Die Fragen wollte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat unbedingt beantwortet haben, denn seit Jahren wird nun über ein Böllerverbot in Leipzig debattiert. Jedes Jahr kommt es trotzdem zu Bränden und lauter Verletzungen, müssen die Einsatzkräfte der Stadt zur Rettung fahren, weil eine statistische Minderheit eher mehr als weniger Feuerwerk abbrennt. Und das auch noch in geschützten Gebieten, wo es verboten ist. Am 28. Januar gab es im Stadtrat dazu die Antworten.
„Mittlerweile wirkt es wie eine skurrile Neujahrstradition: In den ersten Januarwochen waren Zeitungen, Internet und Social Media voll mit Bilanzen über die vergangene Silvesternacht. Es war die Rede von Verletzten, tonnenweise sichergestelltem illegalen Feuerwerk, brennenden Barrikaden in Connewitz. Man kam kaum vorbei an Kommentaren über Sinn und Unsinn der Silvesterböllerei. Nur eine Seite war still: die Stadt Leipzig. Von offizieller Seite gibt es keine Bilanz, keine Reaktion auf die Geschehnisse.“
Das schrieb die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in ihrer Anfrage zu dem Thema, die sie beziehungsreich gleich mal mit „Same procedure as every year“ überschrieb. „Einzig ein Statement vom Oberbürgermeister ist zu finden, dass er die Angriffe auf Polizisten und Feuerwehrleute verurteile – was seltsam anmutet, wenn man bedenkt, dass wir ihn seit Jahren auffordern, dagegen vorzugehen.
In der Ratsversammlung im November vergangenen Jahres verabschiedete die Ratsversammlung den Antrag VIII-A-00774 Weniger Böller – mehr Silvester für alle zumindest in Teilen.“
Und es war wie jedes Jahr
Und es war in Leipzig auch zu Silvester 2025 wie jedes Jahr. Das Ordnungsdezernat lieferte die Zahlen dazu, die erzählen, dass sich am alljährlichen Tohuwabohu eigentlich nichts geändert hat.
„Die Feuerwehr Leipzig war in der Silvesternacht mit über 200 Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz.
Im Zeitraum vom 31.12., 19:00 Uhr bis 01.01., 06:00 Uhr wurden im Stadtgebiet Leipzig insgesamt 335 Einsätze verzeichnet. Diese gliederten sich wie folgt:
10 Einsätze aufgrund ausgelöster Brandmeldeanlagen
2 Brände groß
51 Brände klein
28 Brände mittel
15 Hilfeleistungen klein
12 Krankentransporte
42 Notfallrettungen mit Notarzt
2 Notfallrettungen ausschließlich mit Notarzt
136 Notfallrettungen ohne Notarzt
Parallel dazu nahm die Integrierte Regionalleitstelle Leipzig über den Notruf insgesamt 851 Notrufe entgegen. Diese betrafen das Einsatzgebiet der Gebietsgemeinschaft Leipzig (Stadt Leipzig, Landkreis Leipzig und Landkreis Nordsachsen).“
Für etliche Leipziger endete das Feuerwerk dann folgerichtig im Krankenhaus, wie das Ordnungsdezernat mitteilt: „Im Zeitraum (31.12., 19:00 Uhr bis 01.01., 06:00 Uhr) musste der Rettungsdienst insgesamt 57-mal zu Traumaeinsätzen ausrücken, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit der Umgang mit Silvesterfeuerwerk bzw. Böllern als Ursache anzunehmen ist.“
Respekt für die Eule?
Aber ein heftig diskutiertes Thema in den vergangenen Jahren war eben auch, dass etliche „Feuerwerker“ zum Böllern auch in die unter Landschafts- und Naturschutz gestellten Gebiete der Stadt gingen. Weshalb ein Teil des Stadtratsbeschlusses eben auch war, dort entsprechende Hinweisschilder aufzustellen, dass dort das Entzünden von Feuerwerk verboten ist.
Doch das ist nicht geschehen, wie die Stadt mitteilt: „Eine Aufstellung zusätzlicher Hinweisschilder an ‚Wegeingängen zu Schutzgebieten […], welche auf die Schutzzwecke des Gebiets und den dortigen Umgang mit/das Verbot von Feuerwerk hinweisen‘, konnte innerhalb der bis Silvester 2025 zur Verfügung gestellten Zeit nicht verwirklicht werden. Es standen schlichtweg keine Ressourcen für eine Umsetzung dieser Aufgabe (Planung bzw. Konzipierung/Anfertigung/Aufstellung) zur Verfügung.“
Und auch Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal konnte auf Nachfrage von Grünen-Stadträtin Nicole Schreyer-Krieg nichts anderes antworten. Man merkt langsam, dass es nicht nur mit der Finanzsituation der Stadt immer enger wird, sondern immer öfter auch das Personal fehlt, Stadtratsaufträge umzusetzen.
Ganz offensichtlich nehmen die Leipziger zwar das knallgelbe Schild mit der schwarzen Eule wahr, wissen aber nicht, dass dieses Schild auch auf eine Reihe von Verboten hinweist. Und dazu gehört nun einmal auch das Abbrennen von Feuerwerk..
„Insbesondere sind die personellen und die verfügbaren finanziellen Kapazitäten für das Thema ‚Schutzgebietsbeschilderung 2026‘ schon seit längerer Zeit verplant: Zum einen gilt es, die regelmäßig abhanden kommende Schutzgebietsbeschilderung wo erforderlich zu ersetzen, vor allem aber steht schon länger die überfällige Erneuerung der Kennzeichnung der städtischen Naturdenkmale an“, schreibt das Ordnungsdezernat.
Keine Gefahr (mehr) am Fockeberg?
An einer Stelle, die besonders in der Kritik stand, wurde in der Silvesternacht trotzdem kontrolliert – das war der Fockeberg in der Südvorstadt, den in der Vergangenheit etliche Leipziger nutzten, um oben auf der Kuppe ihr Feuerwerk abzubrennen.
Das scheint diesmal nicht der Fall gewesen zu sein, wie das Ordnungsdezernat mitteilt: „Der ursprüngliche Antrag beinhaltete den Prüfauftrag, ob Personal konkret am Fockeberg und zusätzlich im Auwald zur präventiven Gefahrenabwehr eingesetzt werden kann.
Der Fockeberg wurde einer mehrmaligen Bestreifung unterzogen. Dabei wurden keine gefahrenträchtigen Momente durch das Abbrennen von Pyrotechnik festgestellt. Bürgerhinweise in Bezug auf den Fockeberg und den Auwald gingen ebenso nicht ein. Aus diesem Grund kann aus Sicht der Gefahrenabwehr nicht von einem ‚kritischen Ort‘ ausgegangen werden.“
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