„Nach reiflicher Überlegung haben wir, der Kultur- und Kommunikationszentrum naTo e. V., uns als Veranstalter dazu entschlossen, den für den 15. Mai 2022 angesetzten Prix de Tacot, das Leipziger Seifenkistenrennen, abzusagen“, meldete die naTo am Montag, 11. April. Dabei wollte die naTo nach den pandemiebedingten Absagen in den Vorjahren das Seifenkistenrennen unbedingt wieder aufleben lassen.

Doch der Ukraine-Krieg warf die Planungen über den Haufen. Denn nach Spaß und Fröhlichkeit war den Veranstaltungsmachern der naTo überhaupt nicht. Stattdessen wollen sie jetzt ein Zeichen setzen und als Alternativprogramm eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Ein Lied für die Menschen – Für Frieden in der Ukraine und eine gemeinsame Zukunft“ starten, die an diesem dritten Sonntag im Mai anlaufen soll.

Die Stellungnahme der naTo

„In der aktuellen Lage stehen wir als Veranstaltungsbetrieb permanent vor Gewissenskonflikten. Seit Kriegsbeginn in der Ukraine haben wir uns immer wieder gefragt, wie unsere Arbeit weitergehen sollen.

In Zeiten, geprägt von Leid, Flucht und Verlust erscheint es uns unmöglich, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Wie also verhalten wir uns angesichts anstehender Großveranstaltungen wie dem Seifenkistenrennen, das vor allem eines ist: ein Spaß-Event? Nach langen Gesprächen und Abwägungen haben wir schweren Herzens die Entscheidung getroffen, dass in diesem Jahr kein Seifenkistenrennen stattfinden wird.

Wir bedauern dies sehr, haben wir uns doch nach zwei Jahren pandemiebedingter Beschränkungen nichts sehnlicher gewünscht, als uns endlich wieder mit vollem Elan in ein kunterbuntes Spektakel für Groß und Klein zu stürzen. Doch Klamauk in solch einem Rahmen auf die Bühne beziehungsweise auf den Fockeberg zu bringen, während jeden Tag Nachrichten von immer schlimmerem Ausmaß um die Welt gehen, fühlt sich für uns einfach nicht richtig an. In dieser Situation halten wir es für wesentlich wichtiger, unsere Energie für die Etablierung von Angeboten einzusetzen, mit denen wir die Menschen in der Ukraine wie auch Geflüchtete hier vor Ort unterstützen können.

Deshalb wird am 15. Mai in der naTo eine Veranstaltungsreihe starten, in der wir in den nächsten Wochen und Monaten regelmäßig ukrainischen Künstler/-innen, die ihre Heimat verlassen mussten, Auftritte ermöglichen und ihnen damit eine Perspektive für ihr zukünftiges Leben hier in Leipzig eröffnen.

Neben den erschütternden Nachrichten und Bildern, die wir jeden Tag aus der Ukraine erhalten, finden wir es besonders bestürzend, dass durch Putins brutalen Angriffskrieg tiefe Gräben zwischen den Völkern gerissen werden, die auch nach einem möglichen Ende des Krieges noch über viele Jahre zu Konflikten führen werden. Mit unserer Reihe wollen wir deshalb auch einen Beitrag dafür leisten, dass erste Brücken über diese Gräben gebaut werden und das Vertrauen zwischen den Menschen zurückkehren kann. Wir werden uns darum bemühen, dass bei den Veranstaltungen möglichst häufig ukrainische, russische und belarussische Künstler/-innen gemeinsam auftreten.

Aktuell sind wir dabei, die Reihe zu konzipieren und die erforderlichen Kontakte und Netzwerke aufzubauen. Der Auftakt wird am 15. Mai in der naTo stattfinden. Detaillierte Informationen zum Programm und wie es in den folgenden Monaten weitergehen soll, folgen in Kürze.“

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