Wie wird die Parteienlandschaft in Deutschland künftig aussehen? Dass es bunter wird, das ist jetzt schon absehbar. Wie bunt, das könnte das Wahlergebnis der U18-Bundestagswahl verraten, dessen Ergebnis am Samstag bekannt gegeben wurde. "SPD gewinnt U18-Bundestagswahl", hieß es in der Mitteilung des Netzwerk U18.
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Über 126.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben am Freitag, 18. September, schon einmal gewählt, teilt das Netzwerk mit, in dem sich mehrere große und unabhängige Jugendorganisationen zusammengetan haben, um junge Menschen frühzeitig für die politische Teilhabe zu sensibilisieren.
Nach Auswertung von etwa 80 Prozent der gemeldeten Wahllokale ergibt sich folgendes Bild: Wenn es nach den jungen Leuten ginge, würde die SPD mit 20,41 % der Stimmen die Nase vorn haben. Wer die Rechenexempel kennt, weiß: "Gewinnerin der Wahl" ist sie damit noch lange nicht. Mit so einem Ergebnis braucht sie nicht nur einen Koalitionspartner, sondern zwei.
So gesehen ist das Wahlverhalten des Wählernachwuchses gar nicht so unaktuell, denn vor genau dem Problem steht die SPD derzeit in Thüringen und dem Saarland.
Auf Platz 2 der jungen Wählergunst landeten die Grünen mit 20,04 % vor der CDU/CSU mit 19,31 % aller abgegebenen Stimmen. Und das sind noch längst nicht alle Parteien, die im Sinne der jungen Wähler mitmischen würden in der Politik. Die Linke käme auf 10,38 % der Stimmen und der Newcomer, die Piratenpartei, auf 8,72 %, noch vor der FDP mit 7,6 %, und selbst Die Tierschutzpartei wäre mit 5,2 % im Parlament. Sonstige kämen auf 8,35 %. Aber zu Sonstigen gibt es noch einiges zu sagen – weiter unten.
Die Stimmabgabe erfolgte in über 1.000 “Wahllokalen“, die in Schulen, Freizeiteinrichtungen und weiteren Orten, an denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten, eingerichtet worden waren. Das Endergebnis wird voraussichtlich am heutigen Montag, 21. September, feststehen.
Ziel der Jugendwahlinitiative U18 ist es, Politiker für die Interessen junger Menschen zu sensibilisieren und Kinder und Jugendliche für politische Themen zu begeistern. Die Stimmabgabe neun Tage vor der Bundestagswahl der Erwachsenen war Höhepunkt und Abschluss verschiedenster Projekte, die in den vergangenen Monaten unter dem Dach von U18 durchgeführt wurden. Deutschlandweit gab es neben zahlreichen Diskussionsrunden mit den Direktkandidaten der Parteien vielfältige spannende Aktionen, darunter ein Politiker-“Speed-Dating“ in Berlin, ein Fußballspiel “Jugendliche gegen Politiker“ im thüringischen Königssee und der Jugendfeuerwehrtag in Amberg, bei dem Jugendliche die “Sonntagsfrage“ beantworteten.
Unter "Sonstige" im Wahlergebnis verbirgt sich übrigens auch mit über 4 Prozent die NPD, die in den letzten Jahren sehr viel Geld ausgegeben hat, um mit Schulhof-CDs und "Jugendmagazinen" in die Schulen zu kommen. Ein Blick ins Detail zeigt – mit über 3 Prozent ist sie auch in den westlichen Bundesländern in jungen Köpfen präsent.
Wählen gehen heißt also nicht immer auch, politisch vernünftig wählen zu gehen.
Das wird leider mit Blick auf das sächsische Wahlergebnis noch deutlicher. Denn da käme die NPD bei über 9.000 ausgezählten Stimmen auf 12,8 % – in Nordsachsen sogar auf über 17 %. Für Leipzig liegt leider kein wirklich auswertbares Ergebnis vor – hier hat sich im Vorfeld niemand wirklich für eine Popularisierung der U18-Initiative engagiert – 33 ausgezählte Stimmen in zwei Wahllokalen sind ein Witz.
Aussagekräftiger sind Zahlen aus Dresden, wo im Wahlkreis 1 die NPD ebenfalls über 17 % der Stimmen der jungen Wähler bekommen würde. Da ist es keineswegs beruhigend, dass die CDU rund 23 bekommen würde, die Grünen 17, die FDP über 15, die Linke über 12 und die SPD 10 %. Das zeugt zwar schon von einer starken Ausdifferenzierung eines politischen Weltbildes – aber der überall in Sachsen überdurchschnittliche Anteil von NPD-Affinität zeigt, dass im Freistaat eine ganze Menge mehr falsch gemacht wurde als in den anderen Bundesländern.
In Thüringen und Sachsen-Anhalt ist der NPD-Anteil leicht niedriger, in Mecklenburg-Vorpommern liegt er sogar unter 5 %. Dort sind stattdessen die Piraten mit 10 % stark vertreten im Bewusstsein der jungen Wähler. Auch in Berlin findet sich die NPD nur unter "ferner liefen". Klares Zeichen dafür, dass eine Rechtslastigkeit der jungen Leute kein Automatismus ist, sondern sehr viel zu tun hat mit den Reaktionen der offiziellen Politik auf rechtsextremistische Erscheinungen – und wohl auch mit den politischen Bildungsangeboten in den Schulen.
Da ist das sächsische Wahlergebnis ein echtes Alarmsignal. Auch an die ewigen "PISA-Sieger" die kulturelle und soziale Bildung nicht unbedingt als wichtige Bestandteile einer umfassenden Schulbildung begreifen.
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