Die „Solidarische Vernetzung Sachsen“ plant
vor der Landtagswahl sechs Demonstrationen in sächsischen
Mittelstädten, darunter Plauen, Grimma und Zwickau. Sie sollen ein
Zeichen für Demokratie und gegen Menschenfeindlichkeit sein. Ab dem
21. Juli ist an jedem Wochenende vor der Wahl jeweils eine
Demonstration geplant. Den Auftakt bildet Waldheim im Landkreis
Mittelsachsen – mit knapp 10.000 Einwohner*innen […]
Meine Schwiegermutter ist rassistisch.
Nicht so, wie es alle Menschen in einem rassistischen System sind –
sondern explizit und selbstverständlich rassistisch. Es ist ein
merkwürdiges Skript, welches sich immer wiederholt: Ständig
schimpft sie über die türkischen Jungs, die vor ihrer Terrasse
lungern, dann darüber, wie heutzutage alles „viel schlimmer“
geworden ist und niemand ja nirgends […]
Heute fanden in Leipzig gleich drei
verschiedene Gedenkveranstaltungen für die rassistischen Morde von
Hanau statt. LZ besuchte die, welche am Rabet im Leipziger Osten
stattfand und von emotionalen Redebeiträgen Betroffener von
Rassismus und Menschenfeindlichkeit geprägt war (Video). Sachsen
bereitet sich derweil auf den Einsatz von Impfbussen und Impfungen
bei Hausärzten vor und die DEHOGA kämpft um Gastronomie-Öffnungen
ab Ostern. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, dem 19. Februar
2021, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.
Eine Woche ist vergangen. Während die tiefe
Trauer bei einigen Menschen noch für zitternde Knochen und
versagende Stimmen sorgt, wurden andere bereits durch das tägliche
Leben wieder eingefangen. Die Normalität schießt durch die Köpfe
und klopft mit der bitterbösen Frage an, ob nicht schon alles über
Hanau gesagt, geschrieben wurde. Nein, an keinem Tag darf es das
gewesen sein. Solange Rassismus tötet, darf es das nicht gewesen
sein. Solange die Angehörigen der neun Menschen trauern, darf es
das nicht gewesen sein.
LEIPZIGER
ZEITUNG/Auszug Ausgabe 74, seit 20. Dezember im HandelAlle
wollen die Welt besser machen, ja verändern, sie zu einem besseren
Ort machen. Jedoch scheinen sich die Geister an deren Umsetzung zu
scheiden. Manche scheinen sich die Sparkassen-Werbung „Mein Haus,
mein Auto, mein Boot“ auf ihre Fahnen geschrieben zu haben. Hat
dieses Konsumdenken etwa die Humanität gefördert? Auf keinen Fall!
Im Gegenteil: Um zu diesen Konsumgütern zu gelangen, bedarf es zwar
fleißiger und harter Arbeit, aber auch Ellenbogenmentalitäten.
Diese Erfahrungen habe ich besonders in den letzten drei
Jahrzehnten sammeln müssen.
Derzeit gibt es viele gute Gründe, wütend
zu sein. Während im Mittelmeer mal wieder ein Schiff mit aus Seenot
geretteten Geflüchteten nicht nach Europa darf, gibt es in
Deutschland zum ersten Mal seit 1945 einen rechtsmotivierten Mord
an einem Politiker. Zudem wirft die Landtagswahl in Sachsen am 1.
September ihren Schatten voraus. Dass anschließend die AfD regiert,
ist nicht auszuschließen. Das „unteilbar“-Bündnis ruft nun zu
Demonstrationen in Leipzig und Dresden auf.
Es sollten 40.000 sein, die der
Veranstalter der „Unteilbar“-Demonstration in Berlin erwartet habe.
Am Ende wurden es über 240.000 Menschen und ein machtvolles Licht
in der scheinbaren Dunkelheit, die sich über ein ganzes Land zu
legen droht. Wo sonst Pegida und AfD in vielen Städten mit
Grüppchen von wenigen Dutzend bis 2.000 Teilnehmern eine Art
Volksaufstand gegen „die da oben“ zu inszenieren suchen, fanden
sich am heutigen 13. Oktober beeindruckende Menschenmengen unter
dem Motto „Unteilbar“ in Berlin zusammen.
Das Oberlandesgericht München hat
NSU-Mitglied Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie sei
der Mittäterschaft in zehn Mordfällen schuldig. Bereits weit vor
der Urteilsverkündung hatten antirassistische Aktivisten zu
Aktionen an jenem Tag aufgerufen. Diese fanden in mehreren Städten
statt. In Leipzig gab es am Mittwochnachmittag eine Kundgebung auf
dem Marktplatz. Bereits am Dienstag wurden Straßenschilder mit den
Namen der Opfer überklebt. Am Mittwochabend folgt eine Demo in
Halle.
Es wäre ein starkes Zeichen im Kampf gegen
Nazis und Rassismus gewesen, wenn RB Leipzig zum Benefizspiel beim
SV Babelsberg 03 angetreten wäre – Marketing hin oder her. Doch
daraus wird nun nichts: Innerhalb weniger Tage haben beide Vereine
angeblich festgestellt, dass es keine Möglichkeit gibt, im Sommer
ein solches Spiel auf die Beine zu stellen. Zweifel an dieser
Darstellung sind angebracht.
