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HauptnetzRad in Leipzig: Problemstelle Nr. 3, die Georg-Schumann-Straße

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    Wie verhindert man, dass Radfahrer auf den Fußweg ausweichen? Richtig: Man knallt den Fußweg mit Werbedisplays zu. Eigentlich sollte das ja keine Serie über das werden, was Leipzigs Stadtplaner den Fußgänger/-innen zumuten. Das wäre eine eigene Serie wert, die ebenso davon erzählen würde, dass Verkehr in Leipzig von Autofahrern geplant wird, die die Belange der schwächeren Verkehrsteilnehmer nicht wirklich begreifen können.

    Das Beispiel aus der Georg-Schumann-Straße hat uns Rajko Felgentreff geschickt: „Auf der Georg-Schumann-Straße stadtauswärts Höhe Breitenfelder Straße endet wie an vielen Kreuzungen dieser Straße der separierte Radstreifen und Radfahrende müssen sich zwischen die Autos quetschen, die die rotblitzende Ampel zügig passieren wollen. Weicht man mit dem Rad auf den Fußweg aus, wird es auch nicht ungefährlich. Hier ist der Fußweg im Sinn der Werbeindustrie auf einen Meter reduziert und so verbaut, dass die Sicht nur frei ist für Werbebotschaften. Tolle Idee, was?“Dabei war die Georg-Schumann-Straße 2012 eine der ersten, die auf Grundlage des gerade beschlossenen Radverkehrsentwicklungsplans 2010 bis 2020 einen beidseitigen Radfahrstreifen erhielt. Aber selbst der erzählt bis heute von der Inkonsequenz Leipziger Radverkehrsplanung.

    Denn nicht nur vor der Kreuzung mit der Breitenfelder Straße hört der Radfahrstreifen schon 100 Meter vorher auf. Dasselbe erleben Radfahrer/-innen auf ihrem Weg stadtauswärts auch an der Lützowstraße und der Lindenthaler Straße.

    Jedes Mal legen Leipzigs Verkehrsplaner Wert darauf, eine möglichst lange Abbiegespur für die Rechtsabbieger zu gewinnen. Was bis heute nicht reicht. An der Lützowstraße gab es jahrelang einen Rückstau, der sogar die Straßenbahn behinderte, bis man sich dazu durchrang, ein halbes Dutzend Stellplätze wieder auszuradieren und den Radfahrstreifen dort an den Fahrbahnrand zu verlegen. Den Effekt dieses Rückstaus erlebt man dafür seitdem an der Lindenthaler Straße.

    Werbedisplay kurz vor der Breitenfelder Straße. Foto: Rajko Felgentreff
    Werbedisplay kurz vor der Breitenfelder Straße. Foto: Rajko Felgentreff

    Radfahrer stadtauswärts landen dann meistens mittendrin und erleben sich auf der Kreuzung mit der Lindenthaler dann regelrecht als Fremdkörper. Denn der Radfahrstreifen beginnt jenseits der Kreuzung auch nicht wieder sofort, sondern auch wieder erst nach 100 Metern. Das Wort „durchgehend“ für diesen Radfahrstreifen ist schlicht eine Täuschung.

    Stadteinwärts ist es übrigens ganz ähnlich, was auch damit zu tun hat, dass Leipzigs Verkehrsplaner den 60 Millionen Euro teuren Neubau der B6 weiter nördlich im Verlauf der Travniker/Max-Liebermann-Straße bis heute selbst nicht ernst nehmen. Denn eigentlich hätte mit Fertigstellung der Neubauten für die Travniker Straße der komplette Verkehr der Bundesstraße auf diese nördliche Route umgeleitet werden können.

    In der Georg-Schumann-Straße wäre der Weg frei gewesen, sie ganz ähnlich wie die Karl-Liebknecht-Straße zur fußgängerfreundlichen Magistrale umzubauen mit einspuriger Führung des Kfz-Verkehrs und mindestens durchgehenden Radstreifen auf der Seite, von mehr Bäumen ganz zu schweigen.

    Breite, fußgängerfreundliche Fußwege natürlich inbegriffen. Aber selbst die Neuvergabe der Außenwerbekonzessionen im Jahr 2015 nutzte Leipzigs Verwaltung nicht, die vielen kritischen Standorte für Werbedisplays und Litfaßsäulen auf den Prüfstand zu stellen.

    Sie wurden praktisch 1:1 mit in die neuen Konzessionsverträge übernommen und so stehen die Werbedisplays wieder mitten auf Fußwegen, Litfaßsäulen gern auch genau an wichtigen Kreuzungen, wo sie allen Verkehrsteilnehmern die Sicht versperren, und Werbedisplays auch gern genau vor Straßenbahnhaltestellen, sodass gleich noch der Blick auf einfahrende Straßenbahnen verstellt ist.

