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Freiheitsdenkmal für Leipzig: Stadt schlägt drei Standorte am Ring vor

Ralf Julke
Augustusplatz mit Paulinum.
Augustusplatz mit Paulinum.
Foto: Ralf Julke
Bei der Deutschen Gesellschaft e. V. war man sich Montag schon ganz sicher: Das Freiheits- und Einheitsdenkmal, das Leipzig vom Bund spendiert wird, kommt auf den Augustusplatz. Und 2014 steht's. Aber da dürfen auch die Leipziger noch mitreden. Drei Standorte stellt die Stadt zur Auswahl.

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Gestern stellte sie Oberbürgermeister Burkhard Jung persönlich vor. Zuvor hatte er die Stadtplaner um Baubürgermeister Martin zur Nedden gebeten, alle möglichen Standorte für so ein Denkmal erst einmal aufzulisten und zu analysieren. Jungs Vorgabe: Es sollte schon irgendwo in Ringnähe sein, wo sich 1989 die entscheidenden Ereignisse abspielten.

„Der 9. Oktober 1989 ist ein weltgeschichtliches Datum", sagt er, „und hatte eine ungeheure Dimension für die europäische Geschichte und darüber hinaus." Wichtiger als der 9. November. Nur sollten die Leipziger in der Denkmaldebatte auch daran denken, woran man sich noch in 100 Jahren erinnern wolle. „Würden wir die Völkerschlacht von 1813 derart aufwändig begehen, wenn es kein Denkmal gäbe?" fragt er.

Das ist zumindest eine Überlegung wert. Immerhin ist das Völkerschlachtdenkmal das beliebteste Leipziger Wahrzeichen. 180.000 Besucher werden da jedes Jahr gezählt. In diese Liga spielen in Leipzig nur noch das Zeitgeschichtliche Forum und die Runde Ecke. Womit eigentlich schon zwei Erinnerungsstätten erwähnt sind, die auf ihre Weise an den Herbst 1989 erinnern. Interaktiv, könnte man sagen.

Möglicher Standort: Augustusplatz.
Möglicher Standort: Augustusplatz.
Foto: Ralf Julke

Und es ist nicht nur die Frage "Könnte man die 5 Millionen Euro nicht besser verwenden?", die die Leipziger Bürger beschäftigt. Sie sehen mittlerweile ein kleines Gedränge von Denk-Malen und Erinnerungsorten in der Leipziger Innenstadt. Die Erinnerungssäule und der Brunnen auf dem Nikolaikirchhof gehören genauso dazu wie Mattheuers "Jahrhundertschritt" vom Zeitgeschichtlichen Forum und demnächst die Demokratie-Glocke auf dem Augustusplatz.

Platznöte haben zwei Standorte am Ring schon in der Vorauswahl aus dem Rennen gekegelt: die Kreuzung Goerdelerring/Jahnallee, in den Nachrichten vom Herbst 1989 als "Friedrich-Engels-Platz" immer wieder erwähnt. Hier schwenkte der Zug der Hunderttausende Richtung Stasi-Hauptquartier ab und von der damaligen Fußgängerbrücke "Blaues Wunder" wurden einige der Fotos geschossen, die heute zu den Ikonen des '89er Herbstes gehören.

Doch weder auf dem Platz vor dem Naturkundemuseum, noch auf der Freifläche am IHK-Gebäude sehen die Planer den Raum für ein Denkmal. Hauptargument: Zu viel Verkehr, zu wenig Aufmerksamkeit. Auch der Richard-Wagner-Platz kommt für Burkhard Jung nicht in Frage, man wolle da an der Planung nichts weiter ändern.

Auch die "Runde Ecke", bis 1989 Bezirksverwaltung des MfS, sei zu wenig Platz, so die Planer. In der Grünanlage am Dittrichring würde das Denkmal "verschwinden", Richtung Matthäikirchof sei auf absehbare Zeit keine Verwirklichung denkbar. Und in der dortigen Grünanlage wäre schon die Aufstellung des ursprünglich geplanten Wagner-Denkmals geplant. Wann der Stasi-Neubau auf dem Matthäikirchhof verschwände, stehe auch noch in den Sternen. „Und dann wollen wir dort sowieso eine geschlossene Bebauung", sagt Jung. Ganz schlechte Nachrichten für ein nicht unbedeutendes Stück Innenstadt.

Dass der Augustusplatz als Nummer 1 gehandelt wird, ist dann schon folgerichtig. Auch wenn Jung hier durchaus die Probleme der zunehmenden Verbauung des Platzes sieht. „Nach Fertigstellung des Paulinums werden wir uns sowieso Gedanken machen müssen", sagt er, „auch über das Café, das die Sicht auf den Uni-Neubau verstellt."

Erinnerung an den Herbst '89: Säule auf dem Nikolaikirchhof.
Erinnerung an den Herbst '89: Säule auf dem Nikolaikirchhof.
Foto: Ralf Julke
Zweiter Platz-Favorit: der Bürgermeister-Müller-Park direkt vorm Hauptbahnhof, bislang dominiert vom Denkmal, das an Carl Wilhelm Müller erinnert, der im 18. Jahrhundert die Stadtgräben verfüllen und den Promenadenring anlegen ließ. „Das Müller-Denkmal könnte durchaus weiter westlich verschoben werden", so Jung.

Dabei hätte man nach Fertigstellung des Citytunnels auf er Westseite des Kleinewn Willy-Brandt-Platzes genug Raum, ein sofort sichtbares Denkmal zu platzieren. Warum man eine historische Grünanlage umbauen will, bloß um noch näher am "Ort des Geschehens" zu sein, kann wahrscheinlich niemand erklären. Der Ort hat deshalb Bedeutung für den Herbst 1989, weil sich hier – direkt vorm Hauptbahnhof – für den Demonstrationszug entschied, ob die bereitstehenden "bewaffneten Organe" eingreifen würden oder nicht.

Dritter möglicher Standort könnte der neu entstehende "Königsplatz" am Wilhelm-Leuschner-Platz/Eingang Peterssteinweg werden. Hier muss nach Beendigung der Citytunnelbauten (irgendwann um 2011/12) sowieso stadtgestalterisch gebaut werden. Die Pläne für den neuen Mehrzweckplatz liegen schon vor. „Der Vorteil dieses Standorts", so Jung, „ist, dass wir hier am problemlosesten bauen könnten." Der Nachteil: Mit den Herbstdemonstrationen hat der Ort eher weniger zu tun.

Zweiter Platz-Favorit: der Bürgermeister-Müller-Park direkt vorm Hauptbahnhof, bislang dominiert vom Denkmal, das an Carl Wilhelm Müller erinnert, der im 18. Jahrhundert die Stadtgräben verfüllen und den Promenadenring anlegen ließ. „Das Müller-Denkmal könnte durchaus weiter westlich verschoben werden", so Jung.

Dabei hätte man nach Fertigstellung des Citytunnels auf er Westseite des Kleinewn Willy-Brandt-Platzes genug Raum, ein sofort sichtbares Denkmal zu platzieren. Warum man eine historische Grünanlage umbauen will, bloß um noch näher am "Ort des Geschehens" zu sein, kann wahrscheinlich niemand erklären. Der Ort hat deshalb Bedeutung für den Herbst 1989, weil sich hier – direkt vorm Hauptbahnhof – für den Demonstrationszug entschied, ob die bereitstehenden "bewaffneten Organe" eingreifen würden oder nicht.

Dritter möglicher Standort könnte der neu entstehende "Königsplatz" am Wilhelm-Leuschner-Platz/Eingang Peterssteinweg werden. Hier muss nach Beendigung der Citytunnelbauten (irgendwann um 2011/12) sowieso stadtgestalterisch gebaut werden. Die Pläne für den neuen Mehrzweckplatz liegen schon vor. „Der Vorteil dieses Standorts", so Jung, „ist, dass wir hier am problemlosesten bauen könnten." Der Nachteil: Mit den Herbstdemonstrationen hat der Ort eher weniger zu tun.

Möglicher Standort Leuschnerplatz - hier bei den Ausgrabungen der Petersvorstadt 2004.
Möglicher Standort Leuschnerplatz - hier bei den Ausgrabungen der Petersvorstadt 2004.
Foto: Ralf Julke

Das heißt: Eigentlich müsste die Standortfrage zur Sitzung am 25. Mai entschieden werden. Am 7. Juni sind Kommunalwahlen. Burkhard Jung könnte sich auch den 17. Juni als Entscheidungstermin vorstellen. Dann könnte das Leipziger Denkmal – wie beabsichtigt – am 9. Oktober in den Wettbewerb starten.

Zu dem Thema gibt es auch eine Diskussion in der Gedenkstätte Museum in der “Runden Ecke“, Leipzig – ehem. Stasi-Kinosaal, Dittrichring 24, am Samstag, 14. März, um 14 Uhr:

Der Weg zum Denkmal für Freiheit und Einheit

Die Friedliche Revolution 1989/90 gehört zu den bedeutendsten Daten deutscher Nationalgeschichte. Der Bundestag hat deshalb beschlossen, in Berlin ein Freiheits- und Einheitsdenkmal zu errichten. Nach langen Kontroversen wird nun auch in Leipzig ein Denkmal errichtet, das vor allem daran erinnert, dass in Leipzig die Montagsdemonstrationen ihren Anfang nahmen und am 9. Oktober 1989 der SED-Staat vor dem Mut von 70.000 friedlichen Demonstranten kapitulieren musste. Nach den Demonstrationen in Plauen, Dresden und anderen Städten war das Ende der SED-Diktatur nicht mehr aufzuhalten.

Der Gestaltungswettbewerb für das Denkmal soll am 9. Oktober dieses Jahres starten. Bis spätestens 2014, dem 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution soll das Denkmal eingeweiht sein.

Nach einer Begrüßung durch Tobias Hollitzer, Leiter der Gedenkstätte Museum in der “Runden Ecke“ wird Dr. Andreas Apelt, Bevollmächtigter des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft e. V. eine Einführung zum Thema geben. Anschließend diskutieren:

Dr. Johannes Beermann, Chef der Staatskanzlei und Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Sachsen, Bürgermeister Dr. Georg Girardet, Beigeordneter für Kultur (Stadt Leipzig), Günter Nooke, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, und Gunter Weißgerber MdB. Moderation: Sven Felix Kellerhoff, Die Welt.

www.deutsche-gesellschaft-ev.de


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