Artikel zum Schlagwort Rezensionen

Dem Zeitgeist gründlich auf der Schliche

Das große Sonettarium: Buchpremiere für das Sonett-Lebenswerk des Leipziger Dichters Andreas Reimann

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 29. Oktober gibt es eine kleine, feine Buchpremiere im Café Maitre in der Südvorstadt. Dann stellt der Dichter Andreas Reimann den neuen Band aus seiner in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung erscheinenden Werkausgabe vor: „Das große Sonettarium“. Noch so einen Band, der einen daran erinnert, dass man Gedichtbände nicht wegen der Inhalte kauft, sondern wegen der Sprache. Denn einer wie Reimann weiß: Sprache ist ein Politikum. Weiterlesen

Raus aus der Denkfalle

Warum an die Zukunft denken? Wie falsche Geschichten in unserem Kopf uns zu Opfern unserer eigenen Ängste machen

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Für alle LeserNicht nur mir geht es so. Auch der Autor und Filmemacher Mario Sixtus wundert sich schon seit geraumer Zeit, warum in unserer Gesellschaft die Zukunftsbilder verschwunden sind. Es ist, als wäre vor uns nur noch eine undurchdringliche Wand. Und dahinter? Finstere Apokalypsen. Das war nicht immer so. Der 54-Jährige erinnert sich noch an eine Zeit, als unsere Zukunft bis in den Kosmos reichte. Weiterlesen

Ein Buch über die zum Himmel stinkenden Müllgeschäfte in Sauberland

Schwarz Rot Müll: Wie die Müllmafia in Deutschland arbeitet und wie die staatlichen Kontrollen systematisch versagen

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs gibt sie auch in Sachsen – mindestens 24 illegale Mülldeponien, auf denen ungenehmigter und oft genug hochgefährlicher Müll in riesigen Mengen in die Landschaft verkippt wurde. Darüber berichtete Michael Billig im Juli 2018 in der L-IZ. Dass er seither etwas weniger auf diesen Seiten berichtet hat, hat mit dem Buch zu tun, das er jetzt zur Frankfurter Buchmesse vorgelegt hat: das erste derart umfangreiche Buch über die deutsche Müllmafia. Weiterlesen

Wer sind wir wirklich, wenn wir uns trauen lebendig zu sein?

Wofür wir uns schämen: Ein Roman über Kindheitsmuster, falsche Rollen und den Mut zum eigenen Leben

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserManchmal braucht es ein paar Umwege bis zum ersten Roman – zum Beispiel über 20 Jahre Arbeit als Autor und Ghostwriter in Wirtschaft und Politik. Und dann vielleicht noch den Kontakt zu einer einzigartigen Lektorentruppe wie die des Leipziger Liesmich Verlages, den diese ambitionierten Leipziger ja extra gegründet haben, um verheißungsvolle Manuskripte tatsächlich zum Überraschungsbuch werden zu lassen. So auch Tomas Blums „Wofür wir uns schämen“. Weiterlesen

Nur ja nicht rational werden

Politischer Kitsch: Ein philosophischer Versuch, die Sehnsucht der Deutschen nach sentimentaler Scheinpolitik zu erklären

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Für alle LeserWir leben in seltsamen Zeiten. Das merkte nicht nur der hessische Philosoph und Journalist Alexander Grau, der mit seinem Buch „Hypermoral“ schon einmal versucht hat zu erfassen, warum in unserer Gesellschaft so eine riesige Lücke klafft zwischen Realität und politischer Geste. Mit „Politischer Kitsch“ versucht er das Phänomen von einer anderen Seite zu erfassen. Denn wo Rationalität verschwindet, regiert der moralische Kitsch. Weiterlesen

Eine ostdeutsche Stadt zwischen Verfall und einem Aufbruch voller Fragezeichen

Zwischenzeiten: Michael Kerstgens Fotos aus dem Mühlhausen des Jahres 1990

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Für alle LeserIrgendetwas ist da passiert, das die Menschen in Ostdeutschland völlig verändert hat seit jenem Jahr des Aufbruchs 1990, als sie die Tristesse eines erstarrten Landes hinter sich ließen, um mit einer erstaunlichen Grimmigkeit aufzubrechen in blühende Landschaften. Auch in der thüringischen Stadt Mühlhausen, die der aus Hessen stammende Fotograf Michael Kerstgen im Frühjahr 1990 besuchte und festhielt in eindrucksvollen Fotos. Weiterlesen

Bevor die Bomberverbände kamen

Das alte Leipzig in Farbe: Das noch unzerstörte Leipzig in den Farbfotografien des frühen 20. Jahrhunderts