Da sind sie also, die jungen, friedlichen
Menschen, die ihren Protest auf der Leipziger Buchmesse frei in
Meinung und Wort kundtaten. So frei und selbstbeherrscht, dass es
einem ehemaligen "Blood and Honour"-Aktivisten aus Halle zu bunt
wurde und er versuchte, ihnen den Ton abzudrehen. Unterdessen
werden Fragen an die Buchmesse laut, wie es dazu kommen konnte,
dass Securitymitarbeiter der rechten Verlage überhaupt auf der
Messe auftreten und dabei offenbar mindestens einen Journalisten
bedrohen konnten.
Die diesjährige Ausgabe der Leipziger
Buchmesse ist vorüber. Es gab rechte Verlage und viel Protest
dagegen – vor allem am Samstag. Am Sonntag konnten Götz Kubitschek
und Jürgen Elsässer ihr Programm hingegen in aller Ruhe
zelebrieren. In einem Streitgespräch diskutierten sie, wie radikal
die Neue Rechte ihre wirklichen Vorstellungen einer anderen
Gesellschaft kommunizieren dürfe.
Rechtsruck, Hetze, AfD und Pegida – der
Potsdamer Fußballverein SV Babelsberg möchte den aktuellen
Entwicklungen mit seiner Kampagne „Nazis raus aus den Stadien!“
etwas entgegensetzen. Konkreter Anlass war ein Skandalurteil eines
Fußballverbandes, der antifaschistische Rufe der Babelsberger
Anhänger bestrafen wollte. Nun hat sich RB Leipzig der Kampagne
angeschlossen. Vertreter beider Vereine wollen demnächst über eine
konkrete Form der Unterstützung reden.
In der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober
2010 töteten zwei Neonazis den Iraker Kamal Kilade. Die Täter
griffen den 19-Jährigen erst mit Pfefferspray an und stachen dann
mit einem Messer auf ihn ein. Am Dienstagabend erinnerte der
„Initiativkreis Antirassismus“ mit einer Demonstration an dieses
Verbrechen und andere Todesopfer rechter Gewalt in Leipzig. Etwa
100 Menschen beteiligten sich daran.
Die antirassistische Ultragruppierung „Red
Aces“ bezieht wieder einmal Stellung gegen ihren eigenen Verein –
und gegen Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Dieser hatte in einem
Interview ein angebliches „Meinungsdiktat“ beklagt und über
ehrenamtliche Unterstützer von Geflüchteten gespottet. Die Kritik
der „Red Aces“ stößt innerhalb der Leipziger Fanszene jedoch auf
heftigen Widerspruch.
Ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus und
für Vielfalt setzen – das wollen zahlreiche Initiativen und Gruppen
am Sonntag in Leipzig schaffen. Zunächst soll eine Menschenkette
vom Rabet bis in die Innenstadt reichen. Anschließend steht im
Clara-Zetkin-Park die zweite Auflage des interkulturellen
„Brückenfestes“ auf dem Programm. Die Veranstalter hoffen auf
mehrere tausend Teilnehmer und Besucher.
Drei Podiumsdiskussionen, 33 Workshops und
800 Teilnehmer – so lautet die Bilanz der Initiative „Welcome 2
Stay“, die am Wochenende in Leipzig zu einem Kongress zusammenkam.
Den Abschluss bildete eine dreistündige Versammlung am
Sonntagvormittag. Hier zogen die Teilnehmer ein Fazit und
diskutierten darüber, wie es weitergehen soll. Eine Entscheidung
ist bereits gefallen: Das nächste Treffen soll im September in
Berlin stattfinden.
Nachdem der „Welcome 2 Stay“-Kongress am
Freitagabend mit einer Podiumsdiskussion eröffnet wurde, standen am
Samstag weitere Panels und zahlreiche Workshops auf dem Programm.
Am Abend begann im „Pavillon der Hoffnung“ bereits das große
Aufräumen. Sonntagvormittag folgt die dreistündige
Abschlussversammlung.
Eine „Zusammenkunft der Bewegungen des
Willkommens, der Solidarität, der Migration und des Antirassismus“
wollen sie sein: jene Initiativen und Einzelpersonen, die sich am
Wochenende im Rahmen des „Welcome 2 Stay“-Kongresses in Leipzig
treffen. Die Themen Flucht und Asyl sowie die Frage, wie dem
Rechtsruck in der Gesellschaft beizukommen ist, stehen dabei im
Mittelpunkt der zahlreichen Diskussionen und Workshops.
Gegen Legida und Rassismus gerichtete
Spruchbänder haben es bei RB Leipzig nicht leicht. In der
Vergangenheit untersagte der Verein seinen Anhängern mehrmals,
entsprechende Botschaften ins Stadion zu tragen. Beim kommenden
Heimspiel am Sonntag, 8. Mai, möchte sich nun eine Fangruppe
mittels Banner mit „Bon Courage“ solidarisieren. Das neue Büro des
im Leipziger Umland aktiven Vereins wurde unter der Woche zum Ziel
eines Pflastersteinangriffs. Doch RB Leipzig greift erneut zum
Verbot – die Aufmerksamkeit soll einzig dem noch möglichen Aufstieg
und dem entscheidenden Spiel gelten.
Das Projekt „LZ TV“ (LZ Television) der LZ Medien GmbH wird
gefördert durch die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk
und neue Medien. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch
Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag
beschlossenen Haushaltes.
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