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Laute Flieger über Leipzig: Warum steuert LEJ nicht mit Startgebühren gegen?

Ralf Julke
Verladung der "Tiger" am 13. Dezember in Schkeuditz.
Verladung der "Tiger" am 13. Dezember in Schkeuditz.
Foto: Flughafen Leipzig / Halle, Uwe Schoßig
Es war nicht der erste Transport mit Militärmaterial an Bord, der am 13. Dezember vom Flughafen Leipzig/Halle abhob. Ein Flughafen, den Steffen Höhne am 7. November in der "Mitteldeutschen Zeitung" schon mal Lidl/Halle nannte. Auch damals ging es um den Riesen-Transporter Antonov 124 und die niedrigen Landegebühren, die Leipzigs Frachtflughafen für die jeweiligen Flugeinsätze dieser Maschinen kassiert.


Höhne verglich die Leipziger Gebühren mit denen am größten deutschen Frachtflughafen Frankfurt/M. Sie unterscheiden sich wie - ja, eben wie ein Qualitätsanbieter und ein Discounter. Während in Leipzig tagsüber für den Start des lauten Luftfrachters 3.000 Euro verlangt werden, hat man den Großtransporter in Frankfurt in einer ganz anderen Lärmklasse eingeordnet. Die Hessen sind ja nicht dumm. Sie wissen, dass man über Geld alles steuern kann. Auch den Fluglärm über der Stadt. Und mit Fluglärm kennt man sich dort besser aus als anderswo.

Man reduziert mit deutlich höheren Landegebühren für richtig laute Flugzeuge den Lärm, weil die Betreiber logischerweise entweder seltener fliegen oder auf andere Flughäfen ausweichen. Oder man verdient Geld damit, mit dem man den Flughafen wieder gegenfinanzieren kann. So muss eine startende Antonov 124 in Frankfurt tagsüber mit rund 20.000 Euro bedacht werden, in der Nachtrandzeit mit 46.000 und in der Nachtkernzeit sogar mit 52.000 Euro. In Leipzig werden selbst nachts für diesen Brummer nur 3.000 Euro berechnet. Der Flughafen hat die Zahlen gegenüber der "MZ" in etwa bestätigt.

Man ahnt also, warum die Fluggesellschaft Volga-Dnepr ihre großen Frachtvögel in Leipzig stationiert hat und nicht in Frankfurt oder ähnlich renommierten Flughäfen Deutschlands, wo man zumindest über die Preise ein bisschen regelt, dass die ringsum wohnende Bevölkerung für den Lärm über ihren Köpfen nicht extra zahlen muss.

Frankfurt hat sogar angekündigt, ab 2013 die Entgelte für lärmintensive Flugzeuge noch weiter zu erhöhen. Und das Erstaunliche bei Fraport: Da sind auch die Stellungnahmen der Gesellschafter nachlesbar, die sich für oder gegen höhere Entgelte für Lärmmaschinen ausgesprochen haben. Eine Transparenz, von der Leipzig um Lichtjahre entfernt ist. Nicht mal die Protokolle der „Fluglärmkommission“ geben über diese Positionen Auskunft. Und: Man hat in Frankfurt gesellschafterseitig die Entgelte für die unterschiedlichen Lärmklassen mit Absicht "gespreizt", wie es so schön heißt.

Verladung der "Tiger" am 13. Dezember in Schkeuditz.
Verladung der "Tiger" am 13. Dezember in Schkeuditz.
Foto: Flughafen Leipzig / Halle, Uwe Schoßig
Die Antonov 124 landet dort gemeinsam mit der IL 76 einsam in der höchsten Kategorie 12, die mit 93,6 dB(A) Untergrenze beginnt.

Dasselbe Bild übrigens in München, wo die AN 124 zusammen mit der IL 76, der DC 85 und der DC 862 in der höchsten Entgeltkategorie 12 landet.

So wird der Lärm über den Köpfen der Einwohner zumindest ein wenig bezahlt.

Leipzig allein hat aus seinem Stadthaushalt den Flughafen Leipzig-Halle bislang mit 80 Millionen Euro subventioniert. Und bekommt dafür noch lange keinen Euro zurück. Denn nicht nur für die An 124 sind die Startgebühren niedrig. Das sind sie auch für alle anderen Frachtflieger, auch wenn die Differenzen da zu den Startgebühren an anderen Flughäfen nicht ganz so gewaltig sind.

