Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche



Bach kehrt heim: Ein neues Bach-Bild bereichert die Schatzkammer im Bach-Museum

Ralf Julke
Hans-Joachim Schulze mit dem Foto seines "Bach-Besuchs" von 1996.
Hans-Joachim Schulze mit dem Foto seines "Bach-Besuchs" von 1996.
Foto: Ralf Julke
Einer hängt im Alten Rathaus, einer im Bach-Archiv, einer in einer Privatsammlung in Princeton, einer wurde im November in Philadelphia versteigert, nachdem er noch 2010 kurz für 500.000 und 400.000 Dollar bei ebay angeboten wurde ... Jedes Mal scheint es derselbe Bach aus der Werkstatt von Elias Gottlob Haussmann zu sein. Aber Bach ist nicht gleich Bach. Auch wenn es immer wieder derselbe Hofkompositeur und Thomaskantor ist.


Oder zu sein scheint. Denn wenn es um die bekannten Bildnisse des Leipziger Komponisten geht, dann ist die Forschung irgendwo auf dem Stand des Jahres 1914 stecken geblieben, kann Peter Wollny, Leiter des Referats Forschung I im Bach-Archiv, zum Presse-Lunch am Mittwoch, 19. Dezember, erzählen. Seine wichtigste Botschaft: Bach kommt.

Jener Bach, den das Bach-Archiv im November in Philadelphia ersteigern konnte für 100.000 Dollar. Hans-Joachim Schulze kannte das Bild schon. Mehrmals hatte es der in den USA lebende Niederländer Baron van Tuyll van Seroskerken dem Bach-Archiv zum Kauf angeboten. "Damals für 100.000 Dollar", erinnert sich Schulze, der von 1992 bis 2000 Direktor des Bach-Archivs war und 1996 bei einem Abstecher in den USA Gelegenheit hatte, das angebotene Bach-Porträt kurz zu sehen. Ein Foto zeigt diese Begegnung im Keller einer Bank. "Aber damals hätte Leipzig allein die 100.000 Dollar aufbringen müssen. Daran war gar nicht zu denken", sagt Schulze.

2010 tauchte das Porträt noch zwei Mal kurzzeitig in der Wahrnehmung des Bach-Archivs auf - beide Male bei ebay eingestellt. Doch 500.000 und 400.000 Dollar waren augenscheinlich deutlich zu hoch angesetzt. Das Angebot verschwand wieder. Und im November 2012 wurde es dann auf einmal knapp. "Eine Woche vor der Auktion entdeckten wir das Bild im Aktionskatalog", erzählt Wollny. "Ich glaube, in der Woche liefen alle Leitungen heiß. Wir taten wirklich alles, um finanzielle Unterstützer für die Auktion zu gewinnen."

Dass die Auktion so spät entdeckt wurde, liegt daran, dass das Bach-Archiv zwar alle Versteigerungen von Musikalien aufmerksam beobachtet. Aber in diesem Fall war es eine Kunstauktion. Und möglicherweise versprach sich Baron van Tuyll van Seroskerken dabei einen Betrag weit über den 100.000. Immerhin war es doch ein Bach, möglicherweise sogar ein echter Haussmann.

Wahrscheinlich letzteres aber nicht. Denn bekannt sind nur zwei originale Porträts des 61jährigen Johann Sebastian Bach aus der Werkstatt von Elias Gottlob Haussmann, der zu seiner Zeit auch kein Unbekannter war. Seit 1720 galt er offiziell als Porträtmaler der Stadt Leipzig, obwohl er mit der ansässigen Malerinnung im Clinch lag. Haussmann malte berühmte Professoren, Theologen, Kaufleute und Ratsherren. Berühmt wurden seine Porträts des Trompetenvirtuosen Gottfried Reiche, der Dichterin Luise Adelgunde Victorie Gottsched und eben das Bachs, das 1746 in einer ersten Version entstand. Diese Version hängt heute in der Ratsstube des Alten Rathauses. Das Bach-Archiv verwendet sie nicht in seinen Marketingaktionen.

