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Die Straßenbahn rollt: Das Wagner-Jahr kann beginnen

Ralf Julke
Vorstellung der Wagner-Straßenbahnwerbung.
Vorstellung der Wagner-Straßenbahnwerbung.
Foto: Ralf Julke
Es ist eines der großen Jubiläen, die Leipzig 2013 feiert: der 200. Geburtstag von Richard Wagner. Das Verhältnis ist kompliziert - und wird es wohl auch noch lange bleiben. Auch wenn der 1909 gegründete Richard-Wagner-Verband in Leipzig tut, was er kann, um Richard wieder ein Plätzchen in seiner Geburtsstadt zu verschaffen. Die Diskrepanzen wurden am Mittwoch, 2. Januar, bestens sichtbar.


Da wurde auf der Messekehre an der Windmühlenstraße die Richard-Wagner-Werbung am Straßenbahnzug 1222 vorgestellt. Das ist eine jener 40 Meter langen XXL-Bahnen, die eigentlich noch gar nicht beklebt werden dürfen. Nur eine Ausnahme gibt es seit Sommer 2012 für einige Mittelelemente dieser Bahnen. Damals wurde darauf für das Leipziger Olympia-Team in London geworben. Ein solches Feld ziert jetzt das überdimensionale Porträt Richard Wagners von Cäsar Willich von 1862, das im Stadtgeschichtlichen Museum hängt und die Leipziger Wagner-Ikonografie bestimmt.

"Richard ist Leipziger" ist drüber zu lesen - der Schlachtruf, mit dem der Richard-Wagner-Verein seit Jahren darum kämpft, der Komponisten in seiner Geburtsstaat wieder beliebter und präsenter zu machen. Was leider nicht das unstimmige Balkenhol-Denkmal verhindern wird, das in diesem Jahr auf dem Klinger-Sockel am Dittrichring aufgestellt werden soll.

Es sind nicht einmal die Leipziger selbst, bei denen sich das Wagner-Engagement so vergebens abmüht. Das vom Wagner-Verein geplante Wagner-Haus wird nicht die Adresse Brühl 3 tragen, wo bis zum Abbruch 1886 einmal Wagners Geburtshaus "Zum Roten und Weißen Löwen" stand, auch wenn 2007, als es um die Planungen für die heutigen "Höfe am Brühl" ging, genau dieser Wunsch eigentlich mit einfloss in die Wünsche an den Center-Bauherren mfi. Und die Wahrheit ist: Der Bauherr hätte sich etwas Gutes getan und etwas mehr aus dem gemacht, was da nun doch wieder nur eine große Einkaufs-Mall geworden ist. Und den nicht gebauten Kindergarten hätte man ohne Federlesen Richard-Wagner-Kindergarten nennen können.

Richard Wagner, Thomas Krakow, Anke Noack (Ströer), Bernd Ebert (Wagner-Verein), und Ronald Juhrs.
Richard Wagner, Thomas Krakow, Anke Noack (Ströer), Bernd Ebert (Wagner-Verein), und Ronald Juhrs.
Foto: Ralf Julke

Ist nicht passiert. Die Entscheidungen für solche Dinge fallen nicht in Leipzig. So ist es nicht einmal ein Pro oder Kontra zu dem noch allemal diskutierten Musiker. Es ist nur ein Schulterzucken und den Planern nicht wichtig. Nur die Kulisse des "Roten und Weißen Löwen" ist punktiert auf der Glasfassade zu sehen. Nebst der wieder angebrachten Gedenktafel. So wird einer museal, noch bevor er aus der Streitzone ist.

Bach wäre das - zumindest heute - nicht mehr passiert. Bach ist die Gallionsfigur des Leipziger Komponistenschiffes. Richard ist noch immer der Schiffsjunge. Von einer Förderung wie Bach oder Mendelssohn ist Wagner in Leipzig noch ein Stück weit entfernt. So wurde es nicht - wie für Bach, Bachmuseum und Bachfest 2012 - eine eigene, opulent beklebte NGT8-Straßenbahn. "Sie wissen ja, unser Verein ist nicht so finanzstark", sagte Thomas Krakow, Vorsitzender des Richard-Wagner-Vereins und auch offizieller Wagner-Beauftragter der Stadt. "Wir sind trotzdem froh, dass es uns gelungen ist, die Straßenbahn zu bekleben."

