Zweiter Versuch: Games Convention Online ersetzt 2009 die GC in Leipzig
Ralf Julke
30.01.2009
Logo der Games Convention Online.
Ein dicker blauer Balken durchstreicht die Website www.gc-germany.com. "Convention highjacked" steht darauf. Vom 19. bis 23. August 2009 wird wohl Stille herrschen auf dem Leipziger Messegelände. Die Messe wurde entführt. Was bleibt: Leipzig startet eine neue Messe. Die Games Convention Online.
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So verkündet am gestrigen Donnerstag in einem gut mit Presse gespickten Presseraum. „Wir setzen die Games Convention 2009 aus", verkündete Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Leipziger Messe. Man habe in den letzten Monaten mit Anbietern und Kunden gesprochen. Natürlich wollte man ausprobieren, ob man auch ohne Branchenverband im Rücken in Leipzig standhalten kann gegen die am Ende zeitgleich gesetzte Games-Messe in Köln. Es wäre ein Meisterstreich gewesen.
Doch der Streich gelingt nicht: Die Branche – die bei einer Umfrage zur GC 2008 noch mehrheitlich bekundete, auch 2009 wieder nach Leipzig kommen zu wollen, äußert sich im Jahr der Entscheidung deutlich verhaltener. Die großen Bekenntnisse, man setze auf Leipzig, blieben aus. „Mal sehen, was die nächsten Monate bringen", sagt Marzin zwar. Doch der blaue Balken spricht Bände: Man überlässt Köln das Feld. Und wird sicher genau hinschauen, was die Kölner aus der Leitmesse, die seit 2002 in Leipzig gepäppelt wurde machen werden.
Dafür wird es vom 31. Juli bis 2. August in Leipzig erstmals eine Games Convention Online geben, die erste eigene Messe für ein bisheriges Spezial-Segment der GC: die Online-, Mobil- und Clientspiele. Ein kräftig wachsendes Marktsegment, das ein wenig anders tickt als der nunmehr schon klassische Markt der im Laden verkauften Computer-Spiele. Möglich, dass Leipzig damit wieder einen Trend setzt. Denn der Online-Spielemarkt ist jung, in Deutschland praktisch erst fünf Jahre alt.
Highjacked: die GC 2009 ist "ausgesetzt".
Screenshot: LIZ
Gerade einmal ein Dutzend namhafter Firmen tummeln sich derzeit auf dem europäischen Markt. Die Wiege des Trends steht im fernen Asien. Südkorea gilt als "Mutterland" der Online-Spiele. Und während Prognosen dem klassischen PC-Game-Geschäft eine Stagnation voraussagen, scheint im Internet die Ost abzugehen: 12 Prozent Wachstum jährlich sagt PriceWaterhouseCoopers den Online-Spielen in Deutschland voraus.
Der Vorteil der Online-Spiele, so Nils-Holger Henning, CCO der 2003 gegründeten Bigpoint GmbH: das "fairste Geschäftsmodell der Welt". Eine Anmeldung mit Name und Passwort genüge, und der Spieler sei drin im Spiel. „Die Katze im Sack kauft man bei uns nicht", so Henning. Man brauche nur einen Computer und möglichst einen Breitband-Zugang. Schon könne es losgehen.
Für Carsten van Husen, CEO der Gamefordge 4D GmbH, ist das Online-Spiel "die evolutionärste Weiterentwicklung des Games, die wir bisher hatten". Alle Spielen sind überall im Netz verfügbar. Und bezahlt wird meistens erst, wenn das Angebot gefällt: Dann kauft der Spieler sich die nächsten Level oder Charaktere dazu. Dann erst fließt Geld.
Und nicht wenig. Denn die Communities sind in den letzten Jahren gewachsen. Allein der 2004 gestartete Online-Klassiker "World of Warcraft" hat mittlerweile 11,5 Millionen zahlende Bewohner. Während klassische PC-Spiele mit Start ihre Verkaufszahlen schaffen müssen, geht für neue Online-Spiele mit dem Launch erst die Arbeit los. „Wir leben von der Community", sagt Husen. Nur wenn die neue Welt von den Spielern akzeptiert wird, rechnet sich das Ganze.
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Logo: Leipziger Messe
Für Husen und Henning ist es trotzdem der Spiele-Markt der Zukunft. Für sie kann Leipzig der Schauplatz der ersten internationalen Online-Spiele-Messe werden. Den gibt es bislang noch nicht.
Mit 70 bis 100 Ausstellern rechnet Messechef Marzin zum Start. Zwei Messehallen, Glashalle und Konferenzräume werden genügen. Man beginnt etwa dort, wo man mit der Games Convention 2002 war. „Wenn wir zwischen 50.000 und 100.000 Besuchern schaffen", haben wir das Ziel erreicht, so Marzin. Zur GC kamen 2008 über 200.000 Besucher. Die Hotelbranche in Leipzig wird diese Nachricht nicht freuen.
Andererseits kennt noch niemand die mögliche Besucherschaft. Während klassische PC-Spiele sehr auf ein junges Publikum setzen, scheint das Spektrum der Online-Spieler fast alle Altersklassen zu umfassen. Die Frage ist nur: Sind sie so kommunikativ, dass sich auch zum großen Treffen nach Leipzig kommen? Oder reichen ihnen die Breitband-Kanäle, die auch den Online-Zugang zur neuen Messe öffnen. Denn parallel zur realen Messe soll die GCO auch als Online-Messe stattfinden, mit Übertragungen aller wichtigen Messeveranstaltungen.
Sozusagen die erste Messe 2.0, die einen alten Wunschtraum der Online-Propheten ermöglicht: eine "globalisierte mobile Welt" als "weltumspannender Spielplatz". Auf dem nicht nur überall, wo ein internetfähiger PC steht, jederzeit alle verfügbaren Online-Spiele bereit stehen und Spielwelten zum Begegnungsort werden. Die Anbieter können auch auf ihre "Communities" reagieren, jederzeit aktualisieren und die Spielangebote erweitern.
„Was sollen uns da die alten Zöpfe", meint Nils-Holger Henning. „Weg damit."
Trotzdem werden die Online-Anbieter auch die Kölner Game-Messe wahrnehmen. So ganz hat man sich noch nicht emanzipiert. Vielleicht traut man auch der eigenen Courage noch nicht, in Leipzig den Weg zur Weltmesse durchzustehen. Mit der GC hat's drei Jahre gedauert, bis schwarze Zahlen geschrieben wurden. Mit einer ähnlichen Frist rechnet Marzin auch bei der GCO.
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