Umweltminister warnt vor staubiger Tradition: Feinstaubbelastung durch Silvester-Feuerwerkskörper
Redaktion
27.12.2012
Funkenflug und Rauchentwicklung beim Silvesterfeuerwerk.
Foto: Ralf Julke
Es gibt ja viele Leute, die gern über Feinstaub debattieren - aber nie zugeben würden, dass sie selbst Verursacher sind. Womöglich verschiebt sich die Debatte um die Silvesterböllerei in den nächsten Jahren, wenn so mancher auch für sich akzeptiert: Eine wirklich vernünftige Art ist das Knallen nicht. Sogar die Messstationen reagieren panisch, wenn ab dem 31. Dezember gleich mit der ersten Sekunde die Feinstaubwerte in die Höhe schnellen.
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Für die meisten Menschen ist es eine liebgewordene Tradition. Für die Umwelt jedoch ist es ein nicht zu unterschätzendes Problem, dieses alljährliche Silvesterfeuerwerk. Nach altem Brauch sollen damit böse Geister vertrieben werden.
„Mittlerweile wissen wir durch Messungen, dass dies eine sehr staubige Tradition ist. In den ersten Stunden des neuen Jahres wird vor allem in Großstädten oft das Hundertfache des sonst in einem Kubikmeter Luft enthaltenen Feinstaubs (PM 10) gemessen. Damit wird bereits am Jahresanfang der Negativ-Jahresrekord aufgestellt“, sagt Sachsens Umweltminister Frank Kupfer zum anstehenden Verkauf von Feuerwerkskörpern
Funkenflug und Rauchentwicklung beim Silvesterfeuerwerk.
Foto: Ralf Julke
Untersuchungen des Feinstaubs von Feuerwerkskörpern ergaben einen hohen Anteil von Metallpartikeln und Dioxinen. Feinstaub dringt durch kleinste Ritzen, zum Beispiel undichte Fenster und Türen. Er wird über die Atemluft bis tief in die Lunge inhaliert.
„Seit vielen Jahren kennen wir die Auswirkungen zu hoher Feinstaubwerte auf die Gesundheit. Vor allem bei Kindern und älteren Menschen kommt es verstärkt zu Atemwegs- und Kreislauferkrankungen“, so Frank Kupfer. "Ich würde mir wünschen, dass die Sachsen dieses Jahr mit einem kleineren Feuerwerk ausklingen lassen! Wer auf Raketen und Knallkörper verzichtet, hilft, die Belastung der Luft mit den gefährlichen Verbrennungspartikeln zu verringern und ganz nebenbei Abfall zu sparen."
Funkenflug und Rauchentwicklung beim Silvesterfeuerwerk.
Foto: Ralf Julke
Auch Tiere würden davon profitieren. Sie sind deutlich geräuschempfindlicher als Menschen. Und Feinstaubpartikel machen auch vor Tierlungen nicht halt. „Für mich steht fest: Auch in diesem Jahr werde ich auf Silvesterknaller verzichten – der Umwelt und der Gesundheit zuliebe!“, sagt Kupfer.
Die Feinstaubwerte, die in einer Silvesternacht gemessen werden, können je nach Wetterlage und Standort der Messstation stark schwanken. Starker Wind verteilt die Partikel besser und verringert die Konzentration. Bei trockenen Hochwetterlagen und Windstille hält die hohe Belastung der Luft mit Schadstoffen lange an. Im vorigen Jahr wurden in den ersten Stunden nach dem Jahreswechsel zum Beispiel in Leipzig Spitzenwerte von 1.800 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Zum Vergleich: In Großstädten werden im normalen Tagesmittel 30 bis 40 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen.
Der Spitzenwert wurde in der Lützner Straße erreicht, wo augenscheinlich Punkt Null Uhr die Anwohner alle auf der Straße standen und serienweise ihre Böller und Raketen hochjagten. An der Messstation Leipzig-Mitte (Nähe Hauptbahnhof) und Leipzig-West (in einer Parkanlage in Grünau) schnellten die Werte nicht derart in die Höhe - wohl weil es weniger böllerbegeisterte Anwohner in der Nähe gab. Aber auch hier verzeichneten die Messtationen gegen 1 Uhr, als sich der Staub über der Stadt verteilte, deutliche Sprünge auf über 300 bzw. über 400 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter.
Seit 2005 liegt der europaweit gültige Grenzwert für Feinstaub bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter im Tagesdurchschnitt. Dieser darf nicht häufiger als 35 Mal im Jahr überschritten werden. Neujahr ist in manchen sächsischen Städten oft schon der erste Überschreitungstag im Jahr.
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