Nein, Sie müssen keiner neuen Partei beitreten, keine neue Ideologie auswendig lernen. Nur Ihres eigenen Verstandes dürfen Sie sich bedienen. Genau so, wie es Immanuel Kant in seiner inzwischen legendären Definition der Aufklärung empfohlen hat. Wobei: „die“ Aufklärung gab es nicht. Das ist das Problem. Menschen bilden nur zu gern Parteien und hauen sich die Manifeste um die Ohren. Und vergessen dabei, sich ihres Verstandes zu bedienen.

Bis zu diesem Punkt der Definition kommen die meisten Leute noch. Das, was danach kommt, entschwindet dann schon jenseits der Wahrnehmungsschwelle. Da steht nämlich: „ … ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Was nicht bedeutet, einfach die eigene Meinung für das Maß aller Dinge zu nehmen. Das hat nämlich mit der Bedienung des eigenen Verstandes nichts zu tun.

Meinungen hat jeder zu allem. Oder Überzeugungen, wie es Philipp Sterzer in „Die Illusion der Vernunft“ ausführt. Die meisten sind sich dessen nicht einmal bewusst, wie sehr das alles einfach von anderen übernommen wurde, beiläufig, unhinterfragt, schon gar nicht geprüft oder auf Fakten abgeklopft. Was natürlich dem Gehirn jede Menge Arbeit erspart. Überzeugungen helfen erst einmal, relativ energiesparend durch die Welt zu kommen und mit seinen Mitmenschen relativ friedlich auszukommen.

Stolperfalle Identität

Bis zu einem bestimmten Punkt. Und den kennen alle: Die Irritation an dem Tag, an dem sie mitbekommen, dass andere Menschengruppen andere Ansichten haben. Auf einmal wird es brisant. Sehr brisant. Denn die Weltgeschichte ist voller Ereignisse, in denen Menschen andere Menschen quälten, verfolgten, töteten, weil diese anders dachten, glaubten, lebten, liebten oder einfach die falsche Hautfarbe hatten.

Und da ist man an einem Punkt, an dem Aufklärung nicht mehr gleich Aufklärung ist. Bzw. es die eine, als homogen gerasterte Aufklärung nicht gibt. Denn aus der breiten Strömung, die im 18. Jahrhundert den Namen Aufklärung bekam, entwickelten sich völlig verschiedene Denkschulen, die zwar allesamt das Ziel hatten, die Welt fortan nur noch vernunftgeleitet und mit rationalen Mitteln erkennen zu wollen und die wissenschaftlichen Methoden zur Grundlage eines faktenbasierten Erkenntnisgewinns zu machen. Aber das hatte auch völlig divergierende Ergebnisse. Denn Fakten und Tatsachen selbst sind keine Werte. Was ist tatsächlich der Maßstab für Menschlichkeit?

Das nur halb Verstandene wird zur Krux, wenn die scheinbare Befreiung des Individuums vom vormundschaftlichen Denken dazu führt, dass künftig tatsächlich nur noch das Individuum und seine Eigeninteressen zum Maß aller Dinge gemacht werden. Ganz so, als hätte jeder seine eigene „Wahrheit“ und seine Überzeugungen wären als absolut zu setzen. Was letztlich der Kern des modernen Liberalismus geworden ist: Die Freiheit des Einzelnen steht höher als die Einbindung in die Gesellschaft.

Freiheit ohne Moral?

Omri Boehm ist zwar israelischer und deutscher Staatsbürger. Aber beispielhaft führt er immer wieder die USA und ihre prägenden Philosophen an, die das begründet haben, was heute auch die Politik als moderner Liberalismus prägt. Ein Liberalismus, der nicht mehr viel mit Kant zu tun hat oder mit den großen amerikanischen Moralisten Emerson und Thoreau.

