Leipzigs Stadtwerke verlieren Fahrzeuge nach mutmaßlichem Brandanschlag in Connewitz. Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Die Prager Straße muss nach einem Wasserleitungsschaden stadteinwärts gesperrt werden, das „Zeitgeschichtliche Forum“ beschäftigt sich mit der Rolle der Konsum-Genossenschaft während der Nazi-Diktatur und auf der Neuen Messe wird ein Festakt anlässlich des israelischen Unabhängigkeitstages ausgerichtet. 

Bekennerschreiben zu Brandanschlag

In den frühen Morgenstunden standen auf einem Parkplatz im Leipziger Stadtteil Connewitz vier Autos in Flammen. Wie die Polizeidirektion mitteilte, handelt es sich um Fahrzeuge vom Typ VW ID.3, die von den Stadtwerken genutzt werden.

Die Stellflächen befinden sich auf der Rückseite der einstigen SED-Bezirksleitung an der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße, Ecke Eichendorffstraße. Heute beherbergt das Gebäude ein Fitnessstudio sowie verschiedene Büroeinheiten, darunter auch Verwaltungsräume der Stadtwerke.

Aufgrund der gegebenen Umstände am Tatort ermittelt die Polizei wegen des Anfangsverdachts der Brandstiftung. Zudem wurde auf der Online-Plattform „indymedia“ ein mutmaßliches Bekennerschreiben veröffentlicht, dessen Echtheit zu überprüfen Teil der polizeilichen Ermittlungen ist. In der Stellungnahme wird der Anschlag als Reaktion auf Pläne begründet, in Leipzig ein wissenschaftliches Forschungszentrum für die Rüstungsindustrie aufzubauen.

Insgesamt wurden vier Fahrzeuge durch Feuer zerstört. Foto: Benjamin Weinkauf

Nächste Straße wegen alter Wasserleitungen dicht

Auf Leipzigs Straßen staut es sich gerade ziemlich dicke – und dabei sollte doch alles am Fließen sein. Wegen eines Rohrschadens ist die Prager Straße stadteinwärts zwischen Oststraße und Gerichtsweg ab sofort voll gesperrt. Die Leipziger Wasserwerke wollen den Schaden an der Leitung zügig beheben und auch die Straßendecke soll bis Mittwoch, 6. Mai 2026, wieder intakt sein. Eine Umleitung erfolgt über Nebenstraßen, besonders zu Stoßzeiten sollte die Prager Straße aber großzügig umfahren werden.

Aufgrund früherer Schäden ist die Sanierung der betroffenen Trinkwasserleitung bereits für den Herbst geplant. Diese Arbeiten sollen voraussichtlich im September beginnen.

Die Wasserwerke selbst sprechen davon, dass Leipzigs älteste Trinkwasserleitungen etwa 100 Jahre alt sind. Deshalb werden vorrangig alte Graugussleitungen erneuert. Seit 1990 sei nach Angaben des Stadtbetriebs rund ein Drittel des Trinkwassernetzes saniert oder neu gebaut worden, bis zur vollständigen Erneuerung werde es aber noch etwa 20 Jahre dauern.

Für die Wasserwerke offenbar ein immenser Kraftakt. Denn auch im Süden auf der Karl-Liebknecht-Straße stehen umfassende Bauarbeiten zur Erneuerung der Trink- und Warmwasserversorgung an. Mit Auswirkungen auf mehrere Stadtviertel.

Die Prager Straße ist ab dem Ostplatz stadteinwärts gesperrt. Foto: Benjamin Weinkauf

Die Konsum-Genossenschaft in der NS-Zeit

Die Leipzigerinnen und Leipziger lieben ihn. Als großen Supermarkt, oder als kleine Filiale an der Ecke: ihren Konsum. Das Zeitgeschichtliche Forum geht heute um 19 Uhr der Geschichte der Leipziger Konsumgenossenschaft im Nationalsozialismus nach. Und die ist ziemlich spannend. Denn das Unternehmen befand sich in einem steten Spagat zwischen System und Zufluchtsort.

Unter dem Titel „Im ‚Führerstaat‘ überwintert?“ präsentiert Elias Huff vom Historischen Seminar der Universität Leipzig zentrale Ergebnisse seiner Staatsexamensarbeit und stellt diese im Anschluss zur Diskussion. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Werkstattgespräche zur Zeit/Geschichte“ und bietet bei freiem Eintritt Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Die Leipziger Konsumgenossenschaft prägt bis heute das Stadtbild sowie den Alltag vieler Einwohnerinnen und Einwohner und kann auf eine fast 145-jährige Geschichte zurückblicken, in der sie weit mehr war, als ein reines Handelsunternehmen, sondern seit dem Kaiserreich eine wichtige Rolle innerhalb der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung einnahm. So kam den Konsumgenossenschaften während der NS-Zeit eine besondere Stellung zu, denn obwohl sie von den Nazis zunächst als „marxistische Brutstätten“ diffamiert wurden, blieben sie nach 1933 bestehen.

