Neues von der kleinen Hexe mit der Wuschelfrisur: Luleas Reise in das Land jenseits der Berge
Ralf Julke
13.11.2010
Lulea und die Schule der schwindenden Magie.
Foto: Ralf Julke
Felicitas von Montfors kennt keine Gnade. Was sich in ihrem ersten Buch um die kleine Hexe Lulea andeutete, schlägt gleich im zweiten Buch zu: Die Oma verschwindet, die Mama verschwindet, das Baumhaus wird verwüstet und die neunjährige Lulea muss zu ihrer rachsüchtigen Tante.
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Das Verhängnis, das da zugeschlagen hat, ist der Vater Luleas, augenscheinlich eine Person, mit der sich Luleas Mutter niemals hätte einlassen dürfen. Der Hexenrat hat den Mann hinter die Berge verbannt und den Bergpass mit einem unheimlichen Nebel verriegelt. Aber irgendwie scheint der Finsterling über die Macht zu verfügen, trotzdem noch in das Leben seiner Ex-Familie eingreifen zu können.
Lulea ist jetzt ein Jahr älter als im ersten Buch von Felicitas Montfors. Die 27-jährige Autorin lebt in Viersen an der holländischen Grenze. Und sie hat auch in ihrem zweiten Lulea-Buch nicht ganz vergessen, wie das so ist als heranwachsendes Mädchen. Man braucht jede Menge Vertraute und hat doch trotzdem jede Menge Ärger mit Erwachsenen, die Erziehung als Zwang zum Gehorsam begreifen und dabei auch noch zu heimtückischen Mitteln greifen, um das unpassende Kind einem starren Reglement zu unterwerfen - das versucht nicht nur Luleas Tante (die an so manche tückische Stiefmutter aus diversen deutschen Märchen erinnert), das versucht auch der neue Lehrer. Und wenn man gerade damit rechnet, dass Lulea sich jetzt mit diesen beiden finsteren Gestalten herumschlagen muss, bekommt die Geschichte schon wieder die nächste Wendung und Lulea macht sich mit ihren Vertrauten Klecks und Schru Schru auf die Suche nach ihrer Mutter und Großmutter.
Das 2. Buch um die kleine Hexe: Lulea und die Schule der schwindenden Magie.
Foto: Ralf Julke
Sie hat eigentlich noch mehr Vertraute - ihren Hexenbesen nämlich, der auf der gefährlichen Reise über die Berge die Hauptarbeit machen muss, und die kleine Fee Flitze, die ihr ebenfalls nicht von der Seite weicht. Und wenn nicht alles trügt, bekommt sie in der von finsteren schwarzen Vögeln bewachten Schule, in der sie landet, den nächsten Begleiter - klein diesmal und froschgrün.
Sie findet ihre Großmutter - aber in einer Situation, die schon sehr an die Szenerien in Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Bänden erinnert. Aber die kleine Hexe scheint schneller erwachsen zu werden, als das gewöhnlichen Menschenkindern sonst glückt. Sie lässt sich durch niemanden einschüchtern, ergreift selbstbewusst die Initiative und versammelt immer neue Freundinnen und Freunde um sich.
Ob Achtjährige - wie es die Altersempfehlung des Verlages angibt - bei einigen der geschilderten Szenen ruhig im Sessel sitzen bleiben können, darf bezweifelt werden. Zumindest wenn sie das sind, was Lulea auch ist: sensibel und mitfühlend. Soll es ja noch geben, auch wenn manche Kinder in dem Alter schon ihre 1.000 Fernseh-Morde gesehen haben und im Nachmittagsfernsehen gelernt haben, wie man "abgebrüht" und "cool" wird.
Felizitas Montfors: Lulea und die Schule der schwindenden Magie.
Foto: Ralf Julke
Lulea ist alles andere als "cool". Sie hat Angst, ärgert sich, macht Fehler, braucht Trost, hat Mitleid und ein großes Herz. Und Küsse von Jungen findet sie noch irgendwie igittigitt, auch wenn in diesem Band schon so etwas wie eine erste Liebe aufflackert. Was dann den Jungen, der auf einmal für Lulea den Helden spielt, in arge Gewissensnöte bringt.
Und während man nach dem ersten Band noch das Gefühl hatte, jetzt kann es eine Weile dauern, bis ein Buch kommt, das den angedeuteten Faden aufnimmt, ist nach diesem klar: Es wird wohl ziemlich bald folgen.
Denn Lulea kann sich und ihre Freunde zwar noch einmal retten, auch wenn sie dabei ihre geliebte Großmutter verliert. Aber ihre Mutter hat sie noch nicht gefunden. Die befindet sich in den Fängen des fiesen Burschen, der Luleas Vater ist. Und der kennt keine Skrupel, Menschen auszunutzen, um seine Macht zu steigern.
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Möglich, dass sich da so manche kleine Leserin, aber auch mancher kleiner Leser an ein paar Geschichten aus dem eigenen dramatischen Familienleben erinnert fühlt und sich einen Hexenbesen wünscht. Oder einen Zauberstab. Oder einfach zwei dufte Kumpel wie Schru Schru und Klecks, mit denen man auch die Tage übersteht, an denen man in jedes Fettnäpfchen getreten ist und am Ende so richtig kreuzunglücklich ist, dass man einfach davonfliegen will.
Nur - wie gesagt: Hat ja nicht jeder einen Hexenbesen. Manchmal reicht es einfach, so eine aufregende Geschichte nicht direkt vorm Schlafengehen zu lesen.
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