Investitionsstau auf der Karli: Park-Provisorium statt Baubeginn
Ralf Julke
10.09.2009
Parkplätze auf Zeit: Fahrbahnmarkierung in der nördlichen Karl-Liebknecht-Straße.
Foto: Ralf Julke
Es ist ein Kummerkind der Leipziger Verkehrspolitik: die nördliche Karl-Liebknecht-Straße samt dem Peterssteinweg bis zur Beethovenstraße. Schon seit über zehn Jahren schlummern die Pläne zum Straßenausbau in den Schubladen. „Die Sache beschäftigt mich praktisch jeden Tag", sagt Edeltraut Höfer.
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Nur kommt die Leiterin des Verkehrs- und Tiefbauamtes nicht weiter mit dem Projekt. Bundesdeutsche Förderrichtlinien machen eine Umsetzung der Straßenausbaupläne derzeit praktisch unmöglich. Das betrifft nicht nur den geplanten Ausbau der Stadtbahn in diesem Bereich. Aber hier wird die Misere besonders augenfällig. Und mittlerweile leidet der gesamte Verkehr unter dem Investitionsstau.
Radfahrer fluchen, Straßenbahnfahrer verzweifeln, Autofahrer gehen an die Decke – denn es gibt immer öfter Situationen, da geht auf diesem Straßenabschnitt fast nichts mehr. „Wir müssen dringend was tun", sagt die Leiterin des Verkehrsamtes.
„So geht das nicht mehr", sagen auch die LVB, deren Straßenbahnen der stark genutzten Linien 10 und 11 sich in Hauptverkehrszeiten nur noch im Schritttempo durch die Straße bewegen. Das hat nicht nur mit den Autokolonnen zu tun, die mittlerweile beide Straßenseiten zuparken, obwohl für das gesamte Straßenstück Parkverbot gilt, an besonders engen Stellen auch Halteverbot.
„Wir können doch nicht ständig abkassieren", sagt Edeltraut Höfer. "Natürlich brächte das Geld für die Stadtkasse. Aber hilfreich ist das nicht." Denn mit der Belebung des Straßenabschnitts durch Geschäfte und Dienstleistung, hat sich eingestellt, was eigentlich für florierende Geschäftsstraßen üblich ist: Man parkt natürlich vor dem Geschäft. Erst recht, wenn – wie in der Südvorstadt meist – auch die Seitenstraßen zugeparkt sind.
Soll 2010 eigentlich fertig sein: der komplette Stadtbahnausbau vom Leuschnerplatz bis Dölitz.
Karte: Stadt Leipzig
Das Ergebnis ist: Die Radfahrer, für die es hier keinen eigenen Radweg gibt, weichen auf die mittlere Fahrbahn aus, die nachfolgenden Fahrzeuge weichen auf die Gleise der Straßenbahn aus – und der Stau ist da. In den letzten Tagen hat die Stadt darauf reagiert – und die wilden Parkflächen durch dicke weiße Streifen in gültige Parkflächen verwandelt.
„Im Grunde ist das jetzt so, wie es auch nach dem Straßenbau einmal sein soll", erklärt Edeltraut Höfer. „Auch wenn ich einfach nicht weiß, wann wir endlich bauen können."
Denn zu einer Stadtbahntrasse ausbauen kann die Stadt die Strecke nur mit Fördermitteln. Fördergeldgeber gäbe in diesem Fall der Bund. Doch der knüpft – wie auch derzeit beim Straßenausbau in der Prager Straße – die Finanzzusage an Bedingungen. Und die sind bis auf Meter und Zentimeter genau vorgegeben. Und: Sie nehmen keine Rücksicht darauf, ob eine Straße durch historisch gewachsene Bebauung führt oder über einen Rübenacker in Friesland. Sechseinhalb Meter gehen für den separierten Gleiskörper drauf, die Fahrbahn hat eine Mindestbreite, der Radweg muss Mindestmaße bekommen, die Parktaschen müssen Platz finden – und der Rest ist dann Bürgersteig.
„Ohne Eingriffe in den Randbereich werden wir auch nicht auskommen", so Höfer. Das heißt: Der Radweg, der jetzt am Südplatz endet, wird dann über einen Streifen des jetzigen Fußweges geführt. Auch nicht ideal, gibt die Amtsleiterin zu, denn dadurch geht wieder wertvolle Stellfläche für Auslagen der Geschäfte verloren. Aber ohne die Einrichtung von Parkflächen könne man in diesem Straßenteil auch nicht agieren.
„Für den Peterssteinweg brauchen wir sowieso eine Sonderlösung", so Edeltraut Höfer. „Da wird es auch nicht klappen mit einem separaten Gleiskörper." Aber das wäre auch nicht notwendig, denn mittlerweile gäbe es intelligente Schaltsysteme, die man in die Fahrbahn integrieren könnte. Auch damit bekäme die Bahn die nötige freie Fahrt, die sie erst zur Stadtbahn macht.
„Wichtig ist", so Höfer, „dass wir vor allem die Knotenpunkte frei bekommen. Das sind die Hauptkonfliktpunkte, an denen der Verkehr ins Stocken gerät."
Der Handlungsdruck wächst im Grunde täglich, denn die LVB vermelden für den Gleisabschnitt schon längst Sanierungsbedarf. Mehrfach wurde das Projekt schon eingereicht und mit den Fördergeldgebern besprochen. Jedes Mal blieb es in der Schleife der amtlichen Anforderungen hängen. Doch anders als in der Prager Straße kann die Stadt hier kein Gebäude abreißen. Man muss mit den gewachsenen Straßenquerschnitten auskommen. Nur das geldgebende Ministerium kommt aus den alten Denkschleifen nicht heraus. Und so liegt ein Projekt auf Eis, das Leipzig eigentlich längst hätte anpacken wollen: Die Stadtbahntrasse vom Leuschnerplatz bis zur Stadtgrenze Markkleeberg soll eigentlich bis 2010 fertig sein. Kein Wunder, dass die Amtsleiterin verzweifelt: Die bürokratischen Rahmenbedingungen verhindern das.
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