"Wir sind eine sehr lebensfrohe Band": Maria Antonia P. Schmidt von Chapeau Claque im L-IZ-Interview zu "Hab & Hut"
Daniel Thalheim
31.01.2011
Maria Antonia Schmidt im Interview: Chapeau Claque sind die begabten Popmusiker mit dem Gespür für tief gehende Melodien.
Bild: chapeauclaque.net
Chapeau Claque, das sind Maria Antonia P. Schmidt und die vier Musiker Peer Kleinschmidt, Jörg Wähner, Tim Kleinsorge und Moritz Sebritzki. Am 18. Februar erscheint mit "Hab & Hut" ihr Drittwerk . Von dem Album kann man jetzt schon sagen, dass Freunde von deutschsprachiger Popmusik ihre Hüte vor der reifen Leistung der 2006 gegründeten Band ziehen können. Sängerin Maria Schmidt zum neuen Album und den geplanten Konzerten im Interview.
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Bevor es um Album und neue Touren geht - eure Akustiksession, die ihr filmisch in einem Clip verewigt habt, ist sehr gelungen: Ist das eure Arbeitsweise generell bevor es ja scheinbar bei den neuen Songs doch elektronischer wird?
Die Akustiksession war ein sehr besonderes Projekt für uns, an dem wir wahnsinnig viel Spaß hatten. Es gab sogar Überlegungen eine Akustiktour zu spielen. Aber mit Flügel, Kontrabass und Harmonium auf Tour zu gehen, ist mit unfassbaren Kosten und Aufwand verbunden. Früher oder später werden wir diesen Traum aber hoffentlich realisieren. Doch nach wie vor lieben wir es auch mit elektronischen Elementen zu jonglieren. Die sind im neuen Album noch ein Stück dezenter eingebettet als zuvor.
Probt ihr nur unplugged - oder habt ihr auch mal vor Unplugged-Gigs zu spielen?
Wir proben mit Ökostrom. (Zwinkert)
"Wir sind eine lebensfrohe Band", Maria Antonia P. Schmidt zur Musik von Chapaeu Claque.
Bild: chapeauclaque.net
Bald kommt euer Drittwerk "Hab & Hut". Ein drittes Album soll - so gemeinläufige Meinung - über das Wohl und Wehe einer Band entscheiden: Wie seht ihr das?
Ich glaube das Image des "verflixten dritten Albums" kommt wohl daher, dass es sich nach den zwei "flutschigen" ersten Alben, nun tatsächlich oft entscheidet, ob man es mit dem Musikmachen ernst meint. Hier ist vermutlich bei den meisten der Punkt erreicht, an dem der alleine Spaßfaktor überwunden ist und man es tatsächlich mit Arbeit zu tun hat. Der Druck wächst ebenfalls, denn plötzlich existiert bereits ein Publikum, dass Erwartungen hat, und ein großer Apparat, der nun hinter einem steht, will genährt sein. Es geht plötzlich soviel Zeit drauf mit Vertragsverhandlungen, Touren, Büro und Organisation, so dass viel weniger Zeit zum Musikschreiben bleibt.
Jemand der sich das Leben eines Musiker mit Bier, Girls und Backstage vorgestellt hat, wird jetzt das Handtuch schmeißen. Für mich ehrlich gesagt, beginnt es hier erst richtig spannend zu werden. Denn jetzt lerne ich mich mit dem Musikhandwerk intensiv auseinanderzusetzen. Ich schreibe viel konzentrierter, arbeite, und feile an Texten, bin kritischer mit den Werken, und all das hat zur Folge, dass die Musik unglaublich an Reife gewinnt.
Der andere Schlüssel liegt für mich darin, dass man das Ganze einfach nicht zu verbissen sehen darf. Wir alle machen nebenbei noch viele andere wunderbare Sachen, von Hörspielen über Filmmusik, und alles scheint sich gegenseitig zu befruchten. Ach übrigens, macht es auch nach wie vor unglaublich Spaß.
Beim Hören von "Hab & Hut" kann man die neuesten "Nachrichten" von euch hören. Die Texte sind sehr persönlich geworden - Wer nahm den im euren Leben seinen "Hut", vor wem habt ihr euren "Hut" gezogen und was ist übrig geblieben als "Haben"?
Ich finde gar nicht mal, dass die Texte so viel persönlicher sind als zuvor. Vielmehr ist es die Sprache, die sich geändert hat. Die Metaphern gehen jetzt nicht mehr dreimal um die Ecke, sondern manchmal nur noch einmal, oder die Bilder werden direkt serviert. Das wirkt sicherlich teilweise härter.
Dazu kommt, dass die blumige Jugendbrille nun mehr von einer Prise realistischer Reife abgelöst wurde, was das Erwachsenwerden automatisch und glücklicherweise mit sich bringt. Wir trauen uns nun mehr zu kritisieren, auch das Makabere hat auf diesem Album seinen Platz bekommen.
Maria Antonia Schmidt zu "Hab & Hut": "Wir trauen uns nun mehr zu kritisieren, auch das Makabere hat auf diesem Album seinen Platz bekommen."
Bild: chapeauclaque.net
"Menschenfresser" und "Silhouetten" sind ziemlich melancholisch gefärbt, wohingegen "Schöner Moment" und "Platte an" vor Lebensfreude sprühen. Aber auch hier etwas Zurückhaltung ein wenig Wehmut ...
Wir sind eine sehr lebensfrohe Band, und trotzdem fühlt es sich für mich irgendwie heuchlerisch an einen Song zu schreiben, der zu 1000% die Sonnenseite des Lebens bejubelt. Da schüttelt es mich. Es würde mir irgendwie nicht aufrichtig erscheinen, denn ich kann mir die schönsten Momente im Leben nicht ohne die wunderbare, aber melancholische Gewissheit vorstellen, dass auch diese Momente endlich sind.
"Knallt ein Spatz" fliegt nicht nur gegen das Fenster, sondern fällt auch etwas aus dem Rahmen... was kannst Du zum Lied erzählen?
Wieso fällt es eigentlich aus dem Rahmen? Das Lied ist recht abwechslungsreich, Zärtlichkeit trifft auf Härte, Kindlichkeit auf Nüchternheit. Aber tendenziell erkläre ich meine Songs sehr ungern. Ich möchte den Hörern nicht meine Interpretation auftischen und dadurch der ihren den Platz rauben.
Ab Februar geht ihr auf Tour mit "Hab & Hut". Was können Fans von deutschsprachiger Popmusik von euch unter anderem am 5. März in der Moritzbastei erwarten?
Wenn alle Sterne günstig stehen, dann dürfte sie ein Abend mit leidenschaftlichen Musikern erwarten, die versuchen werden, sie für einen emotionalen Ausflug abzuholen.
Wie waren denn die Feedbacks zu euren beiden Vorgängern und den dazu laufenden Tourneen gewesen?
Glücklicherweise funktioniert bei uns bisher das Prinzip des "organischen Wachstums". Das bedeutet man macht ein Album und es verkauft sich gut, man macht ein Zweites, und es verkauft sich besser. Im besten Falle hält das nun auch bei dem dritten Album an, aber da bin ich sehr zuversichtlich. Live ist es auch sicherlich nochmal ein ganz anderes Erlebnis. Viele kommen wiederholt zu Livekonzerten, da hier eine ganz andere Lebendigkeit und Energie versprüht wird, als in der HiFi-Anlage. Viele, die vorher vielleicht etwas kritisch daher kamen, konnten wir nach einem Livekonzert vollends für uns gewinnen.
"Organischer Wachstum" klingt gut: Wie habt ihr bekommen, was ihr wolltet?
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