Der Mobilitätsgipfel im Kanzleramt am Dienstag, dem 10. Januar, war natürlich kein Mobilitätsgipfel, sondern wieder mal ein Autogipfel, bei dem es vor allem um neue Prämien für E-Autos ging und mehr Tempo beim Wechsel der Motorenart bei deutschen Autobauern. Und selbstredend um das Verständnis deutscher Politik vom Stupsen und sanften Überreden, wenn es um die großen Industriekonzerne der Bundesrepublik geht. Natürlich ginge Mobilitätswende auch anders und schneller.

Etwa durch ganz simple Gesetze, die festschreiben, wann die Produktion und der Vertrieb von spritgetriebenen Fahrzeugen zu enden hat. Was durchaus möglich wäre. Denn auch der Verkehrssektor ist Teil des Klimaproblems und trägt etwa ein Viertel zu den CO₂-Emissionen in Deutschland bei.

Ein Beitrag, der deutlich stärker minimiert werden kann, wenn der ÖPNV besser ausgebaut würde. Aber das war augenscheinlich nicht Thema des Autogipfels im Kanzleramt.

Dass das Klimaproblem vielen Autokäufern trotzdem nicht schnuppe ist, zeigen die Verkaufszahlen von Pkw im Jahr 2022, welche der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) zusammengestellt hat. Denn danach war 2022 durchaus ein bemerkenswertes Jahr.

Eine halbe Million reine E-Autos – klare Verschiebungen auf dem PKW-Markt

Der Dezember hatte es sowieso in sich: Die Neuzulassungen von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben stiegen im Dezember um 81 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, fasst der VDIK zusammen.

Im Gesamtjahr 2022 wurden 17 Prozent mehr Elektroautos, Hybride mit und ohne Stecker, Mild-Hybride und Gas-Pkw neu zugelassen, insgesamt über 1,3 Millionen Fahrzeuge. Damit erreichten die alternativen Antriebe 2022 erstmals einen Marktanteil von genau 50 Prozent.

Wegen der Kürzung der Förderung für Elektro-Pkw ab Januar kam es im Dezember zu einem kurzfristigen, extremen Anstieg der Zulassungszahlen. Im Dezember fuhren insgesamt 174.200 neue Elektrofahrzeuge auf die Straßen. Das ist ein Zuwachs von 114 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Darunter waren erstmalig mehr als 100.000 neue batterieelektrische Pkw in einem Monat (plus 115 Prozent). Die Plug-in-Hybride verzeichneten mit 69.801 Neuzulassungen einen Zuwachs um 113 Prozent. Diese Fahrzeuge wurden nur noch bis Ende 2022 mit dem Umweltbonus gefördert.

Zwischen Januar und Dezember wurden über 470.000 batterieelektrische Pkw neu zugelassen (plus 32 Prozent gegenüber 2021). Zudem wurden mehr als 362.000 Plug-in-Hybride neu zugelassen, was einem Plus von 11 Prozent entspricht.

Außerdem wurden im Dezember 40.359 Hybride ohne Stecker neu zugelassen (plus 12 Prozent). Im Gesamtjahr waren es über 465.000. Das entspricht fast einem Fünftel aller Pkw-Neuzulassungen. Unter den Hybriden waren 2022 rund 73.000 Voll-Hybride, die zu 96 Prozent von VDIK-Marken stammten.

Starken Zuwachs verzeichneten 2022 auch mit Flüssiggas angetriebene Pkw, die um 48 Prozent auf 15.006 Einheiten zulegten. Zusätzlich wurden 835 neue Brennstoffzellenautos zugelassen (plus 80 Prozent). 98 Prozent dieser neuen Wasserstoff-Pkw kamen von internationalen Marken.

Im gesamten Pkw-Markt verschieben sich die Gewichte weiter in Richtung der alternativen Antriebe. Sie kamen 2022 auf einen Anteil am Gesamtmarkt von 50 Prozent. Benziner lagen bei 32, Diesel bei 18 Prozent.

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