 2. Bundesliga wurden zehn positive Fälle registriert, wie viele werden es dann in einer Amateurliga wie der Regionalliga sein?

Gleichzeitig fordert der Präsident des FC Saarbrücken einen Abbruch der Regionalliga Südwest. „Bis alle Vereine wieder trainiert und wettbewerbsfähig wären, würde zu viel Zeit ins Land gehen. Deshalb plädiere ich dafür, dass die Saison abgebrochen wird“, sagte Hartmut Ostermann kicker.de. Der Tabellenerste solle aufsteigen, ein Abstieg „durch geschickte Aufstockungsregeln“ verhindert werden.

Aber da waren sie wieder, die Probleme. Während Saarbrücken bei gleicher Spielanzahl sechs Punkte auf die SV Elversberg Vorsprung hat, ist die Sachlage im hiesigen Nordosten anders. Die offensichtliche Lösung Punkte/Spiele würde Lok mit 2,13 Punkten zu 2,04 übrigens deutlich vorn und als Aufsteiger sehen. Dieses norwegische Modell hat auch die UEFA bei Saisonabbrüchen empfohlen.

Fällt die Entscheidung über den Drittliga-Aufstieg doch noch sportlich?

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Natürlich werden auch die L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG in den kommenden Tagen und Wochen von den anstehenden Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Ausfälle wegen Erkrankungen, Werbekunden, die keine Anzeigen mehr schalten, allgemeine Unsicherheiten bis hin zu Steuerlasten bei zurückgehenden Einnahmen sind auch bei unseren Zeitungen L-IZ.de und LZ zu befürchten.

Doch Aufgeben oder Bangemachen gilt nicht 😉 Selbstverständlich werden wir weiter für Sie berichten. Und wir haben bereits vor Tagen unser gesamtes Archiv für alle Leser geöffet – es gibt also derzeit auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de ganz ohne Paywall zu entdecken.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere selbstverständlich weitergehende Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

- Anzeige -

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar