Windmühlenstraße im Fokus: Miriam Paulsen von "Tschau Tschüssi" im Interview
Daniel Thalheim
26.10.2011
Miriam Paulsen und der Tschau-Tschüssi-Hase laden in die Windmühlenstraße ein.
Foto: Daniel Thalheim
Heute wurde diesem Laden gekündigt. Seit vier Jahren gibt es ihn hier schon. "Tschau Tschüssi" heißt das Geschäft in der Ladenzeile des Objekts in der Windmühlenstraße, wo der Investor auch gern einen Supermarkt einbauen möchte. In den letzten Jahren haben junge Leute den Wohnblock auf ihre Weise verändert und (wieder-)belebt. "Tschau Tschüssi" gehörte dazu. Um was es Miriam Paulsen mit ihrem Unikate-Laden geht, erzählt sie im L-IZ-Interview, das vor ihrer heute erfolgten Kündigung stattfand.
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Was ist "Tschau Tschüssi" denn - solche Waren sieht man bei Großkaufhäusern nicht... Um was geht es Dir?
Am Anfang ging es darum, die Dinge, die Freunde und Bekannte und ich selbst hergestellt haben – T-Shirts, Taschen, Babykleidung, Schmuck, Stofftiere und vieles andere mehr - in einem eigenen kleinen Laden zu verkaufen, da es für kleine Labels schwierig ist, außer auf Märkten, ihre selbst gefertigten Produkte unters Volk zu bringen.
Heute geht es immer noch darum, allerdings kommen die Produkte nicht nur aus dem erweiterten Freundeskreis, sondern aus ganz Deutschland und auch Labels aus Österreich, der Schweiz, Spanien, Frankreich, Griechenland und Großbritannien sind mittlerweile vertreten in unserem kleinen Hasenladen. Dabei gibt es immer den Ehrgeiz, wirklich besondere Produkte im "Tschau Tschüssi" zu versammeln; Dinge, die man woanders noch nicht gesehen hat.
Wann bist Du mit dem Geschäft an den Start gegangen und wie lange schon in der Windmühlenstraße?
Das "Tschau Tschüssi" feiert Ende Oktober sein 4-jähriges Bestehen in der Windmühlenstraße. Im März 2007 haben wir in der Könneritzstraße eröffnet; bereits ein halbes Jahr später hieß es aber „Tschüssi Schleußig“ und „Tschau Helau Windmühle“.
Miriam Paulsen.
Foto: Daniel Thalheim
Welche Produkte verkaufst Du und woher stammen sie?
Hier findet man Unikate und Kleinstauflagen, gute Ideen und handgemachte Produkte von rund 100 Designern aus den Bereichen Illustration, Grafik- und Modedesign. Fast täglich kommen neue Dinge, daher wird es mir und auch hoffentlich den Kunden nie langweilig. Ich kann den Weg eines Produktes nachvollziehen, seine Macher kenne ich zum großen Teil persönlich und natürlich sind es besondere Dinge, die nicht von der Stange stammen, sondern eben handgefertigte Unikate sind oder in sehr kleiner Auflage produziert werden.
Alle (Lacht). Die Marketingabteilung hat keine bestimmte Zielgruppe ins Auge gefasst. Waren es zu Beginn fast ausschließlich Freunde, die eher einen studentischen oder künstlerischen Hintergrund haben, ist das Publikum heute bunt gemischt. Gemeinsam ist aber allen Kunden, dass sie Individualität der Produkte wertschätzen.
Was ist das Schöne daran, gerade hier in Innenstadtnähe ein Geschäft zu haben?
Trotz der Innenstadtnähe ist man in der Windmühlenstraße irgendwo im Nirgendwo. Viele kommen hier vorbei. Ob auf dem Weg zur Uni, zur Arbeit, mit der Tram, um im Cantona zu frühstücken, bei Uli nach Platten zu stöbern, ihre Hemden in die Reinigung Röver zum Bügeln zu bringen, auf der Suche nach dem Bayerischen Bahnhof oder dem Uniklinikum. Manche nehmen diese Ecke gar nicht wahr, für viele ist sie aber ein besonderer Kiez. Alles was hier in den letzten Jahren entstanden ist, geschah mit dem Willen, selbst was auf die Beine zu stellen. Aus dem Nichts, mit viel Idealismus, aber auch Schweiß und zuletzt Erfolg. An einem Ort, an den es lange Zeit keinen Menschen zog, und der jetzt über die Stadtgrenzen hinaus Menschen anzieht. Das ist toll, das begeistert mich jeden Tag aufs Neue.
Der Investor casa concept möchte einen Supermarkt in die Häuserzeile einpflanzen - Was spricht dafür und was dagegen aus deiner persönlichen Sicht?
Darüber soll sich jeder selbst ein Urteil bilden. Ich möchte meinen Standort mit dem "Tschau Tschüssi" gern bewahren und schätze das besondere Flair hier im Kiez.
Nebenan ist auch ein Ausstellungsraum - Was sieht man hier?
Noch bis diesen Sonntag gibt es hier die Ausstellung "Hausbesuch" zu sehen, ein Projekt von der Spezialproduktion, Martin Klindtworth und mir. "Hausbesuch" zeigt Portraits von Menschen, die im Gebäudekomplex Windmühlenstraße / Grünewaldstraße leben und arbeiten - fotografiert, gemalt und gezeichnet von Künstlerinnen und Künstlern aus eben diesem Areal.
Dazu gehören Christoph Ruckhäberle, Katharina Immekus, Paule Hammer, Andreas Wünschirs, Tobias Lehner, Johannes Rochhausen, Sebastian Gögel, Juliana Ortiz, Andreas Schulze, Thomas Moecker, Martin Klindtworth, Sophia Kesting, Sebastian Hühmer, Markus Uhr, Jana Engel, Nils Mollenhauer, Zarah Gutsch, Claudia Reese, Francis Hunger, Connie Walker, Till Gathmann, Constanze Schwürz, Claudia Lindner, Rolf Arnold, Alain d'Arc, Susann Busch, Line September, Joachim Bartsch, Timo Grimberg, und Anja Kästner.
Am Sonntag laden wir um 16 Uhr zur Finissage!
Eine illustre Gesellschaft. Vielen Dank für das Interview.
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