Die Einsatzkräfte stellen sich noch auf Wochen ein: Die Waldbrände in der Sächsischen Schweiz und Tschechien lodern weiter, der wenige Regen brachte keine Entspannung. Am Airport Leipzig/Halle wurde am Samstag gegen dessen Ausbau protestiert, am heutigen Sonntag sind wiederum die selbst ernannten „Patrioten für Deutschland“ durch die Innenstadt unterwegs – Gegenprotest inklusive. Und: In der Bundespolitik wird offen über eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken diskutiert, um Gas für die Stromerzeugung zu sparen. Die LZ fasst zusammen, was am Wochenende, dem 30. und 31. Juli 2022, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Kein Ende der Waldbrände: „Wir rechnen in Wochen“

Die Lage in den Waldbrandgebieten der Sächsischen Schweiz bleibt angespannt. Etwa 150 Hektar Wald sollen hier inzwischen betroffen sein, im benachbarten Tschechien sogar 1.000 Hektar. „Wir rechnen nicht mehr in Tagen, wir rechnen in Wochen“, zitiert der MDR den Sprecher des Landkreises Sächsische Schweiz – Osterzgebirge.

Immerhin konnte ein Großfeuer im südlichen Brandenburg nahe der Grenze zu Sachsen offenbar großteils bezwungen werden. Doch zugleich flammten offenbar in Sachsen neue Brandherde auf, welche die gelöschten Feuer zahlenmäßig übersteigen.

Die Einsatzkräfte, die im Tagesverlauf von 360 auf etwa 500 aufgestockt werden sollten, schlagen inzwischen auch Schneisen in die Brandgebiete hinein und errichten Barrieren, die eine schnelle Ausweitung der Flammen verhindern sollen. Zudem sind 14 Hubschrauber im Einsatz.

Polizei kritisiert Gaffer und Katastrophentouris

Unterdessen hat die Polizei massive Kritik an „Gaffern“ und Sensationstouristen geübt, die trotz ausdrücklicher Warnung immer wieder Risiken eingehen und die mühsame Löscharbeit torpedieren. Auch tschechische Polizeibehörden berichteten Negatives, so von zwei Männern und einer Frau, die sich allen Appellen zum Trotz durch das Brandgebiet zum Prebischtor begeben hätten. Das Trio wurde demnach des Nationalparks verwiesen.

Der kurze Regen am Samstag, dessen ergiebige Phase nur etwa 15 Minuten dauerte, konnte zumindest für Ostsachsen leider keine nachhaltige Entspannung bringen. Das dürfte auch für die wenigen Schauer gelten, die für den Abend zwischen Lausitz und Osterzgebirge möglich sind – wenn sie denn überhaupt kommen.

Solange die Wetterlage nicht gründlich umschlägt, bleibt kaum Hoffnung, die Situation schnell in den Griff zu bekommen.

Proteste gegen Flughafenausbau und ziviler Ungehorsam

Es sind geradezu apokalyptische Bilder, die durch die Waldbrände in unsere Wohnzimmer flattern und uns die Folgen des längst eingetretenen Klimawandels plastisch vor Augen führen. Denn unstrittig ist, dass mehr Wetterextreme – anhaltende Trockenheit auf der einen, Starkregen auf der anderen Seite – auch die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse wie aktuell drastisch erhöhen.

Wohl nicht zuletzt deswegen scheint vielen auch der Ausbau eines Flughafens wie in Leipzig-Halle völlig aus der Zeit gefallen, gehören Flugzeuge doch zu den größten Verursachern klimaschädlicher Treibhausgase. Etwa 250 Teilnehmer fanden sich ab Samstagmittag, den 30. Juli, am Leipziger Airport nahe der B6 zusammen.

Ihre Kritik richtete sich gegen die staatliche Subventionierung des Flughafens, Kurzstreckenflüge und massiven Ausstoß von CO₂. Auch Abschiebeflüge wurden kritisch thematisiert. Das Aktionsbündnis „Transform LEJ“ hatte zu der Veranstaltung aufgerufen.

Neben einem Protestzug an der B6 kam es auch zu einer Baustellenbesetzung und weiteren Aktionen des „Zivilen Ungehorsams“ im Flughafengebäude selbst, wo sich Aktivisten abseilten und ein Banner entrollten. Trotz dieser Vorfälle zeigte sich Polizeisprecher Olaf Hoppe zufrieden mit dem Einsatzverlauf. Sein Statement plus viele weitere Bilder und Videos gibt es hier im ausführlichen Demobericht der Kollegen vor Ort.

„Patrioten für Deutschland“ marschieren im Südosten

Zur Stunde läuft am heutigen Sonntag, 31. Juli zudem eine rechtsgerichtete Demonstration der sogenannten „Patrioten für Deutschland“, die seit dem frühen Nachmittag vom Völkerschlachtdenkmal aus Richtung City marschieren. Motto der Kundgebung: „Grundrechte und Selbstbestimmung sind nicht verhandelbar.“

Gegen die Veranstaltung regt sich bereits Protest – an der Straße des. 18. Oktober kam es zu einer Sitzblockade von Gegendemonstranten. Auch die LZ ist mit vor Ort.

