Kommentar

18. März in Leipzig? Dona Nobis Pacem

Für alle LeserKommentarLiebe Juliane, liebe Irena (Ladies first), lieber Jürgen, lieber Alexander, lieber Christian, lieber Andreas und lieber Bernd. Und vor allem: liebe Alle, die Ihr am 18. März friedlich gegen Rassismus, nationale Beschränktheit und Hass auf die Straße gehen werdet, weil Ihr Euch von niemandem im Vorfeld habt Angst machen lassen. Doch beginnen möchte ich mit Euch, Alexander und Christian. Denn wenn das Beste immer am Schluss kommt, muss auch irgendwer den Anfang machen.

Am 18. März wollt Ihr mit Eurem doch recht kärglichen NPD-Rechtsaußen-Haufen namens „Die Rechte“ (sind das jetzt mehr als 11 Mitglieder in Sachsen geworden?) und der angeblichen Thüringer „Bürgerbewegung Thügida“ ganz nötig beweisen, dass die „Frontstadt Leipzig“ (so sagt Ihr doch untereinander?) komplett ausflippt und randaliert, nur weil Ihr eine „andere Meinung“ habt und Deutschland so unfassbar dolle liebt. Jedenfalls habe ich bislang noch nichts anderes gehört, das mit Eurer Panik vor Fremden halte ich für ein Gerücht (dazu später mehr).

Das ist bis hier ehrlich gestanden angesichts der Probleme unserer Zeit so derart unterkomplex (ja, das neue Modewort für etwas dämlich), dass ich mich mal auf den Boden gelegt hab beim Schreiben. Um auf Augenhöhe zu kommen. Und während ich so liege und schreibe, fällt mir auf, dass es schön, entlastend ist, so einfach zu denken. Ich liebe mein (sic!) Land auch, warum auch nicht? Im Sommer die weiten, gelben Getreidefelder, der dampfende Geruch von überhitztem Teer auf den Landstraßen, das dröhnende Rauschen, wenn ein Wind aufkommt und die Baumwipfel im dicht stehenden Wald schwanken macht.

Oder das Geklapper auf den Freisitzen in den Städten, was gerade langsam zurückkehrt, je schwächer der Winter wird und hier! – auch die unglaublich schlauen Krähen, wenn sie gegen Abend in den Auwald umziehen, nachdem sie den ganzen Tag eifrig die Mülleimer der Stadt geplündert und so manche andere „Untat“ vollbracht haben. Und vor allem liebe ich die vielen fröhlichen Menschen, die in meiner (sic!) Stadt Leipzig leben und in nicht geringer Anzahl Tagein Tagaus auch daran mitwirken, dass es ein lebenswerter Ort in diesem meinem (sic!) Land wird und bleibt. Ehrlicherweise mag ich auch die „Miesepeter“ am Morgen in der Bimmel. Wenn sie sich einmummeln, weil es draußen knackig kalt ist und ein langer, dunkler Winter-Arbeitstag ansteht.

Wenn ich es dann an meinen guten Tagen schaffe, dass jemand zurücklächelt, habe ich immer ein zärtliches Gefühl, dann weiß ich, dass alle Sorgen und zu tragenden Lasten eines Lebens die Fröhlichkeit niemals endgültig meucheln können. Und dass ich nicht ganz unsympathisch zu sein scheine – das macht mir auch Freude. Denn wir haben noch so unfassbar viel zu schaffen, dass unsere Zeit dafür kaum reichen wird. Da ist jeder Moment der herzlichen Zuwendung, jede menschliche Regung wichtig und wertvoll. Und auch, dass man sich selbst für das, was man tut, leiden mag.

Ein kärglicher Haufen "Die Rechte" am 12. Dezember 2015. Foto: L-IZ.de

Ein kärglicher Haufen „Die Rechte“ am 12. Dezember 2015. Foto: L-IZ.de

Ihr, lieber Christian und lieber Alexander, habt es vielleicht gemerkt – ich bin beim Schreiben wieder aufgestanden und sitze nun aufrecht vor meiner Tastatur. Denn ich verstehe etwas nicht. Wenn es Euch so geht wie mir und Ihr Euer (sic!) Deutschland so liebt, warum könnt Ihr die Menschen nicht einfach so sein lassen, wie sie sind? Und sie ab und an mal anlächeln – ja, auch Fremde, denn das sind sie letztlich ja alle für einen, wenn man den Menschen vorher noch nie gesehen hat.

Ist es wirklich wertvolle Zeit, die man schreiend, schimpfend, ja hetzend gegen diese und jene und solche auf der Straße steht und darauf hofft, dass andere Menschen darüber so richtig stinksauer werden? Ist es wirklich so, dass Ihr nicht wisst, was geschieht, wenn man einen Igel anfasst und am 18. März in Leipzig unbedingt versuchen wollt, es herauszubekommen?

Ist das wirklich alles? Ich vermute leider ja. Schade um die Zeit, auch Eure, die Ihr lächelnd (hier, nicht grinsend, das ist was anderes) in der Bahn verbringen könntet.

Der Igel

Nun sind ja Menschen keine Igel. Die kleinen Kerlchen können nicht anders, müssen sich einrollen und die spitzen Stachel zeigen um nicht gefressen zu werden. Es hat sie zumindest so lang gut überleben lassen, bis der Mensch die Agrarmaschinen und Autos erfand.

Deshalb, liebe Irena, liebe Juliane, lieber Jürgen. Ihr habt schon vor Jahren Verantwortung übernommen, engagiert Euch neben Eurem sonstigen Tagwerk mit vielen, vielen anderen für und bei „Leipzig nimmt Platz“ und das schätze ich sehr an Euch.

Denn es ist richtig, sich einzurollen und die Stachel zu zeigen, wenn der Christian und der Alexander nur nach Leipzig reisen wollen, um anderen Menschen zu sagen, dass sie sie nicht leiden können, ja sie vielleicht sogar hassen. Und es ist auch richtig, zu widersprechen, wenn die Beiden versuchen, ihre Ängste vor der Zukunft, ihre mutmaßlich auch persönlich falschen Lebensentscheidungen in eine öffentliche Anklage gegen „die da (oben, links, von draußen)“ umzurubeln.

Ich weiß, dass der Christian und der Alexander nicht glücklich sein können, wenn sie so ihre Zeit verbringen. Und frage mich immer, wie die beiden und Ihre Kameraden von der „Brigade Halle“ (Freund scheint mir das falsche Wort, denn wie soll so Freundschaft entstehen?) an solche Tage zurückdenken? Was haben wir wieder schön den Hass über allem ausgegossen, was versucht, mit ein wenig Anstand und Würde durchs Leben zu kommen?

Eingerollt

Ich hab nur auch überlegt, was wir da, eingerollt wie wir dann so sind, machen können. Gut ist schon mal, dass man in so einem eingerollten Zustand (ich probier es gerade aus) nicht in der Lage ist, jemandem ins Gesicht zu hüpfen. Es geht nicht, auch nicht beim vierten und fünften Versuch. Und man ist ganz bei und nicht außer sich. So ein „sich-auf-die-Straße-setzen“ ist ein bisschen wie sich einzurollen, passiv aber kraftvoll, klar aber nicht angriffslustig, ruhig und nicht aggressiv. Das geht natürlich auch stehend, auch am Rand, aber das hätte jetzt nicht zum Igel gepasst.

Igel auf der Bernhard-Göhring-Straße am 12. Dezember 2015. Foto: L-IZ.de

Igel auf der Bernhard-Göhring-Straße am 12. Dezember 2015. Foto: L-IZ.de

Und ich habe überlegt, was Ihr und die vielen friedlichen Demonstranten eigentlich dafür könnt, was da am 12. Dezember 2015 passierte und was nun irgendwie ganz viele, darunter auch der Bernd und der Andreas von der Polizei, auch für den 18. März vermuten. Ihr wisst ja, ich meine diese steinewerfenden und barrikadenanzündenden Ausflipper (also nicht bei sich, nicht eingerollt), die uns besucht haben, als der Alexander das erste Mal versuchte, uns etwas (ja, immer bisschen zu laut und leicht missverständlich) über seine eigenen Probleme zu erzählen.

Ich seh ihn ja eigentlich immer in dieser merkwürdigen Unterhosen-Pose auf dem einen Bild von seinem von der Antifa geklauten Handy vor mir. Kein angenehmes, inneres Bild, aber zum Schmunzeln ist es doch.

Aber ich schweife ab. Ihr wisst ja auch wie ich, was man seit dem 12. Dezember 2015 über „die Linken in Connewitz“ in der Alltagspresse schon so alles verzapft hat, als der übergroße Haufen aus Berlin, Hamburg und wasweißichwoher schon längst wieder Mamas Kühlschrank (oder den der Freundin, egal) ganz autonom am Leerfressen waren. Apropos fressen: Habt Ihr schon gehört, dass es jetzt jeden zweiten Mittwoch am Connewitzer Kreuz linksextreme Kinderschlachtungen unter Absingen der Internationale geben soll? Stand neulich in „der Presse“! (wo genau, hab ich vergessen, aber ich trau mich kaum noch ans Kreuz seither).

Das waren die Igel garantiert nicht. Foto (vom 12.12.2015): L-IZ.de

Das waren die Igel garantiert nicht. Foto (vom 12.12.2015): L-IZ.de

Aber ich verzettele mich. Ich weiß jedenfalls, dass Ihr und die Euren am 18. März friedlich sein werdet, weil Ihr das immer wart. Bei Jürgen hat das sogar schon ein Gericht festgestellt, ich mache mir da tatsächlich keinerlei Sorgen. Die hab ich eher, wenn ich an diese Krawalltouristen denke, deren Motivation ich in all den Jahren nie so ganz verstanden hab. „Macht kaputt, was Euch kaputtmacht?“ Warum randalieren die nicht an den Bürotüren der Rüstungslobby? Oder klauen meinetwegen wieder dem Alexander noch mal das Handy? Nein, natürlich nicht. Aber lustig wars schon, was da so alles rauskam – auch über Alexanders Kamerad bei der Polizei und den Maik und Porky – gebe ich zu.

Was mich doch noch zur Leipziger Polizei bringt

Denn was der Andreas vor dem 18. März sogar für Lesefaule in einem Video sagte, klang ein wenig nach „Rückspiel“ mit Gesetzbuch und Schlagstock in der Hand. Mir wären ja ein paar Ermittlungserfolge und Anklagen zum 15. Dezember aber und auch und überhaupt zum Überfall dieser … (nein, ich bleibe höflich) am 11. Januar 2016 in Connewitz lieber gewesen.

Das schafft dieses, na, wie hieß es noch gleich? Richtig: Vertrauen in die Polizei, die Gerichte, verkürzt, den Rechtsstaat.

Hand aufs Herz. 40, 50 Hundertschaften am 18. März? Der „größte Einsatz nach 1989“ – ernsthaft? Doch bestimmt nicht wegen der Igel oder? Andreas – sei ehrlich! Ihr wollt einfach einen frühen Feierabend (den ich Euch sehr gönne) und dann alle gemeinsam ab in die Arena, zum Hauptboxkampf des Abends zwischen Robert Stieglitz und Dominic Bösel (Start ca. 22 Uhr).

Und weil der Andreas nichts sagt, was nicht auch der Bernd so meint, möchte ich auch Euch beide neben der Verstärkung der Bemühungen in der Ermittlungsarbeit auch zur „2. Leipziger Kristallnacht“ auf der Wolfgang-Heinze-Straße um noch etwas bitten.

Könnt Ihr Euch darum kümmern, dass der Kollege von Euch – der, der lange vor den Ausschreitungen am 12. Dezember vor einer laufenden Kamera (in die er kurz, aber deutlich hineinblinzelt) eine Gasgranate auf eine bis dato friedliche Gruppe am Amtsgericht Leipzig abschoss – doch noch zur Rechenschaft gezogen wird? Ihr habt ja mitteilen lassen, Ihr konntet ihn nicht finden? Wenn ich Euch beim Videosuchen helfen kann, meldet Euch einfach.

Einfacher wäre es natürlich, wenn Ihr Euch im Interesse der vielen ehrlich und hart arbeitenden Beamten für eine Kennzeichnungspflicht für Einsatzpolizisten stark machen würdet. Dann findet man die schwarzen Schafe nämlich viel leichter und abermals stiege das Vertrauen in die Polizei.

Dass mit der Ermittlung müsst Ihr nun, wo Ihr den Kollegen im Video sicher erkannt habt und wisst, welche Einheit um die Zeit am Amtsgericht war, aber wieder selber machen. Ich bin zu alt, um trotz des aus Personalmangel angehobenen Aufnahmealters noch in Eure Truppe zu wechseln. Außerdem schreibe ich, wie meine Kollegen, gern – den einen zu wenig, den anderen zu viel.

Schlussgedanken

Und in dieser Rolle in dieser kleinen Geschichte um Igel und Gewalt habe ich einfach von vielen – also sozusagen einem „Querschnitt der Gesellschaft“ – gehört, dass sie nicht verstehen können, wieso so manche Täter unter Euren Kollegen einfach machen, was sie eben so machen und weiter Eure Kollegen bleiben dürfen? Und wisst Ihr auch, warum das so viele so sehen? Weil sie Euch das Gewaltmonopol zur sorgsamen Nutzung nur geliehen haben.

Aber da ich auch Euch beide –wisst Ihr ja, denke ich – leiden kann, machen wir hier ein Ende und einen Punkt. Und hoffen, dass es alles friedlich bleibt. Eins noch, ein jeder Text braucht einen Schlussgedanken: Leipzig und „Keine Gewalt“ und so finde ich unter vielen Traditionen meiner (sic!) Stadt noch immer die schönste. Vielleicht singen wir auch einfach mal wieder alle zusammen „Dona Nobis Pacem“? Während dabei die Herausforderung ja eher in der sauberen Intonierung besteht, bin ich ganz sicher, dass Juliane, Irena, Jürgen und wir drei den Text können.

Etwas, wo ich mir bei Alexander und Christian ganz und gar nicht sicher bin.

Man sieht sich am 18. März. Auf der Straße.

Nachtrag: Alle im Text genutzten L-IZ – Verlinkungen sind nun frei verfügbar, also „freecontent“ und für jeden lesbar. Nicht dass noch jemand sagt, er hätte nichts gewusst …

Zum Üben. Ich singe für gewöhnlich Tenor. Quelle: Youtube

In eigener Sache: Lokaljournalismus braucht Unterstützer

http://www.l-iz.de/bildung/medien/2017/03/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

* Video *PolizeiConnewitz* Kommentar *Leipzig nimmt PlatzDemonstrationDie RechteThügida18. MärzBrigade Halle
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
Ein Kommentar

Kommentar schreiben



Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Am 2. August: Interkultureller Tag im Kunstkraftwerk
Grundschule am Auwald bekommt neue Mensa
Kreiswahlausschuss entschied über Kreiswahlvorschläge zur Bundestagswahl
Polizeibericht, 28. Juli: Serieneinbrecher in Haft, Fahrzeugeinbrüche, Mit 2,36 Promille unterwegs
Kooperationsvereinbarung zwischen dem Landesamt für Archäologie Sachsen und der Hochschule der Sächsischen Polizei im Bereich der Forensischen Archäologie getroffen
Am 3. August: „Reformationen. Ein Wandelkonzert.“
Bushaltestellen in Erich-Zeigner-Allee bald behindertengerecht
Spannende Abenteuer-Woche im Zoo Leipzig
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Demo in Markkleeberg: Ermittlungsverfahren gegen mehr als 100 OfD-Gegner wurden eingestellt
Eine von mehreren Sitzblockaden in Markkleeberg. Foto: L-IZ

Eine von mehreren Sitzblockaden in Markkleeberg. Foto: L-IZ

Für alle LeserMehr als 100 Antirassisten war es zu verdanken, dass die völkische „Offensive für Deutschland“ im Oktober 2015 einen weitaus kürzeren Aufzug durch Markkleeberg durchführen musste als ursprünglich geplant. Die Staatsanwaltschaft ermittelte daraufhin gegen 126 Personen wegen einer angeblichen Blockade. Sämtliche Verfahren wurden nun jedoch eingestellt.
In der Georg-Schwarz-Straße sollen acht Straßeneinmündungen für Fußgänger sicherer gemacht werden
Diakonissenkrankenhaus an der Georg-Schwarz-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist so eine Vorlage, die ganz still ins Verfahren flattert, aber für die Bürger, die es betrifft, eine spürbare Verbesserung im Straßenraum ergeben soll. Denn das Dezernat Stadtentwicklung und Bau will schon ab August acht Mündungsbereiche entlang der Georg-Schwarz-Straße aufwerten und vor allem fußgängerfreundlicher machen. Das Zauberwort heißt: „Verkehrsempfindlichkeit“.
Grüne fordern eine deutliche Erhöhung des Landeszuschusses für die Verbesserung der Kita-Qualität in Sachsen
Christin Melcher. Foto: Bündnis 90/Die Grünen

Foto: Bündnis 90/Die Grünen

Für alle LeserWas kostet denn eigentlich eine gerechtere Gesellschaft? Wo es doch immerzu ums Geld geht. Um große Ankündigungen, wenn die Landesregierung doch mal ein bisschen mehr finanziert. Und riesige Löcher, die die Kommunen nicht stopfen können, obwohl sie vom Bund dazu verdonnert sind. Wie bei der Kita-Betreuung. Auch vier Jahre nach Einführung des Rechtsanspruchs hat Leipzig das Problem nicht gelöst. Und der Freistaat?
Warum das Bedingungslose Grundeinkommen mit Luthers Arbeitsethos unvereinbar ist
Auch so eine Arbeit stiftet Sinn. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für Freikäufer Selbst in unserem Büro haben wir immer wieder manchmal heftige Diskussion mit dem einen oder anderen Besucher, wenn es um das Thema bedingungsloses Grundeinkommen geht. Hochemotionale Debatten, die fast immer an einem Prellbock enden, bei dem für viele selbst vernünftige Zeitgenossen immer wieder „Ende der Debatte“ ist: „Aber die Leute werden dann doch faul und hören auf zu arbeiten!“
Sächsischer Verfassungsschutz korrigiert nach Aufforderung Fehler im Bericht für 2015
PEGIDA zusammen mit LEGIDA im Juli 2015 in Leipzig. Foto: Alexander Böhm

Foto: Alexander Böhm

Für alle Leser2015 war ein seltsames Jahr in Sachsen. In Dresden marschierte Pegida, in Leipzig ein Ableger namens Legida. Und wer genau hinschaute, sah bekannte sächsische Neonazis Seit an Seit mit den ach so besorgten Bürgern spazieren. Am Rand dieser Demos kam es auch zu rechtsradikalen Übergriffen. Einen davon schrieb Sachsens Verfassungsschutz kurzerhand der Gegenseite zu – und korrigiert sich jetzt.
Fecht-WM 2017: Sudden Death beendet letzte Medaillen-Hoffnung
Erst im Sudden Death waren die deutschen Degendamen an Estland gescheitert - die es am Ende sogar bis auf den Weltmeister-Thron schafften. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserDie Fecht-Weltmeisterschaft 2017 hat am Mittwochabend ihren Abschluss gefunden. Die letzten Titel gingen im Damendegen an Estland und im Herrenflorett an Italien. Zwölf Entscheidungen waren im Laufe der vergangenen Woche in der Arena Leipzig gefallen, bei denen insgesamt 36 Medaillen vergeben wurden. Gastgeber Deutschland fischte davon eine Bronze-Medaille ab - eine unbefriedigende Bilanz.
Ermittlungen zum Tod von Jaber Albakr in der JVA Leipzig
JVA Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm heutigen Donnerstag, 27. Juli, meldete die Staatsanwaltschaft Leipzig den Abschluss der Ermittlungen nach dem Tod von Jaber Albakr. Am 12. Oktober hatte sich der 22-jährige Syrer in seiner Zelle in der JVA Leipzig erhängt. Schon zuvor hatte er für Schlagzeilen gesorgt, weil seine geplante Festnahme in Chemnitz so gründlich in die Hose ging. Aber war sein Tod in der Zelle nun jemandes Verschulden? Nein, meint die Staatsanwaltschaft.
Verteilungsgerechtigkeit soll wieder zum Mega-Thema der Sozialdemokratie werden
Dante auf dem italienischen Euro. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist es das Mega-Thema der Zeit, trotzt aller Widerstände aus den konservativen Think Tanks: die zunehmende Ungleichheit in Deutschland. Eher ist es die Frage, ob es Bundeskanzlerkandidat Martin Schulz nutzt, wenn ihn ein Papier der Friedrich-Ebert-Stiftung jetzt ermutigt, das Thema ganz groß aufzuziehen. Denn wie will man es besetzen, wenn man gleichzeitig die Steuern senken will?
Phrasen fürs Volk und dem Wähler ein Wohlgefallen
Mal horchen, was das Volk dazu sagt ... Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für FreikäuferAm Mittwoch, 26. Juli, haben wir uns mit der seltsamen Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Populismus beschäftigt. „Die Stunde der Populisten? Populistische Einstellungen bei Wählern und Nichtwählern vor der Bundestagswahl 2017“. Und fühlten uns ein bisschen einsam, weil die meisten anderen Medien die Studie und ihr Ergebnis tatsächlich für ernst nahmen.
Wie beim Pleißemühlgraben Nägel mit Köpfen gemacht wurden und Bürgerbeteiligung zur Farce wurde
Hier wird der Pleißemühlgraben künftig wohl fließen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser Es wird bestimmt gute Gründe geben, warum Planungsdezernat und Umweltdezernat das neue zu öffnende Stück Pleißemühlgraben direkt am Goerdelerring entlangführen wollen. Und möglicherweise wäre das auch das Ergebnis einer gut moderierten Bürgerbeteiligung gewesen. Doch Leipzigs Verwaltung zeigt gerade einmal wieder, wie man Bürgerbeteiligung zum reinen Alibi macht. Denn entschieden wird hinter verschlossenen Türen.
Sachsens Gesundheitswirtschaft hat 2015 und 2016 tüchtig aufgeholt
Entwicklung der Bruttowertschöpfung in den Bundesländern. Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Für FreikäuferDa staunten die sächsischen Statistiker, als sie die Zahlen zur Gesundheitswirtschaft 2016 addierten: Na hoppla, da mausert sich ja was zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige! Hat das keiner geahnt, dass man mit Gesundheit so viel Geld umsetzen kann? 12,1 Milliarden Euro. Fast 5 Prozent Wachstum. Jeder siebente Erwerbstätige arbeitet in einem Gesundheitsberuf.
Wie wirkt Luthers Thesen-Botschaft 500 Jahrer später, wenn sie zur künstlerischen Inszenierung wird?
„Abendmahl“-Installation am 2. September auf dem Leipziger Markt. Foto: Lumalenscape & FZML

