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Spinnereirundgang: maerzgalerie mit Doppelausstellung von Hans Aichinger und Steffen Junghans und auf dem Weg "Richtung Kunst"

Daniel Thalheim
Steffen junghans und Hans Aichinger sind mit einer Doppelausstellung wieder mit neuen Arbeiten da.
Steffen junghans und Hans Aichinger sind mit einer Doppelausstellung wieder mit neuen Arbeiten da.
Bild: Maerzgalerie
Wo andere "Richtung Kunst" gehen, sind sie schon längst da. Wenn Aichinger und Junghans aufeinander treffen, dann bahnt sich was Großes an. "wir sind was du sagst" heißt die Gemeinschaftsausstellung in der Leipziger maerzgalerie, die zusammen mit vielen anderen Galerien auf dem Leipziger Baumwollspinnereigelände am kommenden Wochenende zum Herbstrundgang einlädt.

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Bis kurz vor Weihnachten können die neuesten Werke von zwei Leipziger Kunstgrößen bewundert und auch gekauft werden. Wieder wird sich der bodenständige Künstler Hans Aichinger eine Gauloise anzünden, sich entspannt zurück lehnen und den Trubel um seine Bilder ruhig betrachten. Jener Aichinger, der schon 1987 sein Künstlerdiplom in der Tasche hatte und von Malerei leben konnte. Und noch vor dem Boom um die Baumwollspinnerei auf das Gelände zog, um sein Atelier mit Arbeiten zu füllen. 2010 ging es anlässlich der FIFA WM nach Südafrika - nicht wegen des Fußballs, eher wegen der Kunst. Nun lässt er sich mit neuen Arbeiten wieder in seiner Heimatstadt blicken.

Mit Werke von ihm gemeinsam werden neue Bilder von Steffen Junghans gezeigt, quasi ein Geistesverwandter Aichingers in Sachen Fotografie. In den letzten Jahren trat Junghans mit dem Zyklus "Kapitulation" in Erscheinung. Dass beide irgendwie im Ausdruck nur getrennt durch ihre verschiendenen Medien ähnlich vorgehen, will die Doppelaustellung vom 17. September bis 22. Dezember zeigen. Wo der eine nach fotografischen Vorlage mühevoll mit Öl Leben auf Leinwand bringt, inszeniert der andere mit Licht und analoger Fototechnik.

Hans Aichinger in seinem Atelier.
Hans Aichinger in seinem Atelier.
Foto: Daniel Thalheim

Was ist Abbildung oder Erzählung, Dokumentation oder Fiktion?, fragt nicht zu Unrecht die maerzgalerie im Vorfeld der kommenden Bilderschau. "Die Doppelschau mit Werken von Hans Aichinger und Steffen Junghans kann den Bereich der Berührung von künstlerischer Fotografie und realistisch gegenständlicher Malerei benennen, denn beide Künstler greifen zur Beweisführung in das Genre des anderen: Junghans vermag es, mit seinen Inszenierungen vor dem Objektiv Möglichkeiten von Wirklichkeit vorzuschlagen und die Verbindlichkeit des Abbildes aufzuheben. In Aichingers Werken werden die Figuren aus Schattenstufen modelliert, ihre Sichtbarkeit bestimmt das Gesetz des Lichts", heißt es von Pressesprecherin Tina Simon stellvertretend für die "maerzgaleristen" unter Leitung von Torsten Reiter.

"Aichinger malt keine Subjekte oder individuellen Psychogramme, er zeigt jeweils einen Zustand, einen Verfassung", so die Galerie zum Verständnis für Aichingers Malerei. "So stellt sich nicht die Frage: was ist das für ein Mensch, sondern eher die nach seiner Erscheinung in diesem Moment. Die äußeren Handlungen der Figuren, ohnehin nur angedeutet, dienen als Vorwand, sind Metapher für die innere Bewegung. Tätigkeit ist nur vorgeschoben, um die konzentrierte Ruhe zu schützen. So werden die auf den Bildern ausgestellten Szenerien zu Ersatz-Handlungen, zu 'Als-ob-Simulationen'." So wird Aichingers Malerei zu einer Versuchsanordnung: "In der Kunst ist alles spielerisch diffus, dominieren Form und Oberfläche“.

"Was ist abbildbar, was ist Fiktion?", fragt die maerzgalerie zu Jungshans' Werken, die schon weitab der gewöhnlichen Fotografie stehen. "Die Arbeit 'Kapitulation' versteht sich als Versuch, die Fotografie als möglichst unabhängigen und künstlerischen Akt zu feiern." hat der Künstler vor einem Jahr gegenüber der L-IZ zu seinen Arbeiten gesagt. "Ich habe mich gefragt, wo die Fotografie heute steht. Mir würde es gefallen, wenn man die Fotografie als Lichtbild, vielleicht ähnlich einer Malerei, verstehen und in diesem Kontext auch verhandeln würde." Dagegen fragt seine Galerie: "Wo wird gezeigt, wo erzählt? Mit Blick auf die Doppelschau gelingt hier die Frage nach der Art des Unterschieds zwischen ästhetisch künstlerischer Fotografie und fotorealistischer Malerei. Junghans’ Motive sind keine Wiedergabe von Realitäten und Inszenierungen, die die Abbildung von Realem vorgeben. Sie beschreiben Versuche einer Annäherung an Wirklichkeit und sie schlagen verschiedene Möglichkeiten vor, visuell vermittelte Gedanken und die Aussagefähigkeit der Bilder zu erproben."

Die Genres Malerei und Fotografie werden mit der Schau „wir sind was du sagst“ gegenüber gestellt. Laut Galerie vermögen die Arbeiten von Junghans und Aichinger "einerseits, den vorläufigen Endpunkt ihrer einhundert Jahre turbulenter Parallelexistenz zu markieren, zum anderen laden sie ein, die seltsame platonische Beziehung der Werke von Junghans und Aichinger zu beobachten."

Zudem kommen weitere Gegenpositionen im "[plus*] Bereich" hinzu, worin ergänzende oder kontrastierende Positionen parallel gezeigt werden. Ab 17. September wollen Kai Klahre und Sebastian Schrader Malerei vorstellen. Ab 25. November wird Claudia Rößger Gemälde und Zeichnungen vorstellen. Vor allem wird die Ausstellung "wir sind was du sagst“ beim kunterbunten Volksfesttrubel am Rundgangwochenende am 17. und 18. September ein angenehmer Ruhepol inmitten der "Richtung Kunst" sein.

Märzgalerie und Spinnerei Online
www.maerzgalerie.com
www.spinnerei.de
Richtung Kunst Programm
www.spinnerei.de/user_data/News_und_Termine/Richtung_Kunst_Ausstellungsprogramm.pdf


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