Hans-Joachim Schulze mit dem Foto seines "Bach-Besuchs" von 1996.
Hans-Joachim Schulze mit dem Foto seines "Bach-Besuchs" von 1996.
Foto: Ralf Julke

Der Grund ist simpel: Das gute Stück hing zu lange öffentlich in der Thomasschule und war über Jahrzehnte den Streichen der Thomaner ausgesetzt. Bei diversen Restaurierungen und Übermalungen hat das Gesicht wesentliche Feinheiten eingebüßt. Das Gesicht wirkt geglättet. Anders als auf dem dann 1748 gemalten zweiten Bild Haussmanns, das Bach in der selben Pose zeigt. Das ist jenes Exemplar, das heute in Princeton hängt. Nach einem oder beiden Originalen entstanden aber in den Folgejahrzehnten auch diverse Kopien durch andere Maler - insbesondere für Bachschüler und Bachbewunderer. Oder eben jenes, das im Bach-Archiv so schön beleuchtet zu sehen ist und 1950 als Kopie in Auftrag gegeben worden war.

Das nun in Philadelphia ersteigerte Bild ist ebenfalls eine Kopie - entstanden möglicherweise Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts nach einem der beiden Originale. Es hat selbst gegenüber dem Original im Alten Rathaus einen Vorteil: Es ist wesentlich detailreicher, weil es eben all die Zeit immer in Privatbesitz war und deshalb auch von öffentlichem Verschleiß verschont blieb. Was Wollny wieder ganz kribbelig macht, denn nun kann auch die Geschichte der Bach-Porträts wieder neu angepackt werden. Im Januar soll das ersteigerte Bild in Leipzig eintreffen.

Und ein Plätzchen dafür ist auch schon vorgesehen: in der Schatzkammer des Bach-Archivs, wo eine richtige Bach-Ahnengalerie entstehen soll.

Was man über das Bild zumindest weiß, weil das Bach-Archiv dessen Weg in den vergangenen Jahrzehnten stets aufmerksam verfolgte, ist: Das Bildnis befand sich ursprünglich im Besitz der Leipzigerin Wilhelmine Burkhardt und wurde aufgrund seines Detailreichtums und seines guten Erhaltungszustands im Jahr 1913 als Vorlage für die Restaurierung des Bach-Gemäldes in der Thomasschule benutzt. Nachdem sich die Spuren des Gemäldes in den 1930er Jahren verloren, tauchte es im Jahr 1955/56 im Bestand des Antiquars Hans Schneider in Tutzing auf, der es nach Utrecht (Niederlande) an Baron van Tuyll van Serooskerken verkaufte. Dieser brachte es schließlich nach Birmingham (Alabama/USA).

Besagte Wilhelmine Burkhardt hieß mit Taufnamen Bach, so fand Hans-Joachim Schulze anhand eines Leipziger Adressbuches aus den 1860er Jahren heraus. "Ob sie tatsächlich selbst zur großen Bach-Familie gehörte, weiß ich natürlich nicht", sagt er. "Das müsste noch gesondert erforscht werden.

Genug neue Fragen für die Leipziger Bach-Forschung.



Funktionen

del.icio.us Mister Wong Technorati Blogmarks Yahoo! My Web Google Bookmarks



Weitere aktuelle Nachrichten der L-IZ.

Tanners Interview mit Peggy Filip: Fotografie ist etwas Romantisches, ohne Hektik, mit viel Gefühl

Für Peggy Filip ist Fotografie ist etwas Romantisches.
Eine Stadt – das sind zuallererst einmal die Menschen, die in der Stadt leben. Und da diese sich ganz besonders gern in ihrer Sicht um sich selber drehen, macht es Sinn, auch mal Sichten von außen zuzulassen. Peggy Filip nun lebt im Leipziger Osten und hat Menschen aus dem Leipziger Westen fotografiert – wobei es am 20. September im Stadtteilladen Leipziger Westen zur Vernissage ihrer Ausstellung WESTSICHTEN kommt. Da Tanner da auch irgendwie drinsteckt, fragte er einfach mal nach und dokumentiert hier die Antworten aus erster Hand – oder erstem Mund, wie man will. mehr…

Polizeibericht: Betrügerin unterwegs, nächtlicher Einbruch, Fahrzeugdiebstähle

Eine junge Frau forderte Finderlohn, weil sie angeblich einen verlorenen Goldring wiedergefunden hat +++ Während die Hauseigentümer friedlich schlummerten stiegen Einbrecher über den Hauswirtschaftsraum ein +++ In den letzten beiden Nächten wurden mehrere Fahrzeuge gestohlen. mehr…

Eine Fotoausstellung zum Alltagsleben in Leipziger Industriebetrieben: Kaffee und Kollegen – Pausen-Szenen aus der Industriearbeit

Pausen-Szene aus der Industriearbeiterzeit.
Die Agentur zeitläufer zeigt vom 5. bis 14. September eine Ausstellung zu Pausen-Szenen aus der Industriearbeit. Dabei werden Fotografien aus dem 20. Jahrhundert vom Kaiserreich bis zur DDR gezeigt. Sie beleuchten ein bisher weitgehend unbekanntes Kapitel der Industriekultur und geben einen Einblick in das Alltagsleben von Menschen in den Fabriken und Betrieben. mehr…