Außerdem wurde am Sonntag zwischen 13 und 16 Uhr auch unter dem Motto „Keine Diskriminierung von Geflüchteten!“ demonstriert, der Aufzug führte vom kleinen Willy-Brandt-Platz zum Stadtteilpark Rabet im Osten Leipzigs. Für morgen sind wiederum Versammlungen angekündigt (siehe unten) – Langeweile kommt also nicht auf.

Gretchenfrage: Wie hältst du es mit der Atomkraft?

Kein Ausstieg vom Ausstieg mit den Grünen – so die eindeutige Ansage ihrer Co-Parteichefin Ricarda Lang (28) – oder, mit anderen Worten: Es wird keine Verlängerung der Atomkraft geben. Lang reagierte mit dem Statement auf Äußerungen von Bundesfinanzminister Christian Lindner (43, FDP) im Sommerinterview des ZDF sowie der „Bild am Sonntag“, in denen er vorschlug, dass die drei noch laufenden deutschen Atommeiler zur Not bis 2024 am Netz bleiben müssten.

Angesichts massiv gedrosselter Lieferungen von Erdgas aus Russland und der befürchteten Versorgungslücke im Herbst und Winter sollen Gaskraftwerke, so das Kalkül, nicht länger der Stromgewinnung dienen und die Kapazität durch Atomkraft ersetzt werden.

Während vor allem Union und Liberale für einen begrenzten Weiterbetrieb der Atomkraft eintreten, zeigen sich Grüne und SPD eher skeptisch. Es handle sich bei der Atomkraft um eine Hochrisikotechnologie, die zudem den Wegfall des ohnehin geringen Anteils von Gaskraftwerken bei der deutschen Stromerzeugung nur geringfügig kompensieren könnte, argumentieren Kritikerinnen und Kritiker wie Ricarda Lang.

Bundeswirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (52, Grüne) jedenfalls reagierte auf die Aufforderung seines Kabinettskollegen Lindner, die gasbetriebene Stromproduktion zu stoppen, eher verhalten: Ein kompletter Verzicht auf Gas im Stromsektor könnte gravierende Störungen und Ausfälle zur Folge haben. Dort, wo ein Ersatz möglich sei, werde aber bereits daran gearbeitet, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit.

Flughafenstreit, Protest, anhaltende Trockenheit und die prekäre Situation von Leipziger Spätis

Worüber die LZ am Wochenende berichtet hat: Über benannten Flughafen-Protest vom Samstag, die Instandsetzung der Zeppelin-Brücke, einen Teilerfolg für den BUND Leipzig, den auch von anderer Seite geforderten Ausbaustopp des Flughafens Leipzig-Halle sowie die Juli-Bilanz des Leipziger Arbeitsmarktes.

Und am Sonntag schrieben wir über die symbolische Übergabe eines Meistersterns von Lok Leipzig, veröffentlichen eine Reportage über die prekäre Situation sogenannter Spätis zwischen wirtschaftlichem Zwang, Rechtsunsicherheit und fehlendem Rückhalt der Politik – ein Thema, wo dringend Verbesserung angesagt ist.

Ferner geht es um die Auswirkungen der Dürre auf den Auwald, einen Streitfall an der Schweinfurter Straße sowie der Connewitzer Spitze, ein verlorenes Dresdener Kirchenbauwerk und ein historisches Sachbuch, das von der Völkerschlacht bei Leipzig handelt und sich auf Verbündete Napoleons konzentriert, die ihm Truppenkontingente stellen mussten.

Fluchtaufruf des ukrainischen Präsidenten und Fußball-EM-Finale der Frauen

Was sonst noch wichtig war: Während Russlands Präsident Wladimir Putin (69) eine neue Marine-Doktrin erlassen hat, ruft der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj angesichts massiver Angriffe der russischen Armee die Bewohner der Region zur Flucht auf.

Bei der EM treffen die deutschen Fußballerinnen im Finale am Sonntagabend auf Gastgeber England.

Vieles neu im August und weitere Demos in Leipzig

Was am Montag wichtig wird: Der Monat August beginnt – und er bringt einige Änderungen mit sich (hier die Details), unter anderem mehr Bafög für Studenten, günstigere Medikamente und den Endspurt der Steuererklärung für 2020.

In Leipzig sind erneut zwei Demonstrationen angekündigt.

Und – alle Jahre wieder – gibt es Preisänderungen bei den LVB, was in den meisten Fällen bedeutet, dass tiefer ins Portemonnaie gegriffen werden muss. Ab morgen gilt das vor allem für Abonnements.

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