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1. FC Lok stellt Antrag für die 3. Liga – aber warum? – Geschäftsführer Martin Mieth: „Wir müssen bereit sein“ + Update

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    Eigentlich wäre am vergangenen Sonntag der 28. Spieltag der Fußball-Regionalliga Nordost über den Rasen gegangen. Der 1. FC Lok Leipzig hätte im Spitzenspiel gegen die VSG Altglienicke vermutlich hart um wichtige Punkte im Aufstiegsrennen gekämpft. Stattdessen hat Corona den Ligabetrieb seit Monaten lahmgelegt.

    Das letzte Punktspiel für Leipzig fand am 28. Oktober 2020 statt, das war der 12. Spieltag. Seitdem weiß niemand, ob und wie es mit dieser Saison weitergeht und wie die Auf- und Absteiger ermittelt werden sollen.In der vergangenen Saison verpassten die Leipziger in der Aufstiegsrelegation gegen den SC Verl nur um Haaresbreite den Sprung in die 3. Liga. Und trotz eines umfassenden Umbruchs im Mannschaftskader spielte auch diesmal die Hoffnung mit, vielleicht doch irgendwie den Platz an der Sonne ergattern zu können, der in diesem Jahr sogar ganz ohne Relegation den Aufstieg bedeuten würde.

    Doch sportlich kam Lok in den bisherigen Spielen noch nicht richtig in Fahrt. Nur 19 Punkte aus 12 Partien stehen zu Buche, was den 6. Tabellenplatz bedeutet. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt scheint der überraschend dominierende Spitzenreiter Viktoria Berlin mit 14 Punkten mehr (!) uneinholbar enteilt. Ist für die Probstheidaer damit der Traum vom Aufstieg vorzeitig geplatzt?

    Eine Antwort auf diese Frage haben auch die Verantwortlichen beim 1. FC Lok nicht, denn dafür stehen einfach zu viele Unabwägbarkeiten im Raum. Und so reichten die Blau-Gelben am 1. März vorsorglich den Lizenzantrag für die 3. Liga ein. Aber ist es den Aufwand und die Kosten wirklich wert? Auf „unter 10.000 Euro“ beziffert Martin Mieth diese Kosten. Der 36-Jährige ist bei Lok der Geschäftsführer sowohl für den Verein als auch die Spielbetriebsgesellschaft. Im Interview mit der Leipziger Zeitung (LZ) erklärt er unter anderem, warum der Antrag abgegeben wurde und wie ein solches Lizenzierungsverfahren überhaupt abläuft.

    Herr Mieth, von der Papierform her ist Lok aktuell nicht gerade der Aufstiegskandidat Nummer 1. Was waren die Beweggründe, dennoch einen Lizenzantrag für die 3. Liga einzureichen?

    Man weiß ja nie, was passiert. Deshalb haben wir gesagt: Wir müssen die Unterlagen abgeben. Zu dem Zeitpunkt, an dem wir das entschieden hatten – Anfang Dezember – war noch nicht klar, ob die Hinrunde noch zu Ende gespielt wird, ob noch bis in den Juli hinein die Rückrunde gespielt wird, ob es Playoffs gibt und so weiter. Damit wir aber alle Optionen haben und uns nichts verbauen, haben wir den Lizenzantrag abgegeben.

    Zudem wollen wir uns später nicht den Vorwurf gefallen lassen müssen: Hättet ihr das mal gemacht, das hättet ihr doch wissen müssen! Dazu kommt, dass dieser Antrag für uns auch eine Art Eigenkontrolle ist, um zu sehen, ob wir die Anforderungen alle erfüllen können. Es ist nicht verkehrt, wenn uns ein Wirtschaftsprüfer die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bescheinigt. Von daher kann es also nicht schaden, diesen Schritt gemacht zu haben.

    Die neue Leipziger Zeitung (LZ) Nr. 89, VÖ 26.03.2021
    Die neue Leipziger Zeitung (LZ) Nr. 89, VÖ 26.03.2021

    Als wie wahrscheinlich schätzen Sie denn die Aufstiegschancen des 1. FC Lok noch ein?

    Soweit ich weiß, haben aus der Regionalliga Nordost vier Vereine die Lizenzunterlagen abgegeben: Viktoria Berlin, VSG Altglienicke, Carl Zeiss Jena und wir. Und die ersten drei Mannschaften stehen in der Tabelle vor uns. Demzufolge haben wir von der Platzierung her die schlechtesten Karten. Aber es könnte ja sein, dass es doch noch in irgendeiner Form sportlich weitergeht.

    Es könnte auch sein, dass manche Vereine die Lizenz nicht bekommen, was in der Vergangenheit auch schon öfter der Fall war. Und dann müssen wir bereit und auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Nur darum geht es. Wir wissen natürlich, dass unsere Aufstiegschancen aktuell schlecht sind und können jetzt nur abwarten, wie die weitere Vorgehensweise sein wird.

    Wie wird es nun in Sachen Lizenz weitergehen?

    Wir warten jetzt auf die Rückmeldung vom DFB, was von uns noch gefordert wird. Damit ist Anfang April zu rechnen. Dann wissen wir, was wir an eventuellen Auflagen und Bedingungen noch erfüllen müssen.

    Werden denn größere Nacharbeiten erforderlich sein?

    Klar ist, dass wir für das Bruno-Plache-Stadion noch etwas tun müssen. Letztes Jahr hatten wir nachträglich die Bedingung erhalten, ein Ausweich-Stadion zu benennen, wo wir notfalls spielen könnten. Das haben wir diesmal nun gleich mit eingereicht, haben diese Bedingung also schon erfüllt und hoffen, dass es genehmigt wird.

    Um welches Stadion handelt es sich dabei?

    Das darf ich leider nicht sagen. Wir haben diesem Partner zugesichert, dass wir das zum aktuellen Zeitpunkt nicht kommunizieren. Was ich aber sagen kann: Es ist „im Osten“.

    Mit welchen Stolpersteinen rechnen Sie auf dem Weg zur Lizenz noch?

    Im technisch-organisatorischen Bereich rechne ich persönlich nicht mit Stolpersteinen, da wir das Ausweich-Stadion haben, das die Tauglichkeit nachweist. Wir versuchen dann, mit dem DFB zeitnah eine Stadionbegehung zu organisieren, um ihnen unsere Vorstellungen darüber mitzuteilen, wie wir die 3. Liga hier im Bruno-Plache-Stadion abbilden würden. Das Flutlicht hatten wir ja schon letztes Jahr hergerichtet, das ist also kein Problem mehr.

    In Sachen Rasenheizung müssten wir eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Das ist kein Selbstläufer, aber in der Regel bekommt man die für das erste Jahr. Außerdem brauchen wir noch eine Videotechnikanlage und müssen an der Lautsprecheranlage ein paar Änderungen herbeiführen. Aber auch dafür haben wir Übergangsfristen beantragt. Aber da der DFB noch nicht hier war und das Stadion nicht kennt, ist das insgesamt schwer zu beurteilen.

    Lok-Geschäftsführer Martin Mieth. Foto: Jan Kaefer (Archiv)
    Lok-Geschäftsführer Martin Mieth. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

    Wie geht eigentlich so eine Lizenzbeantragung vonstatten?

    Bereits Ende Oktober muss man einen sogenannten Berichtskreis abgeben. Hier prüft der DFB, ob nur die Spielbetriebsgesellschaft alle Zahlen abgeben muss oder auch noch der Verein. Nach der entsprechenden Rückmeldung haben wir im Dezember vom DFB die Unterlagen bekommen, die wir ausfüllen mussten. Diese gliedern sich in den wirtschaftlichen Bereich und den technisch-organisatorischen Bereich.

    Im wirtschaftlichen Bereich mussten wir zum 31.12. eine Zwischenbilanz für 2020 einreichen und das erste Halbjahr 2021 – also die Rückrunde – mit Einnahmen und Ausgaben planen. Außerdem mussten wir die Zahlen für die letzte Saison einreichen und die Planung für die neue Saison in der 3. Liga. Es geht also um die Einnahmen und auch die Personalkosten für die 1. Mannschaft, den Nachwuchs und die Verwaltung. Das will der DFB alles dezidiert wissen.

    Im technisch-organisatorischen Bereich geht es um Anforderungen an das Stadion und auch um Anforderungen an das Personal, beispielsweise muss man einen Trainer mit entsprechender Lizenz haben, einen hauptamtlichen Geschäftsführer, Pressesprecher, Finanzverantwortlichen. Man muss den Handels- oder Vereinsregisterauszug nachweisen und auch die Satzung bzw. den Gesellschaftervertrag, damit der DFB weiß, mit welcher Firma er es zu tun hat, wer vertretungsberechtigt ist und so weiter. Zum Stadion muss man eine Checkliste ausfüllen, damit der DFB beurteilen kann, ob es geeignet ist oder nicht.

    Welchen Umfang haben die einzureichenden Unterlagen in etwa?

    Zum Stadion waren es 30 Seiten. Dann muss man ein Sicherheitskonzept einreichen, das hatte bei uns für das Bruno-Plache-Stadion einen Umfang von rund 50 Seiten. Und das Gleiche mussten wir zusätzlich auch für das Ausweich-Stadion einreichen. Dabei geht es auch darum, dem DFB zusichern zu können, während der Spiele die Hoheit über das Stadion zu besitzen, um Stadionverbote durchsetzen oder aussprechen zu dürfen. Es sind also viele rechtliche Dinge zu bearbeiten. So müssen wir beispielsweise auch nachweisen, dass der Verein 100 Prozent der Anteile an der Spielbetriebsgesellschaft besitzt.

    Mit welchem Etat plant Lok denn für die 3. Liga?

    Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil wir in der Öffentlichkeit nicht über Zahlen reden wollen. Es wird auf jeden Fall im Vergleich zu den anderen Mannschaften ein kleinerer Etat sein. Im Schnitt geben die Vereine so um die vier bis sieben Millionen Euro pro Saison aus. Wir liegen darunter.

    Mit der „Vision 2020“ hatte Lok den Aufstieg in die 3. Liga bereits angepeilt. Dieses Ziel wurde knapp verfehlt. Mit welchen Visionen geht es jetzt weiter?

    Wir arbeiten gerade an einer neuen Vision, an der wir uns die nächsten Jahre orientieren wollen. Dazu kann ich Ihnen jetzt aber noch nichts sagen, da wir das erst auf der nächsten Mitgliederversammlung kommunizieren werden. Aber natürlich wollen wir das sogenannte „Profitum“, das wir vor zwei Jahren ausgerufen haben, aufrechterhalten. Denn ansonsten hat man heutzutage keine Chance mehr, überhaupt in die 3. Liga aufsteigen zu können.

    Update: Während der Drucklegung für die aktuelle Ausgabe der Leipziger Zeitung (LZ) hatte sich die Situation in der Regionalliga Nordost drastisch geändert. Am Mittwochabend (24.03.) hatte der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) gemeinsam mit allen Staffelvertretern beschlossen, die Saison endgültig abzubrechen.

    Der klare Tabellenführer Viktoria Berlin soll zum Meister und Aufsteiger in die 3. Liga erklärt werden. Wir haben uns dennoch dafür entschieden, diesen Artikel online zu stellen, da er darüber hinaus sicherlich noch ein paar lesenswerte Informationen enthält.

    „1. FC Lok stellt Antrag für die 3. Liga – aber warum? – Geschäftsführer Martin Mieth: Wir müssen bereit sein.“ erschien erstmals am 26. März 2021 in der aktuellen Printausgabe der LEIPZIGER ZEITUNG. Unsere Nummer 89 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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