Die Museumsnacht in Leipzig und Halle macht am Wochenende ein besonders dunkles Kapitel unserer Geschichte sichtbar. Der NABU zählt ab heute unsere gefiederten Freunde, auf der Dieskaustraße ist am Morgen eine Sperrung aufgehoben worden, der Burgplatz lädt zum Europafest – und heute Nachmittag gedenkt Leipzig auf dem Ostfriedhof der Opfer von Krieg und NS-Diktatur.
Es geht voran – nun ja…
Endlich – mögen viele denken, die es über die Dieskaustraße gen Süden zieht: Streckenfreigabe! Die Absperrungen sind seit den frühen Morgenstunden Geschichte. Und ab morgen fährt auch wieder die Straßenbahn. Die Euphorie findet ihr Ende jedoch an der Radrennbahn. Dort kehrt die Bimmel um. Und unter der nächsten Brücke endet auch das weitere Fahrvergnügen.

Das neue Gleisdreieck ersetzt die bisherige Gleisschleife in der Pörstener-, Kötzschauer- und Luckaer Straße. Das 56 Meter lange Bauwerk soll künftig nur bei Störungen oder Veranstaltungen genutzt werden. Bis die Linie 3 wieder nach Knautkleeberg verkehrt, werden wohl noch gut zwei Jahre vergehen.
Baubürgermeister Thomas Dienberg würdigt die bisherigen Maßnahmen in einer öffentlichen Mitteilung: „Die anstrengende Bauphase hat sich gelohnt: Zusätzlich zur erneuerten Infrastruktur gibt es nun erstmals eine sichere Querungsmöglichkeit durch eine Fußgängerampel und beidseitig Radverkehrsanlagen entlang der Straße.“
Seit Sommer 2024 ist Knautkleeberg von der Welt der Straßenbahnen abgeschnitten. Die marode Hauptverkehrsstraße war, wie man so sagt, „in die Jahre gekommen“. Nun kommt sie vor allem in die Kassenbücher.
Für den gesamten Umbau der Dieskaustraße waren ursprünglich Gesamtkosten von rund 21,8 Millionen Euro veranschlagt. Inzwischen liegt das Projekt laut aktuellen Berichten bei Kosten von etwa 30 Millionen Euro. Ursache sind vor allem stark gestiegene Baupreise infolge der Energie- und Ölkrise. Abhängigkeiten machen sich eben nicht bezahlt.

Gedenken an einem oft übersehenen Ort
Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. An die Verfolgten und Toten aller Nationen, Ethnien und Konfessionen sowie an das unermessliche Leid, das die nationalsozialistische Diktatur über weite Teile Europas brachte, erinnert die Stadt Leipzig heute mit einer feierlichen Gedenkveranstaltung auf dem Ostfriedhof. Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 16 Uhr an der dortigen Kapelle.
Mit dem Verlesen biografischer Daten einzelner Opfer soll stellvertretend der Millionen Toten gedacht werden. Im Anschluss führt ein gemeinsamer Gang zu mehreren Gedenkorten auf dem Friedhof, an denen Blumen und Kränze niedergelegt werden.
Stationen sind die Gedenkstätte der 32 Opfer des Nationalsozialismus vom 13. April, das Polnische Ehrenmal, die Gedenkstätte der ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter verschiedener Nationen, der Gedenkstein für die italienischen Opfer des Zweiten Weltkriegs, die Sowjetischen Ehrenmale, die Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt sowie der Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasie und Kinder-Euthanasie.
Der Ostfriedhof zählt zu den bedeutendsten Kriegsgräberstätten in Leipzig. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte er sich zu einem zentralen Ort des Erinnerns an die Opfer von Krieg, nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und Zwangsarbeit.
Auf dem rund 19 Hektar großen Gelände befinden sich zahlreiche Ehrenmale und Gräberfelder, die an unterschiedliche Opfergruppen erinnern. Dazu gehören sowjetische Soldaten ebenso wie polnische und italienische Kriegsopfer, Zwangsarbeiter verschiedener Nationen sowie Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen wurden.
Besonders prägend ist ein Gräberfeld mit 766 Kriegstoten verschiedener Nationen. Historiker bewerten den Ostfriedhof deshalb als einen Ort, an dem sich die internationale Dimension des Krieges und seiner Folgen besonders deutlich ablesen lässt.
Auch die Geschichte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit in Leipzig wird auf dem Friedhof am Ende der Oststraße sichtbar. Bis heute finden dort regelmäßig Kranzniederlegungen und internationale Gedenkveranstaltungen statt.

