Von fremden Ländern, die fremd bleiben dürfen: Larkin Terminal
Ralf Julke
07.01.2010

Larkin Terminal.
So stellt man sich das vor: Ein Lyriker, der in einem klug aufgebauten Online-Blog über seine Arbeit, sein Leben und seine Reisen berichtet – und sich dabei auch noch Mühe gibt. Vielleicht liegt es daran, dass Christophe Fricker drei eigentlich unvereinbare Wissenschaften studiert hat.
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| Gestalter im Handwerk |
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Zweijähriger berufsbe-
gleitender Studiengang
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Und das auch nicht in einer gemütlichen, geist-reichen deutschen Kleinstadt, sondern in aller Welt. Freiwillig.
Politik, Germanistik und Musikwissenschaft in Singapore, Freiburg und Halifax zu studieren, da braucht einer, der wie Christophe Fricker 1978 in Wiesbaden geboren wurde, schon ein bisschen Abenteuerlust und Organisationstalent, Neugier aufs Fremde sowieso. Promoviert hat Fricker dann über Stefan George – und das am am St John’s College in Oxford.

Christophe Fricker: Larkin Terminal.
Seine Freunde hat er darüber auf seiner Homepage www.aufenthalte.info regelmäßig informiert. Aber weil er die fremden Orte stets auch mit eigenen, wachen Augen betrachtete, sich auch gar nicht nach den Werbeprospekten der Tourismusagenturen richten musste, waren seine Reiseberichte auch in andere Medien gefragt – im Merker, in Akzente, Der Literaturbote, Poetenladen usw. – Das sind nicht die ganz großen Gazetten, die sich mit Texten, die die üblichen Erwartungen nicht bedienen, mittlerweile alle schwer tun. Aber die Leser hat es unterhalten und selbst neugierig gemacht.
Was dann wohl den Druck auf den Lyriker, der 2008 seinen ersten Gedichtband mit dem sprechenden Titel "Das schöne Auge des Betrachters" herausbrachte, erhöhte, die Reise-Essays einmal zu sammeln und als eigenes Buch herauszubringen.
Auch das hätte man sich in einem großen Verlag vorstellen können, der seine Kataloge mit Reisebüchern bestückt. Aber auch hier war es eben wieder einer von den nicht so großen – in diesem Fall der experimentierfreudige Leipziger Plöttner Verlag, der sich der Texte annahm und sie als Buch herausbrachte.
Larkin Terminal ist dabei der Bus-Terminal von Singapur, von dem aus Christophe Fricker zu einem seiner Abenteuer aufbricht. Singapur liegt ja günstig und ist auch wirklich nicht die Stadt, in der man es allzu lange aushält – irgendwie genau der Ort, der entsteht, wenn moderne Planer einen künstlichen Staat schaffen mit künstlichen Attraktionen und reinem Effizienzdenken. Da liegen dann alle attraktiven Ziele tatsächlich außerhalb und selbst von Armut gebeutelte Länder wie Malaysia oder Myanmar sind interessanter.
Selbst einen Versuch, in Windhuk ein Studium zu beginnen, hat Fricker mit Augenzwinkern beschrieben. Jeder Text unterfüttert mit dem Nachdenken über das Unterwegssein, Fremdsein und den Ort, der sich als Heimat definiert. Dazu darf gleich im ersten Text Nataschas Wunsch-Pferdchen herhalten.
Oxford ist dann noch nicht das Finale, eher der Auftakt zu den folgenden Besuchen bei US-amerikanischen Dichtern, die Fricker ins Deutsche übersetzt, aber dabei schon gern wissen möchte, wie diese Leute leben, denken und fühlen. Drei USA-Besuche also auf die etwas andere Art. Ein vierter führt Fricker zu Ingrid Goering-Meyerhof in Halifax, Tochter des expressionistischen Dramatikers Reinhard Goering.
Ein kleines Finale in Leipzig rundet den Band ab. Ein kleiner Besuch bei Pladderregen. Da hat man von Leipzig wirklich nicht viel. – Die Texte stecken volle kleiner, nüchterner Beobachtungen, etlichen aufmerksam beobachteten Szenen, da und dort sogar Anekdoten – alles Dinge, die verraten, dass Fricker zwar oft sehr nachdenklicher, aber doch genauer Beobachter ist. Einer, der noch auf der Reise den ganz großen Bogen schlägt und mit dem Dichter Dick Davis über das Ende der Reise philosophiert.
Und so passiert das Wohltuende: Die fremden Länder und Menschen werden vertraut, aber nur, weil Fricker die Distanz und das Fremdsein gelten lässt. Er versucht nicht, die mitgebrachten Erklärungsmuster über alles zu legen, spielt nicht den Experten oder den Welt-Erfahrenen. Er lässt die kleine Angst zu, das Andere eben doch nicht richtig zu verstehen. Er bleibt Reisender und interpretiert die Freundlichkeit des Bushafen-Personals nicht als Aufhebung der Distanz.
Mal ein Reise-Buch ohne nervende Allwissenheit. Das tut gut.
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