Und auch nicht mit der Unabhängigkeitserklärung von 1776, in deren Präambel es heißt: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.“

Eine Präambel, auf die Boehm immer wieder zurückkommt, inbesondere in seiner sehr genauen Analyse der Rolle John Browns und der Abolitionistenbewegung für den Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs. Denn gerade an John Brown kann er deutlich machen, was auch Kant in seinem großen Essay zur Aufklärung herausgearbeitet hat: Was macht uns eigentlich zu Menschen? Was begründet menschliche Würde? Was steht eigentlich über allen partikulären Interessen? Über Parteien, Staat, Religion und was dieser menschlichen Vehikel noch so sind?

So ein ähnlicher Satz steht ja auch im deutschen Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Mit dem Satz gehe man mal in eine deutsche Ausländerbehörde …

Die Würde der Menschen wird diffamiert, zugeteilt und mit Füßen getreten. Sie ist ein schöner Schmuck für Sonntagsreden. Aber in Wirklichkeit regiert etwas völlig anderes: Hochmut, Egoismus, Parteilichkeit, Ignoranz, gemischt mit einer gehörigen Portion Menschenfeindlichkeit.

Es geht um mehr als Toleranz

Was damit zu tun hat, dass weder Kant noch die Unabhängigkeitserklärung oder das Grundgesetz heute Allgemeingut sind und verstanden werden. Was auch damit zu tun hat, dass mit der Aufklärung auch etwas verloren ging: eine sinnstiftende Klammer, wie sie Religionen auch in Sachen Moral jahrtausendelang bildeten.

Die Aufklärung war zwar nur partiell wirklich religionsfeindlich. Viel bekannter dürfte zumindest aufmerksamen Schülern sein, dass nichts so zentral für die Aufklärung war wie der Toleranzgedanke (es sei denn, „Nathan der Weise“ ist inzwischen endgültig aus dem Lehrplan verschwunden).

Aber auch Lessing und sein großer Freund Moses Mendelssohn sind den eigentlich überfälligen Schritt noch nicht gegangen. Denn Toleranz setzt immer voraus, dass Menschen sich in verschiedenen Identitäten definieren und die jeweils andere Identität zu tolerieren wäre. Das ist nur der erste Schritt. Genau darum geht es ja Kant in seinem Essay.

Denn Identitäten bedeuten immer noch, dass sich der Mensch über andere definiert, sich also eben nicht seines eigenen Verstandes bedient, sondern – indem er sich einer Gruppe zugehörig fühlt und Meinung und Konsens einer Gruppe übernimmt – doch wieder nur mithilfe anderer denkt.

Und das hat gefährliche Folgen, gerade für eine Demokratie, wo politische Entscheidungen über Mehrheiten generiert werden. Mehrheiten, die sich der Grundlagen ihrer Überzeugungen oft gar nicht bewusst sind und die sich oft vor allem dadurch definieren, dass sie sich von anderen Gruppen und Identitäten abgrenzen, die Identität also über das Gemeinsame stellen.

Schwärme sind nicht intelligent

Was natürlich dazu führt, dass viele Erscheinungen in unseren modernen Demokratien mit den Grundsätzen, die in den Verfassungen niedergeschrieben sind, nichts zu tun haben. Was auch mit dem völlig irren Denken über heutige „Schwarmintelligenz“ zu tun hat und dem Glauben der meisten Menschen, Mehrheiten hätten recht und in Mehrheiten würde sich die Vernunft der Staatsbürger widerspiegeln.

Nur fühlen sich die Menschen, die Mehrheiten bilden, selten als Staatsbürger, sondern vor allem als Individuen, die ihre ganz individuellen Ansichten zum Maßstab der Entscheidung machen.