Foto: Lumalenscape & FZML

Für alle LeserDa hat der Doktor Martin Luther aber etwas angerichtet, als er vor 500 Jahren seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel auf eine Papierrolle schrieb und in die Welt hinaus sandte. Was ja der Grund ist, warum die evangelische Kirche in diesem Jahr versucht, irgendwie 500 Jahre Reformation zu feiern. Vollgestopft mit Ereignissen, die selbst die Luther-Pilger überfordern. Auch Leipzig bekommt noch was zu hören am 2. September.
Bertelsmann-Studie „Die Stunde der Populisten?“
Bertelsmann-Studie „Die Stunde der Populisten?“ Cover: Bertelsmann Stiftung

Cover: Bertelsmann Stiftung

Für alle LeserWas kommt eigentlich dabei heraus, wenn die Bertelsmann-Stiftung herausbekommen will, wie sehr die Bundesbürger zu populistischen Positionen neigen? Zumindest etwas Seltsames. Denn Populismus ist keine politische Bewegung. Auch wenn das immer wieder suggeriert wird. Und er gehört nicht nur ins Repertoire von Leuten wie Trump oder Le Pen. Tatsächlich ist er Teil jeder Politik. Aber er verkleidet sich gern.
Das Bilderbuch „Hier kommt keiner durch!“ erhält den Gustav-Heinemann-Preis 2017
Isabel Minhós Martins, Bernardo P. Carvalho: Hier kommt keiner durch. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für FreikäuferDas Problem mit "den Flüchtlingen" fängt nicht erst an, wenn sie nach ihrer Reise unter Lebensgefahr bei uns ankommen. Das Problem fängt mit den Grenzen an, mit denen Mächtige versuchen, die Welt zu teilen - und die Menschen. Auf einmal gibt es Menschen die drin sind und noch viel mehr, die draußen sind. Und ein wütender Präsident oder ein General bestimmen, wer über die Grenze darf und wer nicht.
Sachsens Regierung hat noch nicht mal einen Plan, wie sie ihre Klimaschutzziele von 2012 umsetzen will
Entwicklung der sächsischen Emissionen 1991 bis 2014. Grafik: Freistaat Sachsen, LfULG

Grafik: Freistaat Sachsen, LfULG

Für alle LeserKünftige Generationen werden mit ziemlichem Zorn auf unsere Zeit schauen. Wenn sie überhaupt noch die Möglichkeit haben, sich mit Geschichte zu beschäftigen und nicht mit dem Kampf ums nackte Überleben vollauf zu tun haben. Denn es sind die jetzt lebenden Generationen, die die Lebensbedingungen für die Menschheit zerstören. Und das aus reiner Feigheit, Faulheit und Unwillen zum Handeln. Beispiel Sachsen.