Liebknecht-Luxemburg-Gedenken 2012: Ein Bild des begabten Liebknecht-Sohnes Robert für die Linke
Gernot Borriss
16.01.2012
Volker Külow und Beatrice Schulze übergeben das Bild.
Foto: Gernot Borriss
Ein Landschaftsbild des Malers Robert Liebknecht schmückt seit Sonntag das Leipziger Liebknecht-Haus in der Braustraße. Bei der Liebknecht-Luxemburg-Ehrung der örtlichen Linken sprach Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal Worte des Sohnes des 1919 ermordeten Sozialisten. Danach sei die Alternative mehr denn je Sozialismus oder Barbarei.
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„Wie mein Großvater und Vater bin auch ich Sozialist, und ich glaube heute, daß die Menschheit mehr denn je vor der Alternative Sozialismus oder Barbarei steht.“ So sprach es am vergangenen Sonntag Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal in die klare, kalte Winterluft.
Die Worte des Bürgermeisters entstammten nicht aus dessen eigener Feder. Rosenthal trug im Rahmen einer szenischen Lesung Interviewpassagen des Malers Robert Liebknecht aus einem Zeitungsinterview aus dem Jahre 1992 vor.
Liebknecht-Luxemburg-Gedenken der Leipziger Linken am 15. Januar.
Foto: Gernot Borriss
Für Rosenthal sind die Worte des von 1903 bis 1994 lebenden Künstlers natürlich nur aus der Zeit und dessen Erleben der Nazi-Diktatur zu erklären. Gleichwohl hält der Leipziger Bürgermeister „vor dem Hintergrund der vielen Verwerfungen in unserer Gesellschaft eine Diskussion ohne ideologische Scheuklappen“ über diese Frage für geboten. Dabei ist ihm der Zusatz „demokratischer Sozialismus“ sehr wichtig, wie Rosenthal gegenüber L-IZ betonte.
Robert Liebknecht ist der zweite Sohn von Karl Liebknecht. Der Ermordung der beiden Sozialisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 gedenkt alljährlich auch Leipzigs Linke.
In diesem Jahr stand der erfolgte Ankauf eines Landschaftsbildes von Robert Liebknecht im Mittelpunkt der Ehrung. Die Kaufsumme kam durch Spenden der Leipziger Bürgermeister Michael Faber und Heiko Rosenthal sowie von weiteren Linken-Politikern zusammen.
Bürgermeister Heiko Rosenthal spricht zur Bild-Übergabe.
Foto: Gernot Borriss
Mit dem Bild wolle man die politische und kulturelle Ausstrahlung des Liebknecht-Hauses erhöhen, erklärte Linken-Stadtchef Volker Külow am Sonntag. Das mittlerweile solarzellenbedachte Haus beherbergt Museumsräume, die Parteigeschäftsstelle, Abgeordnetenbüros und Begegnungsräume.
Das Bild des Liebknecht-Sohnes wird künftig im ehemaligen Geburtshaus von Karl Liebknecht (1871 – 1919) in der Leipziger Braustraße zu sehen sein. Hier wohnte die Familie Wilhelm Liebknecht (1826 – 1900). Der Demokrat und Revolutionsteilnehmer von 1848 war als Weggefährte von August Bebel einer der Gründungsväter der deutschen Sozialdemokratie.
Sohn Karl wurde in der Messestadt geboren und in der hiesigen Thomaskirche getauft. Die Taufpaten waren Karl Marx und Friedrich Engels. Ein Besuch der Nikolaischule schloss sich an, bis die Familie schließlich nach Berlin zog.
Karl Liebknecht wurde Rechtsanwalt und trat zugleich politisch in die Fußstapfen seines Vaters. Karl Liebknecht und auch Rosa Luxemburg gehörten zu den bekanntesten jüngeren Köpfen der Vorkriegssozialdemokratie. Liebknecht war einer der wenigen, der seit Kriegsbeginn offen gegen den Krieg auftrat. Angesichts der Schrecken des Ersten Weltkrieges, gegen den sich die SPD viel zu spät stellte, verließen sie die Partei.
Robert Liebknecht: Pogromstimmung gegen den Vater
Volker Külow und Beatrice Schulze übergeben das Bild von Robert Liebknecht.
Foto: Gernot Borriss
Am 9. November 1918 rief Karl Liebknecht die „sozialistische Republik“ in Deutschland aus. Zum Jahreswechsel 1918/19 gehörten Liebknecht und Luxemburg zu den Gründern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Während des Berliner Januar-Aufstandes 1919 wurden Liebknecht und Luxemburg von Freikorpssoldaten ermordet.
Von einer „regelrechten Pogromstimmung gegen meinen Vater“ im Januar 1919 sprach Sohn Robert in dem genannten Interview. „Meine Mutter und ich wurden am Sonntag, dem 12. Januar 1919, von Offizieren verhaftet und unter Druck gesetzt, den Aufenthaltsort meines Vaters zu verraten“, berichtete der Maler, „auf dem Weg zum Armeequartier wurden wir auch ein Stück mit der Straßenbahn transportiert, einzelne Leute, die uns erkannten, trommelten gegen die Scheiben oder bespuckten sie, es war ein beängstigender Haß, dem zur Lynchjustiz nicht mehr viel fehlte.“
Die Bildhauerin Käthe Kollwitz, eine Freundin der Familie, ermutigte den Jungen, Maler zu werden. So geschah es auch.
Im Jahre 1933 war Robert Liebknecht aus den nahe liegenden politischen Gründen nach Frankreich emigriert. Während der deutschen Besetzung Frankreichs konnte er mit Frau und Tochter in die Schweiz flüchten. Von 1946 bis zu seinem Tode lebte er erneut in Frankreich.
Rosa Luxemburg und die Freiheit der Andersdenkenden
Auch das Leben Rosa Luxemburg (1871 – 1919) ist mit Leipzig verbunden. Sie gehörte zu den bekanntesten Autorinnen des damaligen SPD-Parteiblattes „Leipziger Volkszeitung". Kurzzeitig war Luxemburg sogar als Chefredakteurin der Zeitung im Gespräch. Die Redaktion hatte damals ihren Sitz in der Tauchaer Straße, die heute nach Rosa Luxemburg heißt.
So sehr das Verhältnis Liebknechts und Luxemburgs zu den Führern der Bolschewiki nicht ungetrübt war, so dienten sie doch der KPD und später der DDR-Führung als Märtyrer, die man zur Legitimierung der eigenen Herrschaft vereinnahmen konnte.
So ist es dialektisch bis ironisch, dass die Opposition in der DDR die offiziellen Liebknecht-Luxemburg-Ehrungen in Berlin (Ost) und Leipzig 1988 zum Anlass für ihren Protest gegen den erstarrten Realsozialismus nahm. Dabei beriefen sich die Protestierenden auf das Luxemburg-Wort, wonach die Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden ist.
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