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Der Fluss, die Rosen und die Liebe: Zilhad Kljucanins "Wasserhochzeit"

Ralf Julke
Wasserhochzeit.
Wasserhochzeit.
Eine Einordnung hat sich der 1960 geborene Zilhad Kljucanin erspart für sein 2005 erschienenes Buch "Wasserhochzeit". Irgendwo ist es ein Roman. Aber ein besonderer, mit lyrischen Elementen erzählter. Sein Schauplatz: ein Ort am Fluss. Irgendwo in Bosnien.

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Der Einstieg: So etwas wie das Gewisper um eine Liebesgeschichte, eine Entjungferung. Eine lyrische diesmal. Ezi lässt sich vom Dichter Zeri persönlich ins Leben einführen. Und das war's auch schon. Sie nimmt den nächsten Zug in die weite Welt und landet im Crazy Horse in Paris.

Eine Spur. Denn was Klucanin Kapitel für Kapitel durchdekliniert, erinnert an Experimente, die man eher von den großen französischen Surrealisten kennt. Aus Bildern und Melodien lässt er sich die Schicksale entfalten, die alle mit dem kleinen Ort am Fluss zu tun haben. Die Wurzeln der Geschichten reichen bis in die letzten Kriegstage zurück, oder noch weiter. Kljucanin spielt mit den Zeiten, flicht eine alte Flusslegende ein, lässt seine Figuren Seltsames, fast Märchenhaftes erleben. Einige sterben im Lauf der Geschichte. Andere verlassen den Ort, brechen auf über Grenzen – und landen am Ende in der Stadt, "die ihre Bewohner" liebt.

Zilhad Kljucanin: Wasserhochzeit.
Zilhad Kljucanin: Wasserhochzeit.
Foto: Leipziger Literaturverlag
Jedes Kapitel eine Spurensuche. Wie kam O Sole Mio zu seinem Namen? Und wie kam der Dichter Zeri zu seiner unsichtbaren Geliebten? Und was ist mit Professor Muli, der die verrücktesten Erfindungen macht? – Ihre Schicksale verflechten sich. Und man braucht eine Weile um zu ahnen, das Mihra eine der Hauptfiguren ist und es ihr Schicksal ist, das den Leser zuletzt in die Stadt führt, "die ihre Bewohner" liebt. In den Rosengarten, wo schon der Mann auf sie wartet, der zur Nummer geworden ist und nach Jahren in der Wüste Nordafrikas eben dort landet, wo er dann sein Leben als "Buch der verschwiegenen Wörter" erzählt – von A wie Aber bis zu Z wie Zivot, das Leben.

Eine große Liebesgeschichte, in der immer wieder so etwas wie Geschichte den Berg herabkommt. Das reale Bosnien wie ein Pastell hingemalt: der Berghang, der Ort ohne Brücke, der Fluss. Ein fast staunendes Erzählen. Der Einbruch des Krieges wie eine märchenhafte Episode. Männer verschwinden, das Leben geht weiter. Und jedes Leben wie ein großer Traum. Er spiele mit dem Text, sagt Kljucanin. Wenn Schreiben ihm Mühe machte, würde er nicht schreiben.

Und genauso entfaltet sich seine Geschichte – als Spiel mit Bildern, lyrischen Momenten, fast märchenhaft. Zuweilen erinnern seine Heldinnen und Helden an Figuren aus den Büchern Garcia Marquez', Zeit spielt keine Rolle, alles geschieht in einer Welt für sich, nach eigenen, menschlichen Koordinaten. Auch dafür steht die Vorstadt ohne Brücke – außerhalb des Jagens und Eilens der äußeren Welt. Der Fluss kennt seine Jahreszeiten – und verschlingt jeden neuen Versuch, eine Brücke zu bauen.



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Wasserhochzeit
Zilhad Kljucanin, Leipziger Literaturverlag, Leipzig 2010, 16,95 Euro
Und: Es fehlt dabei nichts. Im Gegenteil: Durch das ganze Buch tanzt eine stille, fast innige Lebensfreude, die das kleine, alltägliche Dasein zu schätzen weiß. Und am Ende erfüllt sich eine große Liebe in einem Rosengarten in der Stadt, "die ihre Bewohner liebt". Schön, wenn eine Stadt das von sich sagen kann. Ein bilderreiches Stück Erzählkunst, das sich so leicht liest, wie's geschrieben ist.


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