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Für alle LeserNatürlich ist das Buch vergriffen: „Leipzig in Farbe. Frühe Farbfotografien 1937–1947“. Erschienen 2014 im Lehmstedt Verlag. Das erste Buch, das Leipzig in farbigen Fotoaufnahmen aus Privatarchiven in dieser Zeit zeigt, als der Farbfilm erstmals auch für Amateure erschwinglich war. Ein kleiner Ersatz ist jetzt im Wartberg Verlag erschienen. Der Sammeleifer von Henning Jost macht ihn möglich. Weiterlesen

Die Dämonen einer korrumpierten Zeit

Puschkins Erben: Ein burlesker Roman aus dem Zaporoschje der späten Breschnew-Ära

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Für alle LeserWer hätte nicht gern einen berühmten Vorfahren in seinem Stammbaum? Irgendein Genie, und seien es auch so ausgeflippte Typen wie Alexander Puschkin oder Ernest Hemingway. Auf den ersten Blick scheint es in diesem Buch darum zu gehen. Alles fängt mit Puschkin an und seinem Aufenthalt im Sommer 1820 in einem kleinen Nest am Dnepr mit dem Namen Zaporoschje, dem Verlust eines Rings und der vagen Vermutung einer intimen Begegnung. Weiterlesen

Was Goethe, Göschen, Kant und Breitkopf dazu zu sagen hatten

Verfasser – Verleger – Verträge: Bissige Kommentare aus der Frühzeit von Urheberrecht und modernem Verlegertum

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Für alle LeserWir leben ja wieder in Zeiten, in denen das Rauben geistigen Eigentums zum Sport geworden ist. Es wird kopiert und geklaut. Und um der Polizei keine Handhabe zu geben, mieten die Raubdrucker von heute ihre Server einfach im Ausland, genauso, wie auch die Raubdrucker zu Goethes Zeit agierten. Ein Thema, das natürlich anklingt, wenn Jürgen Weiß die Verleger-Autoren-Diskussion um das Jahr 1800 zum Buchinhalt macht. Weiterlesen

Mehr als nur Grafisches Viertel

Ostvorstadt: Ein Spaziergang durch 200 Jahre Leipziger Vorstadtgeschichte

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Für alle LeserVor acht Jahren hat Sabine Knopf den historischen Reiseführer „Buchstadt Leipzig“ vorgelegt. Der führt die Interessierten natürlich zuallererst durch das alte Grafische Viertel, wo bis zum Bombenhagel des 2. Weltkrieges die Leipziger Buch- und Verlagsbranche zu Hause war. Sie war also prädestiniert, auch einen Spazier-Führer durch die Leipziger Ostvorstadt zu schreiben. Aber: Ist das nicht dasselbe? Weiterlesen

Leipziger Zeitzeugen erzählen

1989. Die Wende in Leipzig: Ein Buch voller Erinnerungen an das turbulenteste Jahr der jüngeren deutschen Geschichte

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Für alle LeserEigentlich sind die beiden Leipzigerinnen eher Spezialistinnen für kriminelle Geschichten. Aber den 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution nahmen Ethel Scheffler und Sylke Tannhäuser jetzt zum Anlass, einmal ihren Bekanntenkreis zu erweitern und die verschiedensten Leipzigerinnen und Leipziger zu fragen, wie sie die Wende in Leipzig erlebt haben. Wende diesmal ohne Gänsefüßchen. Weiterlesen

Die schwarz-weißen Bilder einer galoppierenden Geschichte

Wende-Tage-Buch: Martin Naumanns Tagebuch aus dem großen Jahr der Revolution in seiner dritten Auflage

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Für alle LeserZu denen, die sich im Herbst 1989 selbst ermutigten, gehört auch der damalige LVZ-Fotograf Martin Naumann. Er fotografierte die Leipziger Ereignisse schon in den Tagen, als in der LVZ-Redaktion noch die Hardliner bestimmten und jede objektive Berichterstattung über die Proteste ablehnten. 1998 veröffentlichte Naumann zum ersten Mal seine Fotos aus dieser Zeit und Passagen aus seinem Tagebuch, sein „Wende-Tage-Buch“. Weiterlesen

Wie entstehen eigentlich Bilder, die uns wirklich berühren?

Kopfkino: Michael Hametner in 15 durchaus streitbaren Gesprächen mit dem Maler Hans Aichinger

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Für alle LeserReden macht klüger. Man lernt etwas dabei, wenn man sich darauf einlässt und die Gesprächspartner bereit sind, sich 15 Nachmittage abzuknapsen im Atelier. Seit 2013 erobert sich der alte Radiohase Michael Hametner in solchen Ateliergesprächen nach und nach die Welt der Malerei. Im Konkreten natürlich die Leipziger Malerei, denn es sind Leipziger Maler, die sich bislang „geopfert“ haben. Aber gerade deshalb geht es tatsächlich um des Pudels Kern. Diesmal mit Hans Aichinger. Weiterlesen

Systematisches Aufräumen mit einem Seeräubermythos

Die Wikinger: Die tatsächliche Welt der Händler, Bootsbauer und Staatengründer aus dem Norden

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWir leben in einer Welt der Mythen. Filme, Werbung, Fernsehserien – sie alle bedienen sich freizügig an den großen Ereignissen, Helden und Völkern des Geschichte. Besonders an heldenhaften Völkern, wie den Wikingern. Obwohl: Ein Volk waren die Wikinger nicht. Und die meisten Heldengeschichten, die da medial präsentiert werden, sind übertrieben, aufgeblasen und falsch. Wie fast alle unsere Mythen. Aber wer waren die Wikinger wirklich? Weiterlesen

Gesellschaftlicher Wandel beginnt im eigenen Kopf

Die Grenzen meines Denkens sind die Grenzen meiner Welt: Wie falsches Wirtschaftsdenken eine ganze Gesellschaft in die Sackgasse führt

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn seinem Buch „Rettet die Wirtschaft … vor sich selbst!“ hat der Wirtschaftspädagoge und Germanist Christian Mayer für ein anderes Wirtschaftsdenken plädiert, auch für eine andere Wirtschaftswissenschaft. Aber wie kommt man heraus aus den Denkfallen, die es scheinbar unmöglich machen, die katastrophale Zerstörung unserer Welt zu beenden? Denn es sind Denkfallen. Ganz bewusst konstruierte. Der Triumph einer „Wissenschaft“, die gar keine ist. Weiterlesen

Ein Reiseklassiker neu aufbereitet

Die Straße der Romanik: Mit eindrucksvollen Fotos durch die Welt der Ottonen

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIm vergangenen Jahr feierte die Straße der Romanik ihren 25. Geburtstag. Sie hat sich in dieser Zeit zu einer der bekanntesten Tourismus-Straßen in Deutschland entwickelt, auch weil sie mit eindrucksvollen Bauwerken der Romanik jenes Zeitalter lebendig macht, in dem sächsische Könige und Kaiser jenes Land formten, aus dem im Lauf der Zeit unser heutiges Deutschland wurde. Und das ausgerechnet in Sachen-Anhalt. Weiterlesen

Nora Gomringers Trilogie der Unsichtbarkeiten und Oberflächen

Monster Morbus Moden: Nora Gomringer erkundet die Urängste unserer Flucht ins ewige Kinderzimmer

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn den vergangenen Jahren erschienen sie hübsch stückweise im Verlag Voland & Quist: „Monster Poems“ 2013, „Morbus“ 2015 und „Moden“ 2017, alle drei Bände fantastisch beängstigend illustriert von Reimar Limmer. Jetzt hat der Verlag alle drei Teile in einen gemeinsamen, erfrischend lebendig gestalteten Band gepackt. Denn ums Leben geht es, ums ganz blanke, in einem Zeitalter voller Monster und morbider Ängste. Weiterlesen

Fußball-Literatur

Bestes deutsches Fußballbuch kommt aus Leipzig

Foto: Finn Kaefer

Für alle LeserDer Fußball in Leipzig ist wieder einmal bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Doch diesmal ist es irgendwie anders. Denn es geht weder um unglaublich brutale Ausschreitungen in unteren Ligen, noch um die Huldigung des unglaublich erfolgreichen marketinginduzierten Reißbrettfußballs. Es ist völlig verrückt. Es geht um ein BUCH! Ein unglaubliches Fußball-Buch. Das BESTE Fußball-Buch des Jahres. Weiterlesen

Noch einmal Lost Places in Mitteldeutschland

Verlassene Sanatorien, Kurhotels und Badeanstalten: Der traurige Charme einstiger Orte der Erholung

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWenn sich eine Landschaft so atemberaubend entleert wie große Teile Ostdeutschlands, dann hinterlässt das auch tausende dauerhaft leerstehender Gebäude. Das betrifft nicht nur die ausgeräumten Industrielandschaften. Das betrifft auch – wie der Chemnitzer Fotograf Christian Sünderwald in seinem ersten Band „Lost Places Mitteldeutschland“ zeigte – leerstehende Schlösser, Villen, Kulturhäuser und Ballsäle. Und auch Kranken- und Kurhäuser werden nicht verschont, wie dieser neue Fotoband zeigt. Weiterlesen

Am Ende war das Tempo des Westens nicht mehr zu halten

Computer in der DDR: René Meyer erzählt die durchaus beeindruckende Mikroelektronik-Geschichte des Ostens

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWer die heutigen Medienberichte zur DDR wahrnimmt, begegnet einem grauen, hoffnungslosen und abgewirtschafteten Land mit einer erstarrten Partei an der Spitze und einem muffigen Geheimdienst, der alles kontrollierte. Das trifft auch alles zu. Aber das Bild übertüncht auch jene Aspekte an der DDR, in denen das Land versuchte mitzuhalten im Rennen der modernen Nationen. Selbst auf dem Gebiet des Computerbaus. Weiterlesen