Stromversorger im Verivox-Vergleich: Das nächste Ranking mit Äpfeln und Birnen
Ralf Julke
09.02.2010
Verivox hat mal wieder Glühlampen verteilt. Als Zensurenersatz. Das Online-Portal, das sich gern auch als unabhängig bezeichnet, hat mal wieder eine Hitliste erstellt. Diesmal nicht der billigsten Stromanbieter, sondern diesmal gewichtet nach Service und AGBs.
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200 der wichtigsten Stromversorger in Deutschland hat das Portal Ende 2009 unter die Lupe ... nee, ist ja Quatsch: ins Raster genommen. Das mit der Lupe hat die Verbraucherzentrale Sachsen gesagt, die zumeist gut findet, was Verivox so verkündet – und entsprechend die sächsischen Stromkunden zum Wechsel des Anbieters auffordert. Das fällt, je öfter das vorkommt, immer unangenehmer auf. Nicht weil etwa die 16 sächsischen Stromversorger, die mit in der Liste landen, nicht besser werden könnten, sondern weil Äpfel und Birnen jedesmal unter wechselnden Gesichtspunkten gewertet werden.
Da finden sich dann die großen Stromkonzerne hübsch vermischt mit kleinen und mittleren Stadtwerken, mit Vermarktungsgemeinschaften und mit den schillernden Billig-Töchtern der großen Erzeuger, die so tun, als spielten sie dasselbe Spiel.
Wie bunt der Markt ist, zeigt schon die Zahl der untersuchten Tarife: Verglichen wurden fast 2.000 Tarife für private Haushalte, darunter 288 Grundversorgungstarife, 800 Wahltarife der Grundversorger in ihrem Grundversorgungsbereich, 868 externe Angebote und 668 Ökostrom-Tarife.
"Enttäuschend musste festgestellt werden, dass die von den Verbrauchern häufig gewünschte Preisgarantie nicht selbstverständlich ist und sehr differenziert nur bei einem Drittel der untersuchten Verträge zu finden ist", schreibt nicht Verivox, sondern schreibt die Sächsische Verbraucherzentrale, wo man eigentlich genau weiß, dass längerfristige Preisgarantien bei oft kurzfristigen Entwicklungen am Weltenergiemarkt nur zu finanzieren sind, wenn sie über andere Geschäftsbereiche gepuffert werden können.
Die Preisgarantie ist der Hinkefuß der ganzen Erhebung. Denn in den Erklärungen zum "Ranking" steht ziemlich eindeutig: Die "Glühbirnen" abgeräumt haben Stromangebote mit "sehr kurzen Vertragslaufzeiten". Oder einmal Verivox selbst zitiert: "32 Stromanbieter (16 Prozent) erreichten mit mindestens einem ihrer Tarife fünf Glühlampen und somit die Note „sehr gut“ für die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Die insgesamt 139 Tarife (4 Prozent) mit fünf Glühlampen zeichneten sich alle durch sehr kurze Vertragslaufzeiten und den Verzicht auf Sonderabschläge/ Kaution sowie Vorauskasse aus."
Da überrascht dann nicht, dass Yello, das genau solche Modelle anbietet, hier punktet, die Yello-Mutter EnBW aber nicht. Die landet – wie die meisten anderen Anbieter – in der zweiten Gruppe mit vier "Glühlampen".
Verivox: "1.506 der untersuchten Tarife (46 Prozent) wurden mit vier Glühlampen als 'gut' bewertet. Diese Tarife unterscheiden sich von den mit 'sehr gut' bewerteten Tarifen durch längere Vertragslaufzeiten, fehlende oder sehr kurze Preisgarantien sowie eingeschränkte Zahlungsmodalitäten."
So erklärt Verivox eine sehr seltsame Bewertungsmethode, die bei den Stadtwerken Leipzig etwa dazu führt, dass die etwas ungünstigeren Tarife der Grundversorgung hier landen, sowohl im Haushalt als auch im Gewerbe mit vier "Glühlampen" bewertet. Die eigentlich attraktiveren Modelle Bestpreis-Strom aber stürzen ab in die Kategorie drei "Glühlampen" (befriedigend). Der Grund wohl: Die "lange" Laufzeit von einem Jahr, die die Grundlage für die zugesagte Preisgarantie von einem Jahr ist.
Und weil Verivox gleich vier verschiedene Bestpreis-Strommodelle bei den Stadtwerken findet (Profi Strom, Profi Strom mit Nachtstromanteil Gewerbe, Strom Haushalt, Wochenendstrom Haushalt), ergibt sich rechnerisch aus 2 x 4 und 4 x 3 die Durchschnittsnote 3,3.