Und dass am 13. Dezember über die verfrachteten zwei Kampfhubschrauber "Tiger" nach Afghanistan berichtet wurde, war ja auch nicht der erste Bericht solcher Art. Im Juli berichtete die L-IZ über die Verladung von Truppentransportern vom Typ "Boxer". Die Antonov-Frachtmaschinen stehen ja nicht als Museumsstücke in Leipzig. Sie schaffen fleißig Material überall da hin, wo der Nato selbst die entsprechenden Frachtmaschinen fehlen. Was in der Regel nicht an die Medien gemeldet wird. Die bekommen immer nur die besonderen Aktionen erzählt - wie in diesem Fall die Verladung zweier Kampfhubschrauber.

Die Leipziger Fluglärmgegner waren dann freilich auch ein wenig entsetzt, wie die Antonov 124 am 13. Dezember ihren Weg Richtung Afghanistan nahm. Startrichtung war um 12:24 Uhr Westen. Dann drehte die Maschine Richtung Süden ab, um dann über Markranstädt in etwa 2.000 Meter Höhe Richtung Osten zu drehen und dann in etwa 3.000 Meter Höhe direkt über das Leipziger Stadtgebiet zu fliegen.

Über die Ankunft der beiden Kampfhubschrauber in Afghanistan berichtete dann am 14. Dezember "N-TV". Elf Jahre haben die dort stationierten Truppen auf die beiden Hubschrauber gewartet. Der "Tiger" hat erst seit Sommer 2011 seine Einsatzerlaubnis. "Bisher waren die deutschen Streitkräfte auf die Hilfe amerikanischer Hubschrauber des Typs 'Black Hawk' angewiesen, um ausreichend Schutz bei Bergungen verletzter oder toter Kameraden zu haben", schreibt "N-TV" noch zum Thema.

Aber es sind ja nicht nur Militärfrachter, die über Leipzig und Halle lärmen. Auch im zivilen Frachtflugbetrieb sind in Leipzig nach wie vor Flugzeuge im Einsatz, die andernorts nicht einmal mehr eine Landeerlaubnis haben. Man hat in Leipzig einige Schwellen deutlich abgesenkt, um die Frachtflugunternehmen anzulocken. Und das soll so weiter gehen. Bei einem Vortrag am Bundesverwaltungsgericht am 4. Dezember wurde nicht nur über die ganz spezielle Nachtflugerlaubnis auf Flughäfen wie dem in Schkeuditz gesprochen, es wurde auch die Diskussion unter den deutschen Lufthafenbetreibern deutlich, die durchaus dabei sind, Flughäfen unterschiedlicher Standards zu definieren. Wobei man für die unbeschränkte Nachtflugerlaubnis für die Frachtfliegerei in Leipzig wohl eine gute Zukunft sieht.

Markus Koop, Vorstandsvorsitzender der Mitteldeutschen Flughafen AG (MFAG) sieht für den Flughafen Leipzig/Halle ein Wachstum des Frachtumschlags auf über 1 Million Tonnen pro Jahr. 2011 waren es 760.000 Tonnen, 2012 werden es wohl um die 850.000 werden. Damit ist Leipzig schon lange der zweitgrößte Frachtflughafen Deutschlands - vor Köln, hinter Frankfurt. Und nicht nur in Frankfurt versucht man, die großen Lärmverursacher zur Kasse zu bitten. In Köln-Bonn wird derzeit intensiv über ein Nachtflugverbot nachgedacht. Was einige Leute schon zu Spekulationen veranlasst, dann könnte auch UPS nach Leipzig wechseln. Vorher könnte schon FedEx den Sprung in die ostdeutsche Provinz machen, munkelt man, dorthin, wo die Regeln alle ein wenig anders sind als im Westen und die Gebühren nicht so hoch.

Die MZ über den Antonov-Flug:
www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1349164490227

Startgelder Leipzig/Halle:
www.leipzig-halle-airport.de/media/files/lej/unternehmen/lej_eo_aviation.pdf

Entgeltordnung Frankfurt/M.:
www.fraport.de/content/fraport/de/misc/binaer/kompetenzen/aviation-services/flughafenentgelte/jcr:content.file/flughafenentgelte_de_en_2012.pdf

www.airliners.de/rahmenbedingungen/oeffentlichkeit/fra-hoehere-gebuehren-fuer-laute-flugzeuge/28103

N-TV zur Ankunft der "Tiger":
www.n-tv.de/politik/Tiger-in-Afghanistan-gelandet-article9780661.html



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