Es war aus Leipziger Sicht einer der rar gesäten magischen Momente bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften im Berliner Olympiastadion: Rocco Martin von der SG Motor Gohlis-Nord lief in einem couragierten Rennen über die 800 Meter völlig überraschend zur Silbermedaille. Welchen Stellenwert diese sportliche Leistung für den Verein aus dem Leipziger Norden darstellt, zeigt die Tatsache, dass inzwischen genau 30 Jahre vergangen sind, seit mit Carsten Eich zum letzten Mal ein MoGoNo-Athlet bei der DM Edelmetall abgeräumt hat (Gold über 10.000 Meter).

Doch der jetzige Erfolg des 21-Jährigen ist kein Zufallsprodukt. Der Polizeianwärter hatte über die letzten Jahre eine bemerkenswerte Entwicklung genommen, die ihm 2020 bereits den Titel Deutscher U20-Jugendmeister einbrachte. Die LZ befragte Rocco Martin zu den Rahmenbedingungen für seinen Sport.

Durch die etwas „verunglückte“ WM ist in Deutschland das Thema Sportförderung wieder neu entflammt. Wie sehen diesbezüglich die Rahmenbedingungen für Ihre Spitzensport-Karriere aus? Wie viel Prozent Ihres Lebensunterhaltes können Sie durch Förderprogramme, Sponsoren oder ähnliches abdecken?

Ich bekomme keinerlei Unterstützung von Sponsoren oder ähnlichem. Ich musste schon immer alles alleine finanzieren, beziehungsweise hatte bis zum Beginn meiner Ausbildung bei der Sächsischen Polizei alles meine Mutter bezahlt. Seit letztem Jahr im September bin ich in der Sportfördergruppe der Polizei Sachsen und ohne diese Möglichkeit hätte ich keinerlei Chancen, den Sport auf diesem Leistungsniveau weiterzubetreiben.

Wie bewerten Sie diese Situation im Hinblick auf Ihre sportliche Entwicklung?

Das LZ Titelblatt vom Monat August 2022. VÖ. 26.08.2022. Foto: LZ

In der Leichtathletik gibt es sowieso kaum Förderung und ohne Bundeskaderstatus gibt es leider auch seitens des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV) kaum Unterstützung. Als Bundeskader wird man in die Trainingslager des DLV eingeladen und schöpft noch ein paar andere Vorteile.

Dafür muss man aber nicht nur die entsprechende Leistung bringen, sondern sollte auch an einem Bundesstützpunkt trainieren. Aus meiner Sicht bedeutet es aber nicht, dass es schlechter ist ohne Bundeskader. Ich selber habe auch keinen Bundeskader und habe dieses Jahr größere Fortschritte gemacht als je zuvor!

Ihre sportliche Entwicklung ist gewiss auch größeren Vereinen nicht verborgen geblieben, die möglicherweise mit attraktiveren Bedingungen locken könnten. Wie gelingt es der SG MoGoNo, Sie dennoch im Verein zu halten?

Ich hätte wahrscheinlich Vorteile, von denen ich in einem größeren Verein als der SG MoGoNo schöpfen könnte, aber ich sehe keinen Grund für einen Vereinswechsel. Ich habe mit meinem Trainer Tasso Hanke dauerhaft Fortschritte gemacht und große Erfolge eingefahren. Alleine der Vizedeutsche Meistertitel dieses Jahr in Berlin hat es mir wieder bewiesen. Wieso sollte ich daher wechseln?

Zudem ist unsere Trainingsgruppe eine Familie und es ist super, mit meinen Trainingspartnern Piet Enzmann und Bradley Kullmann zusammen zu trainieren. Ich freue mich jedes Mal auf das Training, weil ich meine Freunde sehe und es nicht nur als Leistungsdruck ansehe. Ich denke, das ist auch ein Grund, warum ich den Kopf in vielen Rennen freihabe und der Druck ein bisschen von meinen Schultern fällt.
Mehr Infos:
https://mogono-leichtathletik.de/

„Vizemeister Rocco Martin (SG Motor Gohlis-Nord) und die Krux mit der Sportförderung: Ich musste schon immer alles alleine finanzieren“ erschien erstmals am 26. August 2022 in der aktuellen Printausgabe der Leipziger Zeitung (LZ). Unsere Nummer 105 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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