Und weil das bei allen Anbietern so gemacht wurde, schnitten die am besten ab, die nur wenige Preismodelle mit kurzen Laufzeiten anbieten. Und die Verbraucherzentrale kann resümieren: „Die untersuchten sächsischen Stromversorger schnitten mit dem Urteil 'durchschnittlich' bis 'gut' ab“, so Roland Pause, Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen. „Von über 950 auf dem deutschen Strommarkt aktiven Versorgern wurden zwar nur 200 ausgewählt, die aber einen großen Anteil der privaten Haushalte abdecken.“
Den selben Effekt findet man übrigens beim zweiten "Testsieger", der Nordland Energie, einem Unternehmen, das von den Stadtwerken Kiel AG, Lübeck und Eckernförde gemeinsam betrieben wird, also ganz ähnlich wie Yello als gemeinsame Tochter. Nur mit dem Unterschied, dass die drei Stadtwerke hier ihre ökologischen Strom- und Gasangebote bündeln und vermarkten. Das einzige der drei Stadtwerke, das in dieser Liste extra bewertet wurde, sind die Stadtwerke Lübeck, die in der Bewertung ganz ähnlich abschneiden wie die Stadtwerke Leipzig – und Dutzende andere Stadtwerke auch.
Das ist die Krux der lokalen Anbieter: Sie müssen die komplette Angebotspalette bereit halten, um die Nahversorgung für alle zu sichern, während sie in Portalen wie Verivox mit Spezialanbietern konkurrieren, die sich auf ein kleines, stromlinienförmiges Portfolio beschränken und zusätzlich mit kurzen Vertragslaufzeiten und kurzen Kündigungsfristen werben.
25 Versorger (13 % der untersuchten Unternehmen) bieten mittlerweile Tarife mit Vorkasse an. „Wir würden nicht unbedingt zu solchen Tarifen raten“, sagt Pause, „da die Verbraucher das Risiko bei einer möglichen Insolvenz des Versorgers allein tragen.“
Aber er geht nicht den nächsten Schritt, die Bewertungskriterien von Verivox zu hinterfragen. Oder zu fragen, was tatsächlich aus dem ganzen Glühlampen-Salat für die Region empfehlenswert ist. Eine Verbesserung im Service möglicherweise. Aber auch hier konkurrieren Anbieter, die im Grunde rein virtuell auf dem Markt unterwegs sind und alles dafür tun, einen Rund-um-die-Uhr-Dienst in einem Call-Center am Laufen zu halten, mit Stadtwerken, die sich auf übliche Öffnungszeiten in einem auch real besuchbaren Kundencenter beschränken – und dafür weder nachts um 1 Uhr noch am Sonntag für Vertragsgespräche erreichbar sind.
Vielleicht ist ein Ausbau der Online-Vertragsmöglichkeiten der Weg. Ein Insistieren auf regen E-Mail-Verkehr, wie es Verivox tut, ist wohl eher Utopie. Einen Weg zeichnet auch Nordland Energie auf, das die Möglichkeiten mehrerer im Norden ansässiger Kommunalanbieter bündelt und bestimmte Produkte überregional vermarktet. Dieser "Sieger" ist durchaus als "Sieger" begreifbar. Dass Yello hier wieder auftaucht, macht das Bewertungsprozedere sehr anzweifelbar. Da sind einige Bewertungsraster sehr auf die virtuellen Überflieger zugeschnitten – und klammern das reale Stromgeschäft völlig aus. Ganz so, als wäre Liberalisierung auch ohne irdische Stromerzeugung mit all ihren Kalamitäten denkbar. Bis hin zu den Investitionen in Stromnetz und Stromerzeugung, die das virtuelle Stromunternehmen Yello (und eine ganze Reihe ähnlicher Unternehmen) nicht tätigen muss, EnBW schon. Und jedes Stadtwerk im Land ebenfalls.
Die Verbraucherzentrale rät wieder zum Wechsel? – Nach der Logik von Verivox sollten Bestpreis-Stromkunden jetzt schleunigst in den Grundtarif wechseln. Ist zwar teurer, hat aber mehr "Glühlampen".
Wer mehr zu den Untersuchungen wissen möchte, findet die komplette Studie auf der Webseite von Verivox. Wer keinen Internetzugang hat, kann Informationen zur Studie auch in der Verbraucherzentrale Sachsen erhalten.
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