Europa nach dem Krieg
Am morgigen Samstag wird der Burgplatz von 12 bis 18 Uhr zum Treffpunkt für Freunde eines Europas, das mehr sein will als Politik und Bürokratie. Der „Europatag“ erinnert an die Erklärung des französischen Außenministers Robert Schumann vom 9. Mai 1950 – und damit an die Idee eines friedlichen, vereinten Europas.
Gerade in Zeiten von Krieg, Nationalismus und wachsender Spaltung gewinnt dieser Gedanke neue Bedeutung. Auf dem Burgplatz wird Europa deshalb nicht diskutiert, sondern erlebt: mit Musik, Begegnungen, Kultur und Spezialitäten aus verschiedenen Ländern.
Der Verein „Europa-Union Sachsen“, die Jungen Europäischen Förderalist:innen Sachsen e.V., die Leipziger Städtepartnerschaftsvereine und das Institut Français Leipzig gestalten ein Programm mit Mitmachangeboten, einer begehbaren Europakarte, Upcycling-Aktionen und kulinarischen Kostproben wie Borschtsch, Varenyky, griechischen Süßspeisen und französischem Käse.
Für die musikalische Begleitung sorgen die französische Sängerin Lusie Caroulle, das Nachwuchsstreichorchester „Bachs Streichkinder“ sowie Chöre mit armenischen und ukrainischen Liedern.

Museumsnacht macht SED-Verbrechen sichtbar
Zur Museumsnacht am 9. Mai öffnet in Leipzig erneut ein Ort, der lange im Verborgenen lag und bis heute zu den düstersten Kapiteln der DDR-Geschichte zählt. Das Bürgerkomitee Leipzig bietet von 18.00 bis 24.00 Uhr laufend Führungen durch die original erhaltenen Räume der ehemaligen „Zentralen Hinrichtungsstätte der DDR“ an.
In der ehemaligen Hausmeisterwohnung der damaligen Strafvollzugseinrichtung Alfred-Kästner-Straße in der Leipziger Südvorstadt, wenige Meter vom heutigen Café Maître entfernt, wurden zwischen 1960 und 1981 nach aktuellem Forschungsstand insgesamt 64 von DDR-Gerichten zum Tode verurteilte Menschen hingerichtet – zunächst mit dem Fallbeil, ab 1967 durch „unerwarteten Nahschuss in das Hinterhaupt“.
Die Führungen informieren über die damaligen Vollstreckungsabläufe und die systematische Geheimhaltung rund um die Todesurteile. Die Leichen der Hingerichteten wurden anschließend zum Leipziger Südfriedhof gebracht, dort als namenlose „Anatomieleichen“ verbrannt und anonym verscharrt.
Um die tatsächlichen Umstände zu verschleiern, wurden Todesursachen und Sterbeorte in amtlichen Dokumenten bewusst gefälscht. Nach Einschätzung des Bürgerkomitees wurden alle in Leipzig Hingerichteten unabhängig vom jeweiligen Tatvorwurf Opfer einer nicht rechtsstaatlichen Justiz, die unter direkter Kontrolle der SED und des MfS stand. In vielen Fällen seien die Urteile bereits vor Beginn der Verhandlungen festgelegt gewesen.
Erst Ende 1987 wurde die Todesstrafe in der DDR abgeschafft. Das Bürgerkomitee Leipzig e. V. setzt sich seit Jahren für den Erhalt der denkmalgeschützten Stätte ein, an der die letzten Hinrichtungen auf deutschem Boden vollzogen wurden. Besichtigungen sind derzeit nur zur Museumsnacht und am Tag des offenen Denkmals möglich.
Welche Mechanismen aus Angst, Druck und Willkür hinter dem tödlichen System standen, greift auch der Spielfilm „Nahschuss“ von Franziska Stünkel auf. Das 2021 erschienene Werk orientiert sich an der Geschichte von Werner Teske, dem letzten in der DDR hingerichteten Menschen.
Gezeigt wird der Weg eines Wissenschaftlers, der durch den DDR-Geheimdienst zunehmend in Abhängigkeit, Überwachung und Schuld gerät und schließlich durch einen „unerwarteten Nahschuss“ getötet wird – jene Hinrichtungsmethode, die auch in Leipzig angewandt wurde, wenige Meter entfernt vom Fußweg, der vom Park an der Arthur-Hoffmann-Straße zur „Karli“ führte.
Und führt. Der Film macht damit sichtbar, wofür der historische Ort bis heute steht: für ein System aus Geheimhaltung, Machtmissbrauch und staatlicher Gewalt.
Das gesamte, umfassende Programm der Museumsnacht, die gleichzeitig in Leipzig und Halle stattfindet, ist ONLINE einsehbar.

