Wir blicken zurück auf das Silvesterwochenende: In Connewitz blieb es weitestgehend ruhig, auf der Eisenbahnstraße wurde randaliert und es brannten einige Autos. Derweil kam es in anderen Städten im Freistaat zu gewalttätigen „Querdenken“-Protesten und Messerattacken. Und wir blicken nach vorne auf die Änderungen im Jahr 2022. Die LZ fasst zusammen, was am Wochenende, dem 31. Dezember 2021 bis 2. Januar 2022, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Neuerungen ab Januar 2022

Das neue Jahr hat begonnen. Damit treten auch zahlreiche Änderungen in Kraft: So stieg der Mindestlohn auf 9,82 Euro. Am 1. Juli 2022 wird er dann auf 10,45 Euro angehoben. Außerdem wurden drei weitere Atomkraftwerke abgeschaltet: Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C. Bis 31. Dezember 2022 sollen dann drei weitere Kraftwerke vom Netz genommen werden. Kükentöten ist sei 1. Januar 2022 verboten. Bisher wurden jährlich rund 45 Millionen männliche Küken getötet, weil sie keine Eier legen können und weniger Fleisch ansetzen. Des Weiteren dürfen Geschäfte nun keine Plastiktüten mehr an Kund/-innen ausgeben. Und: Die Pfandpflicht wurde jetzt auf Getränkedosen und Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff ausgeweitet.

Silvester in Leipzig

Silvesternacht 2021: Feuerwerkverbot auf der Straße, private Partys normalerweise nur bis 10 Personen – sofern geimpft – und Ausgehen entfiel, da Bars und Clubs geschlossen sind. In Leipzig stellte sich die Polizei dennoch auf eine eher weniger entspannte Nacht ein. Rund 1.000 Beamt/-innen waren im Einsatz. Und auch wir waren im Zentrum, in Connewitz und im Osten vor Ort. Hier geht’s zum längsten Silvester-Liveticker ever.

Auf dem Augustusplatz und am Neuen Rathaus hatte die „Querdenken“-Bewegung Kundgebungen angesagt. Kerzen wurden abgestellt und wieder ausgepustet. Auch in Connewitz verlief die Silvesternacht relativ ruhig. Nur in der Eisenbahnstraße randalierten rund 50 bis 60 Personen, zündeten Einkaufswagen an und bewarfen laut Polizeibericht die eingetroffenen Einsatzfahrzeuge und Beamt/-innen.

Das Fazit der Polizei: von 0 bis 2:30 Uhr kam es zu knapp 170 Einsätzen, das „Führungs- und Lagezentrum und auch der Führungsstab verzeichneten einen starken Anstieg von silvestertypischen Einsätzen wegen Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Bränden und dem Bewurf von Einsatzkräften mit Feuerwerkskörpern.“

Fahrzeugbrände: Lkw-Fahrer entkommt knapp den Flammen

Außerdem brannten in Leipzig wieder mehrere Fahrzeuge. In Wiederitzsch entkam dabei ein Mann nur um ein Haar den Flammen. Der Lkw-Fahrer schlief in seiner Sattelzugmaschine, als diese in Brand geriet. Er wurde vom Geruch des Feuers wach und konnte sich unverletzt aus dem Fahrzeug befreien. Unbekannte setzten außerdem einen Multivan Mercedes und einen Audi in Brand.

Auch in Frankreich kam es „traditionellerweise“ zu mehreren Fahrzeugbränden. Randalierer haben in der Silvesternacht 874 Autos in Brand gesetzt, berichtet der Spiegel. Das sind 450 Fahrzeuge weniger als zum Jahreswechsel 2019/2020. Im Vergleich zu früheren Jahren sei auch die Gewalt rund um Silvester zurückgegangen – auch gegenüber Sicherheitskräften, erklärte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin.

Messerattacken, tödliches Unglück und gewalttätige „Querdenker“

Am Koreanischen Platz in Dresden hat es zu Silvester eine Messerattacke gegeben. Dabei soll ein 18-Jähriger einem 21 Jahre alten Mann lebensbedrohliche Stichverletzungen zugefügt haben. Auch in Chemnitz kam es zu einem Messerangriff, bei dem ein 19-Jähriger schwer verletzt wurde.

Kurz vor Mitternacht kam in Chemnitz ein 35 Jahre alter Mann ums Leben. Wie die Polizeidirektion Chemnitz mitteilte, stürzte er vom Dach eines Wohnhauses. Die Polizei schließt Fremdeinwirkung oder Suizid aus und spricht von einem tragischen Unglücksfall, berichtet der MDR.

Außerdem kam es erneut zu mehreren Ausschreitungen im Rahmen verschiedener Corona-Proteste in beispielsweise Dresden, Chemnitz und Hoyerswerda. Dabei kam es zu zahlreichen Angriffen auf Polizeibeamt/-innen.

Das neue Jahr, Dauerthema Mieten und Wohnen und der Lina E.-Prozess

Worüber die LZ berichtet hat: Über ein paar Gedanken zum und Ausblicke auf das kommende Jahr 2022: von der Einwohnerentwicklung der Stadt Leipzig und Kohle-Strukturwandelprojekten, die noch immer im Genehmigungsstau stehen, über die Diskussion von Architekt/-innen, Stadtplaner/-innen und anderen Expert/-innen über die Zukunft von urbanen Räumen, bis hin zu Christian Wolffs Gastkommentar zur Triage.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Thema Wohnen: Wir berichteten über Obdachlosigkeit und das Konzept von „Housing First“ in Leipzig, über Entmietung in Connewitz, Reudnitz und der Südvorstadt, wie Zuzug, Neubau und Sanierung mit Verdrängung einhergehen, was die Stadt Leipzig gegen steigende Mieten unternimmt und was der Sozialreport wirklich über das Phänomen der Gentrifizierung sagt.

Außerdem haben wir im Dezember den Lina E.-Prozess in Dresden weiter begleitet: Am 15. Dezember wurde ein Geschädigter vom Überfall in Wurzen gehört, dessen Aussagen Spuren nach Grimma offenbaren. Am 16. Dezember betraten ein altbekannter Soko LinX-Beamter und ein junger Mann, der etwas zu verschweigen scheint, den Zeugenstand.

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