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Thema

Rezensionen

Das ökohumanistische Manifest: Zehn herzhafte Thesen über den Irrweg unseres alten, weltzerstörenden Denkens

Wir denken falsch. Wobei: Dieses „Wir“ geht so leicht von der Zunge. Auch wenn die Botschaft ja stimmt, die der Biologe Pierre L. Ibisch und der Soziologe Jörg Sommer in diesem Manifest aussprechen: Es geht um uns, uns alle, alle Menschen. Wir alle müssen unser Denken ändern, wieder lernen, richtig zu denken. Und uns von den falschen Vorstellungen einer Wachstumsvorstellung lösen, die gerade unserer Lebensgrundlagen zerstört. Denn der Natur sind wir herzlich egal.

Wer denkt sich die Wörter aus? Mit Kindern den Reichtum unserer Sprache entdecken

Manche Kinder wundern sich irgendwann, andere überhaupt nicht. Dabei ist es ein kleines Wunder, dass wir uns mit unserer Sprache verständigen können. Und zwar nicht nur mit Grunz und Miau und Wauwau wie die Tiere. Den Moment, an dem die Kleinen ihr Staunen über die Welt der Wörter äußern, sollte man nicht ignorieren. Es ist der Moment, ihnen zu zeigen, dass unser Wortschatz tatsächlich ein Schatz ist.

Demokratie aushalten! Warum guter Streit zum Wesenskern einer richtigen Demokratie gehört

Als Karoline M. Preisler ihr Buch schrieb, kam Deutschland gerade aus dem zweiten Lockdown. Glimpflicher als andere Länder hatte es bislang die Corona-Pandemie bewältigt. Was der Union in den Wählerumfragen hohe Werte einbrachte, erst recht, nachdem die großen deutschen Medien sich mit Lust auf die Plagiatsaffäre um Annalena Baerbocks Buch „Jetzt“ stürzte. Auch Preisler konnte nicht ahnen, dass alles ganz anders kommen würde.

Das Geheimnis des Regenbogens: Eine Friedolin-Geschichte über das Mutigsein beim Entdecken der Welt

In Leipzig wird Julia Morgenthaler in Kürze auch für eine kleine Lesung einfliegen. Aber bei Büchern ist ja das Schöne: Man kann sie auch einfach so lesen. Oder sich vorlesen lassen. Das Abenteuer entsteht im Kopf. Und das können auch kleine Kinder schon: sich vorstellen, wie das ist, wenn freundliche Tiere in die Rollen schlüpfen, die auch Menschenkinder ausfüllen können. Und auch ausfüllen, ganz bald schon, wenn sie ein bisschen größer sind.

Menschenleer: Leipzig im Lockdown des Frühjahrs 2020

Eigentlich, so stellt es auch Bert Sander in seinem Vorwort zu diesem Fotoband fest, ist das der stille Traum von Architekturfotografen: Straßen und Plätze menschen- und autoleer, der Blick auf die Stadt unverstellt und ungestört. Aber als das im Frühjahr 2020 tatsächlich geschah, empfand es nicht nur Bert Sander als gespenstisch. So stille Fotos haben die drei Fotografen Mahmoud Dabdoub, Andreas Koslowski und Armin Kühne noch nie zuvor gemacht.

Leipziger Mörderquartett: Ein leicht ironischer Krimi aus der Leipziger Musikerwelt

Beim Studium von Musikwissenschaft und Journalistik hat Tatjana Böhme-Mehner auch Leipzig und die Leipziger Musikszene kennengelernt. Heute arbeitet sie als Programme Editor an der Philharmonie Luxemburg und lebt im Saarland. Aber die Leipziger Musik hat sie nicht losgelassen. Nun hat sie diese Szene in einen Krimi gepackt, in dem nicht nur eine wertvolle Bratsche zu Bruch geht.

Machtergreifung: Ein Politthriller über die Gefährdung unserer Demokratie durch die machtbesessenen Sehlings

Ferdinand Schwanenburg ist ein Pseudonym. Vielleicht auch deshalb, weil der Autor dieses Politthrillers selbst zwei Jahre lang für verschiedenste Fraktionen der Deutschlandpartei, sorry: der AfD, gearbeitet hat. Aber stünde der richtige Name auf dem Cover, würde sich das Buch wohl auch unter die vielen erschienenen Bücher einreihen, in denen einstige AfD-Mitglieder abrechnen mit der rechtsabdriftenden Partei. Aber das ist es nicht. Es ist auch eine Dystopie. Eine Warnung sowieso.

Das infizierte Denken: Warum unsere Absolutheiten uns daran hindern, eine enkelgerechte Welt auch nur zu denken

Auf Seite 225 fällt dann das schöne Wort „Herdenstupidität“. Willkommen in einer Welt, die 50 Jahre lang den falschen Traum geträumt hat, den Traum einer falschen Sicherheit. Und die nun merkt, dass sich Berge von ungelösten Problemen aufgetürmt haben. Und nicht nur der Philosoph und „Managementvordenker“ Anders Indset wundert sich darüber, dass die meisten Leute sichtlich unfähig sind, einen Weg aus dieser Sackgasse heraus überhaupt zu denken.

1806/1807 – Die Verbündeten Napoleons: Wie Napoleons erste Große Armee zusammengewürfelt wurde

Aus technischen Gründen kommt dieses Büchlein schon etwas früher auf den Markt als vom Verlag geplant. Eigentlich sollte es erst 2022 kommen. Es ist die Fortsetzung von Reinhard Münchs Serie zu den verbündeten Truppen, die in Napoleons Grande Armée mitkämpfen mussten. Auch die Sachsen, die noch im Oktober 1806 auf der anderen Seite standen und mit den Preußen gegen Napoleon kämpften.

Abenteuer Platte: Bilder ungezähmter Kindheit in der Wildnis von Schlammhausen

Hätten so bald alle Städte im Osten ausgesehen? Die Frage kann man sich durchaus stellen, wen man heute durch Grünau fährt. In seinem Vorwort erinnert der Fotograf Harald Kirschner daran, wie die riesigen Plattenbaugebiete in der DDR aus der Not heraus entstanden. Um dem enormen Wohnungsmangel abzuhelfen, wurden sie auf freiem Feld aus dem Boden gestampft. Zehn Jahre lang hat es Kirschner aus eigener Anschauung dokumentiert.

Walter Zirpins – ohne Reue: Die Karriere des Mannes, der Marinus van der Lubbe zum Einzeltäter beim Reichstagsbrand machte

Es gibt Bücher, in denen lauert das Entsetzen. Auch wenn man sie – wie dieses – eigentlich bestellt hat, um mehr zu erfahren über den Mann, der letztlich die Hauptschuld daran trägt, dass der Holländer Marinus van der Lubbe 1934 vom Reichsgericht in Leipzig als Alleintäter für den Reichstagsbrand verantwortlich gemacht und zum Tod verurteilt wurde. Bis heute hält sich die Alleintäter-These. Doch die basiert vor allem auf den Aussagen des Kriminalbeamten Walter Zirpins, der später im niedersächsischen Polizeidienst in Führungspositionen kommen sollte.

Thea: Wenn ein „Wahnsinnstyp“ die Frau seines Lebens immer wieder fotografiert

Roger Melis gehörte zu den eindrucksvollsten Fotografen der DDR. Der Lehmstedt Verlag hat mittlerweile einige Bände mit seinen Fotografien veröffentlicht. Dieser hier ist trotzdem etwas Besonderes, denn er zeigt mehr als nur das sehr persönliche Verhältnis eines außergewöhnlichen Fotografen zu seiner geliebten und bewunderten Frau. Roger Melis hat in Dorothea Melis im Grunde das fotografiert, was der Osten hätte sein können. Hätte er nur mutig sein dürfen.

#95vsWissZeitVG: Eine sehr emotionale Streitschrift zur prekären Beschäftigung in der deutschen Wissenschaft

Mal ein Buchtitel mit Hashtag, auch wenn die meisten Leser/-innen erst mal stutzen werden, weil ihnen das Kürzel nichts sagt. Wesentlich berühmter und folgenreicher war ja der Hashtag #IchBinHanna, der mit jeder Menge Wortmeldungen darauf aufmerksam machte, wie (junge) Wissenschaftler/-innen an deutschen Hochschulen und Universitäten in befristeten Arbeitsverhältnissen regelrecht verbrannt, demotiviert und letztlich sogar aus dem Wissenschaftsbetrieb gedrängt werden. Aber daran ist eben auch ein Gesetz schuld.

Historische Kriminalfälle aus Sachsen: Edle Räuber, Täter aus Not und einige mysteriöse Todesfälle aus 500 Jahren

Eigentlich kennt sich der Dresdner Autor Dietmar Sehn aus mit den Verbrechen im alten und neuen Sachsen. Er hat über die Jahre fleißig gesammelt und auch schon einige Bücher zum Thema herausgebracht. Und mit den „Historischen Kriminalfällen aus Sachsen“ zeigt er einmal sehr kompakt, dass sich auch andere Räuber mit dem erzgebirgischen Stülpner Karl locker messen konnten. Und seit dem Einbruch ins Grüne Gewölbe weiß alle Welt wieder, wie leicht man hier an Beute kommt.

Kritische Masse: Ein heftig ernüchternder Parlamentsroman aus der tiefsten deutschen Provinz

„Wer mehr will, als er braucht, zwingt das Bestehende, jedes gesunde Maß aufzugeben und wild zu suchen. Dann kommt der Krebs und schließlich das metastasierende Elend.“ Den Satz schreibt Michael Haas fast am Ende seines Buches, im Epilog seines „Parlamentsromans“, der eigentlich kein Roman ist, sondern eine kluge, bittere und ernüchternde Abrechnung aus dem Innenleben einer Landtagsfraktion in einer deutschen Provinzhauptstadt, die auch anders als Sternheim heißen könnte.

Die Tiefseetaucherin: Mit Juli abtauchen in die tiefsten Tiefen der Meere

Auch das gibt es: Kinderbücher in Teamwork. Was aber beim Katapult-Verlag sowieso schon tägliche Übung ist. Die lehrreichen Grafiken zum Zustand unserer Welt entstehen allesamt in so einer Kooperation von Grafiker/-innen, Texter/-innen und Wissenschaft. Die Bücher, die der Greifswalder Verlag inzwischen herausgibt, sowieso. Und nun zeigen die jungen Büchermacher, dass man auf diese Weise auch informative Kinderbücher schaffen kann.

Wegmarken und Widerworte: 60 Beiträge zum 70. Geburtstag des früh verstorbenen „scharfzüngigen Lutheraners“ Ulrich Schacht

Kann man das Buch besprechen? Geht das überhaupt? Natürlich. Wir haben hier schon ganz andere Kaventsmänner besprochen. Warum auch nicht, Ulrich Schacht oder vielmehr: die 60 Beiträge zum 70. Geburtstag des Mannes, der seinen 70. Geburtstag nicht mehr erlebte. Er starb 2018 mit 67 an einem Herzinfarkt. Ein herzhaft streitbarer Konservativer, dem freilich selbst sein einstiger Arbeitgeber, der Springer-Verlag, zu lasch geworden ist. Oder zu linksliberal?

Des Kummers Nacht: Ralph Knobelsdorf lässt in seinem ersten Krimi das Berlin des Jahres 1855 lebendig werden

Das Genre des historischen Kriminalromans blüht. Und man wird den Eindruck nicht los, dass er den historischen Roman gerade etwas ins Abseits stellt. Oder auch mit seinen bewährten Mitteln zeigt, dass der historische Roman viel zu lange auf den überholten Erzählmustern der Romantik schwamm. Zwar passend für tränendrückende TV-Serien, aber nicht für den kriminologischen Umgang mit Geschichte. Und dann heißt der Bursche auch noch Knobelsdorf.

Die Berichte des Voyeurs: 100 Gedichte, die von lauter Aufregendem erzählen, nur nicht von Liebe

Es gibt einige Dinge, die die Sächsische Dichterschule, wie sie vor Jahren mal ein profunder Sammelband aus dem Poetenladen bezeichnete, besonders markant machen. Dazu gehört ihr besonders ausgeprägtes Formbewusstsein genauso wie ihre ganz bewusste Bezugnahme auf klassische Vorbilder. Das ist auch bei Michael Spyra so, der in Halle lebt und arbeitet und auch gern mal poetische Ausflüge nach Leipzig unternimmt.

Florance Bell und die Melodie der Maschinen: Ein Fantasy-Roman aus einem etwas anderen Jahr 1820

In den letzten Jahren hat sich die alternative history als eigenes Genre innerhalb der Fantasy etabliert. Denn da geht es tatsächlich vor allem um Phantasie: Was wäre eigentlich passiert, wenn die historische Entwicklung einen anderen Verlauf genommen hätte? Napoleon also zu Beispiel in der Seeschlacht von Trafalgar 1805 gewonnen hätte und nicht Admiral Horatio Nelson. Und dann England erobert hätte.

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