Sind noch alle Vögel da?
Um einen aktuellen Überblick über die Zahl der mit uns lebenden Vögel zu bekommen, ruft der Naturschutzbund (NABU) zu seiner jährlichen Zählaktion auf und freut sich auf rege Unterstützung. Von heute bis zum 10. März sind Bürgerinnen und Bürger eingeladen, eine Stunde lang die Vogelwelt direkt vor der eigenen Haustür zu beobachten und ihre Sichtungen zu melden. Ob im Garten, auf einer Parkbank oder vom Balkonfenster aus – jede Teilnahme helfe dem Natur- und Umweltschutz.
„Es sind keine besonderen Vorkenntnisse nötig – nur Freude und Interesse an der Vogelwelt“, heißt es in dem entsprechenden Aufruf. Meldeschluss für die diesjährige Aktion ist dann der 18. Mai 2026. Unter allen Teilnehmenden werden übrigens attraktive Preise verlost.
Für die Teilnahme sollen sich Interessierte während des Aktionszeitraums vom 8. bis 10. Mai 2026 eine beliebige Stunde Zeit nehmen und ausschließlich die Vögel melden, die innerhalb dieser Stunde beobachtet werden. Nach Angaben der Veranstalter ist dies notwendig, damit die erhobenen Daten über die einzelnen Aktionsjahre hinweg vergleichbar bleiben.
Die Beobachtungen können anschließend online über ein vorbereitetes Formular oder mithilfe der kostenlosen NABU-App „Vogelwelt“ gemeldet werden. Wer die App zum Bestimmen und Melden nutzen möchte, sollte diese zuvor eigenständig im App Store für iOS oder im Playstore für Android aktualisieren. Im Blick der Aktion stehen ausschließlich Vogelarten, die in der Nähe von Menschen leben.
Als geeignete Beobachtungsorte gelten unter anderem Dorfplätze, Balkonfenster, Hausgärten, Parks, Stadtbrachen oder Einfamilienhaussiedlungen am Stadtrand. Wichtig sei dabei, einen festen Standort auszuwählen und nicht während eines Spaziergangs oder in der freien Natur zu zählen.
Um Doppelzählungen zu vermeiden, soll von jeder Vogelart nur die höchste Anzahl notiert werden, die innerhalb einer Stunde gleichzeitig gesehen wird. Die Beobachtungen einer Art werden also nicht zusammengerechnet.
Der NABU erläutert dies anhand eines Beispiels: Werden zunächst zwei Haussperlinge an einer Futtersäule beobachtet und einige Minuten später vier Haussperlinge gleichzeitig im Gebüsch gesichtet, gilt die Zahl vier als korrektes Ergebnis.
Auch Vögel, die am Himmel fliegen, dürfen gezählt werden – unabhängig davon, ob sie einzeln oder in Schwärmen unterwegs sind. Ebenso können Vögel erfasst werden, die zwar nicht gesehen, aber eindeutig am Gesang erkannt werden.
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