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Der Stadtrat tagte: Östliche Rietzschke und Stünzer Teich sollen repariert werden + Video

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    Es sah zwar so aus, als würde Leipzigs Verwaltung die Östliche Rietzschke gerade erst wieder entdecken, als sie Pläne vorlegte, die Rietzschkeaue wieder erlebbar zu machen. Aber tatsächlich arbeitet sie schon seit über fünf Jahren an einem Konzept für die Gewässer 2. Ordnung im Stadtgebiet, die auch für künftige Starkregenereignisse als Sammler und Ableiter immer wichtiger werden. Aber liegt die Östliche Rietzschke nicht längst trocken?

    Dieses Thema tauchte auf, als sich im Zusammenhang mit der Renaturierung der Rietzschke-Aue auch die Bürgervereine Sellerhausen und Volkmarsdorf mit dem kleinen Gewässer wieder etwas ernsthafter beschäftigten und feststellten, dass es tatsächlich an dem ist: Auf weiten Teilen der sieben Kilometer Fließstrecke liegt dieser Wasserlauf im Leipziger Osten selbst nach Regen trocken.Ihr Anliegen wurde von den Grünen aufgegriffen, für die der umweltpolitische Sprecher Jürgen Kasek am 13. Oktober den Antrag einbrachte. Mittlerweile auch in einer Neufassung, denn inzwischen hatte auch die Stadtverwaltung eine Stellungnahme geschrieben, aus der dann schon hervorging, warum die Östliche Rietzschke kein Wasser bekam und auch der Stünzer Teich, den sie speist, mittlerweile Wasserprobleme hat.

    Die Ursache: „Im Bereich des Stünzer Parks kam es in jüngerer Vergangenheit zu Versickerungen von Wasser der Rietzschke in der Gewässersohle. Ursache hierfür ist die inzwischen baufällige Leitung unter der Rietzschke. Das Wasser kann dort punktuell an Schadstellen eintreten und teilweise an anderer Stelle wieder austreten. Außerhalb des Bereiches um den Stünzer Park sind bislang keine Schadstellen in der Gewässersohle bekannt.“

    Die Grünen wurden noch etwas deutlicher: „Allerdings ist die Bachsohle der Östlichen Rietzschke in einigen Bereichen so stark geschädigt, dass selbst bei ergiebigen Niederschlägen kaum Wasser im Stünzer Teich und erst recht nicht in der Rietzschkeaue Sellerhausen ankommt. Das Wasser versickert über Nagerlöcher in alten unterirdischen Rohrleitungen und Hohlräumen“

    Erste Schadstellen beseitigt

    Die angesprochene Leitung unter der Östlichen Rietzschke ist eine Abwasserleitung der Wasserwerke Leipzig. Und es ist nicht nur eine Stelle, die kaputt war, wie die Stellungnahme der Stadt verrät:

    „Gemeinsam mit den Leipziger Wasserwerken arbeitet das Amt für Stadtgrün und Gewässer derzeit an der Behebung der Schäden an der Rohrleitung. Im Juni 2021 wurden durch die Wasserwerke bereits drei größere Schadstellen in der Leitung im Bereich des Stünzer Parks verdämmt und die Gewässersohle im Rahmen einer Sofortmaßnahme abgedichtet. Um eine langfristig zielführende Lösung zu finden, bedarf es jedoch einer umfangreicheren Planung, mit der im Jahr 2021 begonnen wird. Es ist absehbar, dass aufgrund der planerischen Aufgaben und der Genehmigungserfordernisse eine Renaturierung bis zum 2. Quartal 2022 nicht durchführbar sein wird.“

    Heißt im Klartext: Die Verwaltung arbeitet schon dran. Und sie hat auch all die Themen auf der Agenda, die ein ziemlich blasiert auftretender AfD-Stadtrat Marius Beyer aufzählte, der einen eigenen Änderungsantrag einbrachte. Vorher las er quasi einen ganzen Wikipedia-Artikel vor, wie ihm Jürgen Kasek attestierte. SPD-Stadtrat Andreas Geisler nannte es „Klugscheißerei“.

    Mehr war es auch nicht. Denn längst hat die Verwaltung – in diesem Fall das Amt für Stadtgrün und Gewässer – in Ortschaftsräten, Stadtbezirksbeirat und Umweltausschuss ihre Vorhaben zum Thema vorgestellt. Im Umweltausschuss ist auch das Gewässerkonzept für die Gewässer 2. Ordnung schon in den Grundzügen bekannt.

    Dringend benötigt: Überschwemmungsflächen

    Und bei der Östlichen Rietzsche heißt das unter anderem auch: „Aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Dürrejahren und den prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels, sollte vielmehr der Wasserrückhalt in der Fläche das Ziel sein. Durch den Rückhalt bzw. die Versickerung der Niederschläge vor Ort wird der Landschaftswasserhaushalt stabilisiert und die Hochwasserspitzen bei Starkniederschlagsereignissen gedämpft. Ist der Niederschlag in das Gewässer gelangt, kann z. B. in Retentionsflächen ein Teil des Wassers zurückgehalten werden.“

    Eine deutliche Erhöhung der Einleitmengen in die Rietzschke, ohne eine Verbesserung des Wasserrückhaltes in der Fläche, würde zu einer Verschärfung der Hochwasserproblematik bei Starkregenereignissen führen, heißt es weiter.

    Zudem verfüge die Östliche Rietzschke über keine natürliche Vorflut mehr „und mündet in Sellerhausen in die Kanalisation. Eine Erhöhung der eingeleiteten Niederschlagsmenge in das Gewässer würde somit auch zu einer Mehrbelastung des Leitungsnetzes führen. Daher arbeiten die Stadtverwaltung und die Leipziger Wasserwerke aktuell und in enger Abstimmung an einem umfänglichen Niederschlagswassermanagement.“

    Womit man bei der Hochwassergefahrenkarte der Stadt wäre, die gerade im ursprünglichen Verlauf der Östlichen Rietzschke in Sellerhausen und Neuschönefeld auch heute noch Gefahrengebiete ausweist – genau da, wo noch die alten Geländeeinschnitte der nunmehr in der Kanalisation verschwundenen Östlichen Rietzschke im Stadtprofil vorhanden sind. Da der einstige Abfluss in die Parthe nicht mehr möglich ist, kann es hier bei Starkregen zu durchaus heftigen Problemen kommen.

    Vorbereiten auf Starkregenereignisse

    Die Rietzschke-Aue Sellerhausen als zusätzliche Retensionsfläche für Regenereignisse wird noch in diesem Jahr fertig. Für die Entschlammung des Hochwasserrückhaltebeckens Sellerhausen beginnen erst die Planungen. Und für die benötigte Retentionsfläche Mölkau ist noch nicht mal absehbar, wann die Planungen beginnen.

    Auch das – wie so oft in den Leipziger Planungen – ein Personalproblem. Dem zuständigen Amt fehlten jahrelang schlicht die benötigten Planer, obwohl man das Thema Gewässer 2. Ordnung seit über zehn Jahren als Arbeitsaufgabe auf dem Tisch hat.

    Aber jenseits des Geplänkels mit einem AfD-Antrag, der dem vorliegenden Antrag nicht wirklich etwas Neues hinzufügte, war die Stadtratsmehrheit sichtlich der Meinung, dass der Grünen-Antrag das jetzt Machbare aufgreift und die Angebote der Verwaltung zum Auftrag macht. Er belässt es nicht beim Angebot der Verwaltung, irgendwann mit den Planungen zu beginnen, sondern legt fest: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die Östliche Rietzschke beginnend vom Teich am Zuckelhausener Ring bis zur Überführung in die städtische Kanalisation in Sellerhausen bis zum 2. Quartal 2022 soweit instand zu setzen, dass die Bachsohle repariert wird und zu prüfen, inwieweit eine dauerhafte Bespannung unter Einbeziehung des Regenwassers in Betracht kommt.“

    Denn gerade die Starkregenereignisse und ihre Folgen in diesem Sommer im Ahrtal oder an der Elbe haben gezeigt, dass auch das Starkregen-Thema nicht auf die lange Bank geschoben werden darf. Jede Kommune, die nicht vorbereitet ist auf so ein keineswegs vorhersagbares Ereignis, zahlt am Ende mit immensen Schäden.

    Und die Verwaltung muss besser und häufiger informieren über das, was im Bereich der Östlichen Rietzschke passiert: „Der SBB Ost und der Fachausschuss Umwelt, Klima, Ordnung werden über den Fortgang in regelmäßigen Abständen informiert.“

    Die Abstimmung war dann klar und eindeutig: Der Wikipedia-Antrag der AfD-Fraktion wurde mit 10 : 53 Stimmen abgelehnt. Der neu gefasste Grünen-Antrag bekam dafür 55 : 10 Stimmen.

    Die Debatte am 13. Oktober 2021 im Stadtrat

    Video: Livestream der Stadt Leipzig

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