Wenn Maschinen lernen können: Internationale Sommerschule in Leipzig beschäftigt sich mit Autonomem Lernen

Sechsbeinige Laufmaschine der der Forschungsgruppe Ay.
Was intelligente künstliche Systeme von anderen elektronischen Systemen unterscheidet, ist ihre Fähigkeit, sich durch Interaktion mit ihrer Umwelt Erfahrungen und Wissen anzueignen und darauf basierend Lernmechanismen zu entwickeln. Dieses autonome Lernen steht nun im Mittelpunkt einer internationalen Sommerschule vom 1. bis 4. September am Leipziger Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften. mehr…

Neues Ratsinformationssystem für Leipzig: ALLRIS hat seine Arbeit aufgenommen

Das neue Ratsinformationssystem ALLRIS.
Lang haben nicht nur die Stadtratsfraktionen darauf gewartet: Leipzigs Rathaus hat ein neues Informationssystem. Am Montag, 1. September, wurde das neue elektronische Ratsinformationssystem "ALLRIS" freigeschaltet und hat damit die Nachfolge des 2008 online gegangenen elektronischen Ratsinformationssystems eRIS angetreten. mehr…

Nach der sächsischen Landtagswahl: Das Rätsel AfD

Wahlkampfsplitter aus Leipzig: So einfach kann man es sich mit der AfD nicht machen.
"Bock auf Rechts" betitelte "Spiegel Online" am Montag, 1. September, einen Kommentar von Nikolaus Blome zum Einzug der Alternative für Deutschland (Afd) in den Sächsischen Landtag. "Diese AfD geht nicht mehr weg" titelte die "Zeit" im Netz. "Rechts von der CDU wächst die Konkurrenz" war Heribert Prantls Kommentar in der "Süddeutschen" betitelt. Aber mit den alten Rechts-Links-Einordnungen wird man der AfD nicht gerecht. mehr…

Entwarnung im St. Georg: Ebola-Verdachtsfall hat sich nicht bestätigt

Am Samstag, 30. August, wurde in der Quarantänestation der Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin des Klinikums St. Georg gGmbH in Leipzig ein Patient mit Verdacht auf Ebola stationär aufgenommen. Bereits am Folgetag konnte nach Auswertung der ersten Tests im Bernd-Nocht-Institut in Hamburg vorläufig Entwarnung gegeben werden, teilt das Städtische Klinikum St. Georg mit. mehr…

Ab heute in Leipzig: Die Degrowth-Konferenz beschäftigt sich mit Fragen einer wachstumsunabhängigen Gesellschaft

Tagungsort der Degrowth-Konferenz: Leipzig.
Privatisierung und Deregulierungsmaßnahmen gehören zum Rüstzeug des Neoliberalismus, einer Ideologie, die nach den Worten von Prof. Dr. Klaus Peter Kisker, Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der FU Berlin, nicht die Lösung der Krisen herbeiführt, sondern diese zusätzlich verschärft. Der Neoliberalismus ist danach das Instrument zur Wiederherstellung und Sicherung der Macht ökonomischer Eliten, deren Allmachtsphantasien nur durch die Idee des ständig möglichen Wachstums realisierbar sind. mehr…

Am 4. September: SPD-Ortsverein Südost hat Bürgermeister Heiko Rosenthal zu Gast

Im Rahmen der Gesprächsreihe "SPD Leipzig-Südost im Dialog" lädt der SPD-Ortsverein Leipzig-Südost am Donnerstag, 4. September, um 19:00 Uhr alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in das Brauereilokal „Hopfenspeicher“ (Oststraße 38) ein. mehr…

Erkundungen in den Freianlagen: Hamburger Elefanten sind jetzt für Besucher im Zoo Leipzig zu sehen

Elefantenkuh Thura mit Tochter Rani.
Die beiden Hamburger Elefantenkühe Thura (40) und Rani (5), die seit letzter Woche in Leipzig leben, haben sich inzwischen schon gut an ihr neues Domizil und ihre neuen Pfleger gewöhnt, teilt der Zoo Leipzig mit. In den letzten Tagen fand bereits ein erstes Zusammengewöhnen mit der Elefantenkuh Saida (41) statt, die 2006 aus Hamburg nach Leipzig kam und bisher nur schwer in die bestehende Herdenstruktur integriert werden konnte. mehr…

