Er selbst wählte den Notruf, gab an, seine Frau getötet zu haben und sich selbst das Leben nehmen zu wollen: Vor dem Leipziger Landgericht begann am Freitagmorgen, dem 15. Dezember, der Strafprozess gegen einen 66-jährigen Mann aus Borna. Die Staatsanwaltschaft hat den Rentner wegen Mordes angeklagt, er selbst will zu den Vorwürfen derzeit nichts sagen.

Am Morgen des 16. Juni 2023, wahrscheinlich zwischen 7.45 Uhr und 8.20 Uhr, soll Klaus N. mit einem Hammer auf den Kopf seiner Ehefrau eingeschlagen haben, während diese noch schlafend im Bett lag. Diese habe das Bett zwar noch schwer verletzt verlassen können, sei aber kurz darauf im Schlafzimmer der gemeinsamen Bornaer Wohnung zusammengebrochen und noch vor Ort durch die massive Gewalteinwirkung verstorben, heißt es in der Anklageschrift. Diese geht von mindestens 23 Hammerschlägen aus.

Die ein Jahr ältere Ehefrau habe sich am Vorabend völlig arglos schlafen gelegt, ohne mit einem Angriff zu rechnen, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Jakob zum Prozessauftakt am Freitag im Landgericht. Der erschütternde Tatvorwurf wurde durch die Behörden als Mord eingestuft.

„Ich habe Scheiße gebaut“

Ihr Mandant wolle sich zu den Tatvorwürfen aktuell nicht äußern, sagte seine Verteidigerin Sylvia Heenemann-Weiland. Die Strafkammer trat daher am Freitag direkt in die Beweisaufnahme ein und spielte den Mitschnitt des Notrufs ab, der die Feuerwehr kurz nach dem Geschehen erreichte: „Ich habe meine Frau umgebracht und will mich selber auch umbringen“, ist in der Audiosequenz die Stimme eines schwer atmenden Mannes zu hören.

Ulrich Jakob, Oberstaatsanwalt. Foto: Lucas Böhme
Oberstaatsanwalt Ulrich Jakob geht von einem heimtückischen Mord aus. Foto: Lucas Böhme

Auch die Staatsanwaltschaft geht bei der Frage des Tatmotivs davon aus, dass Klaus N. sich das Leben habe nehmen wollen, ohne seine Ehefrau zurückzulassen. Polizei und Rettungskräften, die kurz nach dem Notruf in der Wohnung eintrafen, bot sich ein schreckliches Bild. Der mutmaßliche Täter selbst war durch Schnittwunden verletzt und kippte um, musste direkt ins Krankenhaus und dort operiert werden. Er selbst gab gegenüber den Polizisten an, dass er sich bis kurz vor der Tat aufgrund psychischer Probleme in einer Altenburger Klinik befunden habe.

Er habe „Scheiße gebaut“ und man möge bitte die in Nürnberg lebende Tochter anrufen, habe Klaus N. geäußert, so ein anwesender Polizeihauptmeister (46) am Freitag im Zeugenstand über den Verdächtigen. Seit 17. Juni befindet sich der Rentner und frühere LPG-Mitarbeiter in Untersuchungshaft.

Der Fall bleibt vorerst rätselhaft

Über die Hintergründe des Gewaltverbrechens soll nun der weitere Prozessverlauf Klarheit verschaffen – auch über die Frage, ob sich das angenommene Motiv bewahrheitet. Nachbarn sollen gegenüber der Polizei von einer scheinbar harmonischen Ehe der N.s berichtet haben. Was aber möglicherweise hinter der Fassade vor sich ging, bleibt vorerst offen.

Wegen eines medizinischen Notfalls im Landgericht wurde die Verhandlung am Freitagvormittag allerdings vorzeitig unterbrochen und vertagt. Die Fortsetzung ist Anfang Januar 2024 geplant, mit einem Urteil wird dann am Monatsende gerechnet. Auch ein psychiatrischer Sachverständiger soll zu Wort kommen, um die Persönlichkeit des mutmaßlichen Mörders zu erklären.

***

Hinweis der Redaktion: In diesem Text spielt das Thema Suizid eine Rolle.

Sind Sie selbst in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.

Telefonseelsorge: Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222. Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis. Die Telefonseelsorge finden Sie auch hier im Internet.

Muslimisches Seelsorgetelefon: Das muslimische Seelsorgetelefon ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 030 / 44 35 09 821 erreichbar.

Weitere Möglichkeiten und Angebote finden Sie hier
www.suizidprophylaxe.de

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar