Das Mobilitätsverhalten der Leipziger: Radfahrer und Fußgänger legen zu, Autoverkehr rückläufig
Ralf Julke
08.09.2009

Die Leipziger fahren etwas seltener mit dem Auto.
Es könnte passieren und Leipzig schafft tatsächlich, was es sich mit den verkehrspolitischen Leitlinien vorgenomen hat: Den motorosierten Verkehr bis 2015 deutlich zu senken. Und eine ganz bestimmte Bevölkerungsgruppe ist Schuld daran: die jungen Leute aus der Innenstadt.
Anzeige
| Gestalter im Handwerk |
|
Zweijähriger berufsbe-
gleitender Studiengang
|
Gestern stellte Planungsbürgermeister Martin zur Nedden gemeinsam mit Edeltraut Höfer, Leiterin des Verkehrs- und Tiefbauamtes, die Ergebnisse der jüngsten Studie zum Mobilitätsverhalten der Leipziger vor, betitelt "System repräsentativer Verkehrsbefragungen" (SrV). Dazu werden aller fünf Jahre repräsentativ ausgewählte Haushalte befragt – stets nach dem Grundmuster: Wie oft sind Sie am Tag unterwegs? Welches Verkehrsmittel nutzen Sie dazu? Welche Wege erledigen Sie dabei? Welche Vehikel besitzen Sie selbst?
1.118 Haushalte in Leipzig haben 2008 den Fragebogen ausgefüllt, insgesamt 1.934 Personen. Ausgewertet hat die Zahlen die TU Dresden. Und zwar nicht nur Leipziger Zahlen. Die Befragung erfolge zeitgleich in 74 Städten Deutschlands, zehn davon aus Sachsen. Aus etlichen liegen die Ergebnisse noch nicht vor. Aber auf die freut sich auch Martin zur Nedden, denn damit wird nicht nur vergleichbar, wie Leipzig steht im Vergleich mit den anderen – man kann auch ein paar Pendlerverflechtungen besser verfolgen.
Denn was jetzt vorliegt, betrifft nur die Leipziger selbst. Ein Großteil der Blechkolonnen auf Leipzigs Straßen aber, so Edeltraut Höfer, wird von Fahrern aus dem Umland verursacht, die zum Einkauf, zur Arbeit oder zum Freizeitvergnügen nach Leipzig kommen. Diese Pendlerströme sind seit Jahren gewachsen. Ein gutes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Leipzig.

Auch die Zahl der immobilen Leipziger sank.
Doch diese Entwicklung scheint eine andere Entwicklung bislang verdeckt zu haben: Die Leipziger fahren etwas seltener mit dem Auto.
Der Anteil des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) sank zum ersten Mal seit 1998. Und zwar auffällig: Von 34,1 auf 28,6 Prozent aller Wege. Die letzte Erhebung stammt aus dem Jahr 2003, die vorletzte aus dem Jahr 1998. Da betrug der MIV-Anteil sogar nur 27,3 Prozent.
Doch eine Cäsur liegt dazwischen: die Eingemeindungswelle von 1999/2000, die zahlreiche Ortschaften am Standrand ins Stadtgebiet integrierte – und damit natürlich auch Orte mit traditionell höherem Kfz-Aufkommen. Deswegen ist es schwierig, die Jahre 1998 und 2003 zu vergleichen. Doch es fällt auf: Die Zahlen des Jahres 2008 ähneln auffallend denen des Jahres 1998. Der Hauptgrund sind jene etwa 40.000 Leipziger, die in den letzten neun Jahren gezielt in die innerstädtischen Stadtquartiere gezogen sind. Re-Urbanisierer genannt von den Wissenschaftlern, die diesen Trend schon seit Jahren bestaunen.
„Es gibt keine andere Stadt, in der das so ausgeprägt ist", sagt Martin zur Nedden. Und wer in der Südvorstadt, in Schleußig, in Neustadt oder dem Waldstraßenviertel wohnt, arbeitet, Familien gründet – der braucht natürlich seltener ein Auto. Hier ist das ÖPNV-Netz dichter, hier sind Radwege meist die schnellsten. Und die Ausstattung mit Praxen, Läden, Service-Einrichtungen ist dichter. Man wählt also eher Mobilitätsarten aus dem so genannten "Umweltverbund".

Ein gutes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Leipzig – die Pendlerströme sind seit Jahren gewachsen.
Und so legte der ÖPNV seit 2003 von 17,1 auf 18,5 % aller Wege anteilsmäßig zu, noch stärker wuchs der Anteil des Radverkehrs – von 12,4 auf 14,4 Prozent. Auch der Anteil der zu Fuß zurückgelegten Wege stieg von 26.3 auf 27,3 Prozent. Und noch ein umweltfreundliches Moment gibt es: Der Anteil der als Mitfahrer im Pkw zurückgelegten Wege stieg von 9,9 auf 11 Prozent.
„Die Entwicklung stimmt uns hoffnungsvoll für die Zukunft", sagt zur Nedden. Die diversen Instrumente, die die Stadt bislang nutzt, um die Bürger zum Umstieg vom Auto auf umweltfreundlichere Verkehrsarten zu animieren, scheinen zu greifen. „Wir freuen uns darüber, dass wieder mehr zu Fuß gegangen sowie mehr Rad, Straßenbahn, Bus und S-Bahn gefahren wird. All dies sind für Menschen und Umwelt positive Entwicklungen, die es weiterhin zu unterstützen gilt. Dabei wird der Mobilitätsberatung und dem Mobilitätsmanagement steigende Bedeutung zukommen", sagt der Bürgermeister.
Und Edeltraut Höfer freut sich über neue Zahlenwerte, die jetzt wieder ins Integrierte Verkehrsmodell der Stadt eingespeist werden können. Damit können Verkehrsströme und Verkehrsbelastungen im Leipziger Straßennetz simuliert werden. Grundlage für Prognosen, mit denen Verkehrsplanungen in Leipzig begründet werden.
Ob sich durch die neuen Zahlen auch die Schwerpunkte bei Verkehrsbauprojekten verschieben, bezweifelt der Bürgermeister. Radwege gehören zwar oft genug zu Straßenumbau-Maßnahmen. Aber schon bei Bauprojekten der LVB fehlt oft genug das Geld, um sie auch umzusetzen.
Neu war an de Befragung auch, dass erstmals nicht nur im Frühjahr gefragt wurde, sondern der ganze Zeitraum von Januar bis Dezember erfasst wurde. „Sonst wären wir beim Radwegeanteil wohl sogar über 16 % gekommen", sagt Dr. Dieter Auspurg, Sachgebietsleiter Analyse und Prognose im Verkehrs- und Tiefbauamt.
Doch auch so wurde der Trend sichtbar: Deutlich fiel der Besitz an Pkw seit 2003 – von 424 auf 402 pro 1.000 Einwohner. Dafür stieg der Fahrradbesitz von 734 auf 757 Räder pro 1.000 Einwohner. Was dann auch die bislang geschätzte Zahl von Fahrrädern in Leipzig korrigiert, die bei 370.000 lag – es sind rund 390.000.
Besonders freut sich zur Nedden auch darüber, dass die Zahl der immobilen Leipzig endlich wieder sank – nur noch 11,3 Prozent gaben an, das Haus nicht verlassen zu haben. Vor fünf Jahren waren es noch 12,6 Prozent gewesen. Mobilität ist ein wesentlicher Teil gesellschaftlicher Teilhabe. Das im August eingeführte Sozialticket der LVB wird hier möglicherweise noch weitere Verschiebungen bewirken.
Für Zahlenfreunde gibt es jetzt auch ein paar kleine Oho!-Angaben: So war jeder Leipziger im Jahr 2008 durchschnittlich 72,9 Minuten auf Achse. Täglich, wohlgemerkt. Im Durchschnitt wurden dabei 6,4 Kilometer zurückgelegt. Was sich dann zu der hübschen Zahl von 1,2 Milliarden Kilometer summiert. Wer sich das nicht vorstellen kann: das ist 3.130 Mal die Entfernung von der Erde zum Mond. Man hätte nur eine hübsche Stafette bilden müssen.
Die nächste Befragung dieser Art gibt's 2013.
Heute fällt der Startschuss für Genießer! Ab 10 Uhr steht alles im Zeichen von Genuss und stilvoller Lebensart, wenn die LE GOURMET die Tore der Glashalle auf der Neuen Messe öffnet. Rund 140 Firmen und Marken, zahlreiche Spitzenköche und andere Experten in Sachen Genuss bieten drei Tage lang ein pralles Programm mit Kochshows, Kursen und unzähligen Möglichkeiten zum Probieren, Naschen und Genießen.
mehr…
Nach der überaus erfolgreichen Zweitauflage des Barockfestes im vergangenen Jahr bietet sich am 11. September für die internationale Fangemeinde des Rokoko erneut eine einzigartige Gelegenheit, die farbenprächtigen Säle des Rudolstädter Schlosses Heidecksburg während dieser authentischen barocken Festlichkeit bei Nacht zu erleben.
mehr…
Das Forschungs- und Transferzentrum an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) startet ab Wintersemester 2010/2011 in Zusammenarbeit mit der Otto Benecke Stiftung e.V. (OBS) ein weiteres Mal die Studienergänzung Mechatronik für arbeitslose Akademiker.
mehr…
In der vergangenen Woche wurde in der Klinik für Urologie des Klinikums St. Georg erstmals eine neue minimalinvasive Technik eingesetzt, die über den Nabel den Zugang zur Niere ermöglicht. Kombiniert mit modernster HD-Videotechnik und mikrochirurgischen Instrumenten ist es nunmehr möglich, z.B. bestimmte Nierentumore über den Nabel zu entfernen.
mehr…
Trotz sinkender Schulabgängerzahlen bleibt der Ausbildungsmarkt im Kammerbezirk Leipzig (Stadt Leipzig, Landkreis Nordsachsen, Landkreis Leipzig) in diesem Jahr relativ stabil. Bis zum 31. August wurden bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig 2.692 neu abgeschlossene Ausbildungsverhältnisse registriert.
mehr…
Am Sonntag, 5. September, laden gleich zwei Veranstaltungen in das Schillerhaus ein. Bei einem Rundgang um 11 Uhr erfahren Besucher, wie Friedrich Schiller im Sommer 1785 beim Bauern Schneider logierte. Das heute älteste Bauernhaus Leipzigs beherbergt eine Sammlung, die an Friedrich Schiller und seine Zeit in Leipzig erinnert.
mehr…
"Kein Schwein ruft mich an ..." - Was Max Raabe in seinem Hit aus dem Jahr 1992 noch bedauert, können unzählige Sachsen heute nicht mehr nachvollziehen. Wenn mehrmals täglich das Telefon klingelt und redegewandte Verkäufer Dienstleistungen und Produkte aller Art schmackhaft machen wollen, möchte der eine oder andere am liebsten den Stecker ziehen.
mehr…
Die Zeichen stehen gut für die Leipzig Lions. Die American Footballer aus dem Herzen Grünaus hegen als momentan Regionalliga-Zweiter einige Hoffnungen auf den Sprung in die 2. Bundesliga. Der Verein beantragte deshalb in dieser Woche die Lizenz für die German Football League 2.
mehr…
Sampler sind für Bands und Fans da. Die Tradition geht weit zurück in die Independent-Kultur der Achtziger Jahre, wo Zusammenstellungen von unterschiedlichen Bands auf eine Vinylscheibe gepresst wurden. Später wurde diese Art der Kultur kommerziell ausgeschlachtet und hat im heutigen Zeitalter von Internet fast seinen Sinn verloren. Wirklich?
mehr…
Seit über dreißig Jahren ist die englische Synthie-Pop-Band Depeche Mode eine Institution für Experimente und Hits. Auch in Leipzig haben Martin Gore, Dave Gahan und Andy Fletcher zahlreichen Anhänger. Mit einer Party zu Ehren ihrer Helden veranstalten und präsentieren die Moritzbastei zusammen mit Darkroom und dem Szene-Klamottenladen X-Tra-X die Depeche Mode & Electro Night im September.
mehr…