Fitnessstudios zählen im Bereich des Sports ohne Frage zu denjenigen Einrichtungen, denen die Corona-Pandemie bisher besonders viel Geduld abverlangt hat. Mit dem dritten Lockdown innerhalb von zwei Jahren waren die Muckibuden zuletzt von Mitte November bis Mitte Januar dicht. Jetzt können sie unter der 2G-plus-Bestimmung wieder loslegen. Wie das gelingt, und was die wiederholten Schließungen für Spuren hinterlassen haben, hat die Leipziger Zeitung (LZ) exemplarisch bei Dr. Hendrik Rudolph erfragt.

Er ist Geschäftsführer und Inhaber von „Fitness Exclusiv“ in der Arthur-Hoffmann-Str. 175. Sein Studio war – damals noch in Gohlis – 1990 das erste Fitnessstudio überhaupt, das nach der Wende in Leipzig seine Pforten öffnete. Die guten Neujahrsvorsätze vieler Menschen sorgen im Monat Januar normalerweise für einen Boom an Neuanmeldungen in den Fitnessstudios der Stadt. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen und Bestimmungen lassen diesen Effekt aktuell allerdings spürbar geringer ausfallen.„Die Neuanmeldungen gehen eigentlich schon nach Weihnachten los, aber das bleibt jetzt fast vollständig aus. Die Leute sind noch vorsichtig oder haben erst mal andere Dinge zu tun“, sagt Dr. Hendrik Rudolph im LZ-Interview. „Natürlich kommen vor allem unsere Mitglieder, die glücklich sind, wieder reinzudürfen. Neue Interessenten fehlen allerdings auch weiterhin fast komplett. Diese fehlenden Zugänge der vergangenen zwei Jahre schleppen wir mit uns herum. Das ist vor allem für die Zukunft immens schwierig.“

„Fitness Exclusiv“, das schon immer im eher hochpreisigen Segment angesiedelt war, hat auch während der Lockdown-Zeiten die Hände nicht in den Schoß gelegt. „Wir haben tatsächlich die ganze Pandemie über gearbeitet, denn es gab trotzdem viel zu tun“, versichert Rudolph. „Wir hatten zum Beispiel alles gemalert und auf Vordermann gebracht, die Beleuchtung ausgewechselt, die Hausmeister waren zugange, und wir haben Reha-Sport angeboten. Es war, personell gesehen, immer voller Betrieb.“

Dass seine Angestellten in dieser schwierigen Situation ein verlässlicher Rückhalt waren, weiß der Geschäftsführer sehr zu schätzen. „Das Studio ist auch dadurch so stabil geblieben, weil die Mitarbeiter unheimlich interessiert sind. Teilweise waren sie natürlich in Kurzarbeit, haben aber trotzdem wahnsinnig gut mitgezogen und sich einen Kopf gemacht. Darüber bin ich sehr froh.“

Mit den Kursleiter/-innen besteht das Team aktuell aus 12 Leuten, nachdem aus unterschiedlichen Gründen drei Abgänge zu registrieren gewesen sind. Aber immerhin musste niemandem gekündigt werden.

Verlässliche Mitarbeiter/-innen, ein ordentliches Krisenmanagement, finanzielle Überbrückungshilfen sowie neue Ideen haben das Studio bisher durch die Zeit der Pandemie getragen. Eine dieser Ideen war die Einführung von Online-Kursen. „Begonnen hatten wir mit aufgezeichneten, eher spaßigen Kursangeboten. Bei der zweiten Schließung haben dann wir mit den interaktiven Zoom-Kursen angefangen. Soweit ich weiß, waren wir damit in Leipzig damals die Einzigen“, erklärt Hendrik Rudolph.

„Ich habe erst gestern eine Kundin getroffen, die im Augenblick gar nicht mehr ins Studio kommt, sondern unsere Online-Kurse auch weiterhin über Zoom nutzt. Wir übertragen den Kurs live in die Wohnzimmer, wo die Leute mitmachen können. Die Kursleiter können diese dann bei den Übungen korrigieren und animieren. Sie können die Rückenschule also auch zu Hause im Schlafanzug machen und lassen dabei die Kamera einfach aus.“

Das Titelblat der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 98, Januar 2022. Foto: LZ

Dieses aus der Not geborene neuartige Angebot hat sich inzwischen bewährt und soll weiterhin beibehalten werden. „Wir sind dafür technisch gut aufgestellt und für eventuelle weitere Schließungen gewappnet. Trotzdem erreicht man auch damit nicht die breite Masse, das ist klar. Bei uns haben etwa zehn Prozent der Mitglieder mitgemacht.“

Apropos Mitglieder: Nach eigenen Angaben hat „Fitness Exclusiv“ durch die Pandemie bisher etwa ein Viertel seiner Mitglieder verloren. „Ich habe etwas Sorge, dass der Mitgliederschwund in den kommenden Jahren nicht mehr aufzufangen ist“, sagt Hendrik Rudolph. „Zum Glück hatte ich das Studio schon vor längerer Zeit verkleinert, um es retten zu können. Das hat mir jetzt immens geholfen.“

Dass er mit seinem Angebot die nächsten Jahre überstehen kann, ist für den 60-Jährigen keineswegs sicher. Klar ist für ihn nur, dass es im Zuge der Pandemie eine längst fällige Marktbereinigung geben könnte. „Es gibt in Leipzig einfach viel zu viele Fitnessstudios. Früher rechnete man mal mit einem Studio auf 20.000–25.000 Einwohner. Das würde für Leipzig etwa 20–30 Studios bedeuten, aber wir haben praktisch das Doppelte.

Dazu gibt es dann noch viele kleine Anbieter, die sich zum Beispiel nur irgendwo einen Raum angemietet haben und dort ihre Kurse anbieten oder Anbieter von EMS-Training (Elektrische Muskelstimulation) oder auch Freiluft-Anbieter, da gibt es einiges. Außerdem haben sich viele Leute während der Pandemie auch zu Hause eingerichtet. Das wird für uns auf jeden Fall mega schwer, aber man hofft natürlich, selbst zu überleben und davon profitieren zu können.“

Helfen könnte dem Geschäftsführer dabei die Erfahrung, bereits einige harte Krisen erfolgreich gemeistert zu haben. Eine Garantie ist das freilich nicht. „Ich bin noch nicht überzeugt, dass ich das wirtschaftlich überlebe, aber ich habe alles dafür getan“, versichert Rudolph. „Natürlich bin ich optimistisch, aber es ist ergebnisoffen.

Die nächsten Monate wird das noch kein Thema sein. Wir hoffen, dann gut über den Sommer zu kommen, denn das ist für uns immer eine Saure-Gurken-Zeit. Außerdem gilt: Sparen, sparen, sparen, wo es irgendwie noch geht. Und dann kommt im Herbst hoffentlich endlich wieder ein Aufschwung.“

„Der harte Kampf ums Überleben in Lockdown-Zeiten: Fitnessstudio-Betreiber Dr. Hendrik Rudolph hofft auf eine Marktbereinigung“ erschien erstmals am 28. Januar 2022 in der aktuellen Printausgabe der LEIPZIGER ZEITUNG. Unsere Nummer 98 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

- Anzeige -

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar