Artikel zum Schlagwort Rezensionen

Ganz bestimmt nicht so zäh wie Pemmikan

Peter Gosse schrieb sich zum 80. ein besonderes Enkel-Erinnerungbuch

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIm vergangenen Jahr hat er seinen 80. Geburtstag gefeiert: der Leipziger Dichter Peter Gosse. Und die Gelegenheit hat er gleich genutzt, auch so eine Art Abschiedsbuch für seinen Enkel zu schreiben. Bei Enkel denkt man ja an ein kleines Bürschlein mit Windel und Lätzchen. Aber dieser Enkel ist selbst schon ein gestandener Mann und verträgt augenscheinlich auch eine große Packung Unverblümtheit von seinem Großvater. Weiterlesen

Was Wirtschaft und demokratischer Einfluss miteinander zu tun haben

Mit Demokratie ernst machen: Herbert Storns Plädoyer für eine bessere politische Bildung

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Für alle LeserUnsere Demokratie ist kaputt. Auch wenn smarte Kommentatoren es gern so drehen, dass eher all die in Studien befragten Deutschen als undankbar dastehen, die sagen, dass sie Demokratie zwar toll finden, die Demokratie aber, wie sie sie heute in Deutschland erleben, für inakzeptabel halten. Und wenn es nur ein Bauchgefühl ist. Denn die politische Bildung in unseren Schulen ist eine Katastrophe. Herbert Storn erklärt, warum das so ist. Weiterlesen

Die zweite Gemeinschaftsarbeit von Dana Menzel und Julia Fraczek

Giftiges Blau oder Wer klaut denn da den Blauen Fingerhut?

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Für alle LeserAuf einmal fühlt man sich an die vielen jungen Menschen erinnert, die seit Wochen gegen die Klimapolitik in Europa demonstrieren und von alten, ignoranten Säcken öffentlich und heftig angegangen werden, weil die um ihre Pfründen und ihre Profite fürchten. Und Dana und Julia kann man sich sehr gut vorstellen unter den demonstrierenden Jugendlichen, genauso wie ihre fünf Heldinnen, die nun zum zweiten Mal gegen einen bösen Umweltfrevel kämpfen. Weiterlesen

Der kleine Prinz, der kauzige Herr Richter und die fatale Wirkung von zu viel Geld

Fick dich Plagwitz: Die seltsame Sex-and-go-Liebesgeschichte von Pierre und Marie

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Für alle LeserMit dem Titel war auch irgendwie der Verleger nicht ganz glücklich. Und mit einigen Stellen im Buch auch nicht. Eigentlich hätte er sich mehr von diesem Plagwitz gewünscht im Buch, mehr von dieser illusionslosen Betrachtung eines Leipziger Ortsteils, der sich in den letzten zehn Jahren erschreckend verwandelt hat, etwas, das einem manchmal so ein derbes „Fuck you“ auf die Lippen bringt. Weniger das, was Marie und Pierre in diesem Buch treiben. Weiterlesen

Raus aus Entmündigung, Sprachlosigkeit und Ausgrenzung

Fenster zur Freiheit: Wie die radix-blätter das Ende der SED-Herrschaft gedanklich vorbereiteten

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Für alle LeserAls es die DDR noch gab, gehörte Peter Wensierski als Reporter für diverse Zeitschriften und ab 1986 für das Fernsehmagazin „Kontraste“ zu den bekanntesten Berichterstattern über all das, was in der DDR geschah. Denn Öffentlichkeit über die Vorgänge in der DDR wurde fast ausschließlich über westliche Medien hergestellt. Aber in diesem Buch erzählt Wensierski eine Geschichte, die mit dem Titel „Fenster zur Freiheit“ eigentlich nicht erfasst wird. Weiterlesen

Der qualmende Osten in einer eindrucksvollen Bilderschau begeisterter Eisenbahnfreunde

Interzeitenzüge: Das Reichsbahn-Zeitalter mit westlicher Neugier betrachtet

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Für alle LeserEs ist ein dickes, schweres und schönes Geschenk, das sich Andreas Knipping und Burkhard Wollny mit diesem Buch gemacht haben. Und nicht nur sich. Denn dieses Buch ist eine Zeitkapsel, eine Bilderreise zurück in ein Land, das es nicht mehr gibt, das aber die beiden Eisenbahnfreunde auch schon fleißig bereisten, als es noch mit Mauer und Minenfeldern abgesperrt war. Es ist keine Hommage an die DDR, aber es zeigt auch den Bewohnern der östlichen Landstriche, dass ihre Technikgeschichte eine beeindruckende war. Weiterlesen

Ein ganzes Buch als Interview zum Lilith-Komplex

„Keine Mutter ist perfekt“ oder Warum unsere Gesellschaft so aggressiv und unersättlich ist

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Für alle Leser2005 schockte der Hallenser Psychiater und Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz nicht nur Kollegen und Feministinnen mit seinem Buch „Der Lilith-Komplex. Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit“. Seither ließ er Bücher wie „Die Liebesfalle“ (2007) oder „Die narzisstische Gesellschaft“ (2012) folgen. Und dann kamen irgendwie Pegida, AfD und Chemnitz und Maaz wurde medial quasi zum Psychologen der wütenden Ostdeutschen. Aber woher kommt dann diese Renitenz? Es hat sichtlich eine Menge mit Lilith zu tun. Oder besser dem Gegenteil: dem Lilith-Komplex. Weiterlesen

Ein Gegenbild zum brutalen Helden der Gegenwart

Dieter Döhrels dritter Shane-Calhoun-Roman: Im Reich der Nardic

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Für alle LeserEs gab mal eine Zeit, da wuchsen Jungen nicht mit Ballerspielen am PC auf, sondern mit Western. Ganz zu Anfang mit Wild-West-Romanen in gedruckter Form. Da durften Karl May und James Fenimore Cooper im Regal nicht fehlen. Später dann mit Westernfilmen im Kino. So etwas prägt. Auch einen Mann wie Dieter Döhrel, der seinen Ruhestand dazu nutzt, jene Western zu schreiben, die er im Buchladen schon lange nicht mehr findet. Weiterlesen

Peng Peng – es geht weiter

Nora Gomringer hat jetzt mit Philipp Scholz auch die Gedichte von Dorothy Parker zum Singen gebracht

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Für alle LeserAuf der Leipziger Buchmesse haben sie sich 2015 im Grunde gefunden: Die Lyrikerin Nora Gomringer und der Jazz-Musiker Philipp Scholz. Ist ja nicht so weit von guter Lyrik zum hingehauchten Jazz. „Peng Peng Peng“ hieß ihr erstes gemeinsames Lyrik-Jazz-Album. Nun ist ihre zweite Co-Produktion fertig und die entführt die Hörer in die Welt der amerikanischen Schriftstellerin Dorothy Parker. Kein Wunder, dass man sich dabei fühlt wie in einer Jazz-Bar der 1930er Jahre. Weiterlesen

Die rationale Vernunft oder Wie man lernt, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen

Die erste große Biographie über den Aufklärer Christian Wolff

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Für alle LeserEs ist schon erstaunlich, wie zurückhaltend selbst der Verlag bei der Werbung für dieses Buch vorgegangen ist. Obwohl es – mehr aus Zufall – eigentlich ein Buch zur heutigen Zeitdebatte ist, in der gerade Konservative und Erzkonservative mit aller Macht auch die Aufklärung angreifen und versuchen, in Verruf zu bringen. Gern mit Hinweis auf die fatalen Folgen heutigen Technikglaubens. Aber tatsächlich meinen sie immer die Fähigkeit der Menschen, sich ihrer eigenen Vernunft zu bedienen. Christian Wolff hätten sie so nicht kommen dürfen. Weiterlesen

Der zweite Musiker-Krimi von Sebastian Knauer

Mörderisches Mozart-Kind oder Der tödliche Größenwahn des smarten Herrn Briggs

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Für alle LeserMan muss die Verbrecher nicht verstehen. Auch nicht die, die Sebastian Knauer in seinen Musik-Krimis agieren lässt. Mal werden sie wegen geheimnisvoller Bach-Kompositionen übergriffig, nun muss auch noch Mozart herhalten. Und wüsste man nicht, dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich von ihren Leidenschaften tatsächlich so weit treiben lassen, dass sie zum Mörder werden, man würde diesen Steven Briggs nicht allzu ernst nehmen. Wie im normalen Leben halt. Weiterlesen

Von idealen Märkten, „Leistungsträgern“ und gebrochenen Versprechen

Björn Vedders beeindruckende Untersuchung der Monster des Kapitalismus: Reicher Pöbel

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Für alle LeserBjörn Vedder ist Philosoph. Es gibt sie tatsächlich noch, Leute, die nicht nur Philosophie studieren, sondern die Liebe zum Denken und zur Weisheit auch noch praktizieren. Denn dazu braucht man Zeit und ein bisschen Freiheit. Gerade in der Philosophie darf man niemandem dienen. Sonst denkt man mit Scheuklappen und hat nicht den freien Blick, der einen sehen lässt, was schiefläuft. Weiterlesen

Thomas Mothes unter Narren

Leila helau: Der erste Fotoband über den Leipziger Karneval

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Für alle LeserLeipzig liegt nicht im Rheinland. Deshalb haben Karnevalsumzüge hier scheinbar keine Tradition. Und wenn mal eine kleine Tradition entsteht, reicht ein kleiner Verwaltungsschnupfen und alles steht wieder infrage. So wie der Rosensonntagsumzug, über den in den vergangenen Jahren auf einmal eine Kostendebatte entbrannte. Der Stadtreinigung war das Saubermachen nach dem Umzug zu teuer. Da kann auch Thomas Mothes nur den Kopf schütteln, der die Leipziger Rosensonntagsumzüge lieben gelernt hat. Weiterlesen

Ein Sachse im Himmel

Peter Lemars Himmelsreise zu den Berühmten, die er immer schon mal persönlich sprechen wollte

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Für alle LeserSachsen kommen nicht in den Himmel. Können sie ja gar nicht, so renitent, wie sie sich benehmen, nicht wahr? Und so ein richtiger Himmel ist es auch nicht, in den der Leipziger Musiker und Schriftsteller Peter Lemar sein Alter ego hier geraten lässt, eher so eine Art große Wandelhalle vor der letzten Tür, in der die Berühmten und Berüchtigten plaudernd auf den letzten Schritt warten. Eine Art Wunschort für den nicht so berühmten Leipziger, an dem er einmal all jene Leute sprechen könnte, die ihn auf Erden so beeindruckt haben. Wie bei Dante, könnte man meinen. Weiterlesen

Wer waren eigentlich die Menschen im Haus des berühmten Autors aus Deutschland?

Seven Palms: Francis Nenik gräbt die ungeschriebene Geschiche des Thomas-Mann-Hauses aus

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Für alle LeserEr schreibt und schreibt und schreibt. Nur dass sein „Tagebuch eines Hilflosen“ sich schon lange nicht mehr hilflos liest. Francis Nenik, der die Regentschaft Donald Trumps täglich mit einem Tagebucheintrag begleitet, analysiert den Mann im Weißen Haus, seine Politik und den Zustand der USA so trocken und faktenreich, dass man eigentlich nur noch das Gefühl haben kann: Mit diesen USA ist kein Staat mehr zu machen. Und irgendwie muss auch Thomas Mann so ein Gefühl gehabt haben, als er 1952 sein geliebtes Haus in Los Angeles verließ und nach Europa zurückkehrte. Weiterlesen

Daniel Weißbrodts „Kurzer Abriss der deutschen Geschichte 2022-2055“

Die packende Geschichte davon, wie sehr die Einführung des Grundeinkommens Deutschland verändern würde

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Für alle LeserVielleicht werden viele den Untertitel gar nicht lesen. Vielleicht werden die meisten das Buch gar nicht im Buchladen sehen. Nicht bei den Stapeltiteln und auch nicht versteckt im Regal mit der Wirtschaftsliteratur. Vielleicht werden auch Wirtschaftsstudenten es nicht in die Hand bekommen. Und deshalb auch nicht erfahren, warum fast alles in unserer Gesellschaft so falschläuft. Vielleicht taucht das Buch auch bei der Science Fiction auf. Aber da steht es falsch. Weiterlesen

Streitschrift zu einem gelähmten Land

Geht’s noch Deutschland? Claus Strunz will wissen, wer wir Deutschen wirklich sind

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Für alle LeserNatürlich geht es nicht ohne dicke Fragezeichen am Rand einiger Seiten im Buch ab. Überall dort, wo dem nicht mundfaulen Moderator die Pferde durchgehen, wo er zu stark in den zuweilen unerbittlichen, oft aber auch selbstgerechten Ton des Hauses Springer fällt. Weshalb er auch besonders gern „Bild“ und „Welt“ zitiert. Mit den Kollegen dort ist er nach wie vor auf einer Wellenlänge. Das ist nicht immer nur Geschmackssache. Weiterlesen

Doubles für die gefährlichen Szenen im Film

Jens Rübner holt die Stuntmen der DEFA-Filmfabrik aus dem Nebel des Vergessens

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Für alle LeserMit Jens Rübner lebt ein richtiger DEFA-Film-Verehrer in Leipzig, einer, der DEFA-Filme nicht nur als spätabendlich gesendetes Nostalgie-Bonbon für traurige Ostzonen-Bewohner goutiert, als Sehnsuchtsort für wehmütige Couchpotatoes. Dazu hat die DEFA in der Zeit ihres Bestehens zu viele zu gute Filme gedreht. Mit exzellenten Schauspielerinnen und Schauspielern. Und hochprofessionell bis hin zu jenen kühnen Männern, die im Abspann gar nicht erwähnt wurden. Weiterlesen

Das zweite Buch zum „Haus zum güldenen Heer“

Wie ein einmaliges Rokoko-Stadthaus nach einer amtlichen Kaputtsanierung gerettet wurde

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Für alle LeserSage niemand, es gäbe im Leben nicht genug Passionen, die einen so richtig ausfüllen können, ohne dass man seine wertvolle Zeit vor Fernseher, Smartphone und Ballerspielen verbringen muss. Für den Mathematiker Achim Ilchmann aus Erfurt war es ein Haus, das ihm ab 2004 zur Passion wurde. Ein ganz besonderes: das kleine Rokoko-Stadthaus „Zum güldenen Heer“. Über die Rokoko-Faszination hat er schon ein Buch geschrieben. Nun gibt es eins, das man zu anderen Häusern lange suchen kann. Weiterlesen

Gedichte gegen das Vergessen und das Nicht-Fühlen

Die Dinge, die ich vergaß: Utz Rachowskis Gedichte aus fünf Jahrzehnten

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Für alle LeserEigentlich geht es in Utz Rachowskis Gedichten um Dinge, die er nicht vergessen kann. Und die wir selbst auch nicht vergessen sollten. Aber wie soll das gehen, wenn keiner mehr Gedichte liest? Wenn eine Gesellschaft lieber vergisst und verklärt und deshalb nicht in der Lage ist, aus der Vergangenheit zu lernen? Dann entsteht so ein seltsames Land wie dieses Sachsen von heute. In einigen von Rachowskis neueren Gedichten wird das mehr als deutlich. Weiterlesen