Was sogar Teil des modernen liberalen Denkens ist, das sämtliche Ansichten und Meinungen für gleichwertig und gleich richtig erklärt. Man schaue sich nur all die schrägen Debatten um Meinungsfreiheit an, die besonders dann anschwellen, wenn ein kleiner Mensch Widerspruch zu seiner ganz privaten kleinen Meinung bekommt. Da geht das Geplärre gleich los: „Nichts darf man mehr sagen!“

An der Stelle ahnt man erst, wie wichtig sich jedes einzelne Individuum nimmt in einer Gesellschaft, in der Autonomie und Selbstverwirklichung wie heilige Kühe behandelt werden, das Eigeninteresse Maßstab aller Dinge ist und der Wettbewerb aller gegen alle die Mutter einer geheiligten Marktwirtschaft, die gerade weltweit zeigt, in welche katastrophalen Folgen sie hineinführt.

Egos denken nicht solidarisch

Denn dieser aufgeblasene Individualismus erzeugt nun einmal kein Gemeinsames, nichts, was alle Menschen verbindet. Im Gegenteil: Er bemisst Würde und Gerechtigkeit nach Einkommen und Status und der Macht des Einzelnen, sich alles zu kaufen, was er braucht.

Während die meisten Menschen nicht mal alles kaufen können, was sie wirklich benötigen. Der Mensch ist auf seinen Marktwert reduziert und befindet sich in einem mit den „Social Media“ regelrecht entfesselten Kampf um Selbstbehauptung, Profilierung und Rechthaberei.

Die große Freiheit des modernen Individualismus führt in eine Gesellschaft, in der die menschlichen Beziehungen immer mehr zersplittern und jeder verzweifelt bemüht ist, sich in einer Identität zu definieren, die in permanentem Konflikt mit anderen Identitäten steht. Und daraus entsteht noch etwas, was Boehm sogar schon beim französischen Politikwissenschaftler Alexis de Toqueville gefunden hat: eine Pervertierung des Gleichheitsgrundsatzes.

Denn wenn alles in einer Gesellschaft als gleich betrachtet wird – auch Ansichten, Meinungen und Überzeugungen – dann gibt es auch keine Wahrheit mehr, dann fehlen auf einmal alle Maßstäbe, die es einer menschlichen Gesellschaft ermöglichen, das Richtige vom Falschen zu unterscheiden.

Dann findet auch der Einzelne, der an der Richtigkeit dessen zweifelt, was seine Mitmenschen so von sich geben, keinen Halt mehr an etwas, das über diesem permanenten Getümmel der Meinungskämpfe steht.

Dann bleibt nur noch der Druck der Gruppe, sich ihr anzupassen. Das Ergebnis ist nicht Freiheit, sondern Konsens. Am Beispiel des amerikanischen Bürgerkrieges und der Zeit danach macht Boehm recht deutlich, wie das funktioniert und wie aus einem Moment großer Menschlichkeit, wie er auch als Motiv den Bürgerkrieg vonseiten der Nordstaaten bestimmte, im politischen Gezerre danach ein nur oberflächlich liberales Selbstverständnis entstand, das für sich trotzdem wieder definiert, dass nicht alle Menschen gleich sind und dieselben Rechte haben. Woran – so Boehm – die USA bis heute kranken.

Das Menschenrecht zur Rebellion

Doch während konservative Autoren versuchen, an dieser Stelle um den Verlust der Religion zu klagen und „die Aufklärung“ verantwortlich machen für diese Entwicklung, macht Boehm anhand einer der berühmtesten Bibelgeschichten deutlich, dass Religion diese Rolle eigentlich nie gespielt hat, auch nicht im Christentum und Judentum.

Denn in einer gründlichen Analyse der Szene, in der Abraham seinen Sohn Isaak zum Opfer bringt, wird deutlich, dass auch in dieser Urlegende aus der Bibel etwas steckt, was das menschliche Handeln den immer zeitgebundenen und vom Konsens bestimmten Ansichten und Überzeugungen der Menschen entzieht – und dem Einzelnen damit erst Freiheit gibt.