Naturschutzstationen in Sachsen ringen um ihre Existenz: Vier sächsische Landkreise haben keine Naturschutzstationen mehr

Die Auwaldstation in Lützschena.
Dass die letzte sächsische Regierung von Naturschutz nicht allzu viel gehalten hat, das zeigte sich nicht nur am "Baum-ab-Gesetz" und im "Tornado-Erlass" des Umweltministers. Es macht sich auch am finanziellen Ausbluten der Naturschutzstationen fest. Nicht nur die Auwaldstation in Leipzig-Lützschena hat zu kämpfen. Andere Stationen mussten schon aufgeben. mehr…

Rico Gebhardt (Linke): Im neuen Landtag geht es um die Auseinandersetzung zwischen offener und geschlossener Gesellschaft in Sachsen

Heute haben sich die am Sonntag in den neuen Sächsischen Landtag gewählten Abgeordneten der Fraktion Die Linke zu ihrer ersten Beratung getroffen. 12 der 27 Abgeordneten gehören erstmals dem Parlament des Freistaats an. Die Abgeordneten beschlossen, die Rechtsnachfolge der bisherigen Fraktion anzutreten, und begannen nach der gemeinsamen Wahlauswertung, sich mit ihren künftigen Arbeitsstrukturen und Aufgaben zu befassen. mehr…

Thomaspfarrer i.R. Christian Wolff zur Landtagswahl in Sachsen: Gefährliche Demokratieverachtung

Thomaskirchpfarrer i.R. Christian Wolff
Es ist längst Tradition auf der L-IZ den Pfarrer der Thomaskirche (i.R.) Christian Wolff als streitbaren Zeitgeist in Form von Gastkommentaren wiederzugeben. Wie immer ohne redaktionellen Eingriff, denn streitbar bedeutet immer auch – eine selbstgedachte Meinung ist auch eine wirkliche Meinung. Heute hat sich Christian Wolff über die AfD, die NPD aber vor allem über die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Sachsen Gedanken gemacht. Und kommt zu einer teils vernichtenden Kritik am Umgang mit den demokratischen Möglichkeiten in unserer Zeit. Diverse Ausgrenzungsphilosophien und die Verachtung gegenüber der parlamentarischen Demokratie stehen auf der Tagesordnung. mehr…

808 Stimmen zu wenig: NPD kündigt Wahlanfechtung an

Die NPD nicht mehr im Landtag
Aus die Maus. Die NPD wird dem 6. Sächsischen Landtag nicht mehr angehören. Die Rechtsextremen scheiterten bei der Wahl am Sonntag denkbar knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Keine Überraschung also heute, am Tag danach: Die Verlierer möchten das Ergebnis anfechten und verlangen eine Neuauszählung der abgegebenen Stimmen. mehr…

Nach der Landtagswahl: Ein Mitgliederentscheid, grünes Innehalten und die Frage nach der Wahlbeteiligung

Das SPD-Team "Eva" (Brackelmann) am Wahlabend im Rathaus
Ein paar Stunden Luftholen an allen Fronten, die Pressemitteilungen der Parteien am Tag nach der Wahl gingen gegen Null. Der Wahlkampf 2014 ist vorbei, die letzte von vier Wahlen binnen eines Jahres vorüber und eine mögliche neue Koalition zeichnet sich in Sachsen ab. Als die Vertreter der Leipziger SPD am gestrigen Abend im Neuen Rathaus die ersten Hochrechnungen vor Augen hatten, waren bereits ein kleines Plus, eine mögliche Regierungsbeteiligung, das Ausscheiden der FDP und schwache Grüne absehbar. mehr…

Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Die L-IZ-Suche.
Tagesansicht: heute | gestern | vorgestern
Tagesansicht: heute | gestern | vorgestern
Anzeigen.
Veranstaltungshinweise der IHK Leipzig

Veranstaltungshinweise:

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
Zur Website der IHK Leipzig
Zur Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH

VERKEHRSMELDUNGEN:

NACHRICHTEN:

SCHNELLER SERVICE:

Weltnest
Tüpfelhausen
Hafenbar
Zuletzt auf L-IZ.de veröffentlicht.
Alle Artikel von heute in der Tagesansicht.
Anzeigen.
Gewinnspiele & Aktionen.
Bücher:
Leipziger Leselust ... seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher aus Leipzig.
Unser Senf
Anzeigen.
Größter Indoor-Spielplatz in Mitteldeutschland
Link-Tipps.
Forum Café LE
Bildblog




Anzeige / Weitere Infos zur Anmeldung und zum L-IZ-Leserrabatt