Ein alternatives Anlagemodell in regenerative Energien: Bürgersolarkraftwerke
Matthias Weidemann
28.10.2011
Solaranlage in Lüptitz.
Foto: Solverde
Schon mal was von einem Bürgerkraftwerk gehört? Keine Sorge, da werden keine Menschen verheizt. Das besorgt schon die heutige Arbeitswelt. Vielmehr handelt es sich dabei um ein ziemlich cleveres Geschäftsmodell, bei dem man sein Geld in regenerative Energien anlegen kann. Genauer gesagt, in Solarkraftwerke.
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Die Solverde Bürgerkraftwerke GmbH ist so ein Unternehmen. Die L-IZ hat einmal mit dem Geschäftsführer, Nicolai Zwosta, gesprochen, der erklärt, was es mit diesen Bürgerkraftwerken eigentlich auf sich hat.
Die Firma Solverde hat ihren Stammsitz in Berlin und möchte bald auch in Leipzig eine Filiale eröffnen. Mit dem Bürgersolarkraftwerk in Bad Lausick hat man in der Region quasi schon einen Fuß in der Tür.
Ja, Bad Lausick ist ein schönes Beispiel für unsere Arbeit. Auf dem Gelände des ehemaligen Schamottewerks in Bad Lausick soll möglichst noch Ende des Jahres ein Bürgersolarpark mit einer Gesamtleistung von 1,5 Megawatt entstehen.
Warum ist Bad Lausick beispielhaft?
Die Alt-Industriefläche war eine hässliche Brache und mehr oder weniger unverkaufbar. Im Zuge der Projektumsetzung wird sie saniert und für die Solarstromerzeugung nutzbar gemacht. Damit ist die Kommune eine Fläche los, die schon lange ein Schandfleck war und gleichzeitig findet eine sinnvolle Nutzung statt, die auch noch Steuereinnahmen bringt.
Solaranlage in Lüptitz.
Foto: Solverde
Was ist noch beispielgebend am Projekt Bad Lausick?
Es steht genau für unser Geschäftsmodell, dessen wesentliches Ziel es ist, eine Solarstromanlage durch finanzielle Bürgerbeteiligung bei maximaler Transparenz des gesamten Ablaufes, sowohl technisch als auch geschäftlich, umzusetzen. Hierfür können sogenannte Solarbausteine ab einer Mindestbeteiligung von 1.000 Euro erworben werden.
Was habe ich als Bürger von so einer Investition?
Man ist quasi Gesellschafter mit vielen Vollmachten. Als Besitzer eines Solarbausteines wird man an den Erträgen des Solarstromprojektes beteiligt. Man fördert damit nicht nur aktiv den Klimaschutz, sondern erzielt darüber hinaus auch eine attraktive Rendite.
Muss ich dazu einen Vertrag abschließen?
Ja, für die Solarbausteinverträge können Laufzeiten von 4, 8, 12, 16 oder 20 Jahren gewährt werden. Während der Laufzeit erhalten die beteiligten Personen jährliche Zinsen in Höhe von 4,25 bis 7,5 Prozent ihrer Einlagen.
Sie sprachen von Transparenz. Wie soll das vorgehen?
Baustelle Bad Lausick: ein Schornstein wird gesprengt.
Foto: Solverde
Technisch so, dass die Anlage fernüberwacht wird. Die Menge des erzeugten Stromes wird stetig im Internet dargestellt. So kann man den Projektverlauf jederzeit mit verfolgen. Man weiß, wie viel Strom das Kraftwerk produziert und wie gewinnbringend es arbeitet.
Und was verstehen Sie unter geschäftlicher Transparenz?
Die wirtschaftliche Beteiligung der interessierten Bürger wird vom Verein Bürgerkraftwerke e.V. organisiert. Der funktioniert nach dem deutschen Vereinsgesetz. Er schließt die Solarbausteinverträge ab, bündelt die Einlagen und beauftragt die Bürgersolarkraftwerke mit dem Bau und dem Betrieb der Solarstromanlage. Im Falle von Bad Lausick ist dann die Bürgersolarkraftwerke Bad Lausick GmbH die Betreibergesellschaft, die extra für den Bau und den Betrieb gegründet wurde. Sie ist eine hundertprozentige Tochter der Solverde Bürgerkraftwerke GmbH. Zwischen der Betreibergesellschaft und dem Verein werden die Kooperationsverträge für die Finanzierung, den Bau und den Betrieb der Solarstromanlage abgeschlossen.
Was geschieht mit dem Geld, das durch das Kraftwerk erwirtschaftet wird?
Baustelle Bad Lausick: Der Steinschutt wird zermahlen.
Foto: Solverde
Der größte Teil der Solarstromerlöse aus dem Anlagenbetrieb wird von der Bürgersolarkraftwerke GmbH an den Verein ausgeschüttet. Die Erträge werden dann vom Verein Bürgerkraftwerke e.V. an die beteiligten Bürger weitergeleitet. Um die Beteiligung an den Solarstromerlösen abzusichern, lässt sich der Verein eine Forderungsabtretung von der Betreibergesellschaft unterzeichnen. Der Verein verwaltet die Einlagen bis zur Errichtung der Anlage und überwacht ihre ordnungsgemäße Verwendung.
Woher soll ich wissen, ob das Kraftwerk auch genug Erträge abwerfen wird?
Vor Errichtung wird ein Expertengutachten durch eine unabhängige Firma angefertigt, die dazu zwei Simulationen durchführt. So wird ein mittlerer spezifischer Jahresertrag ermittelt.
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