    Für die Werbekunden ist das natürlich Gold wert, weil sich ihre Werbung so genau in den Blick drängt. Ob das den beworbenen Produkten freilich guttut, wenn sie fortwährend mit negativen Erlebnissen oder gar Beulen an der Stirn in Verbindung gebracht werden, ist wohl eher fraglich.

    Das Werbedisplay kurz vor der Breitenfelder Straße jedenfalls erzählt auch von einer gewissen Verachtung für die kleinteilige Händlerstruktur auf der Georg-Schumann-Straße, die von Laufkundschaft lebt.

    Noch ein Blick ins Hauptnetz Rad: Ja, die Georg-Schumann-Straße ist hier als Hauptroute ausgewiesen, 2012 noch mit dickem roten Hinweis auf das völlige Ungenügen des Radwegeausbaus. Der wurde zwar durch das Auftragen das Radfahrstreifen teilweise behoben.

    Aber vor jeder Kreuzung bekommen die hier Radfahrenden weiterhin gezeigt, dass sie sich dem motorisierten Verkehr unterzuordnen haben. Sichere Radstreifen oder gar gut sichtbare Aufstellbereiche an der Kreuzung? Pustekuchen. Das war mit den Autoliebhabern im Amt schlicht nicht zu machen.

    Und da wir schon dabei sind: Dieselbe Situation wie an der Lindenthaler und der Breitenfelder Straße bekommen die Nutzer des Radfahrstreifens auch weiter stadtauswärts an der Wiederitzscher Straße, an der Dantestraße und an der Slevogtstraße. Das hält natürlich eine Menge Leute davon ab, diese Strecke mit dem Rad zu fahren. Und von den querenden Straßen haben wir da noch gar nichts gesagt. Denn die sind ein Problem für sich, so wie es kürzlich der Stadtbezirksbeirat Nord für die Lützowstraße thematisiert hat.

    Nach 2015 hat also die neue Rad-Reihe der LZ begonnen. Unter „Die Serie zum nicht existierenden Hauptnetz Rad in Leipzig: Problemstellen“ werden in den kommenden Tagen wieder jene Ecken der Stadt vorgestellt, wo ein normales Radfahren kaum möglich ist oder gar regelrechte Fallen für Radlerinnen drohen.

    Senden Sie uns auch gern weiterhin Ihre „Lieblingsstellen“, wenn Sie per Rad unterwegs sind an redaktion@l-iz.de. Sehr gern mit Bild zur besseren Verdeutlichung des jeweiligen Problems.

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

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      3 KOMMENTARE

      1. „Jedes Mal legen Leipzigs Verkehrsplaner Wert darauf, eine möglichst lange Abbiegespur für die Rechtsabbieger zu gewinnen. Was bis heute nicht reicht. An der Lützowstraße gab es jahrelang einen Rückstau, der sogar die Straßenbahn behinderte, bis man sich dazu durchrang, ein halbes Dutzend Stellplätze wieder auszuradieren und den Radfahrstreifen dort an den Fahrbahnrand zu verlegen.“

        @Ralf Julke: Die erfolgreiche Lösung für den Stau ist zutreffend beschrieben, aber nicht der Grund. Es war (und ist) die Geradeausspur, die den Rückstau verursacht! Auf der Rechtsabbiegerspur in die Lützowstraße herrscht oft gähnende Leere. An der Lindenthaler Straße gibt es ein Vielfaches dessen an Rechtsabbiegern.

        Als Radfahrer kann man (regelwidrig, aber mit deutlich höherem Sicherheitsgefühl und mit etwas Zeitersparnis) auf der leeren Rechtsabbiegerspur an den geradeausfahrenden Autos vorbeifahren. Hinter der Kreuzung fängt schließlich der Radweg wieder an. Das VTA könnte, sogar ohne den Autofahrern weh zu tun, eine Regelung wie an der Lindenthaler Straße schaffen, wo die Radfahrer regulär auf der Rechtsabbiegerspur geradeaus fahren dürfen. Ein durchgehender Radweg wäre natürlich noch besser.

      2. „dass Leipzigs Verkehrsplaner den 60 Millionen Euro teuren Neubau der B2 weiter nördlich im Verlauf der Travniker/Max-Liebermann-Straße bis heute selbst nicht ernst nehmen.“

        Es ist die B6.

      3. Freu mich schon auf die Bewertung des Scheußlichen Weg bzw der kompletten Verbindung von Adler bis Südvorstadt.
        Ist nämlich in einem guten Zustand wurde mir letztens erklärt ( Sicht eines Outofahrers )

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