Kant benutzt an der Stelle das Wort Pflicht, das seitdem so in Verruf gekommen ist, weil der moderne Liberalismus Freiheit als unbeschränkte Möglichkeit der Selbstverwirklichung definiert und das auch noch über Identitäten (gern auch käufliche) tut, sodass in diesem „freiheitlichen“ Denken die Tyrannei von Egoismus und Konformismus voll zur Entfaltung kommen.

Während das soziale Gewissen, Solidarität und ein Denken für die Gemeinschaft regelrecht entwertet und lächerlich gemacht werden. Von den Rassisten und Menschenfeinden ja gern als „Gutmenschentum“ abgekanzelt, als gäbe es tatsächlich nichts, was das Menschsein jenseits von individuellen Meinungen und Ansichten ausmachen würde.

Und Boehm geht zu Recht darauf ein, dass der liberale Teil der Gesellschaft genau in dieselbe Falle tritt, wenn er der menschenfeindlichen Identitätspolitik der Rechtsextremen nun seinerseits eine immer mehr zersplitternde Identitätspolitik entgegenstellt, sodass die Gesellschaft am Ende nur noch aus lauter identitären Gruppen zu bestehen scheint, die in der Abgrenzung von allen anderen ihre ganze Kraft vergeuden. Während das große Gemeinsame, das eigentlich Handlungsmaxime einer Gesellschaft sein sollte, regelrecht verschwunden zu sein scheint.

Wenn der Konsens regiert

Aber schon dieser Abraham scheint das nicht akzeptiert zu haben. Ist die Opferung seines Sohnes quasi eine Forderung der Kultur, in der er lebt und der er zu genügen versucht, so ist sein Handeln am Ende ein Protest genau gegen diese auch durch Regeln und Gesetze vorgegebene Handlungsweise und eben kein Beweis des Gehorsams vor Gott. Abraham stellt sich zum zweiten Mal dem scheinbar allmächtigen Gott entgegen und fordert etwas ein, was auch über Gott und allen Richtern und Königen steht: Gerechtigkeit.

Und da wird es spannend. Denn die Wahrheit ist, dass alle Menschen ein Gespür für diese Gerechtigkeit haben. Schon immer hatten. Manchmal brauchten sie Gesetze, um das auch zu leben, aber oft waren auch die Gesetze unmenschlich und ungerecht. Sie sind – wie alles, was Menschen tun – unvollkommen, interessengeleitet und viel zu oft nur auf den Vorteil derer gemünzt, die sie geschrieben haben.

Und dass so viele Menschen heute versuchen, ihre „Identität“ zu verteidigen, hat auch damit zu tun, dass sie sich ungerecht behandelt fühlen. Dass sie spüren, dass sie nicht so behandelt werden, wie man als Mensch behandelt werden möchte.

Ein Gefühl, das auch die Demokratie nur zu oft produziert, weil sie als ein Prozess erlebt wird, in dem andere Menschengruppen durch Mehrheit die Macht an sich ziehen und dann sehr egoistische Politik machen. Nicht für die Gemeinschaft, sondern für die ihnen Gleichen.

Auf einmal erzeugt die Demokratie einen Druck hin zu Konformismus und Anpassung. Wer sich dem Druck der Mehrheit nicht anpasst, wird zum Außenseiter. Eine Rolle, die direkt ans Selbstverständnis rührt und an die Würde. Erst recht, wenn das dazu führt, dass Menschen tatsächlich abgewertet und entrechtet werden.

So wie die Sklaven in Nordamerika, für die John Brown zu den Waffen griff – und postwendend zum Rebellen erklärt wurde. Denn Konformismus verachtet den Widerstand gegen das, was er für sein Recht hält. Und nicht nur das, er empfindet ihn auch als Gefahr und stempelt die Widerständigen mit geballter Macht zu Rebellen, Radikalen und Extremisten.

Auch und gerade dann, wenn diese für Gerechtigkeit und Menschenwürde rebellieren. So wie später Martin Luther King, den Boehm natürlich auch mehrfach zitiert. Denn zur Tragik dieser Entwicklung gehört eben auch, dass die wohlversorgte Mehrheitsgesellschaft meist ausblendet und ignoriert, dass ihr Wohlstand auf den Knochen anderer Menschen errichtet wurde.

Wenn Menschenwürde zur Ware wird

So gesehen ist das natürlich eine ganz zentrale Diskussion der Aufklärung, deren Brisanz bis heute nicht wirklich begriffen wurde. Nicht einmal dann, wenn der schöne Satz mit der unangreifbaren Würde zitiert wird. Während diese Würde öffentlich ganz unverschämt immer wieder angegriffen wird – sei es mit der sächsischen Abschiebepraxis, mit den nun endlich zu Ende gehenden Hartz-IV-Gesetzen oder einer Besteuerungspraxis, die Besserverdienende als wertvollere Menschen definiert als die Leute, die für Niedriglöhne malochen.

Die Würde steht zwar im Grundgesetz. Aber sie ist nicht Allgemeingut. Auch weil in unserer freiheitlichen Gesellschaft ein falsches Denken über Freiheit dominiert – eines, das das „Recht des Stärkeren“ wie selbstverständlich höher wertet als die Gleichwertigkeit aller Menschen.

Weshalb Boehm ja so akribisch herausarbeitet, was eigentlich bei Kant und in der Unabhängigkeitserklärung steht und was das mit einer tatsächlich genauen Analyse von Abrahams Nicht-Opferung von Isaak zu tun hat. Und siehe da: Auch der große, gewaltige jüdische Gott muss sich einreihen. Abraham sagt ihm (bzw. seinem Engel)  ins Gesicht, dass auch über ihm noch etwas ist, nach dem er sich zu richten hat. Und das ist die Gerechtigkeit.

Das, was uns alle als Menschen vereint, was unser Menschsein letztlich ausmacht und das Gemeinsame beschreibt, nach dem wir eigentlich handeln sollten. Hier steckt die Pflicht, die Kant nennt und nach der sich Menschen wie John Brown, Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer und viele andere gerichtet haben. Die sie angemahnt haben von den jeweils Mächtigen – und für die sie umgebracht wurden.

Falsch verstandene Freiheit

Denn – das deutet Boehm nur an – einer freiheitlichen Gesellschaft fehlt das Maß, wenn sie so tut, als ginge sie das Menschsein nichts mehr an. Sie verliert sich in Eigennutz und ignoriert die Pflicht, sich für etwas Größeres einzusetzen, als es ihre eigenen kleinen Interessen sind.

Gerechtigkeit wäre ein Wort dafür, Menschheit (wie bei Kant) ein anderes. Aber dass es längst auch um unseren gemeinsamen Planeten geht und unser gemeinsames Überleben, darf man zumindest anmerken. Wenn die Menschheit ihre Lebensgrundlagen zerstört, dann hat das ganz wenig mit Freiheit zu tun, eher mit einem völlig falschen, entarteten Begriff von Freiheit, der sich zuletzt nur noch übers Haben und Scheinen definiert, aber nicht über die Freiheit – um einmal Schiller zu zitieren – des ganzen Menschengeschlechts.

Und um zuletzt noch Boehm zu zitieren: „Der Vater des Monotheismus (Abraham, d.Red.) verstand nur zu gut, dass Menschen die Lebewesen sind, die der Pflicht zur Gerechtigkeit folgen und aus diesem Grund kein Recht haben, zu gehorchen. (…) Nichts kann Autorität über die Gerechtigkeit beanspruchen. Ein ungerechtes Gesetz ist kein Gesetz. Das Lebewesen, das fähig ist, diesem nichtmenschlichen Grundsatz zu folgen, ist menschlich und gebietet unseren absoluten Respekt.“

Omri Boehm Radikaler Universalismus Propyläen Verlag, Berlin 2022, 22 Euro.

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