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Handelshof wurde zum Grandhotel: Steigenberger eröffnete am Donnerstag

Ralf Julke
Eingang des Steigenberger Hotels im Salzgässchen.
Eingang des Steigenberger Hotels im Salzgässchen.
Foto: Ralf Julke
Auf dem roten Teppich standen die neugierigen Leipziger noch einmal Schlange. Eröffnungstag im neuen Steigenberger Grandhotel Handelshof am Donnerstag, 14. April. Das neue Luxushotel mitten in der Leipziger Innenstadt lud ein zur Besichtigung. Noch einmal Ah und Oh sagen, bevor das Haus ganz den Gästen gehört.

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Sechs Jahre Planen, Träumen, Bangen sind vorbei. Am Montag bekam Hans J. Kauschke, der Hoteldirektor, ganz offiziell die Verantwortung übertragen. Auch wenn die Handwerker da und dort noch schliffen und feilten. Das taten sie auch am Dienstagmittag noch. Aber das Haus ist einsatzbereit. Was sich die Leipziger Stadtbau AG vor sechs Jahren ausgedacht hatte, wurde verwirklicht.

Damals hat sie - gemeinsam mit dem britischen Finanzinvestor Patron Capital, London, die Leipziger Handelshof GmbH gegründet, die den alten Handelshof übernahmen und gemeinsam mit der Steigenberger Hotels AG als Betreibergesellschaft ein Luxushotel daraus entwickelten. Noch heute ist die hochwertige Substanz des Hauses zu sehen. Eichene Treppenhäuser stammen noch aus der Zeit der Erbauung in den Jahren 1908/1909, als Georg Weidenbach und Richard Tschammer hier das zweite große Messehaus für die Stadt bauten. Das erste war das Städtische Kaufhaus gewesen.

Blick in die Brasserie des Hotels.
Blick in die Brasserie des Hotels.
Foto: Ralf Julke

Die kleine Fußnote der Geschichte: Die Stadt hatte zuvor alle Grundstücke in diesem Block erworben, weil sie hier ihr neues Rathaus bauen wollte. Sie baute sich bekanntlich an anderer Stelle eines. Doch der Ort beeindruckt bis heute. Und Thomaspfarrer Christian Wolff, der das neueröffnete Haus segnete, hatte es nicht schwer, auf den alten Dreiklang einer Stadt wie Leipzig zu verweisen: Rathaus, Markt und Kirche.

Die Besucher des Eröffnungstages bekamen das eindrucksvoll vorgeführt, denn ab der dritte Etage erstrecken sich die Zimmer rund um den Block. Ostwärts sieht man durchs Schumachergässchen zur Nikolaikirche, südwärts auf die Grimmaische Straße, nordwärts aufs Salzgässchen. Westwärts schaut man auf den Naschmarkt und die Handelsbörse. Auf dieser Seite befindet sich ebenerdig auch das Hausrestaurant "Le Grand", eine Brasserie, in der es künftig mediterrane Speisen zu irdischen Preisen geben soll. Wenn einmal die Erdarbeiten auf dem Naschmarkt beendet sein sollten, kann man künftig auch von dieser Seite eintreten. Geöffnet täglich von 12 bis 23 Uhr.

Selbst zum Frühstück gibt's musikalische Atmosphäre.
Selbst zum Frühstück gibt's musikalische Atmosphäre.
Foto: Ralf Julke
Öffentlich zugänglich wird auch die Bar sein, die im einstigen Hof des Gebäudes zu finden ist. Der Hof ist nicht wiederzuerkennen. Ein Dach aus Spezialglas verwandelt den Raum in einen Lichthof. Marmor aus Carrara trennt die erhöhte Sitzgruppe ab, wo - wer will - seinen Tag ausklingen lassen kann. Verantwortlich für die gediegene Materialwahl ist die Innenarchitektin Cornelia Markus-Diedenhofen, die dem Haus auch thematische Akzente verpasst hat, über die der Gast stolpert, wenn er denn nicht alles als zufällig hübsches Dekor betrachtet. Selbst in den Duschen findet man auf den Glastüren Verse aus Goethes Faust. Wer es nicht weiß, wird also schon beim Zähneputzen daran erinnert, dass gleich um die Ecke auch Auerbachs Keller ist, wo ein Teil von „Faust I“ spielt.

Bilder auf den Fluren erinnern an die alte Handelsstadt. Selbst im Schlafzimmer kann sich der Gast wie auf einem alten Leipziger Tuchhändlerboden fühlen - die Schmuckwand erinnert an teure Tuchballen. Solide Wolle auch auf dem Boden - aus Neuseeland, in China gewebt. Vieles, was einst in Deutschland hergestellt wurde, ist hier nicht mehr bestellbar. Auch etwas, über das man nachdenken kann beim Gang durch die Flure.

Die hundertjährigen Treppenhäuser mit ihren Eichentreppen wurden erhalten.
Die hundertjährigen Treppenhäuser mit ihren Eichentreppen wurden erhalten.
Foto: Ralf Julke
Nicht mehr zu merken: Alle Zimmer, Flure und Säle wurden nachträglich eingebaut in die Großkonstruktion des alten Messehauses. Und wer die Orientierung verliert, stößt immer wieder auf Ortshinweise: Salzgässchen, Reichsstraße, Naschmarkt. 177 Zimmer haben im neuen Luxushotel ihren Platz gefunden, fast alle mit eigenem Zuschnitt, manche mit Erker, manche mit zimmerhohen Glasfronten nach draußen.

"Am besten gefallen mir die Zimmer im fünften Geschoss mit ihren Schrägen und Gauben", schwärmt Hans J. Kauschke. "Das erinnert mich an meine Kindheit."

Und was sich die Planer des Hotels einst dachten: Das Projekt City-Hotel funktioniert. Am ersten offenen Wochenende sind schon hundert Zimmer vermietet. "Auch zu Ostern sind wir schon gut ausgebucht", sagt Kauschke. Auch wenn das Steigenberger nicht das erste Hotel ist, das mitten in der City eröffnet - dieses "Wohnen mittendrin" kommt an bei den Gästen. Da fehlt nicht mal die Tiefgarage. Nicht wirklich. Wer mit dem Auto vorfährt, gibt seinen Schlüssel ab und ein spezieller Chauffeurdienst fährt das Auto in die Garage - und fährt es wieder vor, wenn der Gast Bescheid sagt.

Die Zimmer erinnern im Design an den Ruhm der alten Handelsstadt. Links die Innenarchitektin Cornelia Markus-Diedenhofen.
Die Zimmer erinnern im Design an den Ruhm der alten Handelsstadt. Links die Innenarchitektin Cornelia Markus-Diedenhofen.
Foto: Ralf Julke
"Wir haben uns ganz bewusst gegen eine Tiefgarage im Haus entschieden", sagt Kauschke. Ein nicht unwichtiger Beitrag zur autoarmen Innenstadt. Stattdessen befindet sich auf den Etagen minus 1 und minus 2 ein Wellness-Bereich. In diesem Fall: nur für die Hausgäste. "Vorerst", sagt der Hoteldirektor. "Das muss ich erst mal eine Weile beobachten, wie's läuft."

Schnell erobert werden auf jeden Fall die beiden Etagen mit dem 750 Quadratmeter großen Konferenzbereich mit sechs Tagungsräumen. Benannt nach lauter Musikinstrumenten. Einige davon tauchen einen dieser Räume auch in gediegene Salon-Atmosphäre. Es steckt eine Menge Leipzig in diesem neuen Hotel.

Die feierliche große Eröffnung folgt im Juni.

www.steigenbergerhotelgroup.com

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