Der Leipziger Konsumverein entwickelte sich in dieser Phase zu einem widersprüchlichen Ort, an dem demokratische Traditionen auf faschistische Umgestaltung trafen, der zugleich Schutzraum für Regimegegnerinnen und -gegner bot und dennoch als leistungsfähiger Betrieb im Kontext von Krieg und Verfolgung funktionierte. Nach dem Ende der NS-Diktatur wurde diese ambivalente Vergangenheit in der DDR politisch instrumentalisiert, wodurch die Genossenschaft eine weitere tiefgreifende Umdeutung erfuhr.

Dozent Huff, geboren 2000 in Berlin, studiert seit 2021 an der Universität Leipzig die Fächer Deutsch und Geschichte für das Lehramt am Gymnasium, war an verschiedenen universitären Projekten beteiligt und absolvierte 2023 ein Auslandsemester an der Hebräischen Universität Jerusalem. Mit seinem Vortrag eröffnet er neue Perspektiven auf ein Stück Leipziger Geschichte.

Konsum-Chef Wilhelm Fischer empfängt Robert Ley, den für die Arbeiterschaft zuständigen NS-Propagandisten, vor der Firmenzentrale. Foto: Zeitgeschichtliches Forum / Bundesarchiv

Festakt zum Unabhängigkeitstag Israels

Heute richtet der Freistaat Sachsen gemeinsam mit der Stadt Leipzig auf der Neuen Messe einen offiziellen Empfang anlässlich des israelischen Unabhängigkeitstages aus. Zu den um 18 Uhr erwarteten Gästen zählen hochrangige politische Vertreter aus Sachsen sowie diplomatische Vertreter Israels. Die Veranstaltung ist Ausdruck der außenpolitischen Beziehungen und gelebter Freundschaften sowie der Erinnerungskultur im Kontext deutscher Geschichte. So besteht zwischen Leipzig und der israelischen Hafenstadt Herzliya seit 2011 eine Städtepartnerschaft.

Parallel dazu ist eine politische Kundgebung im Umfeld der Messe angekündigt. Aktivistengruppen mobilisieren zu Protesten im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt. Die Demonstration richtet sich ausdrücklich gegen den Empfang und die Teilnahme offizieller Vertreter Israels. Vor diesem Hintergrund rechnen die Behörden mit einer angespannten Lage. In vergleichbaren Fällen kommt es regelmäßig zu einem erhöhten Polizeiaufgebot, um Versammlungsfreiheit und Sicherheit gleichzeitig zu gewährleisten.

Die Stadt Leipzig hat im Vorfeld verkehrsrechtliche Einschränkungen im Umfeld der Neuen Messe angekündigt. Diese betreffen insbesondere Zufahrtsstraßen, Parkmöglichkeiten sowie mögliche Sperrungen im direkten Veranstaltungsbereich. Ziel ist es, den Schutz der Veranstaltungsteilnehmer sowie die Trennung von Demonstrationsgeschehen und offiziellem Empfang sicherzustellen.

Besucherinnen und Besucher des Messegeländes sowie Anwohner müssen sich auf Verzögerungen und Umleitungen einstellen. Besonders im Zeitraum ab dem späten Nachmittag ist mit Einschränkungen im Straßenverkehr sowie im öffentlichen Nahverkehr zu rechnen. Die Polizei wird den Einsatz nach eigenen Angaben lageabhängig durchführen. Erfahrungsgemäß umfasst dies Zugangskontrollen, Absperrungen sowie eine verstärkte Präsenz im gesamten Messeumfeld. Hintergrund sind sowohl die politische Bedeutung des Termins als auch die erwarteten Gegenproteste.

Der Empfang selbst steht politisch für die Beziehungen zwischen Sachsen und Israel. Gleichzeitig zeigt die angekündigte Demonstration die gesellschaftliche Polarisierung im Zuge des Nahostkonflikts, die auch auf lokaler Ebene sichtbar wird. Für Leipzig ist die Kombination aus hochrangiger politischer Veranstaltung, Protestgeschehen und Sicherheitsmaßnahmen ein Ereignis mit überregionaler Aufmerksamkeit. Der heutige Dienstag dürfte daher auch über die Stadtgrenzen hinaus Interesse auf sich ziehen.

Leipzig hat einen Platz in Israel. Burkhard Jung 2015 mit dem damaligen Bürgermeister von Herzliya, Moshe Fadlon. Foto: Stadt Leipzig

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