Auf der einen Seite mit "Richard ist Leipziger", auf der anderen wird die Richard-Wagner-Stiftung beworben, die Leipzig international als Wagnerstadt etablieren soll. Bis Richard seinen Platz gefunden hat neben Johann Sebastian, Felix, Robert und Clara, um die wichtigsten Fünf zu nennen. Was auch bedeutet: Um ein eigenes Wagner-Festival kommt Leipzig irgendwann nicht mehr herum. Es wird sich eintakten müssen in den Reigen von Bach-Fest, Mendelssohn- und Schumann-Festtagen.

Das Jahr 2013 zumindest, so betont Krakow, ist in Leipzig mit einem Wagner-Reigen so dicht gepackt, wie in keiner anderen deutschen Stadt. Was alles passieren soll, wird in einer eigenen Festjahr-Broschüre versammelt, die will OBM Burkhard Jung am 11. Januar persönlich vorstellen.


Die Bach-Straßenbahn spiegelt sich in der Wagner-Werbung.
Die Bach-Straßenbahn spiegelt sich in der Wagner-Werbung.
Foto: Ralf Julke

Aber was Krakow schon weiß: "Die eigentlichen Kämpfe werden erst beginnen." Denn auch wenn es mit den "Höfen am Brühl" nicht geklappt hat, will der Richard-Wagner-Verein sein Richard-Wagner-Haus haben. Am Richard-Wagner-Platz, der natürlich im Frühjahr, noch gerade pünktlich zum Richard-Wagner-Jubiläum, auch endlich fertig sein soll. Frisch gepflastert. Nur den Blick darf man abwenden vom großen Kunst-Provisorium "Blechbüchse" Richtung Süden. Denn da residiert der Richard-Wagner-Verband Leipzig schon, wo er hingehört - mit der idealsten aller Adressen: Richard-Wagner-Platz 1. Da hat er seine Geschäftsstelle im Großen Blumenberg. Und das wäre dann auch nach Vorstellung des Verbandes der richtige Ort, ein dauerhaftes Richard-Wagner-Haus einzurichten, das Leben und Musik des gebürtigen Leipzigers multimedial erfahrbar macht.

2013 wird es mit der geplanten Richard-Wagner-Ausstellung in der Alten Nikolaischule einen Vorgeschmack geben.

Und die Straßenbahn mit der Wagner-Werbung wird auch nicht das Einzige sein, was die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) zum Wagner-Jahr auf die Räder bringen. "Man wird im Lauf des Jahres noch einiges in unsren Bahnen zu sehen bekommen - und im Mai natürlich, zum richtigen Geburtstag, werden das alle auch an unseren Haltestellen erfahren", sagt Ronald Juhrs, der technische Geschäftsführer der LVB.

Wer sich das Heck der Straßenbahn 1222 anschaut, die jetzt für Wagner Werbung fährt, findet hier eines jeder Schildchen, die die LVB so gern auf ihre Bahnen klebt: Jede Bahn bekommt einen Namen. Und etliche der XXL-Bahnen sind nach Leipzigs Partnerstädten benannt. Diese hier heißt "Bologna", was nicht nur daran erinnert, dass die Städtepartnerschaft Leipzig-Bologna 2012 50 Jahre alt wurde.

Bologna ist auch in Sachen Wagner ein Schlüsselwort für die Italiener. Denn 1871 wurde hier im Teatro Comunale die erste Wagner-Oper in Italien aufgeführt - der "Lohengrin". Und die Aufführung wurde zu einem Triumph. Auch sehr zum Ärger für jenen Komponisten, den die Europäer damals als Gegenspieler zu Wagner betrachteten - Verdi. Der just auch noch im selben Jahr wie Richard Wagner geboren wurde. Was die Oper Leipzig 2013 natürlich auch entsprechend würdigt.

Und was sah man da noch? - Achja: die Diskrepanz. Während vorn "Richard ist Leipziger" gewürdigt wurde, schob sich hinten in der Grünewaldstraße die Bach-Straßenbahn in ihrer goldenen Pracht um die Ecke. Wir hätten's ja gern schöner fotografiert - aber andere Medienmacher stehen so gern im Bild, dass man sie einfach nicht draus